Port mit Lazarethgegenständen und Medicamenten nach Belgrad abgegangen. Dieses abcommandirte ärztliche Personal Bleibt im russischen Staatsdienst.
Moskau, 15. Juli. Der Erzbischof Sawa hat in gedrängt voller Kirche eine feierliche „Ektenie" für das Wohlergehen des Fürsten Milan und Nikita und ein Gebet um die Verleihung des Sieges an die serbischen und montenegrinischen Waffen abgehalten. — Der Finanz-Minister hat die Höhe der diesjährigen Goldprägung auf 20,400,000 Rubel festgesetzt.
Rumänien.
Bukarest, 16. Juli. Angesichts der immer sich bedrohlicher gestaltenden Kriegsgefahr brachte der Kriegs-Minister in der Kammer eine Vorlage über die Mobilisirung der activen Armee, sowie über die Einberufung eines Theiles der Reserven ein.
Serbien.
Belgrad, 13. Juli. Das dritte Aufgebot weigert sich, ins Feld zu gehen. Allgemein gewinnt der Gedanke Raum, Serbien arbeite für Montenegro oder indirect für Rußland ohne Aussicht auf eigenen Erfolg. Geldmittel und Reserven sind vollkommen erschöpft. Man erwartet eine Katastrophe.
Belgrad, 16. Juli. Ossiciell wird gemeldet: Die Nachricht, daß ein serbisches Detachement die österreichische Grenze bei Frenkowa verletzt habe, ist erfunden; ebenso die Nachricht von einem Angriffe der Serben auf Akadale. Die Türken versuchten Klein-Zwormk wieder zu nehmen, wurden aber zurück- geschlagen. Verwundete Türken werden in serbischen Spitälern gepflegt. Ein Bericht des betr. Präfekten constatirt, daß die Türken, als Ducic Novavaros angriff, in ihren Verschanzungen die Weiber und Kinder von Christen aufstellten, von denen Viele von den serbischen Geschossen getroffen wurden.
Türkei.
Konstantinopel, 11. Juli. Der Levant Herald von gestern schreibt über die „türkischen Siege": „Die Telegramme, welche die hiesige englische Gesandtschast erhalten, bestätigen vollständig die osficiellen Nachrichten, welche die Erfolge der ottomanischen Truppen anzeigen. Auf der ganzen Länge der Linie, welche sich von Podgoritza nach Widdin ausdehnt, haben die ottomanischen Truppen die Oberhand erhalten, und der Feind, der sich diesmal nicht wieder dem Auge verbirgt, sondern den ottomanischen Armeen auf offenem Felde entgegensteht, wird auf allen Punkten zurückgeworfen. Man sagt, daß der Feldzugsplan des General Tschernajeff, des russischen Obercommandanten der serbischen Truppen, den Türken verrathen worden ist und in der serbischen Armee Bestürzung Platz greift. Die Gesammtzahl der jetzt im Felde stehenden türkischen Truppen steigt auf 210,000 Mann, mit 200 Kanonen, ohne die unregelmäßigen Truppen zu zählen. In diesem Augenblick erhalten sie eine Verstärkung von 50,000 Mann, welche man von hier auf der Eisenbahn abgehen läßt und wovon 15,000 schon abgegangen sind. Andere Verstärkungen gehen über Salonichi. Die militärischen Maßregeln der Türkei werden mit einer Energie und einem Eifer betrieben, welche ein klares Zeuguiß abgeben von dem unabänderlichen Entschluß, der die Pforte beseelt."
Konstantinopel, 15. Juli. Das Journal „Stambul" meldet: Der heutige Ministerrath, welchem mehrere Ulemas und hohe Würdenträger beiwohnten, hat über die Grundlagen einer Verfassung neuerdings berathen, und soll das constitutionelle Princip angenommen und beschlossen haben, demnächst die neuen Institutionen zu definiren.
Konstantinopel, 17. Juli. Ein der Regierung von Ali Pascha, dem Gouverneur der Herzegowina, aus Mostar vom 16. Juli zugegangenes Telegramm sagt: Sämmtliche Nachrichten aus Cettinje über angebliche Siege und Eroberungen des Feindes sind unbegründet; es hat seit dem Kampfe Selim Paschas im Engpässe von Zallan, worüber am 13. Juli berichtet wurde, kein Zusammentreffen mit dem Feinde stattgesunden. Die Montenegriner stehen im Gebirge und in drei verlassenen Ortschaften und haben sich den türkischen Positionen nicht genähert. Somit sind auch die Nachrichten von einer Besetzung von Gaczko, Bilecki, Stolacz und Nevesinje erfunden. Am 13. Juli wurde eine Wasser holende Compagnie von Klek aus einem Hinterhalte überfallen. Die selbe vertheidigte sich tapfer und unter schweren Verlusten gegen die Uebermacht der Insurgenten bis zu dem Eintreffen ihres Bataillons, vor welchem sich die Insurgenten zurückziehen mußten.
Konstantinopel. Aus Kostajnitza meldet die „Polit. Corresp." : „Der serbische Prätendent, Peter Karageorgewitsch, ist mit genauer Noth dem Tode entronnen. Der Führer einer Freischaar, Namens Tschorvokatz, erfuhr, daß Karageorgewitsch geheime Verbindungen mit den Türken unterhält. Schon lange vorher hatte man den Prätendenten in Verdacht, er kämpfe nicht für die Befreiung Bosniens, sondern nur für seine Ansprüche auf den serbischen Thron. Am 6. Juli, Abends, fand im Walde, an der Unna-Mündung, ein Kriegsrath statt, zu welchem Tschorkovatz alle Anführer seiner Schaar berief. Man be- rieth über den „Verrath" und beschloß, den Prätendenten Tags darauf vor ein Kriegsgericht zu stellen. Groß war aber die Verblüffung der Leute, als sie am nächsten Tage Karageorgewitsch nicht fanden. Der Vogel war bereits ausgeflogen 1 Man verurtheilte ihn nun zum Tode in contumaciam. Alle seine Anhänger wurden für vogelfrei erklärt."
Ragufa, 17. Juli. Aus slavischer Quelle wird gemeldet: Die Montenegriner find in Blagaj, eine Stunde von Mostar entfernt, eingetroffen, nachdem sie das Defils davor, ohne Widerstand zu finden, passirt hatten. Die Einnahme von Mostar wird erwartet.
Amerika.
New-Aork. Der General-Postmeister Jewell hat auf den Wunsch Grant's seinen Posten dem bisherigen zweiten Secretär Tyner überlassen, um einen größeren Einfluß auf die Wahlen in seinem Heimathlande Indiana aus- üben zu können. — Der Senat hat 200,000 Dollars zur Errichtung zweier neuen Militär-Stationen in der Nahe des Sioux-Territoriums bewilligt. Es läuft das Gerücht, General Crook sei abermals von den Indianern geschlagen worden. — Don Carlos besuchte am Dienstag mit großem Gefolge die phila- delphische Weltausstellung. — Am Mittwoch ist das brasilianische Kaiserpaar von New-Dork nach England abgereist.
Rew-Nork, Anfangs Juli. Dem Siege der Sioux-Indianer über die amerikanischen Truppen soll bereits die Erhebung anderer bisher befreundeter Jndianerstämme gefolgt fein. Die Ventres- und Munden-Jndianer sollen sich 3000 Mann stark an die Sioux angeschlossen haben und andere Stämme
werden voraussichtlich ihrem Beispiel folgen. Ein allgemeiner Indianers scheint unvermeidlich zu fein. — Es geht das Gerücht, daß General Crook der die Sioux nach der Niederlage General Custer's verfolgte, geichfalls J schlagen worden und gefallen fei. Eine Bestätigung desselben ist jedoch nicht eingetroffen und wahrscheinlich entspringt es nur der augenblicklich herrschenden Bestürzung.
Washington, 16. Juli. Der Bericht des landwirthschaftlichen De- partements constatirt, daß der Stand der Baumwollen-Emte in der ersten Woche des Juli ein guter, das Wachsthum aber weniger vorgeschritten ist al* zu der gleichen Zeit im Jahre 1875.
Lokal-Rotiz.
Gießen, 18. Juli. In Nachstehendem lassen wir die Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten Donnerstag den 20. Juli 1876, Nachmittaa« 4 Uhr, im Rathhaussaale folgen: °
1. Die Verbindung der westlich der Main-Weser-Bahn gelegenen Hofraitben u. s. w. mit der Stadt.
2. Fristgesuche auf Rückstände zur Stadtkasse pro 1875.
3. Decretur von Gebühren der Feldaeschworenen.
4. Gesuch des Oeconomen Georg Conrad Simon um Bauerlaubniß.
5. Gesuch des Landbriesträgers Balthasar Sack um Bauerlaubniß
6. Gesuch des Stadtkassegehilfen Hermann Döring wegen Errichtung einer Hütte.
7. Gesuch des Bauunternehmers Heinrich Adami um käufliche Ueberlassuna von Gelände.
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Vermischtes.
Vom Rhein, 10. Juli. In Kastel beging am Sonntag ein Gesangverein sein Stiftungsfest, welches den gemüthlichsten Verlauf nahm, bis ein Herr die Rednerbübne bestieg und einen Vortrag mit der ungeschickten Bemerkung einleitete, es sei genug über das Vaterland und das deutsche Lied gesprochen worden, er wolle jetzt mal von der Unfehlbarkeit des Papstes reden. Hierauf Geschrei und Tumult, die mit einer allgemeinen Keilerei endigten, aus welcher der obenerwähnte Herr halbtodt hinausgetragen werden mußte.
— (Frech aber wahr.) Eine Hausfrau machte ihrem Dienstmädchen kürzlich der Vorwurf, daß sie zu viel Zeit auf ihre unnützen Conoersationen verwende. „Ich bitte', antwortete das in seiner Ehre angegriffene Exiramädel, „wenn wir uns miteinander unterhalten, sprechen wir immer noch von feineren Dingen, als wenn die gnädigen Frauen unter sich sind; „wir reden nur von den Frauen und Sie nur von btn Dienstmädchen."
— In Nürnberg erhob sich Herr Lupus, ein wohlbestallter, vielbesuchter (M geber, jüngst von seinem Sitze und verkündete, aufgefordert von einem lustigen Schalke, er gehe die Wette ein, eine Viertelstunde die Wanduhr betrachtend mit dem Zeigefinger der rechten Hand den Bewegungen des Perpendikels zu folgen und, ohne rechts oder links zu blicken, zu dem Takle derselben immer „geht er hin, geht er her!" zu sprechen. Ein Faß Bier galt die Wette, und Herr Lupus begann sein eintöniges: „geht er hin, geht er her!" mit den vorgeschriebenen Zeigefingerbewegungen. Unterdessen stahl ity der die Wette angeregt habende Spaßvogel in die Küche zu der Frau Wirthin und theilte ihr mit betrübter Miene mit: er glaube ihr Mann sei närrisch geworden, sie, möge nur selbst ins Zimmer gehen und seine „Streich" mit anschauen. Ins Zimmer getreten schlug Frau Lupus, die von der Wette natürlich fein Wort erfahren, die Hände über dem Kopfe zusammen, als sie ihren Ehemann so vorfand. „Ach Fritz, was ist denn Dir passirt? Hör doch auf mit den Dummheiten!" — (Fritz unbeweglich: „geht er hin, geht er her!") „Ach, du mein Gott, leg Dich doch zu Bett". (Fritz immerfort: „geht er hin, geht er her!") „Hab' mir's aber schon lange gedacht, feit einiger Zeit war's nicht ganz richtig mit ihm." (Fritz: „geht er hin, geht er her!") „Golt, mdne Herren, helfen sie mir doch, meinen Mann zu Bette zu bringen". (Fritz : „geht er hin, geht er her!") Zur Magd: „Und Rosine, laufe schnell, Herrn Dortor Döderlein p holen". (Fritz: „geht er hin, geht er her!") „Ach Gott, mein Mann, mein armcr Manu!" .Sie reißt ihn an den Schultern, daß er das Gleichgewicht verliert. Ti übermannte ihn der Zorn, Vorwürfe gegen seine Frau entfuhren seinem Munde; n war aus der Rolle gefallen. Das Faß Bier war verloren und das Gelächter der Gülle erhielt er in den Kauf.
— (Ein zärtlicher Schwiegervater.) Das Testament eines Farmers in Delaware schloß mit folgender Klausel: „Und ich hinterlasse meinem geliebten Sohn Samin! einen Dollar, um dafür einen Strick zu kaufen, stark und lang genug, um seine Ar- ländische Frau damit aufzuhängen."
— Die Bibel liefert im Buche Esther den Beweis, daß industrielle Ausstellungen nichts Neues sind. 520 Jahre vor Christi Geburt hatte der König Ahasver eine Abstellung angeordnet, in welcher unter anderen auch „diverse Gefäße aus Gold, Betten von Gold und Silber auf Fußboden von buntem Marmor, Vorhänge von weißr, grüner und blauer Seide, mit Schnüren aus feinen Linnen an Ringen von Silber uib marmornen Säulen befestigt", aufgezählt sind.
— (Kriegsdepeschen.) In einem Telegraphenbüreau in Wien:
Ein Beamter zieht feine Uhr.
— Verdammt, heute komme ich wieder nicht in den Prater.
— Weßhalb denn nicht?
— Ich muß auf die Depeschen aus Belgrad warten, sie kommen gewöhnlh zwischen 11 und 12 Uhr Nachts.
Der andere Beamte sinnt einen Augenblick nach:
— Hast Du schon die Depeschen aus Konstantinopel?
— Ja.
— Dann schreibe ganz einfach das Gegentheil und geh' ruhig spazieren."
— Zum Entsetzen der Centennial-Commission in Philadelphia hat sich, am 2). v. Mts. ein junger Amerikaner, der nicht im Besitz einer Freikarte war, in die Au- stellung eingeschlichen, ohne die obligaten 50 Cents bezahlt zu haben. Der Fall rox um so bedenklicher, als Nachahmungen desselben schwer zu verhindern sind. Der jurst Bürger hat nämlich in der Ausstellung das Licht der Welt erblickt, was seine Mut!« so überraschte, daß sie die Besichtigung der Ausstellung nicht fortsetzen konnte. glückliche Vater wurde vor die Centennial-Commission beschieden, wo ihm die Öefti;< Vorwürfe ob feiner Unvorsichtigkeit gemacht wurden und die hohen Herren beruhigt sich erst, als sie hörten, daß der neue Ankömmling „Centennial John" getauft werd« würde.
— (Der unvermeidliche Juwelendiebstahl.) Auch Frau Eugenik Pappenheim, i< vorzügliche Primadonna der Wachtel-Oper, welche kürzlich in Chicago gaflirte, ist bin obligaten Juwelendiebstahl, durch welche sich jede hier zu Lande gastirende Künstler* interessant zu machen sucht, zum Opfcr gefallen. In Chicago sind ihr, wie dort !« Blätter berichten, aus dem Hotelzimmer Schmucksachen im Werthe von 700 Lstrl. tt.- wendet worden. Sparsame Zeitungsbesitzer lassen die Typen solcher Juwelen-Diei- )tahlsnotizen gewöhnlich nicht ablegen und haben alsdann vorkommenden Falls nN den Namen der Künstlerin und den Werth der gestohlenen Schmucksachen abändern jit lassen. Letzterer variirt sehr bedeutend; Frau v. Bärendorff ließ sich beisplelswest niemals weniger als 20,000 Lstrl. auf einmal stehlen und hatte trotzdem stets ein pcrr Juwelen für den nächsten Diebstahl übrig._________________________________ _
— Der Abschluß der L e b ensversicherungs- und Ersp arniß-Bark zu Stuttgart für das erste Halbjahr 1876 bocumcntirt aufs Neue die gcfurDi Entwickelung dieser größten Anstalt des südlichen Deutschlands. Vom 1. Januar ds Ende Juni 1876 gingen ein 1806 Anträge über M. 9,559,000, wodurch sich der Ver- sicherungsstand auf M. 108,725,000 hob, die sich auf 29,319 Policen vertheilten. Diele» fortschreitend günstige Ergebniß ist wohl hauptsächlich dem Umstande zuzuschreiben, bij die Bank in der Lage war, stets gute Rechnungsabschlüsse vorlegen zu können, die * ermöglichten, für das Jahr 1876/77 ;. B. eine Dividende von 38o/g der Prämien zuruD zuvergüten, wodurch sich natürlich die Letztere bedeutend vermindert. Seit dem Besteben der Gesellschaft, also seit 22 Jahren, ist diese Vertheilung fast die gleiche geblieben, indem die jährliche Durchschnitts-Dividende für biefen Zeitraum 37,7% beträgt Jede zahlte Jahresprämie hat Anspruch auf Dividende, und würden z. B-, wenn die Dividendc» bis zum 60. Jahre angesammelt werden, je nach der Höhe des Eintrittsalters die sicherten aus den Zinsen die fortlaufende Prämie bezahlen können.
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