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»nulodten verbietet sehr häufig der Mangel an Zeit. Man führe also daS Vielerlei auf ein geringerer Maaß zurück und setze die Zahl der Stunden, wo e« irgend mög« licb ist herab: der Lehrer aber, auch selbst wenn vorerst an die Verwirklichung des soeben' Gesagten noch nicht gedacht werden darf, arbeite und denke mehr in den Unterrichtsstunden selbst mit seinen Schülern, sodaß in den Stunden selbst mehr ge lernt werde, als durch die Schularbeiten; dann ist daS Unterrichten nichts Aeußer- licheS und Undankbare«, sondern ein innigerer geistigerer Verkehr mit den Schülern. Der Unterrichtsstoff muß auf diese Weise weit eher in Fleisch und Blut der Zöglinge übergehen, und besondere Schularbeiten find dann in viel geringerer Zahl nöthig, al? setzt. Die Schule muß Leben haben, Leben sein und Leben gewähren, und die papiere» nen Kenntnisse sowie der Wust von eitlem Gedächtnißkram wird der Frische, dem Denken und dem selbstständigen Produciren weichen müssen. Die« Alle« wtrd nun aber nicht dadurch erreicht, daß wir unsere Kinder 5 Nachmittage zu Hause behalten; im Gegentheil möchten wir, wenn überhaupt an den Beginn einer völligen Umgestal tung unseres Schulwesens gedacht werden könnte, anempfehlen, die Schule solle die Kinder noch länger als jetzt in Anspruch nehmen, aber in ganz anderer Weise, wie geaenwä'tig und vor Allem unter der Bedingung, daß alle Schularbeiten unter der Leitung, nickt mit Hülfe der Lehrer in der Schule selbst angefertigt werden. Unsere« Erachten« wäre e« von den Schülern sogar bei den jetzigen Verhältnissen durchaus nicht zu viel verlangt, wenn die Schulzeit im Sommer auf die Stunden von 7—12 Kor- und 3—6 Nachmittags, im Winter von 8—12 Vor- und von 2—6 Nachmittag», mit Ausnahme de« Mittwoch« und Samstags, festgesetzt würde. Damit wäre zugleich dem häufigen Verluste der Stunde von 2-3 In der heißen Zeit vorgebeugt. Im Ganzen ergäben sich bei dieser Einthetlung 42 Stunden, von denen 32 dem Unterrichte selbst und 10 den Schularbeiten zu widmen wären. Die geeignete Abwechselung der Lehr- und der Arbeitsstunden bliebe dem Lehrercollegium überlassen. Selbstverständlich müßten alle Lehrer darauf sehen, daß da« Maaß der Arbeiten in den 10 Arbeitsstunden wöchentlich von dem Mittelschlage der Schüler gut und ohne Uebereilung bewältigt werden könnte; indessen müßte ferner in jeder Schule die Einrichtung getroffen werden, daß die Eltern nach eignem Ermessen ihre Kinder auch an Mittwoch- und Samstag- Nachmittagen auf 2 Stunden, gleichviel ob die Zeit von 2—4 oder 3—5 oder 4—v dazu bestimmt würde, in die Schule schicken konnten, waS sich bei schwächeren Schülern empfehlen dürfte, denen die 10 Arbeitsstunden nicht genügten, oder solchen, für welche die Eltern überhaupt noch eine Nachhülfe oder auch nur Beaufsichtigung wünschten, wenn sie selbst sich der Kinder in der freien Zeit nicht genügend annehmen konnten. Bei dieser Einrichtung wäre also den Schülern die Möglichkeit geboten, alle Arbeiten in der Schule zu machen, sodaß von häuslichen Arbeiten und Ueberbürdung kaum mehr die Rede zu sein brauchte; da« Kind gehörte demzufolge, sobald /« nach Hause käme, ganz ausschließlich seinen Eltern an, und wir glauben kaum, daß diese Emruh-
tung unsere Jugend schädigte; im Gegentheil würden Körper und Seist gesund unl> frisch erhalten; denn es versteht sich von selbst, daß zwischen den einzelnen Stunden eine genügende Erholungszeit gestattet werde, und, wa« den Schulweg anbelangt, so halten wir ihn geradezu für eine Wohlthat für unsere Jugend; die Bewegung in freier Luft kann nur förderlich sein, vorausgesetzt natürlich, daß die Kinder früh genug von zu Hause Weggehen und der Schulweg nicht zur Hetzjagd wird. Von 6 Uhr Abend« an und an Mittwoch- und Samstag-Nachmittagen wäre noch Zeit genug übrig zum Baden, zum Spaziergang oder zum Schlittschuhlaufen (?), zum Verkehre mit den Eltern, ja sogar für Musikunterricht und die dafür nöthigen Uebungsstunden.
Nun werden aber natürlich die Herren Lehrer über uns herfallen und uns zurufen: „Für eine solche Einrichtung würden wir uns schönstens bedanken!" Sosehr Unrecht hätten dieselben nicht; allein es ist doch selbstredend, daß, sollen die gemachten Vorschläge allenfalls verwirklicht werden können, überhaupt eine Aenderung gar vieler Verhältnisse nöthig wäre. Der Lehrer müßte vor allen Dingen so gestellt werden, daß sein Gehalt allein schon ihm ein sorgenfreies Leben sicherte. Dagegen hatte er der Schule, an welcher er angestellt würde, seine ganze Thätigkett zur Verfügung zu stellen. Dies könnte er um so besser thun, als er alsdann nicht mehr wie bisher neben seiner Wirksamkeit in der Schule auch noch auf Privatstunden angewiesen wäre. Die entsprechende Erhöhung der Lehrergehalte könnte eine Stadt wie Frankfurt doch wohl auf irgend eine Weise aufbringen, und sollte die Stadt als solche dieselbe nicht übernehmen können oder wollen, so blieb doch immer noch die Möglichkeit einer Erhöhung des Schulgeldes oder der Ausweg einer allgemeinen Schulsteuer, wie sie in Amerika eingeführt ist und wodurch selbstverständlich zugleich die völlige Aufhebung des Schulgeldes bedingt würde. , , t _
Da übrigens eine durchgreifende Verbesserung der den gegenwartrgen Verhältnissen unwahrscheinlich ist, so müssen wir uns wohl mit den bestehenden Einrichtungen einstweilen zufrieden geben, und da mit den 5 freien Nachmittagen nur sehr wenige Familien ihr Ziel erreichen dürften, so möchten wir uns zunächst nur der Hoffnung hingeben, daß es möglich wäre, durch einen klaren, entwickelnden, lebendigen und fesselnden Unterricht in allen Fächern eine Menge namentlich schriftlicher häuslicher Arbeiten überflüssig zu machen. Wenn wir damit allerdings unsere Ansprüche an die Lehrerwelt um ein Bedeutendes noch erhöhen, so meinen wir dock, daß anderseits dem Lehrer auch wieder eine Last abgenommen würde, wenn die schriftlichen Arbeiten sich verringerten, und daß ihm der Dank der Familien gewiß wäre, die seine Arbeit an den jungen Seelen nicht hoch genug anschlagen können.
Möchten doch Gießener Lehrer, refp. die Dirigenten der verschiedenen Schulanstalten der in vorstehendem Artikel höchst wichtigen Sache ihre volle Aufmerksamkeit zuwenden und die beregten Uebelftände — die auch hier bei einigen Schulen recht stark hervortreten — möglichst bald abstellen.
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