IVo. VS. Samstag, den 25. Marz 1876.
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Anzeige- uni) AmlsM für den Kreis Gießen.
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags, (^xpe^itionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.
Amtlicher
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brrngerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
H h e i l.
Lehrcr-Confercn
Die Lehrer des Conferenz-Bezirkes Groß-Buseck werden zu einer Conferenz nach
Groß-Bufeck
Donnerstag den 30. März, Anfang 10 Ubr, eingeladen.
Gießen, den 24. März 1876.
mehr, iing Ubr,
Büchner, Kreisschulinspector.
politischer H st e i l.
DcutliLI'and.
Berlin, 21. März. Der Kaiser von Rußland wird sich in diesem Jahre schon Ende April nach Ems zur Cur begeben. Auch auf die Reisedispositionen unseres Kaisers ronb dies Einfluß haben; die genaueren Bestimmungen für letztere sind indessen noch nicht getroffen. — Wie die „Post" erfährt, hat Graf Herbert Bismarck, der älteste Sohn des Reichskanzlers, gestern das diplomatische Examen abgelegt und mit Auszeichnung bestanden. — Der „ReichS-Anz." meldet, daß, obgleich die Verheerungen der Telegraphenlinien durch den letzten Sturm bedeutend waren, es doch bereits gelungen ist, den Schaden wieder gut zu machen, so daß der augenblickliche Stand wieder als
bayerischen Staatsamte durch Bestellung bayerischer Beamten als Commiffäre bei Reichsbank-Stellen, in einer der nächsten Sitzungen beantworten zu wollen. Auf Antrag des Abgeordneten Senestrey wird der zweite Punkt der Tagesordnung, betreffend die Vervollständigung der bayerischen Staatsbahnen, an den Eisenbahn-Ausschuß verwiesen. — Die nächste Sitzung findet morgen statt.
Stuttgart, 22. März. Zu Ehren des Geburtstage- des Kaiser- Wilhelm war heute Abend bei Hofe Fest-Concert, wozu zahlreiche Einladungen ergangen waren, die öffentlichen und viele Privat-Gebäude waren beflaggt. Im großen Museumssaale sand von Seiten der Bürgerschaft ein Banket statt, bei welchem das Reichstagsmitglted Frisch den Toast auf den Kaiser ausbrachte.
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Besuch abzuftatten gedenkt; den größten Theil des April dürste Wiesbaden zubringen, und gegen Ende April zum Empfange des nach Ems in Berlin verweilenden Kaisers von Rußland nach zurückkehren.
Berlin, 22. März. Hessen - Darmstadt, Braunschweig
begeistertem Beifslle ausgenommen.
München, 23. März. In der heutige» Sitzung der Abgeordneten« Rammt* erklärte ter Justiz-Minister v. Fäustle die Interpellation des Abge- »rdneten Schüttinger, betreffend die Verbindung eines Reichsarntes mit einem
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thüringischen Staaten sollen für den preußischen Eisenbahnpia.i günstig gestimmt sein. — Wie versichert wird, hat Serbien jetzt ebenfalls beruhigende Mittheilungen nach Konstantinopel gelangen lassen. Der französische Botschafter Gon- taut-Biron hat seine älteste Tochter mit dem Grafen v. Talleurand-Perigord, Premier-Lieutenant im zweiten preußischen Garde-Ulanen-Regiment, Sohn des Marquis Talleyrand, Herzogs von Dino, Besitzers des Gutes und Schlaffes von Günthersdorf in Schlesien, verlobt.
Aus Bayern. Der bayerische Gesandte am Berliner Hose, Baron v. Perglas, wird stündlich zu mehrtägigem Aufenthalt in München erwartet. Seine Reise von Berlin nach Bayern hat äußerlich nur den Zweck, auf seinen Familiengütern bei Neuburg einige Privat- und Familien-Angeleaenheiten in Ordnung zu bringen. Man glaubt und hofft indessen hier allgemein, daß die Hierherreise des Herrn v. Perglas nicht ohne politischen Hintergrund sei und er Mancherlei von Berlin hier und an den König zu bestellen haben werde. Daß man dort die hiesige Verstimmung wegen der Reichseisenbahn-Frage und deren mögliche Folgen nicht unbemerkt und den Wunsch einer bestmöglichen Beseitigung dieses Zwischenfalles nicht unausgedrückt gelassen habe, darauf deuten verschiedene Anzeichen."
— Das klerikale „Bayer. Vaterland" hat nach der Ankündigung seines
Verlegers seit Juli vorigen Jahres ein Drittel seiner Abonnenten verloren, s Freilich fehlt dem Blatte die urwüchsige Feder Sigl's, der bekanntlich jetzt über ein Jahr im Gefängniß sitzt, und damit der rechte Hautgout. Aus jener Ab nähme an Abonnenten auf einen Umschwung in der Stimmung des Leserkreises zu schließen, wäre jedenfalls voreilig.
Aus Bayern, 21. März. Der Magistrat der Stadt Landshut hat sämmtliche dortige Gewerkschaften als politische Vereine erklärt und gleichzeitig
ein normaler bezeichnet werden kann; einzig mit Brüssel fehlen noch die direc- ten Verbindungen, doch besitzt Lüttich dorthin eine Leitung über Charleroi.
Berlin, 22. März. Die „Prov.-Corresp." bestätigt, daß der Kaiser in der ersten Woche des April der Königin Victoria in Baden-Baden einen
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einen überaus glänzenden Verlauf. Anwesend waren viele Landtags-Abgeord« nete, die Vertreter der Kunst und Wiffcnschaft, Magistratsräthe und eine große Zahl angesehener Bürger. Professor Kluckhohn brachte den Toast auf den König von Bayern au«. Darauf hielt der Landtags-Abgeordnete v. Stenglein \ die Toastrede auf den Kaiser, der niemals etwas Andere« fordern werde, als wat de« Kaisers ist, auf den Schirmer jeden Rechtes; deshalb kann Jeder, ob Bayer, Schwabe, Sachse oder Hesse, so gut wie der Preuße einstimmen ' ; I in den Ruf: „Es lebe der Kaiser!" Der Toast wurde mit lang anhaltendem
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■t»1" Lfin ’ ' 1 ' deren Auflösung verfügt.
München, 22. März. Das zur Feier des Geburtstages des Deutschen Kaiser« im Hotel zum „Bayerischen Hof" veranstaltete Fest-Diner nahm
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Hesterreich.
Wien, 22. März. Die „Polit. Corresp." meldet als Thatsache, daß die Insurgenten das wiederholte Anerbieten eines Waffenstillstandes von Seiten Mukhtar Paschas nicht schroff abgewiesen haben, und bemerkt dazu, daß das decidirte Auftreten der österreichischen Regierungs-Organe und die von dem Fürsten von Montenegro an die Insurgenten im Sinne des Friedens wiederholt ergangenen Mahnungen zu dieser Wendung wesentlich beigetragen haben. Wahrscheinlich würden die Türken und die Insurgenten sehr bald zu direkten Verhandlungen kommen.
Irankreich.
Paris, 21. März. Der Senator Maurice vom rechten Centrum ist gestorben. Der Progrös de l'Est, der den Unterricht der christlichen Schulbrüder antifranzösisch genannt hat, ist wegen Verleumdung zu 3000 Frcs. Schadenersatz verurtheilt worden.
— Don Carlos hat seinen Generälen und den Führern seiner Partei geschrieben, sie möchten nach Spanien zurückkehren, sich der Madrider Regierung unterwerfen und nöthigenfalls selbst den Eid leisten, aber dann mit den Intransigenten gemeinsame Sache machen, um die Regierung Don Alphonso's nicht zur Ruhe kommen zu lassen.
— Im Süden Frankreichs liegt bei 1 Grad Kälte viel Schnee. Die Seine ist im Ganzen um 1,15 Meter gefallen und steht jetzt 6,20.
Paris, 21. März. Der neue Unterrichts-Minister Waodinglen hat sich bei den Liberalen rasch eine Stellung gemacht durch die unumwundene Erklärung, er wolle mit Entschiedenheit dafür eintreten, daß dem Staate das Recht, akademische Grade zu verleihen, in vollem Umfange wiedergegeben werde. Die klerikalen Blätter stoßen, wie selbstverständlich, ein Zetergeschrei über diese Worte des Ministers aus; der Broglie-Buffet'sche Fran^ais schließt sich ihnen an ; die bonapartistischen Blätter find getheilt: Pays stellt sich auf die Seite der Geistlichkeit, die Liberty dagegen behauptet, die Oberaufsicht de- Staates über den Unterricht bilde einen Theil der „napoleonischen Ideen."
Paris, 21. März. Die Ungeduldigen schreien und die Rückschrittler hoffen, daß Ricard im Kampfe mit jenen Ueberstürzler» sich schnell abnutzen werde. In der Amnestiefrage hat das Cabinet in beiden Kammern recht kluK operirt, und auch in der Präfektensrage wird, wenn nicht alle Zeichen trügen, Mac Mahon so viel nachgeben, daß die Regierung mit Ruhe, wenn auch nicht ohne Anfechtung, dabei bestehen kann. Ricard will zunächst die Rettungslosen, opfern und dann systematisch den Rest der Mißliebigen, sobald sie wieder den bonapartistischen oder ultramnntancn Pferdefuß zeigen, beseitigen. Die bonapartistischen Präfekten sind ja als kluge Steuermänner bekannt.
Italien.
Rom, 22. März. In dem neuen Ministerium soll Depretis neben dem Präsidium auch das Portefeuille der Finanzen übernehmen; der bisherige italienische Gesandte in der Schweiz, Melegari, hat das Portefeuille de- Aeußern, Mancini das der Justiz angenommen. Nachdem Correnti (Centrum) den Eintritt in das Cabinet verweigert hat, dürfte das neue Ministerium lediglich aus Mitgliedern der Linken bestehen.


