gen zu geben über die in der Landesverwaltung vorzunehmenden Reformen. Der also zu berufende Beirath der Conferenz solle gewählt werden: a) aus den Personen, welche dazu beigetragen haben, die öffentliche Meinung über das Wohl der Gemeinden aufzuklären; b) aus Persön lichkeiten, welche einen officiellen Charakter tragen und ihren Sitz seit längerer Zeit an Ort und Stelle haben; c) aus Eingeborenen der drei Provinzen. Was Bulgarien anbet-ifft, so wird das Exarchat sich dazu eignen, den Arbeiten dieses officiellen Beirathes zu präsidiren.
9) Ernennung christlicher aus den Eingeborenen gewählter Gouverneure in jeder der drei insurgirten Provinzen. Der Gouverneur wäre durch die ottomanische Regierung zu ernennen nach vorausgegangener Zustimmung der Mächte. Die Amtsdauer dieser Gouverneure wäre auf 5 bis 6 Jahre festzusetzen, ähnlich wie dies in Libanon der Fall ist.
10) Strenge Untersuchung über alle begangenen Greuelthaten und ebenso strenge Bestrafung aller Derer, welche schuldig befunden werden. Entschädigung der Familien, welche unter den Folgen der eingetretenen blutigen Ereignisse gelitten haben.
11) Einführung einer directen, durch Consular-Commissionen auszusührenden Controle, um die Ausführung alles dessen zu überwachen, was im Obigen erwähnt ist.
— Heute besuchte Kaiser Franz Joseph den Grafen Andraffy am Krankenlager.
Krankreich.
Paris, 19. November. In Besan^on ist Merode (konservativer) zum Senator gewählt. — Der Maler Dtaz ist gestorben.
Versailles, 18. November. In der heutigen Sitzung der Deputirien- Kammer interpeüirte der radicale Deputirte Lockrov die Regierung über die Verhinderung einer privaten Zusammenkunft der Delegirten der Syndicats- Kammern. Der Minister des Innern erwiderte: in den Syndicats-Kammern könnten die Jntereffen derselben discutirt werden; eine Versammlung von Delegirten derselben aber würde ein kleines Parlament bilden, welches die Regierung nicht dulden könne, da außer der verfaffungsmäßigen Vertretung keine weitere existiren dürfe. — Anläßlich der Discussion über das Justiz-Budget klagte der Deputirte Talandier über die Strenge der Regierung gegen die republikanische Presse, während die reactionäre ungestraft bleibe. Dufaure erwiderte : die Gesellschaft müsse gegen die schlechten Leidenschaften geschützt werden, welche zuweilen durch einen Lyell der Preffe genährt werden. Die Regierung werde die bestehenden Gesetze aufrecht erhalten, und die Behörden würden ihre Pflicht in Anwendung derselben gegen Jedermann erfüllen. Dufaure wies die Beschuldigung der Parteilichkeit zurück. Talandier erwiderte, man muffe, wenn man die Gesetze des Kaiserreichs wieder einführen wolle, auch das Kaiserreich wieder Herstellen. Damit war der Zwischenfall geschloffen.
tzNgliMd.
London, 18. November. Der Oberbefehlshaber Admiral Elliot hielt gestern auf der Jahres-Versammlung des Matrosen-Hauses in Portsmouth eine Rede. Wenn England, sagte er, morgen in Kampf mit irgend einer fremden Macht geriethe — und unmöglich schiene dies nicht — so sei er vollkommen überzeugt, die Ueberlegenheit der britischen Seeleute und Ofstciere über die anderer Nationen werde sich als ebenso groß erweisen, wie je zuvor. Nach seiner Ansicht hätten die Leute eine gründliche Kenntntß ihrer Waffen und es würde ihre moralische Ueberlegenheit ihnen in den Tagen der Prüfung vermehrten Muth verleihen.
London, 19. November. Der „Observer" ist ermächtigt, das Gerücht, wonach die Bestimmungen des Fabuk-Gesetzes gegenwärtig in Bezug auf das königliche Arsenal aufgehoben und die darin beschäftigten Knaben in Folge des dringenden Bedarfes der Anfertigung von Munition verhindert seien, den Schulunterricht zu besuchen, für unbegründet zu erklären. Die umfangreiche Fabri- cation von Patronen sei allein durch die Einführung des Martini-Henry-Gewehrs, durch keinen andern Grund, veranlaßt worden.
London, 20. November Die meisten Morgenblätter faffen den Beitritt der Türkei zur Conferenz als ' ein Zugeständniß gegen England auf und betrachten die Situation für hoffnungsvoller und die Erhaltung des Friedens für ausstchtsvoller. Der Marquis von Salisbury ist heute Morgen via Paris, Berlin, Wien nach Konstantinopel abgereist. — Nachrichten aus Calcutta vom 19. d. Mts. zufolge trifft die indische Negierung Anstalten, um, wenn der Krieg in Europa ausbreche, starke Truppen-Corps nach Aegypten senden zu können.
Stätten
Rom, 18. November. Die amtliche Zeitung veröffentlicht die bereits angekündigte Senatoren - Ernennung; unter den zehn neu Ernannten befinden sich General Cavalli, Professor Moleschott, Director des Vesuv-Observatoriums Palmieri, die Präfekten Barzoni, Zini, Bardeffono, Gravina und ferner mehrere ehemalige Deputirte. — Das „Diritto" will erfahren haben, die Türkei habe, Angesichts der Haltung Rußlands, zur Vermeidung eines Krieges beschlossen, die Conferenz bedingungslos anzunehmen.
Außlaud.
Petersburg, 19. November. Das „Journal St. Petersbourg" spricht die Hoffnung in seinem Leitartikel aus, daß die Türkei unter dem einstimmigen Drucke Europas den Forderungen der Luge nachgeben werde. Die Rüstungen Rußlands seien keine Bedrohung des Friedens, vielmehr ein schweres Opfer, welches das Kaiserreich sich auserlege, um die Wohlthaten des Friedens zu sichern und die Christen im Orient zu schützen. Wenn aber der Krieg unvermeidlich, werde die Nation denselben um so energischer unterstützen, da er erst nach der Erschöpfung aller friedlichen Versuche erfolgen würde.
Petersburg, 20. November. Nach hier eingegangcnen authentischen Nachrichten hat die türkische Regierung die Conferenz ohne Vorbedingungen angenommen.
Türkei.
Ragusa, 20. November. Die Hofen-Behörde benachrichtigte die Kauf- maunschaft und die Rhede, daß die russische Regierung sämmtliche Häfen des Schwarzen und Azowschen Meeres während der Nachtzeit für die Schifffahrt schließt und daß die Schiffe bei Tag neben dem Stations-Schiff auf der Rhede vor Anker zehen müssen.
Serbien.
Belgrad. Die „Times" meldet: Consul Karzoff las dem General Tschernajeff folgende, von Gortschakoff unterzeichnete Ordre vor: „Kaiserlicher Befehl. Dem General Tschernajeff ist verboten, Rußland zu betreten." Das Verhalten der russischen Regierung gegen General Nowoseloff, welcher letzthin die Jbar-Armee befehligte, ist ganz anders. Er hat nicht nur Erlaubniß erhalten , nach Rußland zurückzukehren, sondern ist auch als kaiserlicher Gast zum St. Georgs-Fest in Petersburg eingeladen worden. (Tschernajeff ist inzwischen (n Wien angekommen).
Nrrmänieu.
Bukarest, 19. November. Der Deputation, welche die Adresse der Kammer überreichte, antwortete Fürst Karl: Do schlimm die Situation auch sei, so glaube er doch, daß die Einigkeit der Rumänen sie überwinden und daß, gestützt auf die Garantie-Mächte, die Rechte und die Integrität des Landes würden bewahrt werden.
Men.
Kalkutta, 8. November. Nach hier eingegangenen Nachrichten sind durch den furchtbaren Wirbel-Sturm (Typhon) am 31. October 120,000 Menschenleben vernichtet. Die Regierung hat Anstalten getroffen, um der schwer heimgesuchten Bevölkerung zu helfen.
Amerika.
New-Nvrk, 17. November. Die Führer der Demokraten in New- Orleans erwiderten den Chefs der Republikaner auf deren Ablehnung, mit ihnen gemeinschaftlich die Wahl-Stimmen zu controliren, daß sie keineswegs beabsichtigten, die Giltigkeit der Entscheidung der gemeinsamen Controle des Comites anzufechten — Gerüchtweise verlautet von neuen Ruhestörungen in Süd- Carolina; zwei Beamte sollen bei der Verhaftung von Schwarzen getödtet worden sein.
New-Uork, 18. November. Die Jnspections - Commission für die in Süd-Carolina abgegebenen Wahlstimmen berichtet, daß die Wähler von Hayes eine Majorität von 230 bei 1133 Stimmen hätten; die Demokraten protefti« ren hiergegen wegen vorgekommener Unregelmäßigkeiten.________________
Lokal-Notiz.
Dießen, 21. November. In Nachstehendem lassen wir die Tagesordnung für die Setzung der Stadtverordneten Donnerstag den 23. November 1876, -tachmtttag- < Uhr, im Rathhaussaale folgen:
1. Mtethvertrag mit dem Turnverein wegen Benutzung der Turnhalle.
2. Gesuch des Studenten-CorpL Hassia wegen Ueberlassung der Turnhalle zu Fechtübungen.
3. Bedürfnisse für die Turn nstalt.
4. Innere Einrichtung der alten Realschule.
5. Bedarf an Brennmaterial für die alte und neue Realschule.
6. Die Verwaltung der sechsten Klasse der Stadtmädchenschule.
7. Das Aufrücken zweier Lehrer an den städtischen Schulen in höhere Gc- Haltsklaffen
8. Bewilligung einer Remuneration an den Rechner der Armenkasse.
9. Beitrag der Armenkasse zu den Kosten der Kleinktnderschul e.
10. Decretur von Kostenrechnungen.
11. Baumbeschädigung auf der Straße nach Frankfurt.
12. Die Aufnahme der Louise Flach von Bingen in die LandeStrrenanstalt.
13. Gesuch des Martin Lenz um pachtweise Ueberlassung- einer Wiese. L"!J____-
Vermischtes.
Berlin. Gurs, der schlafende Ulan, ist nun endlich als vollständig erwacht anzusehen. Sein krankhafter Schlaf dauerte ein Jahr und acht Monate. Er schlief, nachdem er längere Zeit Kopf- und Rückenschmerzen ausgestanden, im März 1874 zu Nauen ein, wurde gegen Ende Mai von dort nach dem Garnisonlazareth in Potsdam gebracht, wo er seither in lang auSgestreckter Lage den höchst merkwürdigen Anblick eines „lebendigen Leichnams" darbot und ein Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung für Gelehrte und Aerzte aus aller Welt dar. Gurs begann nach einem ein Jahr langen regungslosen Zustande im letzten Sommer schon zu sprechen, allerdings nur in verwirrten, schwer verständlichen Lauten, wie wenn Jemand aus einem tiefen Schlafe erweckt wird. Dte völlige Wiederherstellung schreitet trotzdem nur langsam vorwärts. ®r muß beim Gehen wie ein Kind gestützt und geführt werden. Das Sprechen und Schreiben, das ihm sonst geläufig war, muß ihm gleichsam von Neuem beigedracht werde«. Leider sollen auch sein Gehör und seine Sehkraft gelitten haben- Die Aerzte halten diese Erscheinungen für die natürliche Folge des langen Starrkrampfes und geben die Hoffnung einer vollständigen Genesung des Kranken nicht auf. Schlaf konnte der seltsame Zustand des Ulanen eigentlich auch nicht genannt werden. Oft sah man Gurs mit geöffneten, starr gegen die Zimmerdecke gerichteten Augen daliegen, und wenn man dann dem Auge mit einem Schlage drohte, zuckten die Wimpern zusammen. Längere Zeit hindurch war man genöthigt, ihm den Mund mit Gewalt zu öffnen und einen Knebel zwischen die Zähne zu stecken, um ihm die Nahrung, dte in der ersten Zeit nur aus Fleischbrühe bestand, mit Gewalt einzuflößen. Später öffnete ich der Mund von selbst, so daß man nur nöthig hatte die Nahrung hineinzubrmgen und Mund und Nasenlöcher zusammenzudrücken, um den Kranken zum Hinunter- schlucken zu nöthigen. Jetzt ist auch das nicht mehr erforderlich. Gurs' Krankheit läßt sich als eine mit tiefer Schlafsucht (Lethargie) verbundene Starrsucht (Katalepsie) bestimmen.
— Dem Chemiker Hrn. Dr. Wilhelm Reißig von Darmstadt ist für ein Verfahren Gypsabgüsse so zu behandeln, daß sie gegen Abwaschungen widerstandsfähig erscheine«, der von dem Königl. Preuß. Ministerium der Geistlichen, Unterrichts- und Medictnalangelegenheiten hierfür ausgesetzte Preis von 3000 M. (nicht 300 Mk. wie anderwärts angegeben) zuerkannt worden
— Am 17. November 1725 erließ Landgraf Ernst Ludwig folgende denkwürdige Verordnung: „Uns ist mehrmals mißfällig vorgekommen, daß einige Geistliche in Unseren Landen mit Wein und Bier Handel treiben, und solches in- und außerhalb ihrer Häuser ausschenken und verkaufen, mithin in der Bürger und Bauern Gewerbe die Hände mischen, auch sogar die Tranksteuer unterschlagen. Weile« wir nun dergleichen, dem Officio eines Geistlichen ganz unanständiges Beginnen nicht dulden können: also befehlen Wir hiermit gnädigst, daß allen Geistlichen in Unseren Landen der Bier- und Weinschank oder Handel bet Strafe verboten sein soll."
Darmst a dt, 20. Nov. Im Jahre 1623 wurde in Darmstadt der Dienstbotenlohn gesetzlich regulirt und Dienstherrschaften wie Dienstboten hatten sich nach diesen Bestimmungen zu richten. Der Jahreslohn für -ine Köchm betrug 8 fl., für eine Viehmagd 7 fl., für eine HauSmagd 6 fl., für ein Kindermädchen 4 fl. In der Dienftbotenordnung hieß es weiter „Jedoch soll hierbei einem jeden unbenommen sein, ein oder zwei Paar Schuhe nach Gelegenheit dem geordneten Lohne zuzuietzen." Diese Dienstbotenordnung wurde im Jahre 1653 revidirt, die Lohnsätze^ aber fämrntltch gelassen, mit Ausnahme desjenigen für Köchinnen, der um 1 fl. erhöht wurde.
— Prämiirung der Häßlichkeit. Auf der in Harrisburg in Kenntucky abgehaltenen landwirthschaftlichen Ausstellung war auch ein Preis für den Häßlichsten ausgefetzt worden. Dieser Tage nun wurde die Entscheidung in Betreff dieses Preises getroffen, und zwar von einem Comite, das aus einigen der hübschesten Mädchen bestand, die auf dem Ausstellungsplatze zu finden waren. Die Wahl machte den Mädchen viel Spaß, fiel ihnen aber auch schwer, da sich wenigstens ein Dutzend Männer
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