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Lahn jeder Güterverkehr, da die Bahn von diesem Tage an der Regierung täglich 14 Züge für Truppentransporte zur Verfügung zu stellen bat. Die gestern hier gemusterten und abgeschätzten Pferde, an 600, sind schon beute an die Militärbehörde abzuliefern. In Kreme.ttschug werden sechs neue Artillerie- parks gebildet. Zu den beiden hier anwesenden KriegsschiffenTuapse" und Don" ist noch derTurok" hinzugekommen. Heute sind hier sämmtliche Gast- und Schenkwirthschaften bis Abends 7 Uhr geschloffen. In sämmtlichen russischen Kirchen findet ein feierlicher Gottesdienst statt, bei welchem ein Gebet für den Siea der russischen Waffen gesprochen wird.

Odessa, 17. November. Nach den hiesigen Zeitungen sind in Kischi- new gegen 1000 Mann Tag und Nacht beschäftigt, Zwieback herzustellen. 160 Backöfen sind zu diesem Zweck errichtet. Neben der in Bildung be­griffenen Südarmee unter dem Großfürsten Nikolaus dem Aeltern soll noch eine zweite unter dem General Kaufmann in Aussicht genommen sein. Den St. Petersburger Nachrichten zufolge ist General-Lieutenant Fürst Maffalsky zum Chef der Artillerie der activen Armee, General-Major Adamowitsch zu seinem Gehülfen und General-Major Depp zum Chef der Ingenieure ernannt worden.

Aus Warschau, 16. November, wird derOstsee-Ztg." geschrieben: Schon vor acht Tagen erhielt der Director des Warschauer Lehrbezirks von Petersburg den Befehl, dafür Sorge zu tragen, daß die medicinischen und veterinärärztlichen Vorlesungen möglichst beschleunigt werden, damit die Candt- daten der Medicin und der Thierarzneikunde ihre Examina, die sonst in der Regel ein ganzes Jahr in Anspruch nehmen, spätestens innerhalb vier Wochen absolviren können. In Folge dieses Befehls werden von vier Profefforen Vor­lesungen über Feldchirurgie gehalten, die oft bis spät in die Nacht dauern. Die hiesigen sreipracticirenden Aerzte find von der Regierung aufgffordert wor­den, sich als Militärärzte engagiren zu lasten und sich zu diesem Zwecke sofort zu melden. Als Militärärzte erhalten sie außer einem Handgeld von 400 Sil­berrubel eine monatliche Löhnung von 200 Silberrubel, während den Veterinär­ärzten ein Handgeld von 300 Silberrubel und eine monatliche Löhnung von 150 Silberrubel gewährt wird. Der telegraphische Mobilisirungs-Befehl traf hier am 14. d. Mts., Abends gegen 9 Uhr, aus Petersburg ein. Der General-Gouverneur Graf Kotzebue befand sich gerade im Theater, wohin ihm die Depesche von einem General überbracht wurde. Er verließ nach Durch lesung der Depesche mit sämmtlichen anwesenden Officieren sofort das Theater. Eine Stunde später waren schon nach allen Seiten die telegraphischen Ordres zur Einberufung der Urlauber versandt und um 12 Uhr Mitternachts begann im ganzen Königreiche die Einkleidung der Urlauber, die überill durch Gensd'ar- men und Polizeibeamte aus dem Schlafe geweckt und an bestimmten Punkten versammelt wurden. Am folgenden Tage wurden schon drei große Abtheilungen Urlauber nach Kischenew per Eisenbahn abgeschickt."

Türkei.

Pera, 20. November. Die Pforte hat den hiesigen Botschaftern der Mächte eine Protestnote übergeben wegen angeblicher Verletzungen des Waffen­stillstandes, welche sich die Serben bei Bukowitz und Ragosna hätten zu Schul­den kommen lasten. In einer anderen Note wird Seitens der Pforte die Ver­mittlung der Mächte wegen Zulaffung der Verproviantirung von Niksic während der Dauer des Waffenstillstandes nachgesucht.

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Vermischtes.

Ein Mann, von dem sehr viel gesprochen worden ist, sogar das Allerschlimmste, daß er gar nicht existire, wird jetzt von demReiLsanzetger" wenn auch nicht als verlorener, so doch als davongelaufener Mann ausgeläutet. In Nr. 264 desReicks- anzeigers- wird unter mehreren Reservisten und Landwehrmannern, welche ohne Er- laubniß ausgewandert sind, vom Kretsgericht in Stolpe durch öffentliche Vorladung verfolgt: des Landwehrmann Wilhelm Jakob Kutschte aus Schönwalde, geboren am 24. Januar 1847. Kutschke, Kutschte, klagt die Staatsb.-Ztg.", wo gedenkst Du in Zukunftim Busch herum zu krauchen?" Ist das ein Benehmen für eine so historische Persönlichkeit?

Ein Schurkenstreich wurde am Donnerstag Abend bei dem Dorfe Fleestedt bei Harburg ausgeführt Bei dem dort in einem bescheidenen Häuschen wohnenden Tagelöhner Kneif kamen gegen 11 Uhr Abends, als der Mann schon zu Bette war,

zwei Strolche vor, die Nachtquartier von der Frau verlangten. Diese lehnte ein solches ab. Die Strolche stießen Drohworte aus und in wenigen Minuten stand auch das Häuschen schon in Flammen. Die Thür war von außen am Drücker festgebunden und bie Familie mußte mit 3 Kindern durch die Fenster sich das Leben retten, ohne auch nur ein Stück ihrer kleinen Habe zu retten. Leider ist es bisher nicht gelungen, die Strolche zu verhaften.

Baltimore, 16. Nov «Per transatlantischen Telegraph.) Das Postdampfs schiff des Nordd. Lloyd Nürnberg, Capt. A- Jäger, welches am 1. November von Bremen und am 4. Nov. von Southampton abgegangen war, ist heute wohlbehalten hier angekommen.

Newyork, 18. Nov. (Per transatlantischen Telegraph.) Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd Hermann, Capt- G Reichmann, welches am 4. Nov. von Bremen und am 7. Nov- von Southampton abgegangen war, ist gestern 8 Uhr Abends wohl­behalten hier angekommen.

Die politische Uebersicht ist in einer meisterhaft klaren Darlegung der Facten und Verhältnisse gegeben, kurz und gut, dieser Kalender ist ein Volksbuch im schönsten Sinne des Wortes." (Kritische Blätter.)

Zum Bericht über die Thätigkeit des Vereins zur Verbreitung von Volksbildung in Gießen 1. I. 1878.

Das fruchtbarste Mittel für die Wirksamkeit solcher Vereine ist und bleibt er- fabrungsmäßig überall die Schule und im engeren Sinn die Fortbildungsschule, mag sie obligatorisch oder freiwillig sein. Der hiesige Verein richtete darum ebenfalls von vornherein seine fast ausschließliche Thätigkeit auf diesen Gegenstand, bis im November 187."> die bis dahin nur von freiwilligen Schülern besuchte und vom Verein unters halte.e und geleitete Fortbildungsschule eine obligatorische öffentliche Anstalt wurde. Der Verein für Verbreitung wahrer Volksbildunz hält aber an der auch anderwärts thatsächlich gerechtfertigten Erkenntniß fest, daß mit der allgemein eingeführten obliga- torischen Fortbildungsschule seine wichtigste Au'gabe nicht abgeschlossen, sondern viel­mehr erweitert, durch reichere Mittel unterstützt und durch die Autorität des Gesetzes in seinem Wirken mehr gesichert sein wird.

Ueberall stellten sich den Bestrebungen solcher Vereine Schwierigkeiten und un­befriedigende Erfolge entgegen; die Ueberzeugung aber, daß der Gewerbestand nur ourch erweiterte Kenntnisse uns höhere Bildung zu größerer Tüchtigkeit und höherer Lebensstellung sich erheben könne, und daß alle Stände ohne Unterschied das unmit­telbarste Interesse an der Erreichung dieses Zieles haben, gab immer wieder von neuem Anlaß, daß einsichtsvolle und für das allgemeine Wohl erwä-mte Männer sich mit Ernst und opferbereiter Ausdauer der guten Sache annahinen. Zwar zeigte fast allerwärts der Gewerbest.and selbst und namentlich die ihm angehörige Jugend an­fangs nur ein geringes Verständnis für diese Bestrebungen, allmählich aber mehrten sich die Erfolge, überall wo man mit Ausdauer unv zweckmäßigen Einrichtungen die gegebenen örtlichen Verhältnisse zu benutzen, den Sinn für das Gute und die Erkennt- niß des Werthes der Volksbildung zu erwecken, und zu pflegen verstand, wenn auch die Erfolge anfangs nur i« engerem Kreise und mäßigem Schritt sich bewe-zten Ein lehrreiches und für alle diese Bestrebungen nutzbares Beispiel gibt uns die Geschichte der Thätigkeit desVereins für Bürgerwodl" in Essen und der von demselben bereits im Jadr 1845 ins Leben gerufenen Fortbildungsschulen neben der Einrichtung von be­lehrenden Abendunterhaltungen und einer Vereinsbibliothek. Diese seit nunmehr 31 Jahren bestehende Lehranstalt hat sich durch die mannigfaltigsten Schwankungen und wechselvolle Geschicke allmählich zu einer solchen Ausdehnung und segensreichen Wirk­samkeit entwickelt, daß ihre Einrichtungen als Vorbild für andere Vereine angelegent­lich empfohlen zu werden verdienen. Wenn auch die blühende Industrie, die Volkszahl und der Wohlstand dieser Stadt besonders günstige Momente sind, so fehlt es doch auch hier in Gießen nicht an den Bedingungen, welche in kleinerem Maßstäbe be- merkenswerthe Aehnlichkeit mit denjenigen zeigen, welcyen die Fortbildungsschule in Essen ihre Blüthe verdankt- Obgleich der Besuch derselben bis heute nur ein frei­williger ist, zählt sie doch gegenwärtig 9 Klassen mit 51)0600 Schülern im Alter von 14 bis 24 Jahren und darüber, deren Unterricht von 27 Lehrern ertbcilt wird.

Die wirksamsten Mittel zur Beseitigung der früheren Schwierigkeiten und der höchst geringen Therlnadme fand die Fortbildungsschule in b r regen und thatkräftigen Mitwirkung des Stadtvorstandes, des Gewerbevereins und vor Allem in der Unter­stützung einsichtsvoller Eltern, Prtncipalc nnd Lehrherren der jungen Leute. Dieie werden, ws es sich nöthig erwies, ernstlich angehalten, die Schule selbst suchte und wußte durch öffentliche Prüfungen mit Ausstellung der ZeiLnungen und schrift­lichen Arbeiten und durch öffentliche Zeichen der Anerkennung das Interesse des größeren Publikums un der Lehrer alljährlich von Neuem anzuregen. Streben und Wetteifer der besseren Schüler zu beleben und zu spornen, und durch die dargethanen Erfolge von Jahr -u Jabr die Ziele der Schule zu erroeit.rn. Als Mittel zum Antriebe, zur Be­lebung des Fleißes und des Sinnes für gute Sitte gebraucht sie Belohnungen; die höchste Auszeichnung besteht in einem, alljährlich nur an einen einzigen Schüler er- theilten schönen Diplom nächstdem in 6 Medaillen für Fleiß und Geschick, weiter in einer Anzahl Prämien verschiedener Art, in Befreiung vom Schulgeld, (welches hier in Gießen nicht besteht) öffentlicher Belobung und guten Zeugnissen. Diese öffentlichen Anerkennungen erhalten aber noch einen ganz besonderen Werth dadurch, daß die in dieser Weise ausgezeichneten jungen Leute bei Anstellungen und bei Vergebung von Stellen jeder Art im öffentlichen und im Prioatdienst immer den Vorzug vor allen I Andern erhalten.

Besondere Bekanntmachung. Bekanntmachung.

Montag den 4. December l. I., Vormittags 10 Uhr, sollen auf dem Actuariate des unter­fertigten Landgerichts mehrere Centner Acten zum Einstampfen versteigert werden.

Lich, den 20. Nov. 1876. (6062

Großherzogliches Landgericht Lich. Weyer.

Versteigerungen.

Holzversteigerung

im Gießener Stadtwalde.

Montag den 27. November 1876, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde, Forstwartei Fernewald, in den Districten Steinertswald und Bannwald, nachverzeichnetes Holz ver­steigert werden:

Scbeitb Prügelh. Stockh. Reish.

Raummeter Wellen

-Aspen 2 79,2 510

Bicken 8 - _

Eichen 85,2 6 1370

Nadel 1 91 105,6 4720

Allgemeiner Anzeiger.

34 Eichen-Stämme, mit 6,28 Festmeter,

12 Birken- 2,04

17 Aspen- 3 96

ff

294 Nadel- 102,31

289 Eichen-Stangen 13,91

11 Birken- 0,65

531 Nadel- 34,19

Die Zusammenkunft ist auf dem Vicinal-

wege nach Oppenrod.

Gießen, am 22. November 1876. (6074 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

A- B r a m m.

Donnerstag den 7. December, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Rathhaus die Hosraithe des Friedrich Simon dahier, als:

Flur 1, Nr. 332, Meter 31 in der Katha­rinengasse, meistbietend versteigert werden.

, Gießen, den 24. October 1876. (5526

Großherzogliches Ortsgericht Gießen.

I A.: Müller.

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