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ss«. Samstag, den 19. August tW3<>.

Kießener HWiger

Aizeigk- unb Amtsblatt fit de« Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preio vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit Vrinaerlohn.

Expedition r Schulstraß e, Sit. B. Nr. 18.Durch die Post bezogen vierteljährlich > Mart S0 Pf.

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Berlin, 16. August. Für die Reichs-Beamten, so meldet dreTnb. , soll bekanntlich eine besondere Uniformirung eingeführt werden, über welche seit längerer Zeit vielfach hin und her verhandelt wird. In Reichs Beamtenkreisen Stäubt man sich entschieden gegen den Uniformsrack mit den Epauletteu, wie ~" Man wünscht vielmehr einen Ueber-

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Berlin, 15. Aug. Obwohl seit einigen Monaten von dem Project, sämmtliche Eisenbahnen im deutschen Reichsgebiet für bas Reich zu erwerben, weniger als vorher die Rede gewesen ist, jo haben die deutschen Einzelstaaten ' doch in letzter Zeil wiederholt die Gelegenhrit zum Ankauf von Prwatbahnen benützt und dadurch dem späterem Reichkeisenbahnsystem vorgearbeitet. In der ' Schlesischen Presse finden wir folgende Zusammenstellung der einzelnen bisher 1 darüber mitgetheilten Nachrichten. Am 1. Juli sind bie Bahnstrecken . Halle- Kafiel und Nordhausen-Nixei aus dem Besitze der Magdeburg - Köthen-Halle- Leipziger Eiseubahngesillschaft in das Eigenthum des preußischen Staats über­gegangen. Von demselben Tage ab erwarb daS Königreich Sachsen, die Eisen bahnstrecke Leipzig - Rüsa-Dresden, Leipzig-Döbeln-Dresden, Riesa-Röderau, Rieja-Elsterwerda, Röderau-Langenberg, Priestewitz Großenhatn, Nosien-Freiberg- Mulda von der Leipziger Eisenbahn-Compagnie, ferner die Strecke Chemuitz- Aue-Adorf und die Eisenbahn von Wolfsgefährt über Berga, Greiz. Elsterberg und Plauen nach Weischlitz führend, von der Sächsiich Thüringischen Gesellschaft, so wie vom 15. Juli ab die Eisenbahn Zwickau-Langenfeld-Falkenstein. Auch die Bahnstrecken Gießen-Fulda und Gießen-Gelnhausen sind vom 8. August ab aus dem Besitze der Oberhessischen Eisenbahngesellschaft in das Eigenthum des großherzoglich hessischen Staates übergegangen. In Folge besten kommt jei.t hinsichtlich bes Verhältnisses der Postoerwaltung zu diesen Eisenbahnen, das Eiicnbahn-Postgesetz vom 20. December 1875 nebst den dazu erlastenen Voll- jugsbestimmungtN vom 9. Februar d. I. zur Anwendung.

Berlin, 15. August. Die strengen Bestimmungen, welche über den Ver­laus und die Ausbewahrung der Gifte, giftigen Farbwaaren und heftig wirken­den Droguen und Chemicalien bestehen, sind nach einer neueren Verordnung jetzt auch von den Großhändlern und Fabrikanten giftiger Farbwaaren zu beob­achten. jedoch mit der Maßgabe, daß bei schriftlich eingehenden Bestellungen aus die erwähnten Handelsartikel die Eii lieferung eines Gistscheines nicht er- sorderlich ist, sofern die Bestcllbriefe als Belege des zu führenden Gistbuches ordnungsmäßig ausbewahrt werden. Zuwiderhandlungen werden mit Polizei- sirafen belegt.

Berlin, 15. August. Der Kaiser verlieh dem Feldmarschall Wrangel zu seinem heutigen Jubelfeste einen mit Brillanten geschmückten Ehrendegen, welcher dem Jubilar mit einer huldvollen Cabinetsordre überreicht wurde.

Berlin, 16. August. Die Nachfolgerschaft Sultan Murad's wird immer sagenhafter. Kaum hatte der phantasievolle Reporter derAugsb. Allg gtg.", der offenbar unter dem Einflüsse desgeschundenen Raubritter" schrieb, die Schauermähr von der physischen und psychischen Verkommenheit sämmtlicher Mitglieder des Hauses Osman verkündet, so gab das genannte Blatt auch slhon mit anerkenuenswerther Liberalität der Mutheilung eines anderen Corre- jpondenten Raum, wonach Sultan Murad sich guter Gesundheit erfreut, Abdul hümld aber nur sehr entfernte Aussichten hat, den Khalisenthron zu besteigen. LieWiener Deutsche Zeitung" erfährt jetzt von ihrem Special-Wallsee in Konstantinopel ein Telegramm, welches die Erfindung des Augeburger Blattes noch um eine ganz beträchtliche Anzahl Hitzegrade schlägt. Das Hundstags- Dlegramm lautet:

Hinsichtlich der Thronfolge ist plötzlich eine neue Erscheinung eingetreten. Es taucht em Thronprärendent aus einem älteren Zweige der osmanischen Dy­nastie aus, nämlich Hunkinr, der Molloch von Koniah, um welchen sich in kslen und in Konstantinopel eine neue Partei-aus altlürkischen Elementen bildet. Es finden fortwährend Verhaftungen und Amtsentsetzungen von Anhängern der ^kformpartei statt."

Man bewundere die Erfindungsgabe, welche das Sensationsbedurfnlß

Kisfingen, 17. August. Die Kronprinzessin des deutschen Reiches und die Prinzessin Alice vou Hessen mit Gefolge sind im strengsten Jncognito heute Mittag zum Kur-Gebrauche hier eingetroffen und im HotelKaiser" abgestiegen.

Bayreuth, 16. August. Die heutige Aufführung desSiegfried" währte von 4 bis 91/2 Uhr. Dieselbe ist vollständig gelungen. Nach jedem Acte stürmischer, minutenlanger Applaus. Das Waldwehen, der Wechselgesang zwi­schen Wotan und Erda und Brunhilden's Erwachen erregten einen Sturm von Enthusiasmus.

OtfferrtUS.

Wie«, 15. Aug. Hiesige Abendblätter melden aus Belgrad vom 14. d., daß dort ein vollständiger Umschlag der Stimmung eingetreten sei. Die Ministerkristö sei beigelegt; die gestrigen Siegesnachrichten von Drina und Javor hätten zu dem einstimmigen Beschlüsse des Ministerraths, den Krieg fortzusetzen, beitragen. Der umgestimmte Fürst soll wieder zur Armee abgehen. Es ist abzuwarten, in welchem Maaße sich diese Angaben bestätigen werden. Einstweilen erhält die Polit. Corr, noch heute aus Belgrad die telegraphische Meldung, daß Fürst Milan die Absicht habe, dem Kriege ein Ende zu machen, und diese Absicht den Vertretern der Großmächte kundgegeben habe. Der Rück­tritt Ristic's sei beschlossen; sodann solle die Einberufung der Skupscktina und die Ernennung eines zeitigen Ministeriums erfolgen.

Wien, 15. August. Der gemeinsame Kriegs-Minister drängt bei der ungarischen Negierung aus schleunigsten Ausbau der Munkacs-Stryer Eisenbahn, der im Interesse der Landesvertheidigung unumgänglich nothwendig sei. Nach demPestber Lloyd" Hal die Pforte bereits freiwillig vollständig Genug- thuung für die lebhaft bedauerle Grenzverletzung zugesichert und will künftig ausgiebige Vorkehrungen gegen Wiederholung derselben treffen. Eine Mel­dung derDeutschen Zeitung" aus Konstantinopel vom 14 d. versichert, die Friedensverhandlungen seien schon eingeleitet, Fürst Milan habe sich direct an den Großvezir wegen Fnedensabschluß gewandt, und erkläre sich zur Unterwer­fung und Huldigung bereit, wenn die Pforte geneigt wäre, auf Grund des Status quo ante Serbien den Frieden zu gewähren. Seit drei Tagen laufen hier so massiuhaste Friedensnachrichten ein, daß es schwer wird, bei dem oft widersprechenden Charakter derselben ein Körnchen Wahrheit herausznfinden.

Ein Belgrader Berichterstatter derPresse" schreibt, Ristics Ziele seien auf Vereinigung der Slaven der Balkan-Halbinsel gerichtet, und so lange derartige Bestrebungen im Auslande wohlwollende Patronage fänden, habe Ristics ein günstiges Terrain. Er finde Unterstützung, wenn auch nicht bei, doch immerhin in Rußland, wenn es sich um Förderungseinerpolitischen Pläne handle und wisse dies dem Fürsten gegenüber zur Geltung zu bringen. Russi­sches Geld und russischer Rath sind hervorragende Momente der Situation in Belgrad geworden.

Wien, 16. August. Vom Kriegsschauplatz verlautet, daß die Türken Marinowitz erreicht hätten und daß seit zwei Tagen bei Bjelina heftigst ge­kämpft werde. LautPresse" wären die Türken von Bjelina ausgerückt und hätten auf Alimpics einen heftigen Angriff unternommen, dessen Ausgang noch nicht bekannt ist. DerNeuen Fr. Pr." wird aus Konstantinopel vom 14. d. gemeldet, bei Nisch hätten in den letzten Tagen einige kleine Scharmützel statt­gefunden. Nach einem derDeutschen Zeitung" aus Cettinje zugegangenen Bericht hätten die Montenegriner unter Senator Bozo Petrovics einen großen Sieg über die Türken erfochten und letztere bis Podgoritza verfolgt. Aus Bel­grad wird derselben Zeitung versichert, nach einer Erklärung des montenegrini­schen Agenten am serbischen Hofe dächten weder die Fürsten von Serbien und Montenegro, noch ihre Regierungen an einen Friedenschluß mit der Pforte, be­vor die. Türken von serbischem Boden verjagt oder der Serbeustamm gänzlich ausgerottet sei. Solche Vorsätze halten freilich meist nicht aus bis zum letzten Ende.

Wien, 17. August. Die amtlicheWiener Ztg." veröffentlicht das kaiserliche Handschreiben vom 14. August, mittelst dessen Sections-Chef Frhr. v. Hosmann zum Reichs-Finanzminister ernannt ist.

IlSweir.

Bern, 15. August. Der Familienname der Urheberin des Attentates auf den Fürsten Gortschakoff, den hiesigen russischen Gesandten, ist, wie bereits gemeldet, Dobrowolski. Nach einem Telegramm des Fürsten Orlow, des russischen Gesandten in Paris, an den Fürsten Gortschakoff hat diesilbe sich früher auch in dieser Stadt ausgehalten, und dort auf die Gesandtschaft Drohungen verschiedener Art ausge'stoßen. In Paris hat man sie für irrsinnig gehalten. Sie will in Rußland um ein Erbe von 500,000 Rubel gebracht werden sein und bei ihrem Attentat aus den Fürsten Gortschakoff durchaus nicht die Absicht, ihn zu tödten, gehabt, sondern nur den Zweck verfolgt haben, ihre Angelegenheit auf dirse Weise vor Gericht und öffentlich zur Sprache zu bringen. Zu diesem Zwecke soll sie sogar schon einmal in Petersburg aus die russische Kaiserin ein ähnliches unschädliches Attentat ausgeführt haben, jedoch ohne etwas Anderes, als nur eine Unterstützung von derselben erreich

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, toi nach altdeutschem Schnitt, wie ei für die Gala-Uniform der preußtschen Minister bei der Krönung des Königs Wilhelm zu Königsberg 1861 eingeführt »nden ist. Wenn niaü sich nun, wie es wahrscheinlich ist, für diese Tracht »xtS-t-A «scheidet, so wird voraussichtlich dieselbe Uniform mit anderen entsprechenden Zeichen auch für die preußischen Sivilbeamten eingeführt werden. Eine ge< ' ' ®i[fe Einheitlichkeit nach dieser Richtung soll den besonderen Wünschen des itisers entiprechen. L . .

Wiesbaden. 15. August, Mittags. In dem Processe wegen des turd) eine Kessel-Explosion veranlaßten Untergangs des TrajectbootesLouise « 30. April cr. bei Binge» ist heute der Schiffer Bär von Bingen, welcher geklagt war, von dem mangelhaften Zustande des Kessels dieses Dampfers, ^Isen Miteigenthümer und Führer er gewesen ist, Kenntniß gehabt und sonnt tlt Fahrlässigkeit, die Tödtung von Menschen verursacht zu haben, von der bie IW Strafkammer zu einer Gesängnißstrase von 4 Jahren verurthetlt worden.

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