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Gießen, den 14. November 1876.

Betreffend: Die Retchstagswahlen.

Das Großherzoglichc Kreisamt Gieße»

an die Großberzoqlicben Bürgermeistereien des Kreises.

Die vorstehende Bekanntmachung wollen Sie unverzüglich in Ihren Gemeinden, sowie in den Ihren Gemeinden zugetheilten besonderen Ge­markungen aus ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen, die ,von uns ernannten Wahlvorsteher und deren Stellvertreter speciell darnach bedeuten und den Befolg unfehlbar binnen 3 Tagen uns anzeigen.

Unmittelbar nach dem Erscheinen gegenwärtigen Ausschreibens werden Sie mit der Aufstellung der Wählerlisten beginnen und dafür besorgt sein, daß dieselben jedenfalls bis zum 28. l. Mts. vollendet sind, da für deren Offenlegung, worüber Ihnen demnächst noch weitere Verfügung zugehen wird, die erste Woche des Monats December in Aussicht genommen ist.

Die Wählerlisten sind nach Anleitung des unter Lit. A. dem Reglement vo.n 28. Mai 1870 anliegenden Formulars für jeden Wahlbezirk in doppel­ter Ausfertigung auszustellen.

Wir verweisen Sie hierbei auf die §§. 1 bis 3, 7 u. 8 des Gesetzes vom 31. Mai 1869, wo die Voraussetzungen für die Stimmberechtigung näher angegeben sind und zu § 3 pos. 4 dieses Gesetzes auf die Großherzogliche Verordnung vom 3. Februar 1873 (Reg.-Blatt Seite 33).

Die Stimmberechtigten sind nach Zu- und Vornamen, Alter, Stand oder Gewerbe und Wohnort in alphabetischer Ordnung in die Wählerlisten einzutragen. Bezüglich des Alters genügt die Angabe, daß der Stimmberechtigte das 25. Lebensjahr zurückgelegt habe. Spätestens bis zum 28. November sehen wir unfehlbar Ihrer Anzeige über die vollendete Aufstellung der Wählerlisten entgegen.

Die Formularien zu diesen Listen werden Ihnen sofort in duplo nebst dem Formular zum Protokoll für die demnächst vorzunehmende Abgeordneten­wahl per Post zugehen. Etwa erforderlich werdende Emlagebogen zu den Wählerlisten sind mit der Feder anzulegen. Sollte die Zustellung dieser Formu­larien bis zum 18. l. Mts. nicht erfolgt sein, so sehen wir unverzüglicher Anzeige hiervon entgegen.

v. Röder.

Aoli 1 isch er P tz e i l.

Deutschland.

Darmstadt, 15. Novbr. Die Nr. 47 des Großherzogltchen Regierungs­blatts hat folgenden Inhalt:

1. Oeffentliche Anerkennung einer edlen That. Am 31. Juli l. I. hat der Schwimmlehrer Joseph Rauch I. aus Weisenau, im Kreise Mainz, in der Bade- und Schwimmanstalt von Ohaus zu Mainz einen unbekannt gebliebenen jungen Mann von dem Tode des Ertrinkens gerettet.

In Gemäßheit Allerhöchster Entschließung wird diese muthvolle, mit eige­ner Lebensgefahr verbundene That des Schwimmlehrers Joseph Rauch, neben erfolgter Bewilligung einer Geldprämie, hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

2. Bekanntmachung, die Außercurssetzung der Zwei-Thalerstücke und Ein- drittel-Thalerstücke deutschen Gepräges betreffend.

Mit Bezug auf die (bereits von uns veröffentlichten) Bestimmungen wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Einlösung, bezw. Um­wechselung der fraglichen Münzen vom 15. I. Mts. ab bis einschließlich 15. Februar 1877 :

bei der Großherzoglichen Hauptstaatskaffe;

bei den Großherzoglichen Hauptsteuerämtern;

bei den Großherzoglichen Obereinnehmereien in Nheilcheffen mit Ausnahme der Obereinnehmerei Mainz;

bei den Großherzoglichen Rentämtern in Starkenburg und Ober- heffen, sowie

bei sämmtlichen Großherzoglichen Districtseinnehmereien, stattfindet.

Darmstadt, den 8. November 1876.

Großherzogliches Ministerium der Finanzen. Schleier macher.

3. Ertheilung eines Erfindungspatentes.

4. Ernennungen in Beziehung auf den Landtag.

5. Dienstnachrichten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 4. Octbr. den Lehrer an dem Gymnasium zu Büdingen, Dr. Karl Oswald, zum Lehrer an dem Gymnasium zu Darmstadt zu ernennen; am 19. Octbr. dem Obersteuerrath Ludwig Baur die obere Leitung der Steuer- controle und Calculatur der Obersteuerdirection als widerrufliche Nebenstelle zu übertragen; am 24. Octbr. den von dem Vormund des minderjährigen Frei­herrn Max Löw von und zu Steinfurth aus die Gemeinde - Schulstelle zu WiffelSheim präsentirten Schullehrer Friedrich Philipp Pfanumüller zu Stein- Heim, den von dem Herrn Fürsten zu Isenburg-Birstein auf die zweite Gemeinde- Schulstelle zu Urberach präsentirten Schulverwalter Adam Schömbs aus Urberach für diese Stelle, den von dem Herrn Grafen zu Erbach-Erbach auf die Gemeinde-Schulstelle zu Nieder-Kainsbach präsentirten Schullehrer Peter Götz zu Affhöllerbach für diese Stelle zu bestätigen; an dems. Tage den Kanz­listen bei der Centralstelle für die Landesstatistck, Karl Frank, zum Kanzlei-Jn- spector bei der genannten Behörde zu ernennen; am 29. Octbr. den von dem Herrn Fürsten zu Solms-Braunfels auf die Gemeinde-Schulstelle zu Muschen- heim präsentirten Schulverwalter Hermann Hotz aus Hausen für diese Stelle zu bestätigen; an dems. Tage dem Schulverwalter Konrad Sauerwein aus Schaafheim die vierte evang. Schulstelle zu Groß-Zimmern, dem Schullehrer Ehr. Wilh. Deiß zu Climbach die erste Gememde-Schulstelle zu Treis a. d. Lda. zu übertragen; am 31. Octbr. den provisorischen Lehrer an der Realschule zu Mainz, Friedrich Keilmann, zum Lehrer an dieser Realschule, unter Belastung desselben in der Kategorie der Volksschullehrer, den provisorischen Turnlehrer an der Realschule zu Mainz, Johann Friedrich Gehry, zum Lehrer an dieser Realschule mit den Rechten eines Volksschullehrers, den Johannes Klinkerfuß zu Bad Nauheim zum Brückengelderheber bei der Schiffbrücke zu Offenbach auf Widerruf zu ernennen.

6. Dienstenthebung. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnä- digst geruht: am 16. Octbr. den Schullehrer Philipp Friedrich Zimmermann zu Lißberg aus sein Nachsuchen von Uebernahme der ihm übertragenen zweiten Gemeinde-Schulstelle zu Lang-Göns zu entheben.

7. Versetzungen in den Ruhestand. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht: am 4. Octbr. den Brückengelderheber bei der Brückengelderhebung zu Worms, Johannes Schneider, auf sein Nachsuchen, am 12. Octbr. den Landgerichtsdieuer bei dem Landgerichte Gießen, Dietrich Fischer, unter Anerkennung seiner längjährigen, mit Ester und Treue geleisteten ^Dienste auf sein Nachsucheu, am 16. Octbr. den Schullehrer an den städtischen Schulen zu Mainz, Alois Adam Werner, auf sein Nachsuchen, am 24. Octbr. den

Schullehrer au der Gemeindeschule zu Einartshausen, Georg Ludwig Schultheiß, auf fein Nachsuchen, am 31. Oct. den Forftwarten der Forstwartei Winterstein Förster Friedrich Schnauber, aus sein Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen.

8. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die mit einem evang. Lehrer zu besetzende dritte Gemeinde-Schulstelle zu Fürfeld mit einem jährlichen Gehalt von 857 Mk. 43 Pfg.; die evang. Schulstelle zu Weinheim mit einem jähr­lichen Gehalt von 771 Mk.; die Stelle einer Lehrerin der französischen Sprache an der höheren Mädchenschule zu Gießen mit einem jährlichen Gehalt von 1120 Mk.

Nürnberg, 15. November. Das fortschrittliche Reichstags -Wchl- Comitö ladet zu einer allgemeinen Versammlung ein, um eine Petition an den Reichstag zu berathen, in welcher gegen mehrere die Freiheit schädigende Be­stimmungen der Justizgesetze protestirt werden soll.

Hesterreich.

Wien, 14. November. Das Abgeordnetenhaus hat mit 108 gegen 73 Stimmen den Antrag abgelehnt, über die Antwort des Minister-Präsiden­ten bezüglich des Rundschreibens an den Statthalter über die Behandlung der Preffe eine Debatte zu eröffnen.

Wien, 14. November. DerPolit. Corresp." wird aus Pesth gemel­det, daß Graf Andraffy wegen Erkrankung seine beabsichtigte Weiterreise habe aufgeben müffen.

Wien, 15. November. Die heutigen Morgenblätter bestätigen den Abgang der zustimmenden Antwort der österreichischen Regierung auf die eng­lischen Conferenz-Vorschläge.

Pesth, 14. November. Eine Erklärung der unabhängigen liberalen Partei spricht sich Angesichts der gegenwärtigen kritischen Lage gegen einen über­stürzten Abschluß des wirtschaftlichen Ausgleiches auS. Die Erhaltung und Sicherung des moralischen Ansehens und der Großmachtfteüuug der Monarchie sei für beide Theile derselben eine Lebensfrage. Keine constitutionelle Regierung, kein Abgeordnetenhaus werde in einem Augenblick, zwo Krisen der auswärtigen Politik schweben, Verhandlungen über Verträge vornehmen, die ruhiges Abwä­gen und eingehende Kritik erfordern.

IlranLreich.

Paris, 14. November. Der deutsche Botschafter, Fürst Hohenlohe, ist hier eingetroffen. Man versichert, daß der Marquis v. Salisbury Montag nach Konstantinopel abreisen wird.

England.

London, 14. November. Die officielle Beitritts-Erklärung Oesterreichs zur vorgeschlageuen Couferenz ist gestern hier eingeggngen.

Zum Privat-Secretär Salisbury's ist während der Couferenz U. S. Rorthcote, ein Beamter im auswärtigeu Ministerium und Verwandter des Schatzkanzlers, ernannt worden. DasReuter'sche Bureau" meldet aus Malta vom 14. November: Der Herzog von Eoinburch ist heute aus der Besika-Bay in Malta eingetroffeu, um die Entbindung seiner Gemahlin dort zu erwarten. Die KriegsschiffeRaleigh" undRapid" sind am 1 L Novbr. nach der Besika-Bay abzeganzen.. DasReuter'sche Bureau" meldet aus Kairo vom 14. d. Mts.: Göschen und Joubert kehren am Montag nach Eu­ropa zurück; sie sind gegenwärtig mit den Details des Ausgleichs beschäftigt und berathen die Angelegenheiten des. Dairah.

London, 15. November. DieTimes" spricht die Ansicht aus, das einzig richtige Verfahren Englands sei, unbeirrt durch die jüngsten russischen Kundgebungen mit der Confcrenz vorzugehen. Bei diesem Verfahren könne es auf die guten Wünsche aller Mächte rechnen, von denen eS keine ablehuen würde, das aus Erhaltung des europäischen Friedens berechnete Werk zu för­dern. Wirkliche Gefahr erblickt dieTimes" indeß in der möglichen Halsstar­rigkeit der türkischen Negierung.

Melgie».

Brüssel, 14. November. Die Kammern sind zusammengetreten, ohne durch eine Thronrede eröffnet zu werden. Der Deputirte Bara brachte Unre­gelmäßigkeiten zur Sprache, welche bei den Wahlen in Antwerpen, Upern und Brügge vorgekommen seien.

Italien

Rom, 14. November. DieAgencia Stefani" bezeichnet von authenti­scher Seite den Bericht derKöln. Ztg." über die zu treffenden Vorkehrungen

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