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Lokal-Notiz.

Gießen, 21. Juni. Die Oberhessischen Eisenbahnen gehen bekanntlich durch Kauf an den Staat über. Der jetzt erschienene Jahresbericht des Verwaltungsratheß pro 1875 ist daher der letzte Gesellschaftsbericht. Nach dem darin zusammengestellten Er- gebniß der Betriebsrechnung betragen in gleichzeitiger Ausscheidung nach den beiden Linien a. die Einnahmen: auf der Linie GießenFulda M. 602,023. 08 gegen 1874 jJt. 80,785. 48 mehr, auf der Linie GießenGelnhausen M- 454,878. 91 gegen 1871 M. 31,853. 97 mehr, zusammen M. 1,056,901. 99 gegen 1874 M. 112,639. 45 mehr, pro Bahnkilometer M- 6,012. 98, pro Nutzkilometer M. 1. 81,7; b. die Ausgaben! auf der Linie Gichen-Fulda M- 527,892. 38 gegen 1874 M- 29,096. 46 mehr, auf da Linie GießenGelnhausen M. 385,333. 02 gegen 1874 M. 24,785. 48 mehr, zusammen M. 913,225. 40 gegen 1874 M- 53,881. 94 mehr, pro Bahnkilometer M- 5,195. 57, pro Nutzkilometer 1. 59,G. Die Ausgaben betragen 86,i06 pCt- der Brutto-Einnahmen. Es berühren: die allgemeine Verwaltung M 125,527. 17 oder 13,75 pCt-, die Babn- oerwaltung M. 295,986- 36 oder 32,« pCt-, die Transportoerwaltung M- 491,711.87 oder 53,54 pCt.; c. der Ueberschuß: auf der Linie GießenFulda M- 74J30. 70, aus der Linie GießenGelnhausen M- 69,545- 89, zusammen M 143,676. 59 oder 13,S) pCt- der Gesa nmt-Einnahme. Der Ueberschuß betrug: im Ganzen im Jahre 1871 M- 15,359 oder pro Kilom.-Bahnlänge M. 93. 79, 1872 M. 13,119 oder M- 75. 17, 1873 M 68,337 oder M- 390-11, 1874 M. 84,919 oder M. 483. 10, 1875 M- 143,676 im Ganzen oder M- 817- 241 pro Kilometer-Bahnlänge. Das Anlagecapital btr Gesellschaft ist in seinem Hauptbestande von fl. 28,400,050 Thlr. 16,228,600 obn M. 48,685,800 in 81,143 Actien ä fl. 350 ss Thlr. 200 oder M. 600 unverändert ver­blieben. Durch den Eingangs kurz erwähnten auf Grund der Ermächtigung der am 30. October 1875 abgehaltenen außerordentlichen Generalversammlung, welche bit Auflösung und Liquidation der Gesellschaft beschlossen hat, mit der Großh. Staat-- regierung, vorbehaltlich der in das folgende Jahr 1876 fallenden landesherrlichen Rati- sication, abgeschlossenen Vertrag, kraft dessen die Oderhessischen Eisenbahnen, wie über­haupt alle Vermö^ensbestände, Rechte und Verbindlichkeiten der Gesellschaft an den Staat übergehen sollen, ist jedoch bestimmt worden, daß mittelst Tausches von je 24 Staatsobligattonen ä 500 M- gegen je 25 Actien ä 600 M. die sämmtlichen Actien einzulösen seien, so daß an Stelle des obigen Actiencapitals eine durch eine Staats­schuld dargestellte Kaufsumme von M. 38,948,640 treten soll. Der aus dem Baucapitat herrührende und für noch nicht völlig auSgeführte Herstellungen reservirte Geldbettan, welcher, ohne das obige Anlagecapital zu alteriren in das Aetiovermögen der Gesell­schaft fällt, ist auch in 1875 im Betrag von fl- 28,000 oder M 48,000 zwar N unverwendet geblieben, jedoch sind diejenigen Umstände, welche der Vornahme diesn Herstellungen bisher noch hindernd im Wege standen, beseitigt und ist somit die bew nächstige vollständige Verwendung des Baucapitals geordnet worden. Die vorlagi- wcise bestrittenen und durch allmähliche Absch eidungen zu Lasten der Betriebsrechnun, : gedeckt werdenden Verwendungen auf Neuanlagen von Stationen und Haltestellen, : welche, ohne das Actiencapital zu verändern, gleichwobl eine Erhöhung des Anlage- capitals bilden, beliefen sich Ende 1875 auf Mark 110,287. 06. In gleicher bilden die der Amortisation durch Abschreibung unterliegenden Ankaufkosten des w waltungsgebäudes einen das Actiencapital nicht berührenden Zuwachs von M- 57,619. zum Anlagecapital. Die Abschreibungen auf beide Posten betrugen bis Ende lo7ö M. 19,628. 61. Der Reservefond hat sich durch die statutenmäßige Ueberweisung M fl. 33,000 56,571. 43 aus dem im Betriebsjahre 1874 erzielten Reinertrag, pw] durch 8insenzuwachs auf M- 180,416. 06 erhöht, worunter jedoch in den durch fort­gesetzte Ueberweisungen bis auf die Höhe von fl. 150,000 = M- 257,142. 86 zu brin­genden Normalbestand nur M- 108,180. 30 fallen, während die zufolge des voriahttga Berichtes stattgehabten außerordentlichen Zuwendungen, welche jetzt M- 72,235. 7b w tragen, in diesen Normalbestand nicht einzurechnen sind- Der Erneuerungsfond M in Folge der Ueberwetsung des Restes des im Betriebsjahr 1874 erzielten Reinerts und der ihm zufallenden Einnahmen auf M- 52,786- 95. Nach Ueberwetsung des > bei ausgeführten Reinertrags aus 1875 wird sich der Gesammtbestaud des ReserveW auf M- 236,987- 49, der Bestand des Erneuerungsfonds auf M- 139,892. 11 erM®

Gießen, 22. Juni. Die von hier ausgegebene Anregung zur Gründung rw williger Feuerwehren scheint nicht ohne guten Erfolg bleiben zu sollen. Na HP Samstag Abend finden in Lollar, den Sonntag Nachmittag in Laubach un» tj Montag Abend in Homberg Versammlungen zu jenem Zweck statt- Bemerkensoerg ist namentlich, daß sich in der Landgemeinde Lollar schon etwa 70 Mann zum M . bereit erklärt haben. Hoffentlich werden größere Ortschaften in unserer Nachbars-^ wie Großenlinden rc- nicht zurückbleiben._____

Racheplan auszusühren, das ist noch unbekannt.

Konstantinopel. Die Nachricht, daß bei. Fürst von Montenegro den Peko Pavlowich und andere Führer der Aufständischen wegen ihrer im amen der provisorischen Regierung der Herzegowina erlaffenen Aufruhr habe erhaften lassen, wird durch Wiener Telegramme bestätigt. Hinzugefügt wird, daß den Türken in Folge dessen der Durchzug durch den Duga-Paß und die Wiederverproviautirung von Niksic bereits geglückt sei. Der am 17. d. Mts. vor dem Palast Hussein Avni's in Konstantinopel gehängte Mörder Hassan hat vor seinem Tode entschieden geleugnet, irgend welche Mitschuldige zu besitzen. Die Wunden des Marine-Ministers Kaisserli Pascha sind durchaus ungefährlich.

Amerika.

Washington, 20. Juni. Der Senat hat beschlossen, den Procss gegen den Exminister Belknap bis zum 6. Juli zu vertagen.

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Konstantinopel. Ueber die Ermordung Hussein Avni Paschas und Raschid Paschas erhält dasN. W- T." in einem Telegramm aus Konstanti­nopel folgende nähere Angaben: Augenzeugen des furchtbaren Ereignisses schil­dern den Verlauf desselben in folgender Weise: In dem Saale des Konaks, der von den übrigen Gemächern nur durch Teppichvorhänge geschieden ist, war der gesammte Ministerrath versammelt. Außerhalb des großen Scheidevor­hanges standen zwei militärische Wachtposten und einige Diener gingen ab und ru, den Berathenden die üblichen Erfrischungen zu reichen. Inmitten der Dls- cusfion wurde der Vorhang plötzlich rasch zur Seite gezogen und em junger Mann, in der Uniform eines Feriks (Major), stürzte auf den Kriegs-Minister Hussein Avni Pascha los und schrie ihm folgende Worte zu:Ich habe Dir gesagt, daß ich meinen Sultan rächen werde; hier die Rache!' In selbem Augenblicke zog der Officier aus der Tasche einen Revolver und schoß aus der nächsten Nähe auf den Kriegs-Minister. Di- Kugel durchbohrt- die Brust des Paschas, der sosort todt zusammenbrach. Panischer Schrecken ergriff die An­wesenden. Während Alle von ihren Sitzen aufsprangen, um die Ausgänge zu erreichen, warf sich der Minister des Aeußern, Raschid Pascha, auf den Mör­der. Er faßte ihn von rückwärts und suchte ihm die Waffe zu entreißen. Während dieses Kampfes drückte Hassan den Revolver wiederholt ab. Eine Kugel traf den Marine-Minister, ohne ihn jedoch zu töteten. Auf den Knall der Schüsse waren die Wachtposten und die Diener herbeigeeilt. Zwei von den weiteren Schüssen tödteten einen Soldaten und einen Diener. Nun entsank der Revolver der Hand des Wüthcnden. Jetzt erst kehrte sich dieser unmittel­bar gegen Raschid Pascha, riß einen Dolch ans der Scheide und bohrte wie­derholt die Klinge in di- Brust des Ministers, der unter den Sticken seinen Geist aufgab. DaS verzweifelte Ringen der beiden Männer währte einige Mi­nuten da Raschid Pascha, obgleich an körperlicher Kraft seinem Gegner entfernt nickt 'gewachsen, mit Mnth und Zähigkeit kämpfte. Endlich gelang es der Dienerschaft und Wache, den Mörder zu überwältigen und ihn festzunehmen. Der Erste, der nach dem Schüsse auf Hussein Avni Pascha aus dem Saale geflohen war, war Midhat Pascha. Der Mörder heißt Hassan. Er bekleldet den Rang eines Feriks (Majors) im Nizam (Linie) und war dem Sultan Abdul Aziz als Adjutant zur Dienstleistung zngetheilt. Er ist ein Tscherkcsie unb soll, wie man versichert, bemselben Stamme angehören, aus welchem bte Mutter von Abbul Aziz, die Sultanin Valibe, hervorgegangen ist. Als am 29. Mai bie Verschworenen, Hussein Avni Pascha an ber Spitze berselben, in das Gemach bes Sultans Abbul Aziz einbrangen unb ihn als entthront er­klärten, ries Hassan, ber an biesem Tage einer ber bienstthuenben Abjutanten war, bem Pascha zu:Ich werbe meinen Sultan an Dir rächen!" Diese Drohung war, wie man sagt, ber Beweggrunb für Hussein Avni Pascha, ben

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«Befti? 20 Juni. Pesti Naplo sagt officiös, Rußland wolle den Mäch­ten ein neues' noch verschärftes Memorandum unterbreiten. O-sterreich ver­mittele und wünsche Englands Zustimmung. Eine Vereinbarung der nordischen Mächte in diesem Betreff sei noch nicht erfolgt.

Schweiz.

Bern 19 Juni. Der Verwaltungsrath der Gotthardbahn genehmigte den Geschäftsbericht und den Finanzlagebericht und ermächtigt- di- Direction zum Abschluß des Vertrages mit der oberitalienischen Bahngesellschaft, Bett, den Balmi^ern20. Juni. Der Nationalrath beschloß auf Antrag der Com­mission, der Bundesrath solle ohne Genehmigung der Bundesversammlung keine Erklärungen mit bem Auslanbe austauschen.

Frankreich.

Daris, 20. Juni. Aus Mostar wirb officiell gemeldet, baß Mukhtar Pascha in Niksic eingerückt ist, ohne den Insurgenten begegnet zu sein.

Versailles, 20. Juni. Die Deputtrten-Kammer hat heute den Geietz- Eutwurs wegen der 120 Millionen-Anl-ihe der Stadt Paris genehmigt. So­dann verlas Turquet (Linke) den Comm.ssions-Ber.cht bezüglich der Wahl d.s Rittmeisters de Mun in Poutivy; der Bericht schließt nut dem Anträge au Nichtigkeits-Erklärung der Wahl wegen des von klerikaler Seite ausgeubten Druckes auf die Wähler. Die Discussion hierüber wird später stattfinden. Beide Kammern werden, wie vermuthet wird sich gegen Mitte Juli vertage» unb im November reicher zusammentreten behufs Berathuug bes Bubgets.

3tafien.

Nom, 20. Juni. Einem gestrigen Beschlüsse des Finanz-Ministeriums zusolge ist dasAffidavit" bei Bezahlung der Coupons der italienischen Renten abgeschafft, jedoch nur für Renten - Coupons von 5 biS 100 Lire. Be, Cou­pons über 100 Lire bleibt das Affidavit obligatorisch.

Belgier».

Brüssel 21. Juni. Nach Berichten aus Löwen haben daselbst nicht nn-rbebliche Unruhen stattgefunden; in Folg- feindlicher Kundgebungen gegen Studirende, welche der liberalen Partei angehören, sind die Universitäts-Vor­lesungen unterbrochen; die Bürgergarde ist zusammengezogen.

Antwerpen, 18. Juni. Die Führer der hiesigen liberalen Partei haben eine öffentliche Erklärung erlassen, worin st- unter ausdrücklicher Miß­billigung alles gewaltsamen Vorgehens auf eine A-nderung des bestehenden fehlerhaften und gefahrvollen Wahlsystems auf das Entschiedenste dringen und namentlich verlangen, daß die Unterdrückung der Städte durch die Landb-t-öl- kernng durch welche die intelligenten Classen auf das Empfindlichste berührt würden, aufhören müsse. Ueber der Legalität stehe die öffentliche Meinung, und d-r constitutionellen Wahrheit entspreche es nicht, daß sich die Regierungs- Atmalt in ben jpänben eines clericalen Cabinets befinde. Nur burch den Ruck- tritt des letzteren könnten die vorhandenen Beunruhigungen beseitigt werden.

Türkei.

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Wien 21 Juni. Durch eine Bekanntmachung tmArmee-Verordn- Blatt" wird di- Genehmigung des Entlassungs-Gesuchs des Kriegs-Ministers w Koller und die Ernennung des Feldmarschall-Lientenants Graf Bylandt- Rbeldt zum Nachfolger desselben bestätigt. Der Kaiser hat v. Koller in Aner- kennung^feiner Verdienste um Kaiser und Heer das Grotzkreuz des Stefan-

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Vermischtes.

(Der Doctor in der Butte.) Pesther Blättec erzählen von einem origireBo Armendoctor: In der Raitzenstadt (Stadttheil von Ofen) wohnt und practicirt a-' seit vielen Jahren Dr. Sch., ein alter Mann, der in ganz Ofen bekannt und v> ' ist, sich speciell aber bei der armen Bevölkerung des Blocksbergs einer ganz be|o t Popularität erfreut, da er in seiner Gutherzigkeit, obwohl selbst mittellos, bedM - Kranke nicht nur unentgeltlich behandelt, sondern ihnen obendrein noch die *ri besorgt Vor zwei Monaten wurde der wackere Arzt von einem Futzieloel fallen und er konnte nicht mehr die engen Stiegengäßchen des Blocksberges er­klimmen, zum großen Leidwesen der Blocksberger Kranken. Fahren könnt Arzt auch nicht; erstlich, weil Wagen auf den Blocksberg - Stiegen nicht v ren können, unb zweitens, weil das dortige arme Volk einen Wagen zu d 3 . nicht im Stande ist Da geschah es, daß vor kurzer Zeit ein armer Stembruch spät Nachts bei der Wohnung deS Arztes anklopfte und flehentlich bat, er möge « schwer kranke Frau besuchen. Der Arzt bedauert, mit Hinweis auf sein FE dem Wünsche nicht willfahren zu können, doch der Arbeiter bat so rührend, » Doctor einen in seiner Art merkwürdigen Entschluß faßte-Seid Ihr im © eine centnerschwere Butte auf Eurem Rücken zu tragen ? fragte er den " Dieser, nicht ahnend, was der Arzt damit meine, amwortcte: ^Jawohl, g » Herr!"Also tragt mich in Gottes Namen in der Dutte zu Eurer Frau. - A nete der Arzt, und der Arbeiter trug den Arzt nach der Wohnung der Ä * dieser alles Nöthige besorgte und auf die gleiche Art nach Hause gesührt, w , .

ost man nun seit dieser Zeit auf dem Blocksberge der Hülse des Docwrs bedarf, KW Derjenige, der den A.-zt zu avisiren hat, auch eine Butte mit, in welcher er n d) Bestimmungsorte getragen wird. . -,vl.

- (Sine gute Predtgt.)Ick habe eme schone Pred gt gehört am Sonntagl" sagte eine Frau, die einen kleinen Hokerkram hjAt, za ihrer qrßOÜOn handelte sie?" sagte die Freundin.Ich kann mich nicht mehr v i j wovon sie handelte, ich weiß nur, daß ich aus der Kirche eilig nach Hause g A meine falschen Gewichte wegwarf."

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nnattiommen und wär- Feldmarschall-Li°ut-nant Graf Bplandt zu d-ss-n Nach- Major Hassan aus b-m Palastdi-nst- zu -ntf-rn-n, ihn für einige Tage gefav angenvm o qen zu fetzen unb thn darauf zum Dienste bet ben Ntjams zu commandiren.

Auf welche Weise es Hassan gelungen war, in ben Palast Midhat Paschas einzubringen, die Minister bet ihrer Berathung, von beren Stattfinben er offen­bar unterrichtet war, zu überraschen, um mit schrecklicher Entschlossenheit seinen