Ausgabe 
23.12.1876
 
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Belgrad' Aufstellung genommen hatte, explodirten plötzlich im Thurme des Schiffes einige Granaten. Auf diese Detonation folgten, wahrscheinlich in der irrigen Annahme, daß derMaros" gegen die Festung sein Feuer richte, von letzterer noch einige scharfe Gewehrschüffe, ohne jedoch irgend Jemanden zu ver­letzen. Auf speciellen Auftrag des Fürsten von Serbien beeilte sich alsbald der Minister Rfftic, dem österreichischen General Consul das tiefste Bedauern über den Vorfall auszudrücken und gleichzeitig mitzutheilen, daß der Commandant der Feüung seines Postens enthoben worden sei.

Wien, 20. December. In Ergänzung des bereits Mitgetheilten wird bezüglich der Angelegenheit des MonitorsMaros" noch gemeldet: Nachdem Fürst Wrede unter der Drohung, die österreichischen Kriegs-Fahrzeuge auf die Festung Feuer geben zu lassen, reclamirt hatte, überbrachte Minister Ristic persönlich den Ausdruck der Entschuldigung Seitens der serbischen Negierung und theilte zugleich mit, das Cabinet habe seine Entlastung genommen, um die Stellung des Fürsten Milan zu erleichtern. Später wiederholte General-Adju­tant Protic im Namen des Fürsten, zu dem Wrede von ihm geladen wurde, die Bitte um Entschuldigung. Einstweilen behalten die Monitors Position vor Belgrad, trotzdem die Differenz wegen des DampfersRadetzky" bereits bei­gelegt ist.

Wien, 21. December. Die Meldung hiesiger Zeitungen, der General- Consul Fürst Wrede sei von Belgrad abberufen und die Occupation Serbiens durch Oesterreich bevorstehend, ist dem Vernehmen nach unbegründet, zumal Serbien durchaus geneigt ist, volle Genugthuung zu geben.

AranLreich.

Paris, 19. December. Laut demBien Public" hat der Kriegsmini ster Berthaut heute im Ministerrath erklärt, er widersetze sich nicht der Befer, tigung des Credrts für die Militär-Geistlichen; die sämmtlichen übrigen Mun­ster hätten sich in demselben Sinne ausgesprochen. DerMoniteur" erklärt, eS stehe nunmehr fest, daß Rußland bis jetzt nicht die Besetzung der Bulgarei durch seine Trrippen verlangt habe; auch stehe ferner fest, daß England in die Besetzung der Bulgarei durch eine Macht, die nicht zu den Unterzeichnern des Vertrages von 1856 gehöre, einwilligen werde. Diese Behauptung desMo niteur" stößt hier auf starke Zweifel, da mau hört, England würde höchstens zugestehen, daß eine in neutralen Staaten geworbene Polizei und GenSd'armerie in der Bulgarei verwandt würde. Die Türkei will auch von dieser verschämten Besetzung nichts wissen. Die Tagesordnung der Cvnferenz ist dem Vernehmen nach folgende: 1) Berathung der Friedensbedingungcn zwischen der Pforte und den Fürstentümern; 2) Feststelluna der Reformen für die aufständischen Provinzen; 3) Bestimmung der Form für die zu leistenden Bürgschaften.

Krrglarrd.

London, 19. December. Vor einiger Zeit hielt Sir George Campbell einen Vortrag über die Stellung, welche von den Mohamedanern in Indien zu der augenblicklichen Verwicklung im Osten Europas eingenommen würde, und äußerte am Schluß seiner Rede, daß das Interesse für den Sultan, welches man jener Bevölkerung zuschreibe, keineswegs vorhanden sei, daß vielmehr die Mohamedaner in Indien dem Sturze des türkischen Reiches in Europa ruhig zusehen würden Diesen Auslassungen gegenüber stellt jetzt derTimes"-Corre- spondent in Kalkutta das gerade Gegentheil fest. DerGlobe" bemerkt dazu, Sir George Campbell habe sich vorzugsweise in denjenigen Bezirken Hindostans aufgehalten, in denen die mohamedanische Bevölkerung nur sehr dünn gesäet sei, und nach den in diesem kleinen Bruchtheil der indischen Mohamedaner hervor getretenen Gefühlen habe er irrthümlich die Gesinnung der gesammten vierzig Millionen beurtheilt. Die indischen Mohamedaner betrachteten jedoch nach wie vor den Sultan als den Stellvertreter des Propheten, und Rußlands Vorgehen habe eine große Erregung unter ihnen hervorgerufen. In allen größeren Städten seien Comics zusammengetreten, welche Geldsammlungen zur Unter­stützung der türkischen Regierung eifrigst betrieben.

Belgien.

Brüssel, 21. December. Man spricht von einer Interpellation in der Kammer betreffs der Gerüchte über eine Occupation Bulgariens durch belgische Truppen. Kein einziges Blatt befürwortet die Annahme des Vorschlages.

Nußland.

Petersburg, 21. December. Ueber eine am 18. Decbr. während des Gottesdienstes vor der kasan'schen Kirche stattgehabte regierungsfeindliche Demom stration, wobei einige verhaftete Individuen, anscheinend Studenten -und Stu­dentinnen der medicinischen Akademie und des technischen Instituts, betheiligt sind, ist die Untersuchung eingeleitet worden.

DiePreffe" meldet: Der hiesige serbische Vertreter Zukits reist heute nach Belgrad, um an dem Ausgleich des Conflicts mit demMaros" mitzuwirken. Er lehnte jedoch den Antrag des Fürsten Milan, ein neues Ca binet zu tzründeu, ab.

Me^Vörschlage in eine allseitig annehmbare Form zu fassen. Am Samstag oll die erste S'tzung der Plenar Conferenz nut Zuziehung der türkischen Regie­rung statlfinden. Die Veröffentlichung der Verfiffung steht unmittelbar bevor. Mau glaubt, die erfo'gre Ernennung Mldhat Pajchas zum Großvezir werde die Lösung der schwebenden Fragen beschleunigen.

Semlin, 20. December. Auf dem österreichisch-ungarischen Monitor Maros" tourcen durch das beim Laden im Thurme erfolgte Plötzen einer Granate em Linienschiffs - Fähnrich und vier Matrosen schwer, sieben andere Personen leicht verwundet. Die Verwundeten sind zur ärztlichen Behandlung hierher geschafft worden

Serbien.

Belgrad, 21. December. DemAmtsblatts" zufolge nahm Fürst Milan die Demission der Minister an, doch werden dieselben, bis ein neues Cabinet gebildet worden ist, ihre Amtspflichten weiter erfüllen. TU#1.V uh mir m ibWIM

Gültige Privat Banknoten.

Die beschränkenden Bestimmungen des § 43 des Reichs-Bankgesetzes- vom 14. März 1875 sind (nach dem im Retchsgesetzblatte erschienenen Bekanntmachungen) bezüglich nachstehender Privat-Notenbanken als nicht anwendbar erklärt worden und es dürfen daher die Noten dieser Banken in ganz Deutschland, auch außerhalb des­jenigen Staates, welcher denselben die Befugniß zur Notenausgabe ertheilt hat, zur Zahlung gebraucht werden: 1. Badische Bank in Mannheim. 2. Bayerische Noten­bank in München. 3. Bremerbank in Bremen. 4 Breslauer Bank in Breslau. 5. Chemnitzer Stadtbank in Chemnitz. 6. Cölnische Privatbank in Cöln. 7. Danziger Privatbank in Danzig. 8. Frankfurter Bank tn Frankfurt am Main. 9. Hannoversche Bank in Hannover. 10 Leipziger Cassenveretn in Leipzig. 11. Lübecker Commerzbank in Lübeck. 12. Magdeburger Privatbank in Magdeburg. 13. Posener Privatbank in Posen. 14. Sächsische Bank tn Dresden. 15. Bank für Süddeutschland in Darmstadt. 16. Württemberaer Notenbank tn Stuttgart. Die Verwendung der Noten anderer deutscher^Privat-Notenbanken oder (Korporationen zur Letstuna von Zahlungen außerhalb desjenigen Landesgebietes, für welches dieselben zugelassen sind, wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft,

sgS* Seitens der Nntionalbank für das Großherzogthum Luxemburg sind neuerdings auf Reichswährung lautende Banknoten in Avschnitten zu 5, 10 und 20 Mk. ausgegeben morden. Die Verwendung dieser Banknoten zu Zahlungen innerhalb des Reichsgebiets ist nach § 11 des Bankgesetzes vom 14. März 1875 ver­boten und wird mit Geldstrafe von 50 bis 500 Mk., im Falle gewerbsmäßiger Ver­wendung daneben mit Gefängniß bis zu einem Jahre bestraft.

Erwiederung.

f f Staufen berg, den 21. December. Der Unterzeichnete erlaubt sich, auf den Artikel aus Steinbach vom 18 Dec. :Auch ein Fortschritt", Folgendes zur Steuer der Wahrheit zu erwiedern :Auch in unserem Ortsvorstand sind keine Dunkel­männer, indem die Anschaffung von Straßenlaternen von demselben schon länast beschlossen wurde, ja, morgen Abend brennen dieselben schon zum ersten Male. Es ist somit nicht Steinbach, wie Einsender des genannten Artikels glaubt, die erste Gemeinde im Kreise Gießen, welche eine allgemeine Straß nbeleuchtung einführt, und ist also Steinbach schon dem guten Beispiele Staufenbergs gefolgt. Staufenberg, huldige immer so dem Fortschritt, ss werden noch manchmal Gemeinden, wie auch hierin, deinem guten Beispiele folgen. Wasserleitung. Straßenbeleuchtung! Staufenberg, du zeigst dich würdig, Stadt zu heißen." H. F.

Hl

Ein stets bereiter Auskunftsgeber über alle Verhältnisse des deutschen Reichs ist der statistische Theil des Daheimkalenders für 1877. Für den eminent billigen Preis von tt/r Mark bietet dieser reichhaltige Kalender in solidem fertigem Einbande außer­dem ein reiches sinterhallungsbuch, alles unentbehrliche Kalendermaterial und eine in­teressante Weltumschau, alles mit zahlreichen Bildern.

Frischbäckrr ) u Gießen.

Sonntag, den 24 December 1876. D- Rübl am Rathhaus. E. Wallenfels in der Wallthorstraße. E. Sauer auf dem Seltersweg.

Kirchliche Anzeigen

der evangelischen Gemeinde zu Gießen.

Gottesdienst.

Sonntag den 24. December.

Morgens: Pfarrverwalter Schlosser. Nachmittags: Pfarrvicar Schöner. Am 1. Weihnachtsfeiertag. Morgens: Pfarrverwalter Schlosser. Nachmittags: Mitprediger Drescher.

Am 2. Weihnachtsfeiertag. Morgens: Pfarrer Dr. Seel. Nachmittags: Pfarrvicar Schöner.

Am 2. Feiertag wird eine Collecte für die Stadtarmen erhoben werden.

(Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 24. bis 30. December besorgt Pfarrverwalter Schlosser )

Türkei.

Konstantinopel. Das berühmteGrundgesetz des türkischen Reiches" scheint endlich nach langem Siechthum selig im Herrn entschlafen zu sein. Di? Times" berichtet über die letzten Leiden dieser größten Idee Midhat Paschas: Der Großvezir, welcher täglich mehrere Male krank und gesund robb, und ebenso oft seine Demission giebt, als man nachher bittet, sie zurückzuziehen, ist zu alt, zu ehrlich und zu sehr Türke, um sich mit den Ideen Midhat Paschas über die famose Constitution zu befreunden. Man kann daher auch nicht er­warten, daß die Angelegenheit vorwärts kommt. Dazu gesellt sich noch ein anderes Hinderniß, auf welches man bisher sehr wenig rechnete. Als die aus die Gewalt des Sultans bezüglichen Artikel Sr. Majestät vorgelegt rourben, bemerkte dieser, daß das eine Frage fei, die nickt ihn allein, sondern auch seine Nachfolger angehe. Er ließ darauf seine Brüder rufen und fragte sie, ob sie mit einer Beschränkung der obersten Macht einverstanden seien. Von den vom Großvezir zuvor instruirten Prinzen gab keiner eine zustimmende Antwort, worauf der Großvezir und Midhat Pascha noch einmal die gewöhnliche Komödie ihrer Entlassung spielten, die, wie sie sehr gut wußten, nicht angenommen werden würde."

Konstantinopel, 20. December, Abends. Die Vor-Conferenz hat heute ihre letzte Sitzung gehalten, tn welcher sich die Bevollmächtigten einigten,

Am Mittwoch den 2 7. December, dem dritten Weihnachts­tage, wird um 10 Uhr Morgens

altkatholischer Gottesdienst

in der Hospitalkirche fein.

Der Kirchenvorstand.

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