Ausgabe 
25.7.1876
 
Einzelbild herunterladen

n.

nach Wieseck r», 'urnwart.

herein.

.Io. 190

Anzeige- m) AmtsdlÄ für itn Kreis Gieße«.

~ Erscheint täglich mit Ausnahme des Mowiags. ^'^rteljährlich 2 Mark 20 PL nüt Bringerlohn.

Expedition: Schulstrahe, Lit. B. Nr. 18. Durch dre Post bezogen vierter (chrlich 3 Mark LD Pf.

Amtlicher I h e i t.

Gießen, am 22. Juli 1876.

Betreffend: Die Führung der Handelsregister, jetzt Einsendung der Tagebuchs-Auszüge. r

Das Großhrrzoglichc Kmsamt Gicßcn

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Bellersheim, Hungen, Langd, Langsdorf, Nonnenroth, Obbornhofen, Rodheim, Röthges und Steinheim.

Wir erinnern Sie an die unverzügliche Einsendung der Handelsregister-Auszüge vom II. Quartal d. I. an Großherzogliches Landgericht Hungen. Der Befolg unserer Verfügung ist innerhalb 8 Tagen hierher anzuzeigen.

I. V- d. K-

Dr. Hoffmann, Regierungsrath. _____

Ihr, im Clubsat Schulz, Grossherzos idt

II.

)n Joseph Haydc idaote. c. Meo^

; Orchesters, vonFeii ik]

iute, von Kascbcl ,3d ton Bubinstü

getragen von Fräulj rle und Orchester, i Pianoforte-Lager j der Rickeisehen-

hr.

, o$.

\1>

rmd des Vortrags

irt 1-tW Ä

Rrüiiieibi*'; feg ZW

L'xKS

o>ird-

»ikd

)'gflll 1

Aoli 1 ischer T ö e i l.

ScnffcÜfattb.

Gießen, 23. Juli. Der in diesem Blatte erschienene Artikel aus Gernsheim über die Pfarrbesoldmrgen verdient eine Ergänzung und eine Berich­tigung. Allerdings wäre zu wünschen, daß die Geistlichen wie die übrigen Angestellten ihren Gehalt in baarem Geld in monatlichen oder vierteljährigen Raten bezögen, anstatt daß dieselben nicht Monate, sondern mitunter, Jahre lang warten müssen, bis sie einzelne Besoldungstheile erhalten. Dieses War­ten ist um so nachtheiliger für dieselben, da sie die Eintrittsgelder in die Witt- wenkasse gleich bei dem Dienstantritt, oder der Besoldungs-Erhöhung bezahlen, resp. da sie meistens nicht gleich bezahlen können, mit 5 pCt. verzinset! und so mit Schulden anfangen müssen. Ob aber die Ausführung ebenso leicht zu be- rrerkstellige.t ist, als sie Wünschenswerth erscheint, ist eine andere Frage. .Die Verwaltungskosten würden eine nicht ganz geringe Quote der Einnahme ver­schlingen. Was aber den in genanntem Aussatz erwähnten, im Vergleich zu dem wirklichen Ertrag allzugeringen Besoldungsanschlag betrifft, so beruht das Angeführte entweder auf Unkenntniß, oder aus absichtlicher Entstellung. Der Güterertrag darf nicht nach beliebiger Taxation, am wenigsten durch den Pfarrer selbst, angegeben werden, sondern nach dem 10jährigen mit Urkunden zu belegenden Durchschnitt. Diese Durchschnittssumme kann allerdings , wenn der Pachtpreis in der letzten Zeit bedeutend gestiegen ist, hinter dem wirklichen Ertrag etwas zurückstehen. Es kann aber auch der umgekehrte Fall eintreten, und dies ist bei dem Sinken der Pachtpreise für die nächste Zukunft zu befürch­ten. Nur die selbstbenutzten Güterstücke werden nach dem Taxatum in die Be­soldung eingerechnet. Die Taxation wird aber nicht vom Geistlichen, sondern vom ganzen Kirchenvorstand vorgenommen und vom Dekanatsausschusse, dem Kreisamt und der Oberkirchenbehörde geprüft- Solche abnorme Verhält­nisse, wie der Aufsatz erwähnt, sind also kaum möglich, und wenn die Wirk­lichkeit derselben behauptet wird, so ist dies eine schwere Beschuldigung, nicht nur gegen die Geistlichen, sondern auch gegen die betr. Kirchenvorstände, die Mitglieder des Dekanatsausschusjes und die erwähnten Staatsbehörden. Die Holzpreise müssen in den Besoldungs-Noten nach dem von der Forstbehörde aufgestellten Tarife angegeben werden; also ist wiederum eine absichtliche Min­derung des betr. Ansatzes zu Gunsten des Pfarrers kaum denkbar. Die er­wähnte Thatsache muß mindestens auf einem schwer zu entschuldigenden Jrrthum beruhen, lieber die Mitwirkung der Gemeinden bei der Pfarrwahl nur die Hinweisung aus die letzter» Bürgermeister-Wahlen. Wer nach solchen Vor­kommnissen noch Lust hat, die Pfarrer durch die Gemeinden wählen zu lassen, der sorgt schwerlich für den Frieden und den kirchlichen Sinn in den Gemeinden.

Darmstadt, 21. Juli. Die im Großherzogthum geltenden, noch aus dem Jahre 1821 und bezw. 1811 herrührenden Bestimmungen über das Expro­priations-Verfahren bei Grundeigenthum erweisen sich täglich mehr einer gründ­lichen Revision bedürftig. Dem Vernehmen nach, ist man denn auch in den Ministerien mit der Vorbereitung eines einschlägigen der Neuzeit entsprechenden Gesetzes beschäftigt. Bei der letzten Session der zweiten Kammer ist bekannt­lich das Staats-Budget ohne Rücksicht auf die neuen Steuer-Gesetze über bie Neuregulirung der Einkommen-Steuer und die Einführung einer Capital-Nenten- Steuer berathen worden, indem man davon ausging, das Finanz-Gesetz solle ohne diese neuen Gesetze festgestellt werden. Deshalb waren auch die über diese Gesetze erstatteten Ausschuß-Berichte noch nicht drnckferttg. Jetzt sind dte- selben fertig gestellt und im Druck, da die Gesetze, wenn auch mcht für diese Finanz-Periode, doch für die folgende Periode, und zwar etwa im Herbst, durchb^att-eu^w^rden Tagesordnung der sechsten Sitzung der

ersten Kammer der Stände, welche Dienstag, den 25. Juli 1876, Vormittags halb 10 Uhr, stattfinden wird, enthält:

1. Neue Eingaben.

3. Bera^uiig uud^Abstimmuup über den Hauptvoranschlag der Staats­auggaben für di- Ftnanzperiode 1876 bis 1878 : Hauptabtheilung 1. Lasten

und Abgänge, Hauptabtheilung 2. Verzinsung und Tilgung der Staatsschuld, Hauptabtheilung 3. Pensionen, Hauptabtheilung 4. Bedürfnisse des Großherzog­lichen Hauses und Hofes, Hauptabtheilung 5. Landstände, Hauptabtheilung 6. Matrikularbeitrage, Hauptabtheilung 7a. Gesammt-Ministerium und Cabinets- Direction, Hauptabtheilung 8a. In Geschäftszweigen des Gesammt-Ministe- riums, Hauptabtheilung 9. In Geschäftszweigen des Ministeriums des Innern.

Berlin, 22. Juli. DerReichs-Anz." erklärt, daß die deutsche Regie­rung dem Agenten der deutschen Bank in London, Pietsch, der in einem Briese an dieTimes" angeblich auf Ersuchen und in Vollmacht der deutschen Regie­rung Erklärungen über deutsche Silber-Verkäufe abgegeben, zu einer solchen Veröffentlichung keinen Auftrag oder Vollmacht ertheilt hat.

HeAerrevS.

Wien, 22. Juli. Der serbische Minister Milojkovic ist in einer Special-Mission nach Bukarest abgegangen. In Klek findet nochmals auf specielle Erlaubniß von Wien eine türkische Munitions-Ausschiffung statt. Fürst Wrede ist am Belgrader Landungsplatz angeblich insultirt worden. Alimpics verlor durch Hochwasser zwei Pontonbrücken. Tschernajeff zieht sich gegen Alexinacz zurück.

Wien, 22. Juli. Gegenüber den Nachrichten über angeblich von den Türken in Klek neuerdings bewerkstelligte Ausschiffungen von Kriegs-Material erfährt diePolit. Corresp." ganz positiv, daß lediglich bereits vor längerer Zeit für die türkischen Truppen eingelangte Monturen und Proviant, keineswegs aber eigentliche Kriegs - Contrebande (Munition und Waffen) ausgeladen wor­den. Alle Debarkations-Operationen fänden unter aufmerksamer Controle statt.

Wien, 22. Juli. TiePolit. Corresp." erfährt telegraphisch aus Pe­tersburg, daß der türkische Botschafter Cobuli Pascha bei Ueberreichung seiner Creditive von dem Kaiser Alexander persönlich mit aller Auszeichnung behandelt wurde; doch soll der Kaiser sich über die Verhältnisse in der Türkei in einer Weise ausgesprochen haben, welche auf den Botschafter den tiefsten Eindruck gemacht habe. Letzterer habe sich nach der Audienz sichtlich deprimirt zu­rückgezogen.

Schweiz.

Basel, 21. Juli. Im Dorfe Albeuve (Canton Freiburg) brach gestern eine große Feuersbrunst aus, welche innerhalb einer Stunde den Ort in einen Schutthaufen verwandelte; Über 100 Gebäude sind verbrannt, zwei Personen durch Ersticken um's Leben gekommen.

Araukreich.

Paris, 22. Juli. Die amtliche Zeitung enthält ein Decret, wonach der französische Gesandte in Rom, Marquis de Noaikles, zum Botschafter bei Victor Emanuel ernannt wird. Die Zeitungen von der Partei der Lucken be­trachten die Abstimmung des Senats Über den Gesetz-Entwurf betreffs Ver­leihung der akademischen Grade als eine Kriegserklärung gegen die Regierung; die Zeitungen der Rechten dagegen behaupten, da das Ministerium nicht die Vertrauensfrage gestellt habe, so sei keine Ministerkrifis zu erwarten.

Paris, 22. Juli. Es bestätigt sick, daß eine Minister Krisis nicht ein- tritt. Der Botschafter Italiens, General Cialdini, Überreichte heute dem Marschall-Präsidenten seine Creditive, wobei sehr freundschaftliche Versicherun­gen ausgetauscht wurden. In der Deputirten-Kammer brachte der Deputirte Raoul Duval einen Antrag ein des Inhalts, daß fein Deputirter oder Senator zu öffentlichen und bezahlten Aemtern ernannt werden dürfe, außer 6 Monate nach Erlöschen des Mandats, und ferner, daß keine Ernennungen zur Ehren­legion stattfinden sollen, außer für Kriegs-Thaten. Die Dringlichkeit wurde angenommen.

Versailles, 21. Juli. In der heutigen Sitzung des Senats befür­wortete der Conseils-Präsident Dufaure den Gesetz-Entwurf wegen Verleihung der akademischen Grade; gleichwohl wurde derselbe mit 144 gegen 139 Stim­men verworfen. Der Senat vertagte sich hierauf bis Dienstag-!