Magdeburg, 26. Februar. Die Noth in der Stadt Sibönebeck. welche von der Uebelschwemmunq am härtesten betroffen wurde, ist sehr groß: Von den 700 Häusern des Ortes waren 600 mehr oder weniger unter Wasier gesetzt, viele sogar bis an das Dach von den Fluthen umgeben, so daß die Bewohner durch die Dach-Fenster das nackte Leben retten mußten. 30 Häuser sind eingestnrzt, viele andere total verwüstet. Die Obdachlosen sind einstweilen in Schulen, in der Kirche und im Rathhaus untergebracht. Don hier und der ganzen Nachbarschaft sind Liebesgaben zur Linderung der Noth gesendet, auch die Regierung und Privatvereine tragen ihr Möglichstes zur Unterstützung der Nothleidenden bei. Die Ueberschwemmung läßt jetzt allmählig nach, der verursachte Schaden ist noch gar nicht zu übersehen. In der „Magd. Ztg." wird ein Aufruf zur Hülfe veröffentlicht.
Hellerreich.
Wien, 25. Februar. Im Abgeordnetenhause überreichte der Justiz- Minister unter allgemeinem Beifall des Hauses den Entwurf zu einer neuen Civilproeeß-Ordnung, indem er denselben zugleich kurz beleuchtete. — Der „Volksfreund" meldet: Der neu ernannte Fürst.Erzbischof von Wien begibt
sich in der ersten Hälft« des Monats März auf kurze Zeit nach Rom.
Wien, 26. Februar. Seit gestern ist das Wafler erheblich gefallen,
so daß eine Gefahr für Wien kaum noch vorhanden ist.
Prag, 25. Februar. Die Nachgrabungen nach den Verunglückten im
Engerth-Schachte bei Kladno sind beendet. Im Ganzen sind 19 Personen tobt, 4 schwer und 3 leicht verwundet.
Pesth, 25. Februar. In der heutigen Sitzung der Deputirten-Kam m» erklärte der Minister-Präsident Tisza auf eine Interpellation des Abg. Helfy, daß Niemand das Recht Ungarns, -ine selbstständige Bank zu errichten, in Zweifel stelle; die Bank-Frage könne unter vielerlei Modalitäten gelöst werden ; mit der Schaffung einer Bank-Gesetzes sei jedoch noch nicht die Bank selbst geschaffen. „Wir aber wollen die Bank und nicht das Gesetz " Dar Haus nahm diese Antwort des Ministers zur Kenntniß. Hierauf gab Tisza auf eine Interpellation Simonyi's die Erklärung ab, die Regierung könne das Maximum ihrer Forderungen in der Zollfrage zur Zeit nicht bekanntgeben; bald werde das Haus Alles wissen und dann uriheilen können. — Die Reise der Minister nach Wien ist der Wassergefahr wegen wieder aufgeschoben. Ait- Osen ist überschwemmt, die meisten Gewölbe sind geschlossen. Auch die Stadt Waizen ist größtentheils überschwemmt.
Pesth, 26. Februar. Der Wasserstand der Donau beträgt gegenwärtig 24 Schuh 5 Zoll und ist in langsamem Abnehmen begriffen, bei sehr schwachem Eisgang. Es herrscht vollständige Geschäftslosigkeit.
Pesth, 26. Februar. Der Wasserstand der Donau hielt sich heute auf | 23 bis 24 Schuh. Die Gefahr hat jedoch insofern abgenommen, als wenig Eis von der oberen Donau-Gegend her zu befürchten ist. Der Abfluß des Wassers ist allerdings schwächer, weil unterhalb der Stadt der Eisstoß theil- weise feststeht. Die unteren Donau-Gegenden sind in großer Gefahr. Ofen und Alt-Ofen sind hart mitgenommen. In Pesth haben etwa 5000 Personen ihre Wohnungen verlassen müssen.
- Italien.
Rom, 25. Februar. Die Amtszeitung ertheilt ein königliches Decret, durch das die Kammersession geschlossen und das Parlament zu einer neuen Session auf den 6. März einberufen wird.
England.
London, 25. Februar, Abends. Die Bill, nach welcher das Hans der Lords jetzt die höchste Appell-Instanz bildet, passirte im Oberhause die zweite Lesung.
Spanien.
INadrid, 26. Februar. Es wird amtlich gemeldet: Acht Bataillone Carlisten haben, nach mehrfachen blutigen Gefechten, sich geweigert, auf die königlichen Truppen zu feuern. Nach einer Depesche des Generals Martinez Campos haben neun Bataillone carlistische Truppen unweit Pampelona sich ergeben. Aus Tolosa vom 25. d. Mts. wird gleichfalls gemeldet, daß die Carlisten zu Tausenden ihre Unterwerfung anbieten.
Aumänien.
Bukarest, 25. Februar. Der Finanz-Minister legte der Kammer einen Entwurf zur Gründung einer Börse in Bukarest vor.
Amerika.
Rew-Nork, 25. Februar. An Bord des zum Abgang bereit liegenden Hamburger Dampfers „Herder" entstand heute Feuer, welches jedoch alsbald wieder gelöscht wurde. Die Passagiere und Contanten sind wieder an>s Land gesetzt, die Ladung ist wenig beschädigt.
Lokal-Rotiz.
Gießen, 28 Febr. In Nachstehendem lassen wir die I a a c § o r b n u n a für die Sitzung der Stadtverordneten Donnerstag, den 2. März 1876, Nach, mittags 4 Uhr, im Rathhaussaale fi lgen:
1- Die Stiftung des Andreas Löber betr.
2. Einrichtung der neu n Realschule betr.
3. Gesuche um Befreiung von Schulgeld
4. Das Reinigen der öffentlichen Plätze. ~
5. Decretur von Gebühren des Todtengräbers Noll.
6 Gesuch deS Maurermeisters Philipp Jünger von Reiskirchen wegen Gestattung der Anlegung einer Abfahrt auf städtischem Eigenthum.
7. Baugesuch des Friedrich Jung von Klein-Linden.
8. Baugesuch des Philipp Stiehl zu ließen.
9 Baupesuch des Messerschmieds Adam Reinig zu Gießen.
10. Die Uebersicht über die wirklichen Einnahmen und Ausgaben der Realschule zu Gießen pro 1873.
11. Die Arbeiten für die städtische Wasserleitung betr
Vermischtes.
Leipzig, 21. Febr. Der gegenwärtige Eisgang auf der Elbe ist denn doch nicht ohne ein größeres Unglück oorüberaegangen. Die neugebaute Eisenbahnbrücke bei Riera nt dem entfesselten Element zum Opfer gefallen und die Leipzig-Dresdener Eisen- bahngc .Uschaft dadurch von einem Unfall betroffen worden, wie er in solcher Schwere seit rem Bestehen der Gesellschaft wohl sich noch nicht ei eignet hatte. Es war eint ücke neuerer Conftruktion, und zwar eine Eisengitterbrücke mit großer Spannweite, wie sie in ähnlicher Weise bei Meißen über die Elbe führt. Das Eisengerüste bestand aus drei untereinander nicht zusammenhängenden Theilen, von denen zwei für ben Eisenbahnverkehr, die dritte für den V rkehr der Fußgänger und Wagen dient. Dieser letztere Theil war stromaufwärts gen Riesa zugekehrt. Das Ganze ruhte in der Hauptsache auf zwei großen Pfeilern, die an dem stromaufwärts gelegenen Ende oorgeschuht sind Das Gesammtgewicht des Eisenwerks betrug gegen 80,000 Centner. Man glaubte, die Brücke sei auf eine lange, lange Reihe von Jahren hinaus gesichert und man war stolz auf diese Schöpfung von Menschenhänden. In kühnen Bogen führte sie über ben Elbftrom hinweg und ihr Aeußeres war außerdem recht wohlgefällig. Am Samstag Abend gegen 9 Uhr stand im Bahnhofe zu Riesa ein Personenzug zur Abfahrt nach Dresden bereit, als mit einem Male von der Gegend der Brücke her ein großes, knarrendes Geräusch gehört wurde. Im nächsten Augenblick kam auch schon ein Wärter gesprungen und schrie: „Die Brücke ist eingestürzt." Alles eilte an den Uferrand, und man sah, so weit es in der Dunkelheit erkennbar war, daß allerdings die rechte Seit« der Brücke, derjenige Theil, welcher den Fußgängern und dem Wagenoerkchr diente, fehlte und in den Strom hinabgestürzt sein mußte. Sofort wurde natürlich die Brück abgesperrt und jeder Verkehr in der Richtung nach Dresden eingestellt. Heber ben wirklichen Umfang der Beschädigungen konnte man in der Nacht noch keine Gewißheit empfangen. Nach Leipzig wurden ohne Verzug die nötbigen Nachrichten gegeben, desgleichen auf Umwegen nach Dresden, damit die Nacht'Schnell- und Personenzüge von dort nicht abgelassen würden. Eine überaus glückliche Fügung hatte cs gewollt, baj die Katastrophe erfolgte, noch ehe der bereit stehende Personenzug die Brücke erreichst Allem Vcrmuthen nach würde, wenn die schwer Last d-s Zuges auf die Pfeiler gerückt hätte, der Einsturz sofort größeren Umfang gewonnen haben, und ob bann bei Zug noch ungefährdet über die Brücke hinweggekommcn wäre, bas erscheint mtnbefteni sehr fraglich. Am Sonntag Morgen ließ sich endlich der angerichtete Schaben in seiner ganzen Ausdehnung übersehen. Und er war Uiber groß genug, größer als man geglaubt hatte. Der Landpfeiler auf der linken ^tromieite war zum großen Theil ein; gcstürzt und in Folge dessen der darauf ruhende Theil der Eisenbrücke, also die Brück für den Fußgänger- und Wagenverkehr, in das Wasser hinabgefallen. Die ganzes Meter lange Eisenconflruction ragte fammt der ebenfalls zerstörten Telegraphenleitung stückweise aus ben Wellen hervor. Die dem eigentlichen Eisenbahn-Verkehr bienenbeo Theile der Eisenbrücke waren erhalten, da der Rest des Pfeilers noch genügende Stütz- kraft bot. Aber das Mittelstück des Eisengerüstes war auch bereits 15 Zentimeter au! dem Loth gegangen und stand etwas zur Seite geneigt. Fiel der Pfeiler vollends, st war dann auch das Schicksal der bis dahin erhaltenen Theile der Eisenbrücke befiegelt Bis Sonntag Nachmittag 5 Uhr hatte der Rest des Pfeilers sich erhalten. Die Katastrophe hatte gestern viele Tausende von Zuschauern an die Unglücksstätte gelockt.
Dresden, 14. Febr. Ein Leben für einen Thaler gewagt und verloren! St konnte man, schreiben die „Dresd. Nachr.", vorgestern Nachmittag auf der hiesiger Augustusbrücke ausrufen. Es ging zu dieser Zeit ein Herr über die letztere, als ihn vom Winde fein Cylmder über das Geländer auf das Eis des Stromes entführt wurde. Unmutbifl blickte der Mann in die Tiefe und vermaß sich, denjenigen, roeldifl ihm den Hut wiederbringen würde, mit einem Thaler zu belohnen. Da erbietet sich ein Soldat zum Wagniß; er eilt durch das Blockhausgäßchen und geht auf dem Eil hin, um den Hut zu erreichen. Plötzlich aber bricht der Kühne, noch ziemlich fern doi Gegenstände seines Strebens, durch das EiS. Muthig hält er sich an dem Rande se und strengt alle seine Kräfte an, um sich aus dem Wasser auf das feste Eis empor ]i arbeiten. Es ertönt sein Hülferuf, doch vergebens, fein Netter naht, und endlich va- laffen ben armen Jüngling die Kräfte. Er sinkt unter, um niemals wieder in t- Augen der ©einigen zu blicken. Gestern Nachmittag ist der Leichnam in der Nähe bc Einbrucksstelle von Fischern aufgefunden und aus dem Wasser gezogen worden. Mr brachte den Leichnam ins Militä-Hospital.
Die Frömmigkeit der Dresdener. Im „Neuen Blatt" finden wir eint recht hübsche Skizze über Elbflorenz, der wir folgende Stelle entnehmen: . . . „Es iü ordentlich Mode geworden, selbst in Bürgerkreisen, die nicht mit Hofpredigern verwand sind, den kirchlichen Sinn zu betonen. Hier ein bezeichnendes Beispiel: Einer uniert begüterten Frommen hat sich ein stattliches Haus gebaut, mit der Inschrift über brt Thür in großen weit sichtbaren Buchstaben: „Kommet her zu mir, die ihr müh sch und beladen seid, ich will euch erquicken!" An der Thürklingel aber steht zu leien! „Das Betteln ist verboten. Der Hund beißt."
Southampton, 26. Febr. Das Postdampfschiff deS Nordd. Lloyd „Fran!- furt", Capt- F. v. Bülow, welches am 6. ds. von New' Orleans und am 10. ds. ooi Havana abgegangen war, ist gestern halb 6 Uhr Nachmittags wohlbehalten hier an#1 kommen und hat heute früh die Reise nach Bremen fortgesetzt.
Allgemeiner Anzeiger.
Müdere Bekanntmachungen.
In unserem Firmen-Register ist heute folgender Eintrag vollzogen worden:
Ottilie, geborne Pauly, Ehefrau des Lehrers Heinrich Schmidt zu Gießen und deren Schwester WilhelminePauly von Battenberg, wohnhaft zu Gießen, betreiben dahier seit 26 November v.J. unter der Firma W. Pauly & O. Schmidt für gemeinschaftliche Rechnung ein kaufmännisches Geschäft.
Gießen, den 25. Februar 1876.
Großherzogliches Stadtgericht Gießen.
In Verh. des Stadtrichters:
Oppermann. (946
Oberhessische Eisenbahnen. Bekanntmachung,
Hessisch - Rheinisch - Westfälischen Verband betreffend.
Zu dem Gütertarif vom 1. Mai 1872 für rubr. Verband ist der 18. Nachtrag erschienen, welcher am 1. k. M. in Kraft tritt und bet unserer Drucksachenverwalttmg zu 10 Pfg. käuflich zu haben ist
Derselbe enthält u. A. die Ermäßigung des Zuschlages fürNoheisen resp. Ausnahme Sätze für Roheisen, sowie eine Ermäßigung für rohe Steine aller Art und Steinschrotten zwischen Stationen der Main-Weser- und Oberhessischen Bahnen. (958
Gießen, den 25 Februar 1876.
Die Direction.
Bekanntmachung.
936) Wegen Chaussirung einer Strecke Wegs an dem Vicinalweg von Burkhardsfelden nach Oppenrod, ist der Vicinolw-'g vom 29. Februar bis zum 14. März l. I. für Fuhrwerk unfahrbar und deßhalb abgesperrt, und muß während dieser Zeit der Verkehr mit Fuhrwerk von der Staats straße über Reiskirchen nach Burkhardsfelden, und von Burkhardsfelden nach Reiskirchen zur Staatsstraße genommen werden, welches hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.
Burkhardsielden, am 25. Februar 1876.
Großh. Bürgermeisterei Burkhardsfelden. Alb ach.
Wersteigerungen.
917) Dienstag ben 11. April, Nachmittags 2 Uhr,
sollen auf dahiesigem Nathhaus die Jmirk bitten des Jacob Vogt meistbietend st? ft-igert werden: Flur Nr Klaft.
4/8g 243 Acker, stößt auf den Wit'
rnarerweg,
22/38 288 Acker am Schlangenzahl oll'
die Chaussee,
M/i93 562 Ackcr auf ben Schwarzcacl,
25/'58U-59,3 529 Acker vor dem Weiher, 25/t26 4 1 0 Acker zwischen dem Aul- il
Leihgesterner Weg,
32/58 778 Wiese bei der RothenhE
schen Wiese,
M/ii8 156 Acker in den Rödern,
116
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Dachlatten bar.
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