Wo. «S» Mittwoch, den 22 November 1876.
Meßmer Anzeiger
Anzeige- und AmiMatt für den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Expeditionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 7 Mgrk 5Q Pf.
Amtlicher H h e i t.
Gießen, den 21. November 1876.
Betreffend: Di- Reichst°gsw°HI-n. __ -
Das Großherzogllche Krelsamt (Stegen
an die Großherzoqlichen Bürgermeistereien
Allendorf an der Lahn, Allendorf an der Lumda, Beuern, Ettingshausen, Gießen, Griinberg, Harbach, Heuchelheim, Sich, Lumda, Mainz, lar Niederbessinqen, Ovenhausen, Rodheim, Saasen, Stangenrod, Stockhausen, Utphe, Watzenborn und Wieseck.
Wir erinnern Sie an Erledigung unserer Verfügung vom 14. November l. I. — Anzeiger Nr. 269 — mit Frist von 3 Tagen.
». Röder.
Lehrer-Conferenz des Bezirkes Lich-Hungen.
Montag den 27. November, Anfang 10 Uhr, in Hungen Gießen, den 20. November 1876.
Büchne r, Kreisschulinspector.________________
politischer THeiü
nehmen ist.
4) Concentrirung aller türkischen Truppen in den Festungen und im Voraus gewählte und bezeichnete Ortschaften dieser drei Provinzen, um jede Berührung der Truppen mit der Bevölkerung zu vermeiden.
5) Gänzliche Aufhebung ber irregulären Truppen und die Zurücksendung der Circassier in die muselmännischen Provinzen des Reiches.
6) Abschaffung der Verpachtung des Zehnts, sowie die progressive Umwandlung des Zehnten in regelmäßige Steuern, deren Repartirung durch die Steuerzahler selbst vorzunehmen ist.
7) Einführung und Gebrauch der localen Sprach-Idiome durch die Verwaltung und die Gerichte.
8) Die Conferenz möge ihre Zuflucht nehmen zur Einsicht und zum Rach competenter Männer aus den Notablen der Provinzen, aus welche diese Reformen angewandt werden sollen. Diese Notablen hätten Andeutun-
Deutschland. I
Berlin, 18. November. Der Reichstag nahm in heutiger Sitzung die 1 Civilproceß-Ordnung in zweiter Lesung cn bloc an, nachdem »och der Abg. I Windthoist-Meppen und der Justizminister Leonhardt die Vorzüge derselben ' anerkannt hatten , die Abgg. Hänel und Thilo sich für die Enbloc - Annahme i ausgesprochen und der Abg. Dorimirski den Antrag aus Streichung der Be- 1 stimmung, wonach das Gericht den Parteien bei mangelnder Fähigkeit zum geeigneteu Vortrag das Wort entziehen kann, zurückgezogen. Gegen die En- bloc-Annahme stimmten nur die Abgg. Areti, Reichensperger (Krefeld), Simonis und Most. Hierauf folgte die zweite Lesung des Gerichts Verfastungs-Gesctzes. Tie in der Regierungs-Vorlage von der Commission eingefügten Titel über das Richter-Ami werden nach langer Debatte trotz dem Widerspruch der Justizminister von Preußen, Sachsen und Bayern in der Commissions-Fasiung angenommen. § 2, die Competenz der ordentlichen Gerichte, § 3, die zugelassenen besonderen Gerichte betreffend, letzterer mit der Herstellung der die württem- bergischen Gemeinde-Gerichte betreffenden Anträge, wurden gleichfalls genehmigt.
Berlin, 18. November. Wie wir hören, beabsichtigt ber Reichstags- Abgeordnete, Bergrath Freiherr v. Dücker, eine Interpellation an die Reichsregierung in Bezug auf die Pariser Welt-Ausstellung von 1878 zu richten. Die Interpellation wird namentlich dahin gehen, ob und wann die Reichsregierung beabsichtige, eine betr. Vorlage im Reichstag -inzubringen. Wie wir vernehmen, ist bereits eine zahlreiche Unterstützung von Seiten der angesehensten Mitglieder des Reichstages sür die Jnterpellatioü gewonnen. Wie bekannt, giebt es andererseits eine nicht geringe Zahl von Abgeordneten, welche ent- schloffen sind, gegen jede Betheiligung der deutschen Reichsregrerung bei der Pariser Ausstellung zu wirken.
Berlin, 18. November. Das „Berliner Tageblatt" meldet die Verhaftung des katholischen Bischofs von Zhtomiecz in Wolhynien; derselbe wurde bereits in Moskau eingeliefert. Auch wurden Verhaftungen unter den polnischen Geistlichen vorgenommen auf Grund einer angeblichen weit verzweigten Verschwörung.
Hesteneich.
Wien, 18. November. Ein Petersburger Correspndent der „Abend- post" schreibt, Rumänien sei für den Bund mit Rußland, die Unabhängigkeit und die Erhebung zum Königreiche mit einer Ausdehnung bis zum Römerwalle und Kustendsche versprochen. Nach der „Presse" verlangt di- griechische Regre- rung und mehrere Senats-Mitglieder vom König die Zulaffung Griechenlands
8 Sßien, 80. November. Der Club der Linken lehnte nach längerer Debatte mit allen gegen 9 Stimmen den Antrag Skene's wegen der Stellung des Clubs zur ungarischen Ausgleichs-Frage ab und nahm den Antrag Demel s an, ein Comitö behu s Revision des Programms des Clubs der Linken und Berichterstattung, ob der Paffus über die Stellung des Clubs zum «usgl ich mit Ungarn in das Club-Programm aufzunehmen sei.- ,M°ntags-Nevue meldet: Der Ministerrath beschloß, dem Abgeordnetenhaus in der। nächsten Sitzung Mittheilung über die Erneuerung der österreichisch-ungarischen Ans. gl-ichs Gesetze zu machen. Am Freitag oder in der nächsten Woche wurde der Handels-Minister die Eisenbahn-Vorlage einbrmgen.
— Die „Montags-Revue" führt aus , Rußland werde einenEhrenvoll » Ausgang bereitwillig acceptiren; alle Gerüchte von österreichischen Mobilisirum gen gehören zu den wohlbekannten Mitteln e n« gew.ffen gartet «»d« thöricht, solche Opfer in einem Augenblick zu bringen, welcher den Glauben an| die Friedenserhaltung eher belebt.
herbeizuführen.
Eine russische Depesche, deren Inhalt dem Grafen Andraffy mitgetheüt wurde, giebt die Punkte an, welche General Jgnatieff auf der Conferenz als russische Minimalforderung zu formuliren beauftragt ist:
5) Allgemeine und strenge Entwaffnung der Muselmänner und Christen in Bosnien, der Herzegowina und Bulgarien.
2) Ausschließung aller nicht eingeborenen Beamten von jeder öffentlichen Function und die EinfühMg W absoluten PrincipS der Erwählung der Beamten durch die Gemeinden.
3) Errichtung einer Miliz und einer localen Polizei (Zapthies) mit Betheiligung der Christen am Dienst, wobei das numerische Zahlen-Verhältniß bei den Bevölkerungen als Grundlage für die Einreihungen anzu-
Pesth, 18. November. Im Abgeordnetenhause wird bei der General- Debatte über das Budget Seitens des Finanzministers die Ausschuß-Vorlage befürwortet, welche mit dem Regi^MgchHgWurfe im Wesentlichen übereinstimme. Ernst Simonyi (von der äußersten Limen) führt aus, das Haus habe das Recht und die Pflicht, die auswärtige Politik zu prüfen und reicht einen mo- tivirten Beschluß-Antrag folgenden Inhalts ein: Das Haus möge erklären: die ungarische Nation weist ihrerseits jegliche Eroberungs-Absicht zurück und wird derselben, wenn von anderer Seite gehegt, entschieden opponiren. Die ungarische Nation befürwortet warm alle zur Entwicklung und Linderung der religiösen und bürgerlichen Freiheit sämmtlicher unter der Herrschaft der türkischen Regierung lebender Völker führenden Maßnahmen und wird zur Erreichung dieses Zieles ihren ganzen Einfluß ausbieten. Sie erachtet aber zugleich jede Verletzung der territorialen oder suzeränen Jntregität der Türkei sür den ungarischen Staat schädlich und gefährlich, und wünscht deßhalb die Aufrechterhaltung des status quo ante bellum. Die ungarische Nation ist zu allen erforderlichen Opfern bereit im Interesse der möglichst frühen Wiederherstellung des Friedens und der Aufrechterhaltung der Jntregität und Unabhängigkeit der Türkei. Hierauf erwiderte Minister-Präsident v. Tisza, es sei incorrect, der Regierung ihre äußere Politik durch Beschluß-Anträge vorzeichnen zu wollen, da ein Fehltritt verhängnißvolle Folgen haben könne. Ein Fehler, den die Negierung begehe, könne durch eine andere nachfolgende Regierung wieder gut gemacht werden, ein Fehler der Legislative sei jedoch unverbesserlich.
Pesth, 18. November. (Epecial-Telegramm des „Berliner Tageblatts.") Rußland hat, wie aus der Umgebung des Grasen Andraffy verlautet, vor Kurzem noch in London einen directen Einigungsversuch gemacht, und zwar auf Grund territorialer Zugeständniffe an England auf Kosten der Pforte, die sich auf Egypten und den Suezcanal bezogen. Die russischen Eröffnungen wurden in England schroff zurückgewiesen. IM macht Jgnatieff, trotz aller russischen Ableugnungen, große Anstrengungen, um einen directen Ausgleich mit der Pforte


