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Theile gehört werden, so stellt sich in sehr vielen Fällen heraus, daß die Frauen für die arbeitenden Männer auch nicht immer gehörig sorgen, und dann ist es begreiflich, wenn die Männer mißmuthig werden und leider nur zu geneigt sind, dem Schnaps in übermäßiger Weise zuzusprechen. Es ist nicht zu verkennen, daß Lte augenblicklichen Zeitverhältnisse dem Arbeiter nicht gün­stig sind, aber es ist andererseits eine unbestrittene Thatsache, daß eine beschei­dene Wohnung bei aller Armuth in reinlichem Zustande immerhin einen ange­nehmen , wohlthuenden Eindruck macht, der gewiß auch auf den Mann seine Wirkung niemals verfehlen dürfte; aber was bekommt man in dieser Hinsicht nicht Alles zu sehen? Während die Frau Stunden lang vor der Thür mit Schwätzen verbringt und dadurch nicht selten böses Blut verursacht, quält siä> der Mann und kommt Tag ein Tag aus in das schmutzige Zimmer, sieht nach wie vor die Kinder im unsauberen Anzuge umherlaufen und statt em regel­mäßiges Mittags- und Abendbrod vorgesetzt zu erhalten, findet er den Tisch leer und mit hungrigem Magen muß er zu Bette gehen, weil die Frau von einem geregelten Haushalte feine Ahnung hat. Wir wollen indessen keineswegs den Frauen allein die Schuld oufbürden, denn es gibt leider auch genug liederliche Männer, die ihren Verdienst nicht zur Hälfte nach Hause bringen. So fordern die Eheverhältnifle unter den Arbeitern zu ernsten Be trachtungen auf. Daß aus den Kinoern, die solche Ehen mitansehen müssen, kein besserer Menschenschlag erwachsen kann, bedarf wohl kaum einer besonderen Betonung." So nicht blos in Barmen.

Karlsruhe, 20. October. Der Kaiser traf in Begleitung des Groß- Herzogs und der Großherzogin heute Nachmittag 43/4 Uhr von Baden - Baden hier ein und setzte alsbald seine Reise fort. Die General-Synode beschloß einstimmig, dem vorgelegten Entwurf einer neuen Zusammenstellung der bibli­schen Geschichte, nach erfolgter Verbesserung im Sinne ihrer Commission, die Zustimmung zu ertheilen.

Karlsruhe, 21. October. Die General-Synode erklärte die Petition der Gemeinde Pforzheim um ständige Vertretung der größeren Gemeinden bei her Diöcesan-Synode für berechtigt und nahm eine Resolution zu Gunsten der Sonntagsfeier gegen sonntägliche Feldarbeit und öffentliche Vergnügungen an.

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Wien, 20. October. Der Fortschritts - Club und der Club der Linken des Abgeordnetenhauses haben eine Interpellation angenommen, ob die diessei­tige Regierung ihren Einfluß auf die auswärtigen Angelegenheiten in der Orient-Frage ausgeübt habe, insbesondere dahin, daß bei einem ausbrechenden orientalischen Kriege der Frieden für die Monarchie gewahrt bleibe und jedes Streben auf Erwerbung fremden Gebietes hintangehalteu werde.

DerPolit. Corresp." wird aus Petersburg gemeldet, daß keinerlei Grund zu der angeblichen zweiten Mission des Grafen Sumarakvw nach Wien vorhanden sei. Das Einvernehmen Rußlands und Oesterreichs habe eine der­artige Grundlage gewonnen, daß ein gemeinsames Vorgehen beider Staaten auch ohne neue Verständigung als gesichert zu betrachten sei. Es sei nicht un­wahrscheinlich, daß General Jgnatieff, indem er dem Sultan neue Beglaubi­gungs-Schreiben präsentire, gleichzeitig auch eine Sommation überbringe, deren Folgen Entscheidung in die Situation bringen dürften.

Stirnen.

Basel, 20. October. DieBaseler Nachr." melden ans dem Canton Tessin, daß, wenn sich auch die Aufregung lege, immerhin noch Exceffe in ver­schiedenen Gemeinden vorkämen, wo die Liberalen mit Steinwürfen und Revol- Derschüffen empfangen werden. Die ultramontaneii Gemeinden veranstalten Festversammlungen, die Muuicipalitäten von Lugano und Bellinzona dagegen senden Zustimmungs-Telegramme an die Regierung. Aus Bern berichtet die­selbe Zeitung: Der Bundesrath hat die Tessiner Regierung ersucht, die auf den 5. November augeordnete Neuwahl des Großen Nathes zu suspendiren.

ArauLreich.

Paris, 20. October. DasParis-Journal" erfährt, die Königin Victoria habe an den Deutschen Kaiser em Schreiben gerichtet, worin sie ihn anffordere, dazwischenzutreten, damit Europa ein Krieg erspart bleibe. Kaiser Wilhelm habe dieses Schreiben an Bismarck gesandt.

Paris, 20. October. Der rumänische Agent Rosetti erklärt in einer von den Zeitungen veröffentlichten Zuschrift, ihm sei von einem angeblichen Vertrage zwischen der russischen und rumänischen Regierung absolut Nichts be­kannt und er glaube nicht an desieu Exchmz. Alle anderen Nachrichten des JournalsLa France" in Betreff des angeblichen Vertrages seien unbegründet.

England.

London, 20. October. Gestern hat ein Ministerrath stattgefunden. Das Ergebniß deffelbeu ist nach derTimes" folgendes: Das Cabinet ist nur ziisammengetreten, um die Beschlüsse des Landes zu bestätigen Ein Krieg zwischen Rußland und der Türkei wird als unvermeidliä) erachtet; aber das Cabinet hat Nichts gethan, was die Befürchtung einer Theilnahme Englands rechtfertigen fönnte. Weder ein Ultimatum, noch eine inbirecte Kriegs-Erklä­rung, noch auch eine Herbst - Session des Parlaments wird beabsichtigt Das Ergebniß involvirt natürlich feine bestimmte Entscheidung in Betreff noch ungewisser Ereignisse; aber der Krieg zwischen Rußland und der Pforte erzeugt an sich keine Eventualität, die unsere Einmischung erheischt. England ist weder durch Verträge noch durch eine moralische Verbindlichkeit berufen, eines der zwei Reiche gegen daS andere zu schützen. Die Regierung reservirt sich volle Freiheit des Handelns, sollten gefährdete Haiidels-Jntereffen jemals eine In­tervention erheischen.

Spanier».

Madrid, 20. October. Die Cortes sind auf den 6. November ein­

berufen.

BtagTanb.

Petersburg, 21. October In gut unterrichteten Kreisen ist von einer Reise des Großfürst-Thronfolgers nach Wien, London und Berlin und von neuen Friedens - Perm, itlnaaen absolut Nichts bekannt. Die Rüstungen werben mit Eifer, namentlich die der Flotte, betrieben. Die Situation ist eine, ernste und man hält die Unterhandlungen für abgebrochen. I

gtirRfL

Ragusa, 21. October. Die türkische Festung Medun hat capitulirt; die Besatzirng in der Stärke von 400 Mann wurde gefangen, den Montenegri­nern fielen auch Geschütze und Munition in die Hände.

Lokal-Notiz.

Gießen, 23. October. Das gestrige Herbstmanöver der hiesigen Feuerwehren verlief tm Angesichte einer colossalen Zuschauermenge zur größten Zufriedenheit. Uns einen ausführlicheren Bericht, namentlich auch über den Verbandstag, oorbehaliend, können wir noch sagen, daß die Leistungen der Feuerwehr an maßgebender Stelle sehr anerkannt und derselben ein schmeichelhaftes GompOment gemacht wurde.

Berurisci)tes.

Wie Biel ein Arzt unter Umständen für Behandlung eines Kranken fordern kann, ist nach der Volkszeitung dieser Tage vom berliner Stadtgericht in dem Procetz eines namhaften berliner Arztes gegen die Erben des verstorbenen Commissionsralhs Litfaß entschieden worden. Der Arzt hatte 2700 M. gefordert, die Erben jevoch nur die Hälsie bezahlen wollen. Die geforderten Sätze wurden für dreimalige Reifen von Berlin nach Wiesbaden, bezw. der Schweiz, wo der Kranke sich aufhielt, gefordert, und zwar außer dem Honorar, welches Kläger als Hausarzt bezog Da die Reisen jedesmal drei Tage Zeit ! osteten, so hätte der Arzt für die neun Tage 2700 M., d h. 300 1)1. pro Tag liqutbirt. Das stadtgerichuiche Erkenntniß führt nun aus, daß die L'eebicinaltare vom 21. Juli 1815, auf welche sich dic Verklagten berufen hatten, mit Rücksicht auf die gänzlich veränderten Lebens- und Verkehrsverhältuisse und da die gedachte Taxe außergewöhnliche Versäumnisse und Anstrengungen, wie sie im vorlie­genden Falle mit in Rechnung kommen, nicht berücksichtigt, keine Anwendung findet. Es ist deßhulb auch mit Rücksicht auf die - otonsch günstige Vermögenslage der Ver­klagten io wie unter Berücksichtigung beff.-n, daß dem Kläger während seiner Abwe­senheit Emnahmen entgangen sind, auf die geforderte Entschädigung erkannt wordm. Da dir V-rklagten gegen dieses Erkenntniß appeUirt haben, so ist man in beteiligten fit elfen auf die Entscheidung b<6 Kammergerichts gespannt.

Aus Znaim, 9. Oct., wird der Biunncr Zeitung berichtet: Am 9. d. U. um 4 Uhr früh wurde in dem Orte Zackerhandel ein Verbrechen verübt, über welches Folgendes verlautet: Der dortige Schaffner RamenS Lutz war zur gedachten Stunde in berauschtem Zustand aus dem ^astoause nach Hause gekommen, wo er im Vorhaus- plötzlich von einem dort auf ihn lauernden Manne mit Petroleum beschüttet winde. Der Angreifer entzündete rasch ein Zündholz und steckte die Kleider des mit Petroleum UeberQoffcnen in Brand. Lutz stand sofort in Flammen und wurde am ganzen Körpet so ents-tzl-ch oeibrannt, daß er am selben Tage Rachmittags 3 Uhr seinen Wunden bereits erlag. Die Untersuchung rov.b über dieses theilweise noch in mysteriöses Dunkel gehüllte Verbrechen L>cht verbreiten-

Essen, 18. Oct Die unvorsichtige und kenntnißlose Behandlung der Sch' roaffen hat schon namenloses Unglück gebracht. Ein derartiger trauriger Fall ereignete sich, nach derEss. Z " am 11 ds in der Deiter'schen Buchhandlung Hierselbst. Der Gehülse, welcher die Gewohnheit hatte, stets einen Revolver bei sich zu tragen, war von dem Ausläufer, einem jungen Burschen von 16 Jahren, ersucht worden, ihm bin selben zu zeige». Indem er dies nun thun und den geladenen R-voloer aus dem Futteral ziehen wollte, blieb der Bügel an einem Haken hängen, der Schuß ging los und die Kugel traf den Ausläufer in das Heiz, so daß dieser zu Tode getroffen zu Booen sank und noch wenigen Minuten seinen Geist ausgab. Der Getödtele war ein ruhiger, strebsamer junger Bursche aus bei Umgegend, aus den feine Eltern, bereit Stütze er zu werden versprach, große Hoffnungen gesetzt hatten, und kann man sich den Schmerz derselben denken als ihnen die L-iche in das HauS gebracht wurde.

Rechenschaftsbericht

des Vorstandes des Vereins zur Unterstützung von Invaliden und von Hinter­bliebenen gefallener yejsischer Soldaten vom Feldzug des Jahres lb66, unter

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dem Allerhöchsten Protektorat Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs, über die Vereinsthättgkeit in dem Jahre 1875.

Indem der Unterzeichnete die Ehre hat, den ihm durch § 11 des Statuts vorge^chriebenen Rechenschaftsbericht über die Wirksamkeit des Vereins in dem abgelaufenen Jahre zu erstatten, gereicht es ihm zum besonderen Vergnügen, dieser Pflicht am heutigen Tage genügen zu können. Am 3. Oktober 1866 fand die von einem provisorischen Comite berufene constituirende General- Versammlung in dem Rathhausiaale dahier statt, in welcher der Verein durch Annahme eines Statuts und Wahl des Verwaltungsraths gegründet wurde. Der Vorstand glaubt die Uebcr- zeugung anssprechen zu können, daß der Verein auf die nunmehr hinter uns liegende zehnjährige Wirksamkeit mit Befriedigung zurückblicken darf. Es wird aber von Interesse sein, einzelne diesem Dccennium entnommene historische und statistische Notizen an dieser Stelle mitzutheilm, '

Der Verein hat zwar bei seiner Gründung eine völlige selbstständige Stellung ein- . genommen, jedoch, der in dem Statut beurkundeten Tendenz gemäß, alsbald eine nähere Ver­bindung mit demHülfsverein int Großherzogthum Hessen angestrebt. Die deßfaüsigen Schritte haben schon zu Anfang des Jahres 1867 zu einer vollen Verständigung und Einigung beider Vereine geführt. Nach dieser ist unser Verein in eine der statutarischen Verpflichtungen des Hülfsvereins, die Jnvalidenversorgung aus dem Jahr 1866, in erster Linie eingetreten, wahres der Hülfsverein mit seinen Mitteln für denselben Zweck in Reserve getreten ist. Der Verein hat sich von da an als ein Glied des Hülfsverems betrachtet, und diese Verbindung beider Vereine hat in zahlreichen Fällen eine ausgiebigere Unterstützung Bedürftiger möglich gemacht. Am Wirksamsten erhielt dieselbe ihren Ausdruck vurch die überwiegende Gemeinschaftlichkeit der Vorstände beider Vereine.

Der Verein war durch die ihm rasch und zahlreich zugeflossenen freiwilligen Gaben; schon gegen Ende 1866 im Stande, seine helfende Thätigkcit durch Verabreichung vorläufiger Beihülfen eintreten zu lassen und vom 1. Januar 1868 an zu einer bestimmte Gründet gestützten und organisirten Unterstützung überzugehen. Der Vorstand hat diese Grundsätze m einer Denkschrift vom 14. Januar 1866 und in dem ersten Rechenschaftsbericht für die Jahre 1866/67 ausführlich entwickelt. Diese haben sich im Laufe der Zeiten als vollkommen bewährt und seither beinahe unverändert als Richtschnur gedient.

Am Schlüsse des Jahres 1870 hatte der Verein ein Kapital von 35,080 fl. gesammelt, welches am 1. Januar 1875 noch 33,441 fi. betrug. Die für das Jahr 1875 gestellte Rkchnur.g schließt mit einem Vermögensstand von 55,629,98 M. = 32,450 fl. 49 fr. ab. Die Ursachen der Vermögensverminderung sind in dem seit mehreren Jahren fühlbar gewordenen Rückgang bir jährlichen und einmaligen Beiträge, sowie in der unvermeidlich gewordenen Erhöhung der stän­digen Beihülfe für Unterstützungsbedürftige zu suchen. Im Ganzen wurden in der 10jährigen Periode 2630 fl. 4508,57 M. des Kapitals verbraucht.

Die Zadl der Mitglieder betrug bei Gründung des Vereins 781. Durch Sterbfale und Austritterklärungen ist dieselbe bis zum 31. Decbr. 1875 auf 521 Herabgelunken. Der Verein hat somit in den verflossenen 10 Jahren 260 Mitglieder verloren.

Von den auf unsere Anregung in den Jahren 1866/67 auswärts gegründeten Zweig- Vereinen haben sich diejenigen zu Gießen und Lindenfels-Fürth aufgelöst, und es besteht heute nur noch der Zweigverein Worms, dieser aber in einer höchst anerkennenswerthen und erfolg­reichen Thätigkcit. Einen sehr werthvollen Ersatz für die nicht zu erreichen gewesene Gliederung der einzelnen Bezirke des Landes in organtsirte Zweigvcreine, hat der Verein durch das scheu im Jahre 1867 eingeführte Institut der Vereinsbevollmächtigten oder Vertrauensmänner erhalten. Beinahe für jede von dem Verein unterstützte Person resp. Familie befindet sich ein Vertrauens­mann in Thätigkcit und durch diesen wird sowohl die Verbindung zwischen dem Verein und dm Bedürftigen, als auch die dem Zweck entsprechende Verwendung der Vereinsgaben gesichert. Dermalen befinden sich 80 Herren meistens an dem Wohnort der Unterstützten, als unsere Der» trauensmänncr in Funktion, und wir benutzen diese Gelegenheit, um diesen Herrn für ihre uneigennützige und hingebende Mitwirkung zu den Zwecken des Vereins unseren Dank auszu- sprechen.

Die Thätigkcit des Vereins erstreckte sich in den Jahren 1866 67 auf Ermittelung von bedürftigen Invaliden und Hinterbliebenen und Feststellung der Verhältnisse derselben, sowie auf Gewährung vorläufiger Gaben. Damals lagen 304 Fälle zur Prüfung und Beurtheilung vor. Rach erfolgter Ausscheidung der ihren Verhältnissen nach zu einer weiteren Unterstützung nicht berechtigten und der durch die empfangenen Beihülfen als vorläufig abgefunden zu betrachtenden Personen blieben zu Anfang 1868 als weiter unterstützungsbedürftig übrig 117 Invaliden und 36 Familienhinterbliebene.

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