Ausgabe 
29.1.1876
 
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Vermischtes.

Dieburg, 26. Im. Ein frecher Diebstahl wurde am Sonntag Abend tn der Behausung deS SchuymacherineisterS Sebastian Müth dahier verübt. Demselben wurde nämlich, während er von Hause abwärts war, seine Frau dagegen im ersten Stockwerk schlief, au8 seiner parterre gelegenen Küche ein erst kürzlich geschlachtete-, frisch eingepöckelteL Schwein vollständig, ohne eine Spur zurückiulassen, .fortgeholt. Aus bem Umstande, daß die Diebe eine Zett gewählt, in der sie wußten, ungestört operiren zu können, läßt sich schließen, daß man e4 hier mit Personen zu thun hat, welche mit den Verhältnissen der Müth'schen Eheleute genau vertiaut waren.

In Würzburg soll sich ein Damenverein gebildet haben, welcher sich die Durchführung größerer Einfachheit in der Kleidung zur Aufgabe gemacht hat- (Wäre sehr schön, aber kaum glaublich!)

Die Theater Agentur de- Herrn Ferdinand Röder in Berlin hat, nach dessen eigener Publikation, im letzten Jahre einen Nettogewinn von 162,000 M. abgeworfen. Die Schauspieler und dramatischen Autoren mögen daraus ersehen, wie große Summen sie ersparren könnten, wenn sie mit Hülfe der Genoss nlchasts-Agentur ihre Vermitt­lungsgeschäfte selber besorgten.

(Zur Sprachreinigung.) DaS Beispiel deS preußischen GeneralpostiüeisterS, die deutsche Sprache von allem fremden Ballast zu säubern, trägt bereits seine er­freulichen Früchte. So sagt man jetzt z. B. statt:Geben Sic mir eine Prise auf Ihrer SchnuftabakSdose" »Geben Sie mir eine Zweifingerspitznahme au- Ihrer GestchtsvorsprungSrcizkrautstaubdschachtel 1*

Am 17. Januar, als am Festtage deS heiligen Antonius, hat in Rom, wie es daselbst schon seit Jahrhunderten Gebrauch ist, die Einsegnung aller in der Ewigen Stadt lebenden Zug- und Lastthiere begonnen, und haben sich Heuer am ersten Tage diese Einsegnung dauert immer volle sechs Tage, vom 17. bis zum 23. Januar wie die Römischen Blätter eS besonders heroorheben, kaum hundert Pferde, Efel und Maulesel zu der Ceremonie eingefunden. Sogar die prachtvollen Hengste und Rappen der Cardinäle schwänzten in diesem Jahre diese Feier und zogen c5 vor, zu Hause bei der vollen Krippe zu bleiben Uebrigens ist eS möglich, daß sich letztere noch während der folgenden fünf Tage zur Einsegnung einfinden werden; aber im nerhin haben sie an dem Rufe ihrer Frömmigkeit schon viel eingebüßt, da bet dieser Feier der erste Tag zugleich auch als der heilig,te gilt, lieber diese Feier selbst berichten römische Blätter Folgende«: Am Festtage des beiligen Antonius werden alle Pferde, Esel und Maulesel der ewigen Stadt vor die Kirche Sant' Antonio (dieselbe war früher ein Diana-Tempel) geführt, deren Thüren heute weit offen stehen und deren großer Altar wegen der Menge der auf ihm brennenden Kerzen einer leuchtenden Capelle gleicht. An der EingangSthür steht nun der Priester, mit dem Weihwedel in der Hand, und besprengt damit alle anwesenden Thiere, die in Procession an ihm vorübergeführt werden. Natürlich sind alle diese Thiere heute ru Ehren des Tage» besonders aufge- putzt, und mancher Esel, der da« ganze Jahr hindurch sehr einfach gekleidet geht, er­scheint heute mit Bändern und anderem Tand geschmückt. Besonders aufgeputzt er­scheinen die Pferde der Cardinäle, die zugleich auch mit den von Gold strotzenden Carossen dieser hohen Kirchenfürsten zur Kirche fahren.

(Der Geistliche legt seine »echte Hand auf die HLude der ju Trauenden 1 U"b *PT$ßeit ihr"denn einander feierlich eheliche Liebe und Treue gelobt habt, i» bestätige ich, al« ein verordneter Diener der christlichen Kirche, hiermit euren Bund als einer nach christlicher Ordnung geschlossene, unauflösliche Der- binduna im Namen Gottes , des Vater« , des «vohne« und des heiligen Geistes.

Was Gott zusammengesügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden."

Für anderweite, dem im Eingang diese« Paragraphen stehenden Grund­satz entsprechende nöthige »endernngen in den Trauung«>Formularien haben die Geistlichen Sorge ,u tragen^

r H. Vorstehendes Gesetz tritt mit dem 1. Januar 1876 in Kraft.

Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedrückten Großher- zoglichcn Siegels.

Darmstadt, den 24. Decembcr 1875.

Ludwig.

Kritzler.

Bemerk. Die Dispensationen werden kestenfrei ertheilt.

Darmstadt, 27. Januar. Se. Großh. Hoheit der Prinz Alexander sind heute früh zum Besuche der Kaiserlich Russischen Majestäten nach St. Pe< tersburg abaereift.

Darmstadt, 27. Januar. DaS Bezirks-Strafgericht verurthetlte nach dem heute veröffentlichten Erkenntniß den flüchtige-' niederländischen Major a. D- Steck wegen Werbung zu holländisch ostindischen Militär-Diensten zu acht Mo­naten Gefängniß, den Mitangeklagten Schwarz von hier wegen Beihülfe zu vier Monaten Gefängniß.

Berlin, 26. Januar. Für die bevorstehende Entlassung des Grafen LcdochowSki aus dem Gerichtsgesängniß zu Ostrowo werden, nach derPosen. Leitung" bereits Ovationen von mancherlei Art vorbereitet. Die polnischen Kinder der katholischen Schule sollen auf dem Wege vom Gefängniß nach der benachbarten Kirche, wohin sich der Cardinal nach seiner Entlassung muthmaß- lich begeben wird, Blumen streuen, und der katholische Gesellenverein, welcher sich während der zweijährigen Gefängnißhaft des Grafen aller Vergnügungen enthalten hat, beabsichtigt, bald nach der Entlastung destelben, dieses freudige Ereigniß durch einen Ball zu feiern.

__ An Stelle des verstorbenen Geh. Medicinalraths Prof. Dr. Martin ist Prof. Schröder in Erlangen an die hiesige Universität berufen und hat den

Schweden.

Stockholm, 27. Januar. In der zweiten Kammer wurde von dem Justizminister auf eine an denselben gerichtete Interpellation ausdrücklich aner­kannt, daß das principielle Beschlußrecht über die ordentlichen Staatsausgaben dem Reichstage zustehe; ohne Mißbrauch seiner Macht könne jedoch der Reichs­tag keine Ausgabe verweigern, die im Grund-Gesetz wurzele.

Pari-, 25. Januar. Die Eröffnung der katholischen Universität in Paris bietet dem Cardinal-Erzbischof Gelegenheit, die Gläubigen fortwährend in Athem zu halten: man kann jetzt Alles gebrauchen, wissenschaftliche Samm­lungen, Bücher u. f. w., und die Opfer werden regelmäßig vom Cardinal ver­kündigt, da derselbees sich zur Pflicht gemacht hat, bekannten und unbekannten Wohlthätern öffentlich Dank zu sagen."

Paris, 26. Januar, Nachts. In der heutigen Versammlung der Dele- girten für die Senatorenwahlen im Departement der Seine wurden die Can- didaten über verschiedene Fragen, besonders über die Amnestie-Frage/zur Aeußerung veranlaßt. Es stellte sich über diese und andere Fragen eine Mei­nungsverschiedenheit zwischen den Intransigenten und dem linken Centrum heraus, daß man nicht zum Beschluß über eine Candidatenliste gelangte.

Rumänien.

Bukarest, 26. Januar. Sämmtliche rumänische Minister sind vom Kaiser von Oesterreich aus noch unbekanntem Anlaß mit hohen Orden ausge­zeichnet worden. Der diplomatische Agent Rumäniens in Wien, Costaforu, erhielt den Orden der eisernen Krone erster Klaffe, man glaubt wegen der Bemühungen um die Aufrechterhaltung der Neutralität Rumäniens.

der bei Hause- und ihre Verlobten können sich aber bei der bürgerlichen Trau­ung durch einen Bevollmächtigten vertreten lasten. Durch Mittheilung Seitens des Ministers des Gr. Hauses, welcher die Aufsicht über die StandeSbeamtung für die Großh. Familie führt, erhält der Standesbeamte speciell auch von den Ehevorhaben und der zum Abschluß nöthigen Einwilligung des Großherzogs Kenntniß. Eines Aufgebots bedarf es nicht.

Hesterreich.

Wien, 25. Januar. Der Handels - Minister hat heute die Eisenbahn­vorlagen, betreffend den Bau der Linien Bozen-Meran und Tarvis-Ponteba und die Vollendung und Inbetriebsetzung der Linie Falkenau-Graslitz, sowie eine Aenderung in dem Bauproject für die Linie Klattau- Eisenstein im Unterhause eingebracht Das Haus begann sodann die Berathung des Antrages auf Auf­hebung der Collegiengelder. (Gegen diesen Antrag gibt sich in der Wiener Studentenschaft ein starker Widerwille kund, und eine kürzlich abgehaltene Studentenversammlung hat an das Abgeordnetenhaus eine Petition um Beibe­haltung des Collegiengeldes ergehen lasten. Seine Aufhebung gefährde die Unabhängigkeit der Profestoren und ihrer Lehre und verdränge, wie schon Kaiser Joseph mit staatsmännischem Blick erkannt habe, ans der Universität alle stre­benden Lehrer-. Kein Student werde neben seinem Schulgeld noch ein Colle- giengeld an einen Privatdocenten zahlen, wie dies von der Commission in Aussicht genommen worden ; die Privatdocenten würden nicht fortbestehen können. Die Geschichte der Universität vom 17. Jahrhundert bis 1848 fordere gebie­terisch das Festhalten an der Solidarität der Interessen von Lehrer und Schüler. Die Vorwürfe gegen das Collezieugeld aber seien zumeist keine Folge destelben und würden nicht nach Aufhebung verschwinden, wie z. B. die größere Leichtig­keit der Prüfung für diejenigen, die der Vorlesung des Examinators gefolgt sind, oder die schlechtere Entlohnung des Sanskrit-Professors im Vergleich mit dem Pandektisten. Vor Allem wisse man aber sehr wohl, daß Niemand in leitenden Kreisen daran denke, das Universitäts-Studium zu einem unentgelt­lichen zu machen, sondern daß blos die Verwandlung des Collegiengeldes in i ein Schulgeld erstrebt werde).

Rus angenommen. _

Berlin, 27. Januar. Sowohl in Deutschland wie in Oesterreich wurde bekanntlich die Behauptung aufgestellt, daß der gegenwärtige schlechte Stand der Geschäfte von der seit zehn Jahren geltenden Handelspolitik herrühre, und hinzugefügt, daß unter einem strengeren Schutzzollsystem, als es die Han­delsverträge festgeftellt, die Krisis keine solchen Dimensionen angenommen haben würde. Diesen Behauptungen gegenüber ist der Nachweis des Abgeordneten August Convreur in der belgischen Kammer nicht ohne Interesse, daß in ver­schiedenen Ländern die Strenge der Krisis im genauen Verhältniß zu der Höhe der Schutzzölle stehe. Sieht man von Frankreich ab, so leidet England weni­ger als Belgien, Belgien weniger als Deutschland, Deutschland weniger als Oesterreich, Oesterreich weniger als die Vereinigten Staaten. Gerade die letz­teren leiden trotz ihres kolossalen Festungsvierecks von Schutzzöllen unter der gegenwärtigen Krise <m allermeisten. Wenn man z. B. die Eisenindustrie be trachte, so behauptet Couvreur, daß dieselbe in England sehr darniederläge und in Belgien mehr als 40 Procenr der Hochöfen ausgeblasen seien. Allein in Amerika seien 80 Procenc aller Hochöfen kalt gestellt^ und ähnlich verhalte es sich in fast allen anderen Industriezweigen. Die Schutzzollpolitik der Union war in den letzten Jahren allerdings eine wahrhaft unsinnige. Die Eingangs­zölle auf importirte Maaren betrugen bis in die letzte Zeit fast 50 Procent des Werthes. Die Kosten des täglichen Lebensbedarfes sind dadurch beispiellos gestiegen, so daß sich der Wohlstand der Handwerker trotz der bedeutend höhern Löhne im Ganzen um 20 Prozent vermindert hat. Die Abnahme der ameri­kanischen Schifffahrt nahm unter diesem verkehrten System auffallende Dimen­sionen an. Im Jahre 1860 waren 71 Procent der den amerikanischen Gü­tertransport besorgenden Schiffe amerikanische Fahrzeuge, während nach dem Bürgerkrieg ihre Anzahl auf 44 und im Jahre 1873 gar aus 28 Procent heruntergegangen war. Dies spricht genügend für die Segnungen der Schutz­zollpolitik.

Berlin, 27. Januar. Der Reichstag genehmigte in dritter Lesung den Nachtrags-Etat zum deutschen Reichshaushalts-Etat und setzte die zweite Lesung der Strafgesetz-Novelle fort. § 128 (Theilnahme an geheimen Ver­bindungen mit unbekannten Obern) wurde abgelehnt. Zu § 130 (Aufreizung per verschiedenen Bevölkerungsklaffen gegen einander, mündliche und schriftliche Bekämpfung der Institute der Ehe, der Familie und des EigenthumS) hebt der Minister des Innern, Graf Eulenburg, in ausführlicher Rede hervor, daß die Spitze der Paragraphen sich gegen die Social-Demokraten richte, gegen welche die Regierungen geeigneter Waffen bedürften. Die Stütze der deutschen So- cialdemocratie bilde im Norden der Allgemeine deutsche Arbeiterverein unter Hasenclever, im Süden der süddeutsche demokratische Arbeiterverein unter Bebel und Liebknecht Ersterer verfolgt nationale Einigungs-Zwecke, Letzterer inter­nationale. Das Endziel sei aus politischem Gebiete die rothe Republik, aus wirthschastlichem der Commnnlsmus, aus religiösem der Atheismus. Die Er­regung von Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen durch Erweckung neuer, vorher ungekannter Bedürfnisse sei ein von Lassalle und in social-demo­kratischen Schriften empfohlenes und befolgtes Agitationsmittel. Der Reichs­tag selbst solle das Podium werden, von wo aus die social-demokratischen Volksvertreter zum Volke reden. Eine neue, grundbildende Idee staatlichen Zusammenlebens brächten die Social-Demokraten nicht. Dieselben leugneten die dem modernen Staaten-System zu Grunde liegende Religiösität. Die bis­herigen Strafbestimmungen reichten nicht ans, um rechzeitig die Oberhand zu behalten.Geben Sie uns Waffen in die Hand, welche verhüten, daß wir einst die blanke Waffe ziehen." (Forts, folgt.)

Berlin, 27. Januar. Gutem Vernehmen nach ist über die Fassung des Arnim"-Paragraphen zwischen den National-Liberalen, den Frei-Conservativen und den Conservativen eine Vereinbarung erzielt worden, welche die Zustim­mung der Regierung gefunden hat.

Aus Baden, 26. Januar. Eine besondere höchste Verordnung regelt kraft hausgesetzlicher Befugnisse die Beurkundung des Personenstandes für Mitglieder de- großherzoglichen Hauses. Die kraft allgemeinen Landrechts zuständigen Standesbeamten sind es auch für diese Amtshandlungen. Mitglie-

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