von dem Pariser Gericht erhalten. Sein Urtheil hat somit keinen Anspruch t auf Au-sührung in der Schweiz.
Krankreich.
Pari-, 22. Januar. „Bien Public", welches kürzlich von der An- - ' rüstuna eines Canal-Geschwaders sprach, bringt unter Vorbehalt die Nachricht, : ver Hafen von Tonlon hätte vom Marine-Minister den Befehl erhalten, un- * mittelbar für eine bevorstehende Armirung die Panzerschiffe Couronne, Magicienne, Victoriense, Javoie und Belliqueuse, fünf andere Schiffe vom gemischten System, drei Transportschiffe und vier Avisos, darunter feen Ducouldic und den Renard, und fünf Kanonenboote vorzubereiten." Die „Agentur Havas" iudeffen erklärt alle Angaben von der Ausrüstung eine- Geschwaders oder sonstigen Krieg-vor- i bereitungen Frankreichs für unbegründet, wobei sie unnöthiger Werse deutsche ' Blätter für das Entstehen solcher Gerüchte verantwortlich macht.
Knglaad.
London, 20. Januar. Die nach England zu entsendenden zwei chinesischen Gesandten reisen von Peking im März oder April ab. Wade wird im Laufe des JahreS hier erwartet; eine Revision und Umgestaltung des Vertrags mit China steht in Aussicht.
Spanien.
Madrid, 20. Januar. Au- San Sebastian meldet man, daß auf der Schanze von Artola schwere Geschütze aufqefahren worden sind, welche die car- listische Batterie Ventaziquin beschießen sollen, und fast zugleich kommt die Nachricht, daß die carlistische Batterie auf dem Arratsain zum Schweigen gebracht worden. Die Höhen Ventaziquin und Arratsain liegen nahe zusammen im Südwesten von Sau Sebastian.
r- Wie zur Rache für die Nachricht, daß die carlistische Avantgarde in Navarra zum Feinde übergegangen sei, melden die Carlisten jetzt aus St. Jean de Luz daß die vorgeschobenen Posten der Alphonsisten zwischen San Marcial und Jrun, also in der Nähe der Grenze, von Carlisten überrumpelt worden sind und 25 Mann allein an Todten verloren haben.
Rußland.
Petersburg, 21. Januar. Das „Journ. de St. Pctersbourg- erörtert die gegenwärtige Lage im Orient und constatirt die Thatsache, daß England der Note des Grafen Andraffy nunmehr zustimme, wobei es die Richtigkeit der Nachricht eines englischen Blattes über angebliche Vorbehalte Englands in Nebenpunkten dahingestellt sein läßt. Das Journal bemerkt: Bei dieser Lage der Sache sei allgemein anerkannt, daß die von der Türkei aus eigener Initiative zugesagten Reformen unzureichend seien, die Ruhe in den insurgirten Provinzen wieder herzuftellen, und daß das Jntereffe für den europäischen Frieden den Mächten das Recht und die Pflicht auferlege, geeignete Wege zur Ausführung dieser Reformen ausfindig zu machen.
Petersburg, 22. Januar. „Golos" drückt seine hohe Befriedigung über die Zustimmung der britischen Regierung zu der ReformMote Audraffy's aus und 'sagt, die Theilnahme Englands an dem europäischen Concerte sei nicht blos nützlich, sondern auch stets nothwendig zur Befestigung des allgemeinen Friedens.
Serbien.
Belgrad, 22. Januar. Die Skupschtina hat in ihrer heutigen Sitzung die von 20 Abgeordneten beantragte erweiterte Anklage gegen das frühere Mini' sterium Marinowitsch und das Cabinet Danilo Stefanowitsch wegen angeblicher Gesetzwidrigkeiten berathen- Kaljewitsch bekämpfte den Antrag mit Hinweis auf die gefahrdrohende Situation nach Außen und ermahnte zur Eintracht. Hierauf wird der Antrag, als nur von der Parteileidenschaft dictirt, abgelehnt. — Die Interpellation an den Minister-Präsidenten wegen der Aufklärung über eine unter der Regentschaft zu Stande gekommene geheime Verfaffung wird angenommen.
Türkei.
Konstantinopel, 20. Januar. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Kadry Bey, ist zum Mnstaschar im Marine-Ministerium ernannt worden, Ali Pascha und Constant Effendi sind nach der Herzegowina abgereist, Server Pascha hierher zurückgekehrt. — Ein kaiserliches Jrade beauftragt den Justizminister Djevdet Pascha, die prompte Ausführung der Reformen zu überwachen und sich vorerst nach Adrianopel und dem Donau-Vilajet zu begeben. Djevdet Pascha reist unverzüglich ab. Die zum Besuche der Voruntersuchung eingesetzten Comit^S haben Polizei-Commiffariate errichtet, um sowohl unverdiente Präventivhaft als auch Verwechslungen hintanzuhalten. — Halet Pascha ist zum Minister der öffentlichen Arbeiten ernannt worden.
Haytfa, 20. Januar. Bei einer gestern Nachmittag von der Garnison von Trebinje gegen das Kloster Duze unternommenen Recognoscirung entspann sich mit den Insurgenten unter Peko's Führung ein heftiger Kampf, der von 4 bis 6 Uhr dauerte. Die Insurgenten wurden zurückgeschlagen. Heute Morgen kam es nochmals zu einem Gefechte, das mit dem Rückzüge der Insurgenten gegen Voukovic endete. Seit heute früh «erden zahlreiche verwundete Insurgenten aus Wagen nach Ragusa gebracht. (N. Fr. Pr.)
Magus«, 22. Januar. Vom 18. biS 21. Januar fanden anhaltende Kämpfe auf der Straße nach Trebinje statt, welche nach der Versicherung von Augenzeugen zu Ungunsten und mit großen Verlusten für die Türken geendigt hätten. Die Straße von Ragusa nach Trebinje befindet sich augenblicklich in der Gewalt der Insurgenten.
jtautUku
Washington, 20 Januar. Zur Unterdrückung der von mexikanü schen Streisbanden auf amerikanischem Gebiete begangenen Räubereien ist von der mit Derathung dieser Angelegenheit beauftragten Commission des Repräsentantenhauses die Absendung zweier Regimenter an die Grenze von Texas beantragt worden.
Washington, 21. Januar. Die letzten Depeschen, welche zwischen dem Staats - Secretär Fish und dem Unions-Gesandten in Madrid, Caleb Cushing, über die cubanische Frage gewechselt wurden, sind jetzt veröffentlicht worden. Eine Devesche von Fiih an Cushing, d. d 5. November v I., besagt : Amerika wünsche eine befriedigende Lösung der zwischen ihm und Spa-
schwebenden Fragen und sei in Erwartung derselben geduldig bi- zur äußersten Grenze, müsse aber auf den Fortgang des Proceffe- der Burriel'- chen Angelegenheit gemäß der getroffenen protokollarischen Verabredung bestehen. Die guten Beziehungen zwischen Spanien und Amerika seien von der raschen und definitiven Erledigung der schwebenden Fragen abhängig. Cushing zeigte telegraphisch unterm 16. November an, Spanien habe von Neuem seine bestimmte Absicht ausgesprochen, die Burriel'jche Angelegenheit im Wege des Proceffes zum Austrage zu bringen.
Men.
Lahore, 18. Januar. Der Prinz von Wales ist heute früh hier ein» getroffen und von einer großen Anzahl indischer Fürsten feierlich empfangen worden.
— Zeitungen von Honkong besagen, daß in Peking Plakate angeschlagen waren, welche die Regierung wegen des mit Herrn Wade getroffenen Ueberein« kommens tadelten, aber sofort von den Behörden abgeriffen wurden. Große Unzufriedenheit soll unter den Eingeborenen wegen der neulichen Unterhandlungen herrschen, und es scheint, als ob die Schwierigkeiten vorläufig beseitigt sind. Amerikanische Bewohner von Peking sind Angesichts der anhaltenden Unruhen in Diiman sehr unzufrieden damit, daß Admiral Reynold- den Vereinigten - Staaten -Kriegsdampser „Monocacy" zur Reparatur nach Schanghai beordert hat.
Vermischtes.
B u tz b a di, 20. Jan. Durch Erlaß Gr oßh. Ministerium be« Innern, Abthei» lang für Schul-Angelegenheiten, vom 10. d M. ist die Erlaubniß zur Errichtung »iner vierklassigln Realschule (bösere Bürgerschule) dahier ertheilt worden. Der Stadtvorstand wurde daraus anga-öiefen, den Lehrplan vorzulegen, für Beschaffung der Schul- Locale und Gewinnung tüchtiger Lehrkräfte besorgt zu sein und wegen Bildung eines Cmatoriums und dc« Termins der Eröffnung d r Schule roeiteie Vorlage zu machen.
Frankfurt, 19. Ian. Ein junger Mechaniker war iin Begriff nach Zürich zu reifen, als er beim Verlassen seiner ehemaligen Wohnung vor der Hautzthür einen acceptirten und mehrfach girirten Wechsel über 7800 Mk. fand Er unterbrach sofort seine Reise und eilte zu dem betreffenden Bankhaus und präfentirte denselben alt gefunden. Man war darüber höchsterfreut und der Chef desselben reichte dem Manne in einer Anwandlung von Großmut!) — 30 Pfennige, die dieser jedoch dankend zu- rückwies- Hütte der Finder z. B. den Wechsel zerrissen, so hätte dessen Amortisation mindestens 60 Mk. gekostet.
Wiesbaden, 21. Ja». Vor her hiesigen Be. nsungskammer wurde vorgestern bei geschlossenen Tbüren die Anklage gegen den katholischen Pfarrer Anton Hungari und Mathilde Goldschmidt von Rödelheim wegen beschimpfenden Unfugs in einer Kirche in der Berufungsinstanz ve>handelt. Die von den Angeklagten eingelegte Appellation ist zurückgewieseu und Beide aud) zum Ersatz bei Kosten dieses Verfahren- verurtheilt worden.
Au« der neuen Kaiser st ad t. Für die nächste Stadtverordnetensitzimg in Berlin hat der Stadtverordnete Siebmann in Gemeinschaft von fünf Coüegen beider Fraktionen folgenden Antrag angekündigt: „In der Dorothecnstädtischen Rral« schule ist am 12. Januar der Unterricht ausgesetzt worden, weil au- Mangel an Brennmaterial die Classenziuuner richt geheizt we.ben konnten. ES wird beantragt: Die Stadtverordnetenversammlung wolle den D/agiftrat ersuchen, Borkehrrmgen zu treffen, daß m Zukunft Unterbrechungen des Uitterrichts aris oben angeführtem Grunde nicht wieder vo>kommen können." Die „£rib." nennt diesen Antrag zeitgemäß!
Esser», 17. I m. In vergangemr Nacht traf hier durch den Bahntelegraphen die Nachricht ein, daß der neue Schacht Carolus MagnuS bei Berge-Borbeck brenne, und wurde bnfe Mntheilung durch < ic rothe, Helle Feuersgluth bestätigt, welche im Nordwesten unsere» Stadt sich zeigte. Heute -Margen vernehmen wir nun, daß ba5 Feuer gegen 10 Uhr Abends im Schach'-ebäude au-gebrochen ist und in ungeheurer Schnelle so um sich griff, daß bald jegliche Hülse vergeblich und auch wiikuvg-lo- erscheinen mußte. In kurzer Zeit waren der innere Holzausbau so wie der Dachstuhl zerstört. Der Schacht bat nicht gelitten und wird in wenigen Tagen wieder fahrbar gestellt sein. Eben so sind d-e fertigen Tages, ebäude, Maschinell- und Kesselhäuser vom F^uer unberührt gebl eben. Der Betrieb des alten Schachtes ist nicht unte>brachen, und wird dort die unter Tage beschäftigt gewesene Belegschaft de- neuen Schachtes anfahren. (Ess. Z )
— Gaspreise. Der Kubikmeter (8as kostet in: Aachen 12,5, Wesel 15, Cöln, Trier, Gladbach, Dortmund, Berlin, Breslau 16, Danzig 17, Stettin 17,5, Hannover 17,6, Düsseldorf, Sui:bürg, Bielefeld 18, Hagen, Paderborn, Bromberg 19, Crefeld, Mülheim a. Rh-, Coblenz, Arnsberg, Osnabrück, Görlitz, Königsberg 20, Münster, Mainz, Magdeburg, Posen 22, Solingen, Wiesbaden, Erfurt 25, Bonn 26 und Gießen 30 Pfennige.
— Bei einem Landesfürsten beklagte man sich einst über einen Geistlichen, welcher sich zu Schulden kommen lasse, nicht an die Unsterblichkeit zu glauben. „Will er am jüngsten Tage nicht auferstehen", gab der hohe Herr zur Antwort, ,fo mag er meinethalben liegen bleiben.*!
— Als Novität empfiehlt ein Dresdener Putz und Modemagazin al« „Specia-- lität für Cioilebe" Brauthüte einzig in ihrer originellen Ausführung, um den Brautkranz zu ersetzen und doch ohiie aufzufallen, auf der Straße zu tragen.
— Vor dem Pariser Civilgericht spielt gegen»artig ein Ehescheidung«, proceß, der das eheliche Leben in der „besseren" Gcsell'chaft der Seinestadt in nichtweniger als brillanten Farben iUuftrirt. Der General Douay, au« dem Kriege von • 1870 her sehr bekannt, hatte im Jahre 1859 die schöne Tochter des General Lebreton geheirathet. Nach den Flitterwochen fanben beide Th-ile, daß sie eigentlich nicht Liebe, sondern im Gegentheil Vie größte Abneigi ng für einander fühlten. Madame scheint nach ihren Antecedentien zu jenen Exemplaren des beau sexe zu gehören, die man .interessant* zu nennen pflegt, die eS auch vielleicht in der That für alle Welt — nur nicht für die eigenen Ehemänner sind. Lebhaften Temperament« und nie an Gehorsam gewöhnt, entlief sie öfters ihrem Gemahl und kehrte nur an den häu-lichen Heerd zurück, wenn ihr die zum Leben nun einmal unentbehrlichen „Moneten" au-geganßen waren. Der Herr General lag meistens in Amiens in Garnison; Madame fand die Stadt aber nicht hübsck, verschwand auf ei ige Zeit und kehrte dann, da ihr die Thür zur Wohnung verschlossen war, durch datz Fenster an die Seite be« theuren Gatten zurück. Ei« anderes Mal war man über einen, dem Diener gegebenen Befehl uneinig. Die Frau General hatte zufällig eine Reitpeitsche in der Hand, mit der sie ihre Ansicht nun so lebhaft banonftrirte, baß, — natürlich zufällig — einige Bewegungen auf dem Rücken des geliebten Herrn vom Hause bas Ende der Unterhaltung bildeten. Aehnlicke« konnte sich nun der tapfere General im Jahre 1870/71 wohl von den unga- lauten Preußen gefallen lassen, im eigenen Hause aber Verletzte e« seine Ehre denn doch so sehr, daß er auf Scheidung drang. Vorgestern erschien sein Adoocat mit einem dicken Actenstücke vor Gericht, in dem alle Capitel be« häuslichen Roman« getreu regt- ftrirt waren, und erklärte sich in wohlgesetzten Worten vollständig mit seinem verehrten Gegner, dem Verthetdiger der Madame Douay einverstanden, die Ehescheidung herbei« zusühren- Das Gericht wird über die Modalitäten dieses, wenigsten« in einem Punkte zusammentreffendrn Wunsche« der beiden Gotten in acht Tagen entscheiden.
— Ueber den aus Odessa gemeldeten Eisenbahnunfall bei der Station Boischtfcha berichten die russischen Blaüer: D<r am 5. Januar verunglückte Zu« ging aus Jelissawetograd mit 419 Mann Uman'ichen und Srnitw'schen Recruten nach Odessa. Den Unfall verursachte der Umstand, baß nach Anordnung de« Wegemeiftertz und seines Gehülsen vier Schienen < cd Schienenstrange« durch neue ersetzt werben sollten; der Maschinist hemmte den Zug nicht zeitig genug, letzterer stürzte vom Erdwall und gerieth in Brand, wodurch er fast gänzlich vernichtet wurde. Von den Recruten litten 120 Mann; darunter wurden 3 zerschmettert, 63 verbrannten und 5* erhielten Verletzungen.
— (Gottr« Segen bei Purzele« ) Der Handelsmann Löw Purzele« in Mißkolez hat sich wahrlich über den Segen des H'mmels nicht zu beklagen. Vor wenigen Tagen gebar ihm feine Ehegemahlin zum fünften Male Zwillinge. Er dürste von dieser Nachricht nicht besonder« erfreut gewesen sein, denn unter bem ersten Eindruck derselben


