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Mo. 50. Dienstag, den 29. Februar. S8V6.
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Das Ende des Carlistenkrieges.
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Wenn hinten weit in der Türkei die Völker auf einander schlagen, so sind das im Wandel der Zeiten heute so ereignißschwangere Vorgänge geworden, daß wir ihnen ein Interesse entgegentragen, welches die Wirren auf der südwestlichen Halbinsel des Wclttheils uns im Allgemeinen nicht mehr abzugewinnen vermögen. Spanien nut seiner durch die Mißwirtschaft der Regenten und der Pfaffen liesherabgekommenen, langsamer Regeneration bedürftigen Bevölkerung liegt uns im Großen und Ganzen ferner als je. Es bedarf des Eintrittes eines entscheidenden und scharf hervorstechenden Wendepunktes in der Geschichte dieses Landes, um ihm die allgemeinere Aufmerksamkeit und Theil- nahme zuzuwenden. Ein solches Ereigniß ist nun gerade jetzt im Vollzüge begriffen und es erscheint doppelt bedeutsam, weil an demselben alle Welt und nicht zuletzt Deutschland in gewisser Beziehung profitiren.
Don Carlos soll sich nach einer telegraphischen Mittheilung verkleidet nach Pau geflüchtet haben. Diese Duldung bedarf vielleicht noch der Bestätigung. Aber ob der fürstliche Abenteurer sich schon auf französischem Gebier oder noch bei dem zusammengeschmolzenen Rest seiner Truppen befindet, das bleibt ziemlich gleich. Seine Rolle ist ausgespielt. Mit dem Fall von Estella — dem festen Bollwerk in Navarra, das auch vor mehr als einem Menschen- 'alter in dem ersten großen Carlistenkriege daS Object des letzten Kampfes war
Geiste. Jeder andere Fürst wird sich selbst oder seinen Kindern den Thron rauben. Die gut monarchisch gesinnten Spanier, welche zudem, Dank der Mißerziehung von Jahrhunderten, eine starke Dosis ultramontanen Wesens vertragen können, haben gezeigt, daß sie dennoch einem Don Carlos den Sohn Jsabellen's vorziehen, der ihnen wenigstens eine Art constitutionellen Regimes und die Möglichkeit geistiger Regeneration bietet. Die clericale Partei aller Länder hat den Carlismus mit Wort und Thar unterstützt; nirgends vielleicht indessen indenti- ficirte sie sich mit der Sache des Prätendenten so schlechthin, wie bei uns in Deutschland. Das leitende, nlrramontane Blatt, die „Germania", insbesondere führte bis in die jüngste Zeit eine Sprache, als ob der kirchenpolitische Kampf nicht in der Leipziger und Wilhelmsstraße zu Berlin, sondern am Ebro ent- ichieden würde, als ob der Sieg des Ton Carlos unzweifelhaft wäre und solchem Siege der Triumph Roms auf dem Erdball, vor Allem aber im verhaßten Deutschland folgen müßte. Die „Germania" ist mit ihrem felsenfesten Glauben zu Schanden geworden und man darf daraus vielleicht den indirecten Schluß ziehen, daß auch die hochtönenden Worte desselben Blattes von der Macht und dem Einflüsse, über welchen der Ultramontanismus noch in Deutschland gebiete, nicht allzugenau zu nehmen sind. Rom wird nicht wieder die Welt, wird nicht Deutschland erobern^ wo es selbst im gutkatholischen Spanien besiegt worden ist.
Morgen findet die erste Lesung der General-Synodal-Örd-
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t ultramontane Farce zu bedeuten. Aber im Hochsommer 1873 schon, nachdem die Carlisten Estella genommen, der Marschall Concha gefallen und die Regie-
-ürdiger Monarch sei, welcher sich beseelt zeige von strengster Pflichterfüllung Der Damm ist völlig überschwemmt. Die angestellten Sprengversnche an der Wb einem der Entwickelung seines Volkes voraneilenden, nicht nachhinkenden Eisversetzung vor der Oberbrücke waren bisher noch erfolglos.
Welt Europas unb vor Allem die Ultramontanen die Partei des Don Carlos nahmen- Lange Zeit schien es nichts Anderes, als eben eine legitimistisch-
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Berlin, 25. Februar. Graf Harry v. Arnim hatte sich, wie die „Dresd. Nachr." erfahren, in tiefstem Geheimniß von Florenz nach Berlin begeben, um seinen, wie er fürchtete, todtkranken Sohn noch einmal zu sehen. Man ver- muthet, daß die Bitte des Grafen Arnim um einen Geleitsbrief nach den bestehenden Gesetzen nicht gewährt werden konnte, daß aber die Polizei Ordre erhalten hat, den Aufenthalt Arnim's zu ignoriren. Der Graf ist übrigens bereits von Berlin abgereist und hat die frohe Hoffnung mitgenommen, daß sein Sohn nicht mehr in Lebensgefahr sich befindet.
— Der Bischof von Münster ist am Sonnabend vor den kirchlichen Disciplinargerichtshof geladen worden, von welchem am 8. März das auf Absetzung gerichtete Verfahren zum Abschluß gelangen soll. Die Anklageschrift und die Vorladung wurden an die Thür des bischöflichen Palastes angenagelt, da sich der Prälat bekanntlich auf Reisen befindet.
Berlin, 26. Februar. Infolge der wiederholt in der englischen Presse aufgetauchten Gerüchte, daß coculus indicus, eine gifthaltige in der Pharmacie gebrauchte Pflanze, zum Brauen des Bieres benutzt werde, hatte die englische Regierung amtliche Untersuchungen anstellen lassen, deren Ergebnisse in einem gedruckten Berichte der chemischen Abtheilung des britischen Zollamts vorliegen. Wir entnehmen demselben, daß trotz eingehendster Recherchen keine Vorräthe von coculus indicus in den Brauereien gefunden worden sind und auch bei Untersuchung des Bieres keine Spur dieser Pflanze sich ergeben hat. Da bedeutende Quantitäten von coculus indicus nach England importirt werden, hat man sich nach dem Verbleib erkundigt und gesunden, daß dieselben mit geringen Ausnahmen, welche man zur Tödtung von Ungeziefer verwendet, nach
Deutschland.
Darmstadt, 26. Februar. Die Nr. 10 des Großherzoglichen Regierungsblatts hat folgenden Inhalt:
1. Bekanntmachung Großherzoglichen Gesammtministeriums, Abänderungen und Ergänzungen Der Telegraphen - Ordnung für das Deutsche Reich vom 21. Juni 1872 betreffend.
2. Uebersicht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern für das Jahr 1876 zur Bestreitung der Communal-Bedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Offenbach genehmigten Umlagen.
Berlin, 25. Februar. Das Abgeordnetenhaus erledigte die zweite Lesung der übrigen Positionen des Etats des Ministeriums des Innern, die unverkürzt bewillig: wurden, desgleichen den Etat des Handels-Ministers. Die Positionen über die Baugewerbe-Akademie, die polytechnische Schule und die Gewerbe-Schulen wurden zu iveitcTer Vorprüfung an die Budget-Commission
Platz nach dem anderen gewinnt und bereits in Vera einmarschirt ist. Zugleich hatte der General Blanco die Befestigungen Der Carlisten bei Pen na Plata, einige Kilometer östlich von Vera und dicht am französischen Gebiete, erobert und alsdann Penna Plata selbst genommen. Somit ist auch der Norden Na- . varras in der Gewalt der Regierungs-Truppen und die französische Grenze gesperrt. Um den Zirkel zu vollenden, rücken auf der Straße nach Tolosa die ^Truppen der Generale Quesada und Loma an, während Moriones vom Nor
den bis über Andoain vorgedrungen ist.
Mau sieht, der letzte Act des Earlistenkrieges ist so gut wie ausgespielt, und, was übrig bleibt, ist allein der Epilog. Vier runde Jahre seit Ostern 1872 hat dieser Bürgerkrieg gedauert, in welchem die gesummte legitimistische
Ikin.
Deutschland verkauft wurden. Demgegenüber dürfte es wohl angebracht sein, auch von Reichsweqeil über die Verwendung der Pflanze Rechercheii anzustellen.
Glogau, 25. Februar. Seit heute Vormittag heftiger Eisgang. Tie
Oberbrücke schwebt in größter Gefahr. Der Wasserstand beträgt 15 Fuß 7 Zoll.
Iistürzt und neue errichtet — eine ständige Herrschaft ausgeübt hat und as daher im Grunde erst eine Erfindung der modernen Zeit ist, hat mit em Ausgange der carlistischcn Unternehmung einen neuen Stoß erhalten, »richrich II. hat in seinem Autimacchiavell mit dem ganzen Adel seines Geistei _nb mit der vollen Schärfe des Staatsmannes es dargelegt, daß nur der ein
— sanken ihm, nomen et omen, Stern und Hoffnung. Die gejammte car- tnflf aus Ta? Streitmacht des Prätendenten ist jetzt, abgesehen von einigen verspreng- V -p’’ . tm Abheilungen, auf einen Raum zusammengedrängt, welcher einen Flächeninhalt nndet Montag, etu)a |n (gr^e des Herzogthums Lauenburg umfaßt. Der eiserne Gürtel der Heimkarten fön? Regierungs-Truppen schließt sich enger und enger. Von der einen Seite rückt . (»fj fvrrn Schülp die Armee heran, welche unter Martinez Campos bestimmt ist, den Carlisten bie Grenze und den Uebertritt nach Frankreich abzuschneidcu, welche einen festen
nmgs-Truppen eine Niederlage nach der anderen erlitten, als ganz Navarra in bie Hände des Don Carlos fiel und sich die fanatischen Basken um ihn sam- imellen, als der feudale Adel Mittel-Europas seine Söhne und sein Geld für bie „Jtee" hinzugeben anfingen und die Jesuiten mit Hochdruck für dieselbe arbeiteten, da wollte es eine Zeit lang scheinen, daß es der scharf zusammenge- saßten Carlistenmacht gelingen werde, bis in das fast herrenlose Madrid vorzudringen und über dos unglückliche Land die Tage einer einsichtslosen Tyrannei unb einer fanatischen Glanbensinquisition wieder herauf zu beschwören Im Latican, in Frankreich und im Centrum des deutschen Reichstages begrüßte mau bereits die neue „vielversprechende Aera", als durch eine ganz intirecte Intervention Deutschlands der Wendepunkt im Verlaufe des spanischen Bürger- kneges herbeigeführt wurde. Tie völkerrechtswidrige Erschießung des deutschen Hauptmanns Schmidt durch die Carlisten gab den äußeren Anlaß zur Auer lknnung der Republik des Marschalls Serrano Durch die Mächte und von diesem Augenblicke datirt der Rückgang des Carlismus, dessen Sturz heute besiegelt ist.
Jenes ausgedehnte Legitimitätsprincip, das in der ganzen Vorgeschichte der Völker und Staaten zu keiner Periode — denn immer wurden Throne
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