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Kolland.
Haag, 17. November. In der Sitzung des Budget-Bureaus der zweiten Kammer erklärte der Minister der auswärtigen Angelegenheiten auf eine Anfrage: die diplomatischen Beziehungen mit Venezuela würden demnächst hergestellt werden, die Hafen-Frage bilde keine internationale Schwierigkeit mehr. Weitere Verhandlungen bezweckten die Sicherung der Ruhe und der commer- ciellen Beziehungen zwischen Curayao und Venezuela. Die luxemburgische Finanz-Vorlage "solle nach Ueberstcht von beiden Staaten durch einen internationalen Schiedsspruch erledigt werden.
Wußland.
Petersburg, 18. November. In Folge der theilweisen Mobilisirung der Armee wird auch die Mobilmachung des Sanitäts-Corps vorbereitet. Insbesondere werden Hospitäler für Verwundete eingerichtet. Unabhängig von der amtlichen Organisation, treten auch nach dem Vorbilde der im deutsch-französischen Kriege erfolgreich gewesenen Privat'Verwundetenpflege zu gleichem Zwecke Damen-Comit^s zusammen. Es heißt, daß die Kaiserin und die Großfürstinnen das Protectorat solcher Vereinigungen übernehmen, würden. Daß, im Falle Rußland zur Action gezwungen werden sollte, General Tschernajeff das Com- mando in Serbien behalten würde, gilt für unwahrscheinlich. Man war an maßgebenden Stellen von vornherein mit dem ganzen Auftreten des Generals in Serbien nicht zufrieden.
Warschau, 17. November. In letzter Nacht wurden im ganzen Königreich Polen sämmtliche Beurlaubte und Reservisten, selbst der ältesten Jahr« gänge, eingezogen und sofort mit der Eisenbahn nack Rußland befördert. Der Güter-Verkehr ist nach allen Richtungen eingestellt. Hier in der Stadt herrscht vollständige Ruhe.
Türkei.
Konstantinopel, 18. November. Der heute stattgehrbte außerordentliche große Rath beschloß, den von England beantragten Zusammentritt zur Conferenz anzunehmen. Midhat Pascha und Savfet Pascha wurden zu Bevollmächtigten für die Conferenz ernannt. Chavket Pascha wurde nach Phtlippopel gesandt, um dort durch eine hierzu eingesetzte Commission abgeurtheilt zu werden. Die Promulgirung des Gesetzes, das ottomanische Parlament betreffend, steht bevor.
Ragusa, 18. November. Der deutsche Commiffär für die Demar- cations-Linte, Oberst-Lieutenant v. Seebeck, ist hier eingetroffen; in Kleck und Gravosa werden türkische Dampfer zum Transport für die Kranken erwartet.
Pera, 17. November. Gutem Vernehmen nach wird morgen ein außerordentlicher verstärkter Ministerrath stattfinden, um bezüglich der Conferenz- Frage zu einer bestimmten Entschließung zu gelangen, nachdem das englische Cabinet seine betr. energische Aufforderung an die Pforte erneuert hat.
Serbien.
Belgrad, 18. November. Zum Special-Bevollmächtigten des Fürsten nach Petersburg ist Marinovic bestimmt; derselbe wird sich am Sonntag dahin begeben.
Lokal-Notiz.
Gießen, 20. November. In der Sitzung der Stadtverordneten vom 2. November wurde Folgendes zur Verhandlung gebracht:
1. Vor den städtischen Wiesen am Altentisch liegen die sog. 4 Wechselmorgen, welche Privateigenthum von Einwohnern tn Annerod sind. Durch dieselben ist die Stadt theilweise in der Anlegung einer besseren Bewässerung für ihre Wiesen gehindert. Es soll deßhalb versucht werden, besagtes Privateigenthum für die Stadt zu erwerben und wenn mit den Besitzern eine annehmbare Verständigung erzielt werden kann, dann soll auf den von den Eigenthümern zu leistenden rückständigen Beitrag zu den Kosten für Aufsicht u. s. w. bis Ende 1875 verzichtet werden.
2. Stiegen der für das Jahr 1877 vorzunehmenden Culturarbeiten in den Stadtwaldungen ist beschlossen worden, die Großherzogliche Oberförsteret Gießen zu ermächtigen, dieselben imTaglohn ausführen zu lassen und die Löhne der Arbeiter je noch ihren Leistungen nach Maßgabe der veranschlagten Sätze zu bestimmen.
3. Bezüglich der in der Reichensand-Bahnhofstraße über die Wteseck zu erbauenden Brücke wurde sich dahin entschieden, daß dieselbe in Stein auszuführen sei.
4. Für ein die Mädchenschule besuchendes Kind ist Befreiung von Schulgeld bewilligt worden.
5. Verschiedene, die Anschaffung von Gerätben für die freiw. städtische Feuerwehr bezweckende Anträge der Commission für Feuerlöschwesen wurden genehmigt.
6 Ein Gesuch von den Bewohnern der Häuser am Riegelpfad um Herstellung einer Beleuchtung daselbst wurde abgelehnt.
7 Die von der Bnudeputation vorgeschlagene Verbesserung des Hammwegs mittelst Ueberfahren desselben mit Steingeröll daselbst wurde genehmigt.
8. Dem Gesuch des Herrn Enid Ebel wegen Errichtung eines Abweissteins an seinem Hause in der Neustadt wurde unter dem Anfügen stattgegeben, daß das Setzen des Steins unter Aussicht deS Herrn Stadtbaumeisters zu geschehen habe.
Sitzung vom 9. November 1876:
1. Zur Einfriedigung des Ludwigsplatzes, ähnlich wie solche in den Anlagen aus- geführt, sind 30 Fichtenstangen anzefahren worden, zu deren Verwendung Genehmigung ertheilt worden.
2. Dre zur Anweisung verschiedener Rechnungen erforderliche Ermächtigung wurde gegeben und der Credit dafür, soweit nöthig, bewilligt.
3. Dem Herrn Georg Abel von Krofdorf ist die Anlegung einerUeberfahrt nach seinem Acker am Krofdorfer Weg — Gießener Gemarkung — gestattet worden.
4. Das vorgelegte Gesuch von Herrn Philipp Weller wegen Erbauung eines Wohnhauses an die Stelle des von ihm abgebrochenen Gebäudes in der Wolkengasse soll befürwortet werden.
5. Wegen Herstellung des Grenzdurchlastes am Krofdorfer Weg ist mit Konrad Häuser Handaccord aus 141 Jü 90 abgeschlossen worden, welcher genehmigt n>i rde.
6. Dem Herrn Cigarrenfabrikanten Adolph Noll wurde auf sein Gesuch vom 6. d. Mts. gestattet, einige Bäume am Ichoorweg zwischen Neuenweg und Wallthor nach seiner Wohnung hin, da dort noch gar keine Beleuchtung besteht, mit Kalkfarbe anz rstretchen.
--Am Samstag Abend zwischen 9 und 10 Uhr stürzte ein bis unter das Dach fertiger Neubau auf der Grünbergerstraße in der Vorderfront mit einem furchtbaren Gerassel zusammen. Dem ersten Einsturz folgte gestern Mittag zwischen 11 und 12 Uhr ein zweiter des Hinteren Theiles des Baues. Aus welchem Grunde der Einsturz er- folgte, wird wohl die Expertise feststellen.
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„Buch der Eltern. Dan Dr. K Oppel" ist der Titel eines Buches, welches soeben im Verlage von M. Diesterweg in Frankfurt a. M. erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben ist. ES darf ausgeschnitten und g 'lesen werden und wird auch so zurückgenommen. Nun wohl, wir haben eS gelesen von Anfang bis zu Ende und sprechen unser Urtheil aus in drei Worten: Fesselnd, überzeugend, praktisch! In der ansprechendsten Form gibt es eine auf die reichen Erfahrungen eines ganzen Menschenalters gegründete Anleitung zu planmäßiger Erziehung unserer Kinder. Da ist nirgends langweilige Theorie, da begegnet man kernen ungreifbaren Phrasen; Alles ist Anschauung, ist Leben- Wir gestehen: Es bat uns lange keine Lectüre solchen Genuß gewährt, wie die des vorliegenden Heftes. Alle Eltern, welche überhaupt lesen, sollten sich dieses erste Heft verschaffen; sie werden mit Spannung das zweite erwarten.
„Die ganze Haltung des Kalenders (Lahrer Hinkender Bote) ist eine edle und srcisinnige und dazu maßvolle und tn jedem braven Hause und Herzen einen wohlthuenden Eindruck zurückiassend, wie der ist, den wir empfinden, wenn wir so glücklich worrn, eine Stunde mit einem Biedermanne von echtem Schrot und Korn zugebracht zu haben." (H e i d e l b. Z t g.)
Griechenland.
Athen, 18. Novbr. lieber die Verhandlungen der Depntirten Kammer betreffs der Rüstungs-Angelegenheit wird ferner noch gemeldet, daß ein Antrag der Opposition, die Ausrüstungs-Projecte der Regierung für unzulänglich zu erklären, mit 88 gegen 75 Stimmen abgelehnt wurde; die Minister und 19 andere Depntirten enthielten sich der Abstimmung. Die Dringlichkeit der Rüstungen ward, wie schon angedeutet, von der Kammer anerkannt.
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Gießen, den 15. November 1876. Wittich, Armenkasserechner.
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