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H». SS3. Zweites Blatt. Sonntag, den 24. September

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Erscheint täglich mit Ausnahme des MontttgK. Prei-s vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brrnaerlshn.

Expedition: Schulstrahe, Ätt. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich L Mark W- Pf.

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Bekanntmachung.

Am 1. October d- I- wird zu Lollar eine Telegraphenanstalt mit beschränktem Tagesdienst und in Gießen eine mit dem im Haupt-Postqebäude I. vereinigt

Telegramm-Annahmestelle mit vollem Tagesdienst (vergl- § 4 der Telegraphen-Ordnung für das deutsche Reich) eröffnet-

Darmstadt, den 19. September 1876.

Der Kaiserliche Ober-Post-Director.

Deininger.

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politischer

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Breslau, 22. Septbr. Der Congreß der Aitkatholikeu ist heute mit feierlichem Gottesdienst in der Corpus-Christi-Kirche eröffnet worden. Bischof Reinkens ist anwesend.

Stuttgart, 21. Septbr. Der Deutsche Kaiser ist in der schwäbischen Hauptstadt angekommen. Er hat soeben mit unserem Könige den Umzug durch die Stadt, einen wahren Triumph-Zug, vollendet. Tausende und aber Tau­fende von Menschen wogten längst zuvor durch die Straßen der Stadt. Schützen-Gilde, Feuerwebr, Krieger-Vereine hatten in den Spalieren fest ihre Ordnung einzuhalten. Der kaiserliche Extrazug wurde, als er die Markung Stuttgarts erreichte, mit 101 Kanoncn-Schüffen begrüßt. Auf die Anrede des Ober-Bürgermeisters Hack erwiderte der Kaiser etwa Folgendes:Es ist zum ersten Mal, daß ich seit den glorreichen Kämpfen der deutschen Nation Ihre Stadt besuche. Ich nehme den freundlichen Empfang, den Sie mir bereiten, gerne an und schließe mich den Wünschen für unser deutsches Vaterland, welche Sie in Ihrer Begrüßung ausgesprochen haben, vollkommen an; wir haben bis jetzt nur gesät, aber die Saat wird aufgehen. Ich baue dabei auf Ihren König, der mir stets treu zur Seite gestanden ist hdem König die Hand rei- dicnb.) Versichern Sie die Stadt, daß ich mich freue, in ihren Mauern zu sein." Der Kaiser schritt nunmehr von dem Empfangs-Salon durch die mitt­lere reich verzierte Halle. Die bürgerlichen Collegien, der Fest-Ausschuß, städtische Beamte, Landtags-Abgeordnete, die Stadt-Geistlichkeit bildeten hier Spalier. Unter Vortritt der Stadt-Garde zu Pferd, welche ein altes Vorrecht ausübte, ordnete sich die Wagenreihe. Tausend- und aber tausendfach erklang das Hoch in begeistertem Sturme und pstanzte sich weiter fort. Die sämmt- lichen Glocken fielen ein und begleiteten von jetzt an mit ihrem majestätischen Zusammenklingen den Zug, der sich zu einer hier nie erlebten Huldigung ge­staltet. Der Kaiser und die übrigen Fürstlichkeiten wurden mit endlosem Jubel begrüßt. Nun geht im langsamen Schritt der Zug der Wagen durch die Spa­liere. Die ganze Strecke der Straßen ist von bürgerlichen Spalieren besetzt, hinter denselben überall die dichte Menge. Von den reich besetzten Fenstern winken unaufhörlich die Tücher der Damen. Blumen - Spenden fallen reichlich auf die Wagen. Jeder einzelne Wagen wird besonders begrüßt. Stürmische Hochrufe ertönen auf den Kronprinzen, der schon öfters gefeierter Gast in Schwaben war. Wo Moltke in Sicht kommt, ertönt aus tausend und aber tausend Kehlen:Moltke hoch!" Der Zug der Wagen, der Kaiser-Wagen mit sechs Schimmeln gezogen, rückte Anfangs nur Schritt für Schritt vor­wärts. Ueberall wurde die musterhafteste Ordnung beobachtet. (Nach dem Schw. Merk.)

Stuttgart, 21. Septbr. Heute Abend 73/4 Uhr fand dem Kaiser zu Ehren ein gewaltiger Fackelzug, wohl an 3000 Fackeln und Lampions zählend, im Schloßhof statt. Gleichzeitig trugen sämmtliche Gesang-Vereine, abwechselnd mit Militär-Musik, ihre besten Stücke vor; auch ein Festgedicht des Professors' Rüstige wurde recitirt. Der Kaiser und der König erschienen auf dem Balkon lind wurden mit Jubel begrüßt.

Stuttgart, 22. Septbr. DemSchw. Merkur" wird aus Karlsruhe gemeldet: Staatsminister Jolly hat am Mittwoch seine Entlassung eingereicht lind am Donnerstag von den Beamten des Ministeriums des Innern Abschied genommen. Näheres über die Gründe des Rücktritts und die Person des Nach­folgers ist noch nicht bekannt.

(Defkrtritfi.

Wien, 20. Septbr. Wie derNeuen Fr. Pr." von Konstantinopel aus glaubwürdiger Quelle mitgetheilt wird, hat Hadschi Mohsin Khan, der Vertreter des Schah von Persien am Hofe des Sultans, bei der Pforte in vertraulicher Weise mugetheilt, daß Persien, im Falle eines gewaltsamen Auf­tretens der christlichen Mächte gegen die Türkei, in der ernsten Bedrohung des vtlomanischen Kaiserstaates eine Gefahr für die Gesammt Interessen des Islams erblickend, trotz aller Sectenverschiedenheit und trotz einer viele Hundert Jahre alten Feindseligkeit sich mit der Türkei verbünden würde.

Pesth, 21. Septbr., Abends. Die officiöse ZeitungHon" erklärt auf das Bestimmteste, die ungarische Regierung habe sich endgültig entschlossen, die ungarischen Linien der Südbahn anzukaufen; die Verhandlungen würden bereits eifrig geführt.

Pesth, 21. Septbr. Man schreibt demPesther Lloyd" ans Berlin vom 19. d., Andrassy habe erklärt, daß er beim etwaigen Scheitern der Ver­handlungen mit der Türkei seinen Widerwillen gegen ein gemeinsames Einschrei­ten mit Rußland beiseite setzen werde.

Ataüe«.

Rom, 22. Septbr. Beim Empfang eines Comics zur Unterstützung der Slaven äußerte sich der Minister des Auswärtigen, Melegari, folgender­maßen : Die Regierungen haben es bezüglich der Friedens-Verhandlungen für nothwendig erachtet, daß solche auf folgenden Grundlagen stattfinden: Status quo ante bellum für Serbien und Montenegro; Jnstirutionen für die aufstän­dischen Provinzen, welche ein friedliches Nebeneinanderleben der Bevölkerungen verschiedener Racen und Religionen gestatten; Uebernahrne der Verpflichtung Seitens der Türkei, das Verhältniß dieser zu einander nicht durch Heranziehung muselmännischer Colonisten zu alleriren. Der Minister fügte noch hinzu, der Türkei bleibe die volle Verantwortung für die verübten Greuelthaten, und er­klärte schließlich, er habe Grund, zu hoffen, daß der Waffenruhe ein Waffen­stillstand folgen wird, welcher den Abschluß des Friedens erleichtern werde.

gtagfanb.

Petersburg, 22. Septbr. DerNeuen Zeit" wird telegraphisch aus Semlin von gestern gemeldet: Tschernajeff hat allen seinen Unterbefehlshabern durch Circular-Befehl vorgeschrieben, bei der geringsten feindseligen Bewegung Seitens der Türken dieselben sofort anzugreifen, da kein formeller Waffenstill­stand bestehe.

Petersburg, 22. Septbr. DerGolos" spricht sich über die Er­haltung des europäischen Friedens mit großer Zuversicht aus, da Deutschland, Rußland und England in der orientalischen Frage einig seien. DasJonrn. de St. Petersbourg" äußert sich ebenfalls im friedlichen Sinne und gedenkt mit Anerkennung des Fürsten Milan, daß er seine Proclamirunz als König von Serbien zurückgewiesen habe.

Flumäniea.

Bukarest, 22. Septbr. Ein Decret des Fürsten ordnet an, daß die unterm 12. Mai suspendirte Recrutirung für die rumänische Armee am 13. Oct. wieder aufzunehmen und am 13. Nov. zu beendigen ist.

Türkei.

Konstantinopel, 20. Septbr. Der Sultan empfing heute den öster­reichischen Botschafter, Grafen Zichy, welcher neue Beglaubigungs-Schreiben Überreichte, wobei freundschaftliche Versicherungen ausgetauscht wurden.

Konstantinopel, 21. Septbr. Die türkischen Vertretungen im Aus­lande sind Seitens der Regierung beauftragt worden, die Gerüchte von der angeblichen Verletzung der Waffenruhe durch die türkischen Truppen für unbe­gründet zu erklären. Ferner läßt die Regierung die Zeitungs-Nachricht, daß die Christen in Thessalien und Epirus aus Furcht vor Verfolgung die Flucht ergreifen, als völlig unbegründet bezeichnen; es herrsche daselbst die vollkom­menste Ruhe.

Vermischtes.

Aus Hessen. Localgewerbevereine bestehen gegenwärtig an 30 Orten des Landes und zählen an Mitgliedern: Alsfeld 71, Alzey 56, Babenhausen 15, Beer­felden 17, Bensheim, Bingen 91, Büdingen 48, Erbach 27, Darmstadt 498, Friedberg 83, Fürth i. O. 42, Gießen 88, Groß-Gerau 73, Groh-Umstadt 33, Grünberg 37, Guntersblum 46, Hirschhorn 22, Homberg 17, Lauterbach 55, Mainz 412, Michelstadt 38, Nidda 108, Offenbach 174, Oppenheim 67, Pfungstadt 114, Schlitz 60, Scholten 47, Westhofen 22, Wöllstein 44, Worms 215; 182 Mitglieder gehören keinem Localgewe- be- veretn an. Die Gesammtzahl der Mitglieder des Landesgewerbeoereins beträgt hier­nach 2802 und ist gegen den vorjährigen Stand etwas zurückgegangen.

Bingen, 19. Sept- Die Bewegung gegen Fälschung der Lebensrnittel nimmt erfreulicher Weise immer größeren Umfang an. Neuerdings Hal der landwuthschasUicke Verein für Nheinpreußen den deutschen Landwirthschastsrath ersucht, derselbe möge beantragen, daß möglichst bald ein Gesetz erlassen werde, nach welchem Jeder, der Nahrungs- und Genußmittel, denen fremdartige Stoffe beigemengt sind, wissentlich als reine Waarc verkauft, mit hoher Geldstrafe und im Wiederholungsfall mit Ge- fängnißstrafe bestraft wird Dem Unwesen, das in den letzten Jahren eine erschreckende Ausdehnung genommen, kann nicht ernst und entschieden genug entgegengetreten werden. Hier in Bingen wurde mit einer Säuberung auch begonnen. Die Polizei confiscirie