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Wo. 118. Sonntag, den 21. Mai 182«

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Anflige- uni Amtsblatt für den Kreis Gieße«.

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Erscheint täglich mit Ausnahm« des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Expedition: Schulftrahe, Lit. B. Nr. 18. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Gießen, am 18. ME1876.

Betreffend: Verzeichniß der Dampfkesselbesitzer des Kreises Gießen

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises (mit Ausnahme von Gießen) und an die Polizeiverwaltung zu Gießen.

Wir fordern Sie auf, innerhalb 14 Tagen ein Verzeichniß der in Ihren Gemeinden befindlichen Dampfkesseln, unter Angabe der Besitzer ^derselben an uns einzu- fenben. Wo keine Dampfkessel in Betrieb sind, ist dies gleichfalls anzugeben.

v. Röder.

Iolitischer Hheil.

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kwältigung der Rebellen zu schicken, die von ungefähr 30 Serben comman-

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Die Aufregung auf der Balkan-Halbinsel.

Während die officiösen Organe den Wind aus der Region des ewigen Friedens wehen lasten, flackert auf dem eigentlichen Herde der momentanen Krankheit Europas die Aufregung, flammt der Aufruhr ruhig weiter. Es ist eine Art marasmus senilis, der jenes Stück unseres alten Erdtheils ergriffen hat. Der marasmus senilis erwählt sich ja besonders gerne entlegene Körpcr- thetle. Die europäischen Aerzte scheinen zunächst darüber einig, das Leiden localisiren zu wollen. Das Wollen steht fest und sicherlich ist ihm im allge­meinsten Jntereffe das Gelingen zu wünschen.

Aber soviel man auch berathen, conferiren und protocolliren mag, die mehr und mehr um sich greifende Erregung auf der balkanischen Halbinsel, der wachsende Aufruhr lasten denn doch an der schließlichen Rothwendigkcit einer Amputation nicht mehr zweifeln. Man will die Insurgenten als kriegführende Diacht anerkennen; das find zunächst die bosnischen und herzegowinischen Auf­ständischen ; aber die christlich-slavischen Brüder der christlichen Slaven in Bos­nien und der Herzegowina, welche deren Erfolge sehen, wollen nicht hinter

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usschub, ihre Zahl wuchs rasch an, so daß sie eine genügend beträchtliche 'ffer erreichte. Sie kamen aus der Umgegend von Philippopel, wo sie meß-

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türkische Ortschaften und solche christliche in Brand setzten, welche ihren ksehlen sich zu fügen weigerten. Sie führten alles Vieh aus den verbrannten - *ri,rfltrtenn Gegenden des Balkan. Die türkische Bevölkerung von hier wie jene on Bazardjck kam nun in großer Zahl heran. Sie verlangte von den Behörden kN, da jeden Augenblick die öffentliche Ruhe gestört werden könne; die Ermäch- W0 wurde ihr zugestanden und jetzt sehen wir alle Muselmänner bewaffnet H in der Stadt patrouilltren. Sie wachen über die Sicherheit der beiden

|l[lur... »langt, um die Aufrührer zu verfolgen und im Falle des Widerstandes von 'IeT Feuer auf sie geben zu lassen. Es scheint, daß der Volt erwiderte, habe sich an das Ministerium gewendet, um genügende Verstärkungen zur

ihnen Zurückbleiben. Sehen wir zunächst, was dieTurquie", ein in Konstan­tinopel selbst in französischer Sprache erscheinendes Blatt über den bulgarischen I Ausstand zu berichten weiß. Das Blatt schreibt:

'|Am 4. d. Mts. schickte der Kaimakam von Bazardjik einen Osficier mit j^g hei Gensd'armen nach dem Dorfe Otlu-Keyi, um gewiffe Regierungsgelder, welche die Bevölkerung des erwähnten Dorfes schuldete, einzucassiren. Bet

wurden. Die Anzeigen langten ein, daß die Truppen in wenigen Tagen ifjlft r j "s der Hauptstadt abgesender werden würden. Die Ausrührer benützten diesen w* ' - . - - . - -

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Inner Ankunft ließ der Osficier die Schuldner in das Amthaus entbieten. Sie

flltUtUWI'b ^men in Begleitung von vier Serben und nöthigten den Osficier, die Waffen

1 bett. abzuliefern. Dieser setzte Anfangs lebhaften Widerstand entgegen, flüchtete sich

M g^> aber endlich und überließ die drei Gensd'armen ihrem Schicksale. Letztere wür­

ben getödtet und das Amthaus verbrannt. Da der Osficier nicht mehr ans dem Wege, auf dem er angekommen, zurückkehren konnte, schlug er eine ande're tioute ein. Nach seiner Ankunft in Philippopel stattete er dem Gouverneur Bericht ab. Der Gouverneur beeilte sich, persönlich nach Bazardjik zu gehen, MatzdtM um den Stand der Dinge zu untersuchen. Tort schickte er einige junge Leute , tätigen 5Bi nn Begleitung von Gensd'armen nach Otlu-Keyi um Jnformationeic. Diese äiUe kamen aber mit der Nachricht zurück, daß jener Ort mit zwei anderen Srfern, Streltza und Avradala, bereits sich im Ausstande befinde und daß Insurgenten durch andere kleine Ortschaften ziehen, die Bauern, mit der cohung, deren Häuser niederzubrennen und sie selbst zu tobten, zum Anschluffe tagen- Der Gouverneur telegraphirte dem Vali von Adrianopel, allsogleich Kosakentruppe zu senden, welche in Tschirpan stand, um die Dörfer wieder aleb°Wr Vernunft zu bringen. Diese kleine, 150 Mann starke Truppe kam am rächsten Morgen an und begab sich sofort nach Bazardjik Bei ihrer Ankunft bvrt fanden sie alle Muselmänner bereits bewaffnet. Es scheint, daß die Zahl in Insurgenten bereits auf 500 Mann angewachsen war. Ebenso konnte es lie kleine Kosakentruppe nicht wagen, sie zu unterwerfen. Der Gouverneur Mhl daher dem Bataillonschef der Redifs unserer Stadt, sein Bataillon zu Ileund nach Bazardjik zu schicken. Zwei Tage später wurde dieses Ba- Mllon auf der Eisenbahn abgeschickt. Diese Truppen entfernten sich nicht von kazardjik, der Gouverneur hatte von dem Vali Verstärkungen u*b Befehle

Städte, daß nicht etwa zur Nachtszeit Feuersbrünste entstehen oder eine Ueber- rumpelung der Aufständischen stattfinde. In Philippopel hörte man am 4. d. Mts. 2 Stunden vor Einbruch der Nacht drei Kononenschüffe und mehrfach Flintenschüffe. Sofort bewaffneten sich die Türken. Die ganze Stadt war alsbald auf den Beinen, um von dem Ereigniffe Nachricht zu erhalten. Diese Schüsse waren ein Alarmsignal; im Centrum der Stadt war in einem von einem Bulgaren gehaltenen Laden Feuer zum Ausbruch gekommen. Er hatte selbst das Feuer gelegt, nachdem er alle seine Effecten heimlich bei Seite ge­schafft hatte. Er wurde von den Türken erblickt, die ihn sofort verhafteten und zur Localbehörde führten, welch' letztere ihn in's Gesängniß steckte. In derselben Nacht fand man ein Gefäß mit Kohlen und Petroleum gefüllt in dem Laden eines bulgarischen Schusters. Der Gouverneur, begleitet von Raschid Pascha, dem Commandanten der Baschi-Bozuks, begaben sich an die betr. Orte. Di' Selben Gesellen des Schusters wurden gestern von dem Gouverneur selbst verhört. Sie sagten aus, daß ihr Meister ihnen befohlen, so zu handeln. Es wurde angeordnet, den Meister zu suchen, aber er hatte sich bereits in Sicher­heit gebracht. Man verhaftete mehrere Bulgaren, bei denen man große Quan­titäten von Pulver vorfand. Gestern brachte man einen bulgarischen Priester hierher, welcher an die Bauern von Perrustizza, Sarembey und Demendria geschrieben, um sie zum Aufruhr zu reizen. Die reguläre Truppe von Kon­stantinopel ist mit Kanonen angekommen. Sie setzte sich, begleitet von mehre­ren Tausend Redifs und Bozuks, die von der Umgegend herbeikamen, in Be­wegung, um die Rebellen zu verfolgen."

Auch aus Adrianopel wird die Aufregung als keine geringe geschildert. Zu offenem Aufstande ist es nicht gekommen, doch sind die Straßen früh am Nachmittag menschenleer und Patrouillen durchziehen die Stadt.

So aufgeregt geht es in den Provinzen her. Aber auch in der Haupt­stadt sieht es kaum ruhiger aus. Die Studenten (Softa's) sind vor den Palast des Sultans gezogen und haben bte Ernennung eines neuen Großvezirs und eines neuen Scheck- ül-Jslam geforbert Man hat gethan, wie sie verlangten. Wirb mit bet Erfüllung bes Verlangens berSofta's" bie Ruhe ber Bevöl­kerung wieberhergestellt sein?

Berlin, 18. Mai. Der Tag, an welchem bie zum Schutze ber Deut­schen in der Türkei nach dem ägäischen Meere bestimmten deutschen Kriegsschiffe von Wilhelmshaven und Kiel auslausen werden, ist noch nicht bestimmt. Ebenso wenig kann daher der Tag angegeben werden, wo die Schiffe an ihrem Bestim­mungsort anlangen werden. Die gewöhnliche Fahrzeit für ein Panzerschiff würde ungefähr zehn Tage betragen, doch kann sich diese Frist leicht verlängern, wenn in Gibraltar oder Malta angelegt ober, was wahrscheinlich ist, eine größere Hebung auf offenem Ocean veranstaltet wirb. Die neun nach betn ägäischen Meere bestimmten Schiffe führen in runber Summe 3500 Matrosen und Seesolbaten an Borb; der Bedarf an denselben ergänzt sich völlig aus den disponiblen Mannschaften, so daß von einer etwaigen Einberufung früherer Jahrgänge nicht die Rede ist.

Berlin, 18. Mai. Herrenhaus. Erste Berathung der Reichs-Eisen- bahn-Vorlage. Bei der General-Debatte sprachen Graf Udo Stolberg und Beseler für, Senfft- Pilsach und Graf zur Lippe gegen die Vorlage. Der Handels-Minister hob in einer Rede hervor, daß es sich nicht darum handle, ^ämmtliche Privatbahnen zu beseitigen, sondern nur bie bominirenben Linien in den Besitz des Reiches zu bringen. Die Vorlage verfolge keinerlei partikula- ristische Absichten, dieselbe solle vielmehr das Aufsichtsrecht des Reiches in Eisenbahnsachen erst wirksam machen. Fürst Bismarck erklärt: Die Gegner der Vorlage gäben derselben eine weitere Bedeutung, als sie habe. Die Be- sorguiffe, das Reich würde die älteren preußischen Provinzen schlechter bedenken, als bisher geschehen, sei unzutreffend. Preußen würde nicht aufhören, für alle seine Landestheile zu sorgen. Die Organe des Reiches würden Preußen daran weder hindern wollen, noch können. Gleich grundlos sei die Befürchtung eines finanziellen Rückgangs des Eisenbahnwesens. Man wolle doch nicht alle Dah­nen für da« Reich erwerben. Die Eisenbahn-Actionäre dürsten mit ber Vor-