nicht geboten ist, weil die- nach Verlegung der Trauung hinter den rechtlichen Beginn der Ehe nicht angängig war. Ebensowenig jedoch sei dieselbe untersagt. Wenn daher die Interessenten die Anwendung des jungfräulichen Prädicats für b n Trauungsact begehen und nicht etwa die Gememfainksit des ehelichen Hausstandes schon begonnen fei, werde der die Trauung vollziehende Geistliche- unverhindcrt sein, Bem an chn Mellten Brrlaaqtzn yx willfahren
Berlin, 2V. Mai. Gestern Nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr empfing Edbem Pascka das dtplomMche Corps, sämmtliche Chefs der Missionen nebst ihrem Personal. Man macht darauf aufmerksam, daß, während der Nichtbei- tritt Englands zu den Vorschlägen des Memoires der Rordmächte allseitig be- statigt wird, die Ablehnung wahrscheinlich noch nicht förmlich notlficirt ist. Man glaubt, dis englische Regierung werde ihren Nichtbeitritt im Parlament oder in einer Depesche erklären. — Die Nachricht belgischer Blätter aus Wien, England wolle deswegen an den Vorschlägen der Nordmächte sich nicht betheiligen, weil diese den Durchgang der Kriegsschiffe durch die Dardanellen verlangen, bedarf zum mindesten der Bestätigung. Es wird versichert, daß die an die W'stmächte gerichtete Reclamation diese Forderung nicht enthalte.
Berlin, 22. Mai. Das Kammergericht hat heute das Erkenntniß abgegeben, daß der ehemalige Fürstbischof von Breslau, Förster, welcher aus Anlaß der Excommunication des Probstes Kick in Kähme angeklagt war, freizusprechen sei. An das Kammergericht war diese Sache vom Obertribunal verwiesen worden. welches das aus 2000 Mk. Geldbuße lautende bezügliche Erkenntniß des Appellationsgerichts zu Posen vernichtet hatte. Das Kammergericht ging bei seinem freisprechenden Urtheil von der Ansicht des Obertribunals aus, daß die Excommunication dem rein kirchlichen Gebiete angehöre und ein an sick zulässiges Strafmittel sei, welches nur dann unzulässig werde, wenn das Verbot jedweden Verkehrs mit dem Excommunicirten hinzutrete, oder die Excom munication unzulässiger Weise öffentlich verkündet werde; Beides sei in diesem Falle uicht geschehen.
OtfttrttidL
Wien, 20. Mai. Aus Pesth wird dem „Neuen Wiener Abdbl." unter dem 1b. d. Mts. telegraphirt: Heute circulirte hier das Gerücht, drei Italiener hätten ein Attentat auf das Leben des Kaisers Franz Joseph beabsichtigt Eine Untersuchung wurde angestellt, blieb aber erfolglos. Die Anzeige erfolgte durch einen Wachtmeister, der die drei Personen in einem Schanklocale über das geplante Complott flüstern gehört haben wollte. Ober-Ltadthauptmann Thaiß besuchte das betr. Local, ohne etwas zu erfahren.
Wien, 22. Mai. Die „Montags-Revue" meldet: Das italienische Ministerium hat Verhandlungen mit Rothschild eingeleitet, die wesentlich auf Reduction der im Baseler Vertrage fixirten Ablösungs-Summen für die italienischen Linien der Südbahn hinauölaufen. Die „Montags-Revue" glaubt bestimmt zu wiffen, daß die österreichische Regierung jede wie immer geartete Modification des Wiener Vertrags und der Baseler Convention auf das Ertt- schiedenst? perhorrescirt, insbesondere alle eine Ermäßigung des Kaufpreises anstrebenden Zumuthungen für absolut undiscutirbar erklärt, und daß dieselbe eine gleich energische Haltung von der Verwaltung der Südbahn, sowie von Rothschild erwartet. Die italienische Regierung habe sonach nur die Wahl, die Eouvention anzunehmen oder abzulehnen.
Schweiz.
Aarau, 18. Mai. Der Große Rath des Cantons Aargau hat außer den schon gemeldeten Maßregeln ähnlicher Art heute auch die Aufhebung des Stisles St. Verena in Zurzach beschloffen, und zwar mit 81 gegen 47 Stimmen.
AranLreich.
PariS, 19. Mat. Der „Moniteur" meldet, daß nach der Verwerfung des Amnestre-Antrages ein Decret erscheinen werde, wodurch so umfaffende Begnadigungen ertheilt würden, daß sie einer theilweisen Amnestie glerchkämen.
Paris, 22. Mai. In einer Zuschrift an seine Wähler auf Corsika erkennt Prinz Jerome Napoleon die Existenz der Republik an und erklärt, der Patriotismus gebiete, sich derselben zu unterwerfen, da sie die einzig mögliche Regterungsform sei; er acceptire die Lage der Dinge loyal ohne Hintergedanken.
AtaNen.
Rom, 22. Mai. In einer gestern Abend stattgehabten Sitzung der mit der Prüfung der Baseler Convention betrauten Commission gab der Mmi- sterpräsideur Depretis verschiedene Aufklärungen und behielt sich weitere Aufschlüffe vor; eine Beschlußfassung sand noch nicht statt.
England.
London, 20. Mai. Dem gestern Abend in der Gutldhall zu Ehren des Prinzen von Wales veranstalteten Festmahle wohnten etwa 600 Gäste bei, darunter außer den Mitgliedern der königlichen Familie die Botschafter von Deutschland, Frankreich, Oesterreich, Italien und der Türkei, die Minister, sowie viele Mitglieder des Ober- und Unterhauses. Auf die ihm überreichte Adreffe antwortete der Prinz von Wales mit dem Ausdrucke seiner hohen Befriedigung über den ihm sowohl in Indien wie bei seiner Rückkehr in England gewordenen Empfang.
London, 20. Mai. Der Konstantinopler Berichterstatter des „Daily Telegraph" behauptet, daß die Pforte die Berliner Vorschläge verwerfen werde. Die englische Tagespreffe billigt, wie zu erwarten war, die Ablehnung Derby's.
Spanien.
Madrid, 20. Mai. In der heutigen Sitzung des Senats legte der Minister-Präsident den Gesetz-Entwurf, betr. die Aushebung der Fueros, vor. Die Motive des Gesetzes erläuternd, erklärte Cauovas de Castillo, die consti- tutionelle Einheir Spaniens dürfe nicht länger in Frage gestellt werden. Der erste Artikel des Entwurfes verpflichtet sämmtliche Provinzen zum Militär- dienstk. Im zweiten Artikel behält sich die Regierung gewiffe Maßregeln für den Fall vor, daß Provinzen das Kontingent verweigern. Der dritte Artikel b stimmt, daß die Provinzen nach ihren Vermögens -Verhältniffen Steuern zahlen.
Madrid, 21. Mai. Alle Gerückte von einer neuen Anleihe werden in osficieller Weise als durchaus unbegründet bezeichnet.
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Bukarest, 19. Mai. AuS BulgLaten kommen hi« zahlreiche Flücht - linge an. In Giurgewo ist Alles von Flüchttnngen überfüllt. Die Eisenbahn Varna-Rustschuck befördert unMusgefotzt weitere FlHchtlingc. In Bulgarien mb in Vilafts-Ädrianoyel soll vollständige Anarchie herrschen Oie Insurgenten bei Philippopel sind mehrere Tcnffend Mann stark. Dieselben führen" auch Artillerie mit sich. Die Türken ziehen fortwährend Truppenverstärkungen an sich und schwächen selbst chr Observations-Corps an der serbischen Grenze, um die Bewegung in Bulgarien niederzuhalten.
Türkei.
Konstantinopel. Sr. Majestät Schiff „Medusa" ist am 15. Mai in Salornchi eingetroffen. Daselbst sind jetzt auch das französische Geschwader, eine österreichische Fregatte und die russische Fregatte „Swetlana", welche Groß^ fürst Alexis von Rußland befehligt, angelangt.
— Der französische Admiral Jaures traf am 16. Mai vor Salonichi ein und setzte sich sofort in Einvernehmen mit den Commiffären unb dem Befehlshaber der deutschen Corvette.
M Gericht;u eifl »-Mchlagung dieser 6r.
Von Sonntag den 28. Mai an beginnen die MorgengotteStztenste wieder um 9 Uhr.
9*gogl!^ Stab 5- T. d.;
Kirchliche Anzeigen evangelischen Gemeinde zu Gießen
Gottesdienst.
Am Himmelfahrtfeste den 25. Mat.
Morgen?: Pfarrer Dr. Seel.
Nachmittags in der Friedhofskapelle: Pfarrverwalter Schlosser.
Manntmi
Montag den 12. ■ . Vormittags \ KJ* Forderung
« Gießen, i MPa öon V)eiterShi'
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Sichen, am 18. zrchherroglichc M
Die AuSloosuag der «bizungsgeschwornen tu chi der Prooim Ober! Cu»rtal 1^76 soll
Dienstag den 30.
Vormittags ir LsfMidn Sitzung ^osgerich^ in dem hosg gtwmtn toaben.
Gießen, am 22. Mai Ter Prä'
Sir-AHosgerWdrr' Dr.
»ffl mürbe bt io , rÄsL '-^Naulstj
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L o k a l , ve o t i z.
Vteßen, 23. Mat (Alice -Frau en-Verein für Krankenpflege). Seit einigen Jahren besteht dahier ein Zweig-Verein des unter dem Protertorate Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Prinzessin Ludwig stehenden Al t ce. Fr a u e n - V e r eini f ü r Krankenpflege.
Viele Frauen und Jungfrauen Gießens gehören diesem Vereine an und haben seither ihre regelmäßigen jährlichen Beiträge bezahlt, aber nicht Alle dürften vollständig unterrichtet sein über das Wesen des Vereins und die Ziele desselben und deshalb möchten die nachfolgenden Zeilen, weiche darüber aufklären sollen, für Manche vielleicht erwünscht sein.
Der Hauptzweck des Vereins besteht, wie schon sein Name erkennen läßt, in der Krankenpflege. ES ist unbestritten, daß e4 für den Arzt vvn höchster Wichtigkeit ist, seine Anordnungen und Vorschriften durch Leute befolgt zu sehen, die die Krankenpflege als ihren Beruf erwählt haben und die sich deshalb darin hrben ausbilden lassen. An wirklich ausgebildeten Krankenpflegern hat es aber fast aller Orten gefehlt und das Bedürfniß nach solchen hat sich während des letzten Krieges so recht fühlbar gemacht.
Es ist darum das «estreben des Alice-Verein« vor Allem darauf gerichtet ge, wesen, Frauen und Jungfrauen aub anständigen Familien zu bestimmen zu suchea, sich der Krankenpflege zu widmen und sich zu diesem Behufe darin auSbilden zu lasstn. Denn daß das weiblich? Geschlecht sich ganz vorzugsweise zur Krankenpflege eignet, dietz wird von allen medtcinischen Autoritäten anerkannt.
So hat es sich denn auch der hiesige Zweigverein seit seinem Bestehen angelegen sein lassen, wirklich ausgebildete Krankenoflegennnen zu gewinnen und er ist bis jetzt so glücklich gewesen^ immer Solch? zu finden, die alle zu diesem schweren und verantwortlichen Berufe erforderlichen Eigenschaften besitzen
Nach dem Abgänge der ersten Vereinspflegerin, mit welcher mau in jeder Beziehung zufrieden war und die vor etwa 3 Jahren als Oberaufseherin in einer hiesizen Heilanstalt angestellt wurde, hat der Verein m der jetzigen Pflegerin Fräulein Stumpf eine Arquisition gemacht, zu der er sich nur Glück wünschen kann. In allen Familien, in b-nen sie bis jetzt gepflegt hat, ist man mit ihren Leistungen durchaus zufrieden und erkennt eS dankbar an, was sie für die Kranken selbst und zur Erleichterung der Familien derselben gethan hat. Denn der Dienst einer Krankenpflegerin ist ein äußerst anstrengender und aufreibender. ES erhellt dies daraus, daß die hiesige Pflegerin in den Jahren 1874 und 1875 in 12 Familien im Ganzen:
228 Nachtpflegen,
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Zur Berichtigung mancher unrichtigen Ansicht sei zum Schlüsse noch bemerkt, daß die Vereinspflegerin eine Vergütung für die geleistete Krankenpflege von den Verpflegten nicht anzusprechcn bat Der Verein erhebt allerdings von Vermögenden eine mäßige Vergütung für die Krankenpflege und verwendet solche zu ^Remunerationen an die Pflegerin, um diese zu eifriger Pflichterfüllung anzuspornen. Bei Unvermögend« aber wird die Pflege in jedem Falle unentgeltlich geleistet.
Mit dem Wunsche, daß die Frauen Gießens, welche dem Alice-Frauen'Vereiii vis jetzt noch nicht beigetreten sind, demselben sich anschließen möchten und daß de eben im Gange befindliche Erhebung der Beiträge für 1876 ein recht erfreuliches Ri- suitat ergeben möge, verbindet man die Nachricht, daß Gesuche um Ueberlassung ör “
Pflegerin bei der Präsidentin des Vereins, Frau Albertine Milbrand, oder auh Wwand
be der Pflegerin Fräulein Stumpf, bei Herrn Fabrikant Patz wohnend, angebracht ।’Äete _fi!r u,,l werden können. -
201 ganze Tagespflegen, 29 halbe Tagespflegen, geleistet, also eine Thätigkeit entfaltet hat, die in hohem Grade befriedigen muß. Der sehnlichste Wunsch des Vereins besteht darin, die Anstellung einer zweiten Pflegerin dahier zu ermöglichen, da seither gar manche Bitte um Ueberlassung einer Pflegerin nicht erfüllt werden konnte Die Verwirklichung diese? Wunsches hat aber leider aus finanziellen Schwierigkeiten bis jetzt unterbleiben müss-n. Die regelmäßigen Beiträge der Frauen und Junafraum Gießens haben nämlich bis jetzt kaum hinge- ‘ reicht, den Jadresgehalt der Pflegerin zur Hälfte zu decken und es würde der Verein nicht im Stande gewesen sein, seinen Verpflichtungen nachzukommen, wenn ihm nicht, was nicht dankbar genug anerkannt werden kann, von anderer Seite bercitwillizsi Hülfe gewährt worden wäre. So haben die ^Stadtverordneten, in richtiger Würdigung ■" von Wtrfihai der Bestrebungen des Vereins, demselben bis auf Weiteres einen jährlichen BeitragdrmLeklaaten aus der Stadtkasse vcrwilligt. Ebenso ist der Verein seither alljährlich auS der Spar»bestehendauSM» und Leih-Kasse dahier, sowie aus der Mathilden-Stistung der Provinz Oberhessen miÄjR und Gaben bedacht worden. Auch au« dem Ertrage einer Reihe von Vorlesungen, welchtM und Mrim i» verschiedene Herren Professoren dahier zu wohlthätigen Zwecken veranstaltet hattea, D°n 2 J wurde dem Verein ein Antheil zugewiesem Was -en Verein aber ganz besonders nnt
Dank verpflichtet, ist der Umstand, daß einer der größten Fabrikanten dahier, dessm k'^. unter ben im leider zu früh verstorbe- e Gattin oftmals von der Vereinspflegerin gepflegt wurde, btin t ^^«benben^binm Verein schon einigemal recht .'.nsehnliche Gaben zur Gründung eines Äapitalftodi zugewendet hat. ES beweist dies emestheils, daß man mit der geleisteten Pflege ziv R p frieden war, um anderntheilS giebt dies Zeugniß davon, daß der Geber den Zwrck und die Ziele deS Vereins richtig erkannt hat und die Bestrebungen desselben thot« kräftig unterstützt.


