Ausgabe 
20.1.1876
 
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Arankreich.

Pari-, 16. Januar. Heute sanden in ganz Frankreich, ausgenommen diejenigen Bezirke, wo der Schnee den Verkehr hemmte, die Wahlen der Dele- girten der GemeinderLthe für die Senatoren-Wahlen statt. Hier in Paris wurde Victor Hugo zum Delegirten und Spuller, Redacteur derRöpublique Frandaise" und Vertrauter Gambetta'S, zum Stellvertreter ernannt. Spuller erhielt 40 Stimmen, während auf den Landidaten der Intransigenten von der Linken nur 17 fielen ; Gambetta behielt also die Oberhand. Bi- jetzt kennt man von den Departementswahlen nur drei Resultate: Valence, Bourg le Valence und Ro­mans, alle im Drome-Departement gelegen, wählten radicale Delegirte. Aus dem Ministerium des Innern erwartet man den größten Theil der Wahlbe­richte heute Abend. LautMoniteur" ist man dort ohne alle Besorgniß und glaubt annehmen zu dürfen, daß die Gemeinderäthe als Delegirte verfassungs- freundliche und der Regierung de- Marschall- ergebene Ordnungsmänner ge­wählt habe«.

Pari-, 16. Januar. Die Kriegsgerichte haben zu guter Letzt noch einen gewissen Bremil zum Tode verurtheilt. Derselbe hatte sich der Wirren der Commune bedient, um eine Privatrache auszuüben. Man weiß noch nicht, ob er erschossen werden, oder ob ihn die Gnaden-Commission zur Deportation nach Neu-Caledonien begnadigen wird.

Pari-, 16. Januar. DasBien Public" schreibt:Aus Brest wird denTablettes des deu; Charente-" geschrieben, der Admiral Donie halte sich bereit, um mit der G-ulolse und der Valereuse nach Cherbourg abzugehcn; dort werde er noch die Surveillance hinzunehmen und dann bis auf weitere Befehle mit dieser Panzer-Division im Canal Station nehmen. Ist dies eine Bestätigung des Gerüchtes von der Wiederherstellung der Panzer-Division von Cherbourg, oder ist es ein Vorzeichen ernster Ereignisse, in deren Voraussicht man für die Sicherheit unsere- NordgestadeS Sorge tragen will?" Ein Cor- respondent derKöln. Ztg." bemerkt zu dieser Mittheilung: Es scheinen über­haupt wieder beunruhigende Gerüchte ausgesprengt zu werden, wie z. B. die Angabe, daß die Obersten aller Reiter-Regimenter ein vertrauliches Circular erhalten hätten, worin sie aufgefordert worden, die Ausbildung ihrer Rekruten, wofür sie sonst bis zum Juli Zeit haben, zu beschleunigen und es so einzurich­ten, daß sie bis Ende Februar oder Anfangs März ausgebildet seien. Den Obersten der Infanterie-Regimenter sollen ähnliche Weisungen zuzegangen sein. Ferner behauptet man, im Westen würden bedeutende Kriegsvorrälhe angehäuft und für jedes der Geschütze des zweiten Corps, das in Nancy sein Hauptquar­tier hat, seien jetzt Munition und Kugeln für 400 Schüsse angeschafft. Dann will man noch von weiteren Maßregeln wissen, durch welche Frankreich in den Stand gesetzt würde, sofort mehr als 700,000 wohl eingeübter und gut aus­gerüsteter Truppen in'S Feld zu stellen. Gerüchte ähnlicher Art tauchen übri­gens so oft auf, daß man auch die jetzigen nur mit Vorsicht aufzunehmen hat. Vielleicht ist ihre Wirkung mehr die innere Lage, insonderheit auf die Erzie­lunggutgesinnter" Wahlen berechnet, als auf irgend einen anderen Zweck.

Paris, 17. Januar. Von den gestern vorgenommenen Wahlen der Delegirten für die SenatSwahlen sind auch jetzt erst wenige Ergebnisse bekannt. Der Gesammtausfall wird erst in drei Tagen bekannt werden, da der Schnee die Verbindungen sehr erschwert. Die officiöseAgentur Havas" sagt, daß fast alle bis jetzt bekannten Wahlen conservativ seien.

Italien.

Rom, 15. Januar Der Mittheilung, daß der König dem General Garibaldi ein kostbares Masaikbild geschenkt habe, geben dieJtal. Nachr." den Zusatz, daß Garibaldi dem König am Neujahrstage nebst seinen Glück­wünschen ein Ziegenböckchen von der Insel Caprera geschickt hatte. Daraufhin sandte ihm der König seine Glückwünsche, eine Mosaiktafel und zwei Bronze­statuetten, welche Franklin und Washington darstellen. Der Tag von Aspro- monte scheint also int Kalender gänzlich ausgestrichen zu sein. Heute reist der General-Postinspector Tantesio nach Bern, wo neue weltpostalische Ver­handlungen stattfinden sollen, indem mehrere asiatische Staaten um Ausnahme in den allgemeinen Postoerband eingekommen sind. Gestern ist die dänische DampfercorvetteDagmar" im Hafen von Neapel vor Anker gegangen; sie hat 14 Kanonen und 185 Mann an Bord.

England.

London, 17. Januar. Die Zeitungsmeldung über Verhandlungen des Khedive mit englischen Capitalisten wegen Ankaufs ägyptischer Eisenbahnen ist nur in so weit begründet, als vorläufige Besprechungen stattgefunden haben, aber abgebrochen worden sind. Die Negierung soll angeblich, um dem fort­währenden Waffenverkauf an die Aschantis vorzubeugen, den einfachen Ankau : der französischen Niederlassungen an der Goldküste ohne anderweitige Gebiets- cession anstreben.

London, 17. Januar. DieTimes" äußert sich nach Besprechung des angeblichen Inhalts der Note des Grafen Andcaffy dahin, daß England in Bezug auf die Vorlegung der Andrassy'schen Note an die Türkei den übri­gen Mächten sich anschließen, sonst aber die Freiheit des Handelns sich vorbe halten werde.

AmeriLa«

New-Nork, 17. Januar. Einer Mittheilung der Blätter zufolge sind die Arbeiten in den großen Eisenwerken von Treoegar und Richmond vor läufig eingestellt.

Washington, 17. Januar. Das Repräsentantenhaus hat einen An­trag auf Wiederaushebung des Gesetzes, betr. die Wiederaufnahme der Baar­zahlung, abgelehnt. Für den Antrag stimmten hauptsächlich die Demokraten. Das Repräsentantenhaus ersuchte den Präsidenten Grant, ihm die gejammte diplomatische Correspondenz bezüglich der Cuba-Frage mitzutheilen. Im ^enat beantragte Sherman die Herstellung einer Münz- und Rechnungs-Ein­heit zwischen den Staaten der Union und England, indem er Vorschlag, den Präsidenten zu ^ermächtigen, einen Vertrag abzuschließen, wonach 1 Dollar, von welchem 5 Stück gleich einem Pfund «Sterling sein sollen, als Münz-Einheit bestimmt werde. Das Pfund Sterling in den Unions-Staaten und der Dollar in England sollen nach dem Maßstabe von 5 Dollar gleich einem Pfund Ster­ling gesetzlichen Cours haben.

Bermischte-.

Ein Gärtner in der nächsten Umgebung vvn Berlin war in früheren Jahren häufig bestohlen, namentlich waren ibm junge Gemüse und werthvolle Pflanzen ent­wendet worden. Eingang in bei Geschäft und in den Garten batten die bisher nicht entdeckten Diebe durch Ueberspringen der das vesitzthum einfriedigenden Mauer, und zwar trotz der wachsamen Hunde, gefunden. Der Gärtner sah sich in Folge dessen in diesem Winter genöthigt, seine beiden, bereit« altersschwachen Hunde fortzugeben, und einen auf den Mann dressirten großen Neufoundländer zu erwerben. Vor einigen Tagen nun kehrte der Gärtner, welcher allein wohnt, ziemlich spät nach seinem Gehöft zurück. Dort angekommen, vernahm er, wie dasN. B- Tgbl." erzählt, daS Knurren eine« Hunde«, ein Zeichen, daß etwa« nicht richtig war. Er bewaffnete sich mit einer geladenen Flinte, nahm eine brennende Laterne und begab sich nach dem Garte», wo er an die Mauer gelehnt einen Mann erblickte, der ohne eine Bewegung zu machen dort tand! Vor ihm stand knurrend und die Zähne fletschend der Hund, welcher seine Vorderpfoten auf die Schultern de« Manne« gelegt hatte. Bei dem Schein der Laterne erblickte der Gärtner zu seinem Schreck seinen auswärts wohnenden Bruder der seit mehreren Jahren nicht nach Berlin gekommen war, und den der Hund daher nicht kannte. Derselbe war am Abend in Berlin etngetroffen, und hatte sich nach dem Ge- höft bc§ Gärtners begeben Da derselbe jedoch abwesend war, und er nicht Einlaß finden konnte, so war der Unvorsichtige über die Mauer geklettert, um vom Garten aus in die Wohnung des Bruders zu gelangen. Dort war er von dem Hunde gestellt und festgchalten worden. Zwei Stunden hat der arme Mann in der schrecklichen Situa­tion an der Mauer stehen müssen, cingcschüchtert durch die glänzenden Zähne des vier- üßtgen Wächter«, außerdem hat er aber auch einen Theil seine« Oh^zipfels durch einen Biß des Hundes eingebüßt. Selbstverständlich wurde der Unvorsichtige sofort von seinem Bruder aus der schrecklichen Situation befreit. Der Mann ist in Folge des Vorfalls schwer erkrankt-

G log au, 7. Jan. Das k. AppellationS-Gericht erkannte in diesen Tagen in der Anklagesache wegen fahrlässiger Tödtung der Frau Gutsbesitzer Hupeden in Mcngelsdorf, Kreis Görlitz. In der Körner'schen Apotheke in Görlitz waren einer an Frau Hupeden expedirten Brunnensendung mehrere Flaschen mit Salzsäure beigepackt worden, die nicht besonders bezeichnet waren. Die Empfängerin batte au» Versehen tatt Brunnen die Salzsäure getrunken und war daran gestorben. Da« k. Kccisgericht n Görlitz sprach den Apotheker Körner frei, weil ihm d-r Nachweis gelungen, daß er die Bestellung nicht persönlich ausgesührt, sondern daß da« Versehen von seine» Leuten begangen worden Da« k. Appcllatton«-Gericht vernichtete jedoch da« Urthetl der 1. Instanz und oerurtheilte Körner zu 3 Monaten und den Lehrling (wenn wir nicht irren heißt derselbe BogdanSkt), welcher die Sendung an Frau Hupeden besorgt hatte, zu 4 Monaten Gefängniß. Der hohe Gerichtshof hat angenommen, daß ein Apothekerbesitzer auch strafrechtlich die Handlungen seines Personals zu vertreten habe.

In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag gegen 2 Uhr Morgens brachen in Paris die Löwen des bekannten Bändiger« Delmonico, die jetzt jeden Abend in der Solies-Bcrgt-res vorgeführt wurden, aus ihrem Käfig au«. Die Bestien blieben jedoch, da alle Ausgänge abgeschlossen waren, im Hause, wo sie zunächst eine Promenade nach den Galerien machten. Von hier aus sprangen vier von ihnen auf die Bühne, wo gerade ein auSgestopftes Pferd stand, da« für die Pantominen benutzt wird; sie stürzten sich auf dasselbe und zerrissen es. Da der Wärter durch da« Brüllen seiner Wilden erweckt wurde und nicht im Stande war, die Flüchtlinge in den Käfig zurück- zutretben, so holt er seinen Herrn herbei. Letzterem gelang e8 nach einer Stunde, die Thiere in ihren Käfig zurückzubringen. Am folgenden Tage fand man die vier Bestien in ihrem Käfig todt. Sie hatten das Pferd vollständig verzehrt und waren von dem Arsenik, mit welchem die Felle der ausgestopften Thiere zu deren Conservirung bestri­chen werden, vergiftet worden.

Ruda i. Schl-, 13. Jan. (Gruben-Unglück.) In vergangener Nacht zwischen 11 und 12 Uhr entstand in vem gezimmerten Füllort de« Hugo-Schachtes der Catha- r na-Steinkohlengrube plötzlich ein mächtiges Feuer und schritt in der südwestlichen Grundstrecke weiter vor. Ein furchtbarer Qualm erfüllte plötzlich den Schacht und bald auch die sämmtlichen Grubenbaue. Die Belegschaft und der Nachtsteiger retteten sich durch die übrigen Schächte der Catharina-Grube und durch den Elisabeth-Schacht der Carl Emanuel-Grube. Nur die Belegschaft eines Pfeiler« im südwestlichen Felde der Catharina-Grube, bestehend auL drei Häuern, sowie die Belegschaft eines Pfeiler» im angrenzenden Felde der Carl Emanuel-Grube, ebenfalls au« drei Mann bestehend, konnte nicht benachrichtigt werden und ist bis jetzt früh 10 Uhr noch in der Grube. Durch die Rettungsversuche ist constarirt, daß die sämmtlichen Grubenbaue mit undurchdringlichem Rauch erfüllt sind und es unmöglich ist, bi« zu den zurück- ebliebenen sechs Mann vorzudringen, Die Aermsten sind also rettungslos verloren. ES ist sogar ziemlich sicher, daß sie schon erstickt sind. Leider scheint e«, daß das Feuer böswillig angelegt worden, wahrscheinlich aus Rache.__

Literarisches.

Die im Verlage von P a u l W o l f f in L e i p z i g erscheinende erste Deutsche illustrirte Jagd-Zeitung: »Der Waidmann. Blätter für Jäger und Jagd, freunde." Redigüt von Fr von Jvernoi«, erscheint seit dem 1. October 1875 in Folio- Format zu dem billigen Preis von 4 Mk. 50 Pf. halbjährlich. Aus dem interessanten Inhalt der Nr. 5 erwähnen wir:

Die Jagd und die Fauna auf Franz-JosefSland, nach den Erzählungen der Oesterreichischen Nordpol-Expeditions-Mitglieder, ausgezeichnet von Wilhelm Groß Ein merkwürdiger Wildkatzenfang. Von Baron Nolde. Im Treiben auf Fasanen. Von William L. Hunter. VereinSnachrichten. Naturgeschichtliche Beobachtungen und Seltenheiten: Klugheit eine« Hunde«. Ein starker Perücken-Bock, mit Abb. Zur Naturgeschichte des Haselhuhns. Raublust eines Baummarder«. Eine Schnepfe mit weißem linken Flügel. Ortssinn eines Pferdes. Mannigfaltiges: Die Hirsch, brunst 1875 im Bayerischen Gebirge. Bei den Ahnen. Abermals Rund- oder Spitz­kugel. Erklärung des schlechten Schießens bei Regenwetter. Schnepfenjagd bei Anna- berg. Abschußliste. Brieftasche. Reichhaltiger Jnseraten-Theil. Illustration: Im Treiben auf Fasanen. _______________________________

Landwirthfchaftliches.

(Häcksel-Maschinen.) Die durch ihre vorzüglichen Dresch-Maschinen rühmlichst bekannte Firma P h. M a y f a r t h <fc Comp. in Frankfurt a. M. hat eine neue Häcksel-Maschine für Hand- und Göpelbetrieb construirt, welche alle bisherigen Systeme bedeutend übertrifft. Diese Maschine, die größte und leistungsfähigste Häcksel- Maschine für Handbetrieb, hat eine Schnittfläche von 32 Centimeter breit und 81/. Zentimeter hoch, eine Breite und Höhe, wie sie bei einer Häcksel-Maschine für Hand­betrieb bisher nie erreicht worden ist, dabei geht sie so leicht, daß ein Knabe sie an­haltend drehen kann. Das Schwungrad, an welchem 2 Messer angeschraubt sind, hat 105 Centimeter im Durchmesser und wiegt 112 Pfund. Durch äußerst einfache Ver­stellung schneidet sie 5 verschiedene Längen Häcksel, ohne Unterschied ob Heu, Klee oder Gras. Leistung per Stunde ca. 600 Pfund Häcksel. Die Maschine ist mit Ausnahme der Einlagelade ganz aus Stahl und Eisen gebaut, das Fußgestell aus Schmiedeeisen.

Mehrere Tausend Exemplare wurden von obiger Firma abgesetzt, welches genü­gender Beweis für vorzügliche Qualität und Preiswürdigkeit.

Die Fabrikanten Ph. Mayfarth & Comp. in Frankfurt a. M. ertheilen jede weitere Auskunft gerne, man schreibe nur dahin._____________________

OMne Stellen

für Commis, Buchhalter, Reisende rc. finden sich täglich in derDresdner Zeitung nebst Börsen- und Handelsblatt", welche jede Postanstalt für 4 Mark 50 Pf. vierteljährlich liefert. Sowohl die kaufmännischen Vereine Deutschlands, wie eine große Anzahl Industrieller schreiben ihre offenen Stellen ausschließlich in derDresdner Zeitung" aus und finden hierdurch viele Stellesuchende ohne Kosten Engagements._________

Behufs Verminderung von Schreibereien und Jncassokosten er- suchen wir die geehrten Inserenten dringend, kleinere In­serate bei der Aufgabe gefälligst baar bezahlen zu wollen.

Expedition des Gießener Anzeigers.

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