Schweiz.
Bern, 21. Februar. Die Mebrzabl der hiesigen Schriftsetzer hat heute die Arbeit eingestellt. Die Zeitungen „Bund' und „Tages-Post" erscheinen zeitweilig in gemeinsamer Ausgabe.
Arankreich.
Paris, 21. Februar. Der spanische Botschafter hat heute dem Herzog Decares den Dank seiner Regierung für die an der Pyrenäengrenze getroffenen Maßnahmen ausgesprochen. Dieser Ausdruck des Dankes wurde dem Kriegs- Minister Cissey übermittelt. Die neuesten Nachrichten, welche dem Minister des Answärtigen zugegangen, besagen, daß man von Tag zu ^.ag eine Entwickelung erwarte, die dem Bürgerkrieg in Spanien ein Ende machen wurde. Dem Fran?ais" zufolge geht das Gerücht, daß ein Convenio zwischen dem General Moriones nnd den Carlistenführern in Guipuzcoa schon abgeschlossen sei Don Carlos scheint indessen einem solchen Schritte noch nicht geneigt zu sein- wenigstens wird berichtet, daß er die in Villafranca zusammengetretenen carlistischen Junten, welche die Einstellung der Feindseligkeiten verlangten, auf-
Paris, 21. Februar. Buffet hat dem Marschall Mac Mahon sein Entlastungs-Gesuch übergeben; man vermnthet jedoch, der Marschall werde Buffet ersuchen, bis zum Zusammentreten der Kammern im Ministerium zu verbleiben.
Wesgien.
Brüssel, 21. Februar. Nach einem Pariser Telegramm der „Jndöp." ist Buffet überall geschlagen worden, selbst in Castel Sarrazin.
England.
London, 21. Februar. Der österreichische Botschafter Graf Beust reiste nach Wien ab mit mehrwöchentlichem Urlauh. — Der Menschenverlust bei dem Zusammenstoß der beiden Schiffe in Dover beträgt vollständig 18 von der Mannschaft und 20 von den Passagieren.
London, 22. Februar. In der Sitzung des Unterhauses wurde die Debatte über den Ankauf der Suez-Canal-Actien wieder aufgenommen. Lowe und Gladstone sprachen auf das Entschiedenste gegen einzelne Bestimmungen der Vereinbarung und hoben namentlich hervor, daß die Bedingungen, unter denen dem Hause Rothschild die Zahlung des Kaufpreises übertragen sei, außer- ordentlich ungünstig wären; auch gewinne England nur einen geringen Einfluß auf die Verwaltung des Canals. Von Seiten der Regierung vertheidigte Disraeli den Ankauf der Actien: derselbe dürfe nicht als Finanz-Operation, sondern als eine Maßregel der Politik zur Befestigung und Stärkung der britischen Macht beurtheilt werden. Hierauf wurde der geforderte Kredit ohne förmliche Abstimmung bewilligt.
Spanien.
Madrid. Der carlistische Aufstand naht seinem Ende. In wenigen Tagen wird der letzte Platz, welchen di- Carlisten noch in Händen haben, gefallen, die Reste der Armee zersprengt und Don Carlos gefangen oder Flüchtling sein. Das Vorgefühl des nahenden Untergangs hat wohl folgenden Brief dictirt, den Don Carlos an seine Mutter in Gratz richtete und welchen das Wiener „Vaterland" veröffentlicht:
Theure Mutter!
Die Stunde der Entscheidung ist nahe. Der Feind rückt vor. Ich bin voller Vertrauen und Hoffnung, gerade iveil ich das Mißverhältniß der Kraft kenne. Wenn wir Sieger sind, so wird dies das Werk Gottes sein. Der gegenwärtige Moment ist der ernsteste des ganzen Feldzugs. Die feindlichen Legionen stürzen sich von allen Seiten auf uns, wir werden furchtbare Bekümmernisse auszustehen haben, aber der Glaube wird, so hoffe ich, unsere Kräfte verdoppeln. Gott wird uns nicht verlassen. Wenn schlimme Nachrichten aus unserem Lager zu Ihnen dringen, ängstigen Sie sich nicht. Beten Sie im Gegentheil für uns, Ihre Gebete werde» mehr vermögen, als alle höllischen Mächte re.
Madrid, 21. Februar. Die „Gazeta" meldet, die Carlisten hätten Estella vor dem Abzüge geplündert.
Madrid, 21. Februar. Die Regierungs-Truppen machen weitere Fortschritte. Der König Alphons ist in Azcoitia angelangt. Primo de Rivera hat alle Forts von Navarra besetzt. Der größte Theil der carlistischen Artillerie in Estella ist in die Hände der Regierungs-Truppen gefallen, ein anderer Theil in die Abgründe geworfen.
Madrid, 22. Februar. König Alphons ist gestern in Tolosa eingezogen.
Madrid, 22. Februar. Die Sache der Carlisten gilt nunmehr als definitiv verloren. Dorregaray ist nach Frankreich geflohen.
Madrid, 22. Februar. Die Gerüchte, welche von einer republikanischen Jnsnrrection in Andalnsien und einer Empörung der Besatzung der Fregatte „Numancia" in Cadix wissen wollen, sind unbegründet. — König Alphons wird heute Mittag in San Sebastian erwartet.
Rumänien.
Bukarest, 22. Februar. Die Kammer hat das diesjährige Recruten- Contingent von 15,000 Mann bewilligt. — In Folge einer Interpellation, welche sich auf das gegenwärtige Verhältniß der Kammer zur Regierung bezog, beantragten mehrere Abgeordnete ein Mißtrauens-Votum gegen die Regierung. Dasselbe wurde jedoch mit 64 gegen 25 Stimmen verworfen.
Türkei.
Konstantinopel. Die „Neue Freie Presse" schreibt: Fürst Kara- georgievich hat unterin 18. Februar eine Proclamation an das serbische Volk gerichtet, das er zur Fortsetzung des Kampfes gegen die Türken auffordert. Diesen Kampf will er an der Seite des Fürsten von Montenegro ansfechten, und wenn nöthig, selbst für das Vaterland sterben. Der Aufruf, in welchem der Prätendent wiederholt versichert, nicht von seinen persönlichen Angelegenheiten sprechen zu wollen, befaßt sich eigentlich nur mit den Bestrebungen ber Karageorgievichs und enthält eine Reihe gehässiger persönlicher Angriffe gegen den Fürsten Milan, dessen Regierung beschuldigt wird, Mörder gedungen zu
haben, und durch die Verbreitung der Nachricht, Karazeorgievich stehe in tür- kischem Solde, diesen moralisch tobten zu wollen.
Lokal-Rotiz.
Sieben, 23. Febr. Auszug aus dem Sttzungspratocoll der Großh. Handelskammer vom 29. Januar 1876. Anwesend: Hornberger, Diery, Georgi, Koch, Li-brich und Noll. Der Vorsitzende bringt die Eingänge zur Kenninitz der Mitglieder, welche tbeils beit Acten und der Bibliothek überwiesen, theils zur Circulaiion bestimmt werden.
In Folge Rescripts Grotzh. Ministeriums des Innern betr. die Lenne-Lahn-Bahn beschließt die Kammer, das Comits für Verkehrsinteressen in Gladenbach um Aui- schlutz über den dermaligen Stand der Angelegenheit, Insonderheit über die Vermessungen im Bieberthal zu ersuchen und weiter, dem Reichlagsabgeordneten Freiherr» von Nordeck zur Rabenau die seitherigen Verhandlungen mitzutheilen, mit dem Ersuchen, für die Verwiiklichung des Projects an maß lebender Steile in Berlin eint' eten zu wollen. Ferner soll eine auf Veranlassung der Reichsbankhauptstelle in Frankfurt a. Di. eingezogene Erkundigung betr. die Neubesetzung der ReiehSbanknebenstelle dahier im Original zur Kenntnißnahme einaesandt werden.
Gießen, 23. Febr. Auf den Oberhessischen Bahnen wurden im Monat Januar d. Js. 37883 Personen und 16,759,930 Kilogramm Güter befördert- — Die Einnahmen hierfür berechnen sich auf Di. 75055, — wonach sich, den Rechnungsergebnissen pro 1875 gegenüber, eine Mehreinnahme pro Januar von M. 4515. — ergiebt
Vermischtes.
Aus Oberhesssen. Den Bemerkungen des Laien über die Kirchensteuer in Nr. 41 erlaubt sich ein Geistlicher einige Bemerkangcn entgegenzustellen. Was jener über die krasse Auffassung und Darstellung der biblischen Teufelslehre bemerkt hat, möchte großentheilS aus der Luft gegriffen sein; wenigstens hat aus hiesiger Gegend kaum ein Pfarrer dazu Veranlassung gegeben und wenn Geistliche in dieser Weise die angeregten Lehren behandelt hätten, so waren sie wohl unter den Renitenten zu suchen, welche um ihrer religiösen Ueberzeugung willen, ihr dienstliches Einkommen aufgegeben baben. Gerade ihre Anhänger aber haben für diese Geistlichen eine Opfers sreudigkeit bewiesen, welche den andern Gemeinden zu wünschen wäre; dann würde der Mitzmuth über die Kirchensteuer verschwinden. Was nun weiter die Arbeit der Geistlichen betrifft, so möchte dem Laien zu wünschen sein, daß er sich, bevor er urtheilt, die Sache genauer betrachtet. Die Arbeit eines Mannes ist doch nicht zu beurthetlen nach den Stunden, die er Unterricht ertheilt oder am Aktentisch sitzt- Weiß denn der Lcue wie viel Stunden ein gewissenhafter Geistlicher zur Vorbereitung auf seine Predigten und sonstigen Amtshandlungen bedarf? Weiß er wie viel Stunden derselbe Der Privatseelsorge, den Krankenbesuchen u- s. w. zu widmen hat? Weiß er wie viel er für seine Fortbildung verwenden muß? Dazu sind die Schreibereien durch die neue Kirchenverfassung nicht vermindert worden, wenn auch keine Kirchenbuchsduplikate mehr anzufertigen.sind. UeberdieS hat das Kirchenrcgiment noch weiter für Vermehrung der Arbeit gesorgt. Die Geistlichen müssen doppelt so viel Religionsstunden er- theilen, als früher; sie müssen nach Umständen die Verwaltung einer benachbarten Pfarrei'ohne weitere Vergütung übernehmen, da man, um zu sparen, beabsichtigt, wo es geht, benachbarte Pfarreien zeitweise zusammen zu legen.
Krofdorf, 20. Febr. Heute wurde der hiesige Einwohner Carl Drescher, als verdächtig, dem Philipp Wagner von hier die seiner Zeit bereits gemeldete Körperverletzung beigebracht zu haben, welche den Tod deS Verletzten zur Folge hatte, verhaftet und zur Untersuchungshaft in das Gefängniß nach Wetzlar abgeführt.
Frankfurt, 22. Febr. In Folge der U e b e r s ch w e m m u n g befinden sich die Bewohner der Schaumain-Straße in einer schlimmen Lage. Hinter dem Quai-Damm ist nämlich ein neuer kleiner Main entftanoen, welcher keinen Abfluß hat, weil derselbe durch den hohen Damm der Dürer-Straße gesperrt ist. Ein Versuch, die Schaumain- Straße am vorigen Sonntag mittelst eines Dammes an ihrem Eingang abzusperren, wurde von den angrenzenden Bewohnern, welche davon eine Ueberschwemmung ihrer Häuser befürchteten, vereitelt. Der Mangel rechtzeitiger Nachrichten vom Obermain trug vielfach die Schuld, daß nicht in allen Straßen mit der Raschheit, wie es sonst ber Fall gewesen. Pritschen geschlagen wurden. Von großem Einfluß war nicht minder der Mangel an Arbeitskräften, denn mit den besten Worten, bei dem schönsten Taglohn waren stämmige Burschen nicht zum arbeiten zu bewegen An dem neuen Quai sind die Folgen des Hochwassers augenfällig bemerkbar. Drei Stellen, die eine von 120, die andere von 150 und die dritte von 40 Fuß Länge, sind so befect, daß dort keine Passage mehr stattfindet; die Fahrbahn hat nur noch eine Breite von 10 Fuß. Einem Holzhändler in Sachsenhausen schwamm für etwa 4000 Gulden Holz fort. Am Geist- Pförtchen fiel ein Mädchen in den Main, wurde aber, wenn auch schon bewußtlos, gerettet. Ein malerisches Bild bot sich dem Auge vom Pfarr-Thurm auS Die Wasser- Massen hatten das Main-Thal vom Röderberg bis hinüber zu den Abdachungen des Sachsenhäuser Berges überschwemmt. Die Häuser im Fischerfeld nehmen sich wie Inseln aus. Nach Westen zog sich das Wasser von Bockenheim-Rödelheim in ununterbrochener Fläche bis zum Walde auf der linken Main-Seite. — Die neuen Canäle führten ebenso wie die alten auch den dem Ueberschwemmungs-Gebiet feiner liegenden Stadttheilen das Wasser zu, das die Keller erfüllte. Zum Auspumpen der Keller wirb hie und da (wie auf dem Kornmarkte) Dampfkraft zu Hülfe genommen. Es ist alle Hoffnung vorhanden, daß der Main bis heute Abend wieder in feine Ufer zurücktreten wird, denn bis heute Morgen ist derselbe um 5Vz Fuß gefallen.
Flörsheim, 20. Febr. Wenn mir wieder einmal Jemand sagt, das Geld wäre seltener in der Welt, so erzähle ich ihm, daß die hiesige Feldjagd heute für jährlich 2300 M. (Zweitausend Dreihundert Markt gegen 137 ' Mark des vorigen Bestandes Ist Diana guter Laune und den Nimrods gewogen, so dürfte doch das, was vorn an einem Hasenschwänzchen sich befindet, ohne Pfeffer auf zehn Mark zu stehen kommen. Mahlzeit!
Berlin. (Zum Tode verurtheilt und doch noch angeklagt!) Dieser selten! Fall kommt in der gegenwärtigen Schwurgerichtsperiode des Stadtgerichts vor. Bekanntlich hat das Kreisschwurgericht seinerseits über den Arbeiter Neuß die Todes- -trafe verhängt, so daß er eigentlich nach den Begriffen des Laien gar nicht mehr oer- urtheilungsfähig wäre, dennoch wird dieser Verbrecher wegen Theilnahme an einem Straßenraube vor das Schwurgericht gestellt und den gesetzlichen Hestimmungen gemäk im Falle der Schuld noch zu Zuchthausstrafe verurtheilt werden.
— Die gefälschtenReichskasf en scheine zu 20 Mark sind durch Lithographie hergestellt, während die echten theils in Kupfer-, theils in Buchdruck angeser tißt sind. Die L-chauseite zeigt folgende wesentliche Unterschiede. Die auf der linker Seite befindliche Reliestafel, sowie die Schraffirung hinter der Zeile „Reichs-Kassenschein" ist ungleichmäßig gctheilt und fällt dies schnell in die Augen. Die Krone über dem Adlerftempel, welche bei den echten Scheinen achteckig gezeichnet ist, erscheint bei den falschen flach. Als besonderes Kennzeichen ist ferner zu beachten, daß an den Emblemen zu Füßen des Herolds die Schraffirung bei dem Ankerringe fehlt. Di- Ranke, welche bei den echten Scheinen über dem Worte „verfälscht" der Strafandrohung vorhanden ist und die Punkte über dem „a" verdeckt, fehlt an den falschen.
— (Standesgemäß.) Baronin: „Zeigen Sie mir Ihre feinsten Thermometer. — Optiker: „Hier, bitte, da4 schönste venetianische Glas, das beste Quecksilber —" — Baronin: „Quecksilber . .! Haben sie nicht auch welche mit Queck-Gold?"
— In Nieder-Rarnftadt wurde in der Nacht vom 6. Februar der dortig Polizeidiener schwer verwundet auf der Straße liegend, aufgefunden; durch einen furcht baren Schlag auf den Mund, sind solche Verletzungen desselben herosrgerufen worden daß es dem Manne noch heute unmöglich ist, Mittheilungen über die Thäter zu machen- Man vermuihet einen Racheact und sind schon eine Reihe von Personen in Verhör genommen worden.
— In Chemnitz steht es jetzt recht schlimm mit der Maschinenfabrikation.- brauche. Es werden jetzt wohl gegen 4000 Arbeiter dort feiern, die Sächsische Maschinenfabrik soll eine große Anzahl überflüssiger Arbeiter zwar nicht entlassen, aber nur eine halbe Woche arbeiten lassen, weil es augenblicklich an Bestellungen gänzlich mangelt. ___
Landwirthfchaftliches.
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