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Wo. 114. Mittwoch, den 17. Mai 1876.
Kichener 'Anzeiger
Anzeige- uni AmtsM für den Kreis Kießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
politischer Tßeil.
Der Islam in Aufruhr.
Dicht vor Schluß der am 13. d. Mts., Nachmittags, beendeten Berliner Conferenzen fallen Nachrichten aus der Türkei, welche auch Denen, die an die Friedensbasis der Kaiser- und der Kanzler-Begegnung in der Hauptstadt des Deutschen Reiches noch so gläubige Hoffnungen geknüpft haben, die Erkenntniß bringen dürften, daß auf dem bisberigen Wege der ängstlichen Schonung des Status quo im Orient dem bedrohlichen Zustande der Dinge ein Ende nicht gemacht werden kann. Zu dem Minister-Wechsel, welcher nichts anderes als den Bruch mit der bisherigen gemäßigten inneren Politik und die Absicht der Unterwerfung des insurgirten Gebietes ohne weitere Beachtung der diplomatischen Intervention der auswärtigen Mächte bedeutet, kommt aus Konstantinopel die directe Meldung, daß sich daselbst die Muselniänuer bewaffnen, um die Ungläubigen niederzumetzeln, daß die Familien der Franken sich flüchten und die diplomatischen Vertreter der auswärtigen Mächte zum gemeinsamen Handeln zusammengetreten sind und sich in Permanenz erklärt haben. Und nicht allein diese jüngsten Depeschen eines Telegraphen-Bureaus, welchem man noch niemals nachsagen konnte, daß es zu schwarz male, auch alle sonstigen Berichte von der Balkan-Halbinsel und aus dem türkischen Reiche überhaupt, stimmen darin überein, daß die Gährung im Schooße der mohamedanischen Bevölkerung einen Höhegrad erreicht hat, welcher das Ereigniß von Salonichi nicht als einen vereinzelten Zwischenfall, sondern als den traurigen Vorboten kommender Dinge erscheinen läßt. Sogar aus Smyrna, diesem großen und von einer vorwiegend intelligenten Bevölkerung bewohnten Stapelplatze wird gemeldet, daß daselbst Symptome einer fanatischen Versolgungswuth gegen die Christen hervorgetreten sind, welche die Consuln geuöthigt haben, ihren Regierungen die rechtzeitige Ergreifung von Maßregeln zum Schutze der fremdländischen Unterthanen anzu- rathen. Die Bewegung ist eben nicht localer Natur, sondern durch die gesummte muselmännische Bevölkerung geht ein großer Zug fanatischer Erbitterung gegen die Ungläubigen, denen der Islam die Fortdauer des Ausstandes in Bosnien und der Herzegowina zuschreibt und welchen er es nicht vergiebt, daß sie der Einmischung der fremden Mächte in die türkischen Angelegenheiten zum Vorwande dienen.
Noch vor zwei Jahrhunderten bedeutete solch hochgradiger Aufruhr des Islams der ganzen Christenheit Schrecken und Gefahr; er trug die Fahne des Propheten bis vor die Wälle Wiens. Heute beschleunigt er nur den Untergang des islamitischen Staates selbst, den der Nachfolger des Propheten regiert. Nach dem Vorspiele in Salonichi und nach den anderen Meldungen, welche weitere Ausbrüche mohamedanischer Volkswuth im ganzen Bereiche der türkischen Länder anzeigen, wird es deutlich genug, daß die türkischen Machthaber den Gang der Dinge in ihrem Staatswesen gar nicht mehr in ihrer Macht haben und daß die Pforte allein mit den Schwierigkeiten in ihrem eigenen Hause nicht zu Ende kommen wird. Die diplomatische Hülfe der Mächte hat zu keinem Resultate geführt. Die Situation hat sich vielmehr nur verschlimmert, schon werden die Staatsangehörigen der europäischen Mächte von dem Glaubens-Fanatismus einer wilderregten Bevölkerung mit Ueberfall und Mord bedroht. Nach einzelnen Häfen sind deutsche, österreichische, französische und italienische Kriegsschiffe zum Schutze ihrer Landsleute oder zur Forderung der Sühne für die Hingemordeten, abgegangen. Aber diese vereinzelten und ungeregelten Machtentfaltungen genügen nicht, wo in dem gesammten Läudergebiete der Türkei und am Sitze des Großsultans selbst das wilde Feuer des islamitischen Volksaufruhrs, der sich so gut gegen die Nesormtürken wie gegen alle Ungläubigen und zumeist gegen die Fremden kehrt, aufflammen will. Hier reichen halbe Maßregeln nicht mehr hin, hier braucht es eines geschlossene» Vorgehens, einer directen und nachhaltigen Intervention.
Damit war den Berliner Conferenzen mit einem Male die zwingende Direktive gegeben, welche ihnen bisher fehlte. Oesterreich-Ungarn sträubte sich bisher mit allen Kräften vor der Occupation des aufständischen Gebietes und von Wien aus ward es schon als eine Art von Triumph gefeiert, daß in ofsi ciösen Blä'tern, welche früher von einer solchen Idee sprachen, dieselbe in den letzten Tagen nicht mehr in den Vordergrund geschoben ist, aber, was gestern noch peihorrescirt worden, kann heute kaum mehr aufgeschoben werden. Oester reich mag in seiner politischen wohlberechtigten Abneigliug die Uebernahme des Mandates für alle drei Kaisermächte nach wie vor zurückweisen, einer gemein schastlichen militärischen Action wird es sich nicht mehr entziehen können, wenn seine beiden Verbündeten dieselbe heute fordern.
Der Lauf der Dinge ließ diese Hypothese überflüssig erscheinen, falls es sich blos um die Herstellung der Ruhe in der Türkei unb den momentanen Schutz der fremdländischen Staatsangehörigen handelte. Aber die Erzwinanng vesien durch kriegerische Action würde einen Feldzug bedeuten, welcher allen ^heilnehmern, da der Kampf gegnerischerseits als eine Art National oder Glaubenskrieg, jedenfalls aber mit rücksichtsloser Grausamkeit und Wildheit ge- sührt würde, trotz der Ueberlegenheit der europäischen Kriegskunst Opfer auferlegte kein Staat unisonst bringen will. In dem eiumüthigen Vorgehen der drei Mächte liegt schon der Keim künftiger Uneinigkeit, wenn die Berliner Confe
renzen nicht etwa zu dem außerordentlichen Resultate einer vollen Einigung der drei Cabinete von Wien, St. Petersburg und Berlin über die zukünftige Ordnung der Dinge auf der Balkan-Halbinsel führen sollten. Nur die feste Einigung der drei Negierungen wäre im Stande, die abweichenden Forderungen Englands, Frankreichs und Italiens schweigen zu lassen. Man sieht, daß auch durch das Mittel der militärischen Intervention der vielverschlungene politische Knoten nicht so leichthin gelöst wild. Die Fanatisirung der islamitischen Bevölkerung der Türkei drängt die Kaisermächte zum energischen Eingreifen, das nur auf dem Wege wirklicher kriegerischer Action erfolgen kann. Damit ist der Proceß des Unterganges der Türkei in Europa vielleicht beschleunigt. Aber die politischen Verwickelungen, welche daraus für die Beziehungen der europäischen Mächte unter einander fließen mögen, lasten sich absolut nicht übersehen. Vor der Kunst des Feldherrn behauptet hier die der Diplomaten den Vorrang und mit goldenen Lettern würde die Weltgeschichte der Berliner Conferenzen gedenken, wenn es den drei Kanzlern gelungen wäre, bis zum vollständigen Austrage der orientalischen Frage für Europa das Bündniß der Kaisermächre, das in solchem Falle ein wirkliches Anrecht auf den Namen der heiligen Allianz hätte, fest und unaufhörlich zu schließen. Der Wortlaut des officiösen Communiqu^s über den Schluß der Conferenzen deutet in der That darauf hin, daß das Drei-Kaiser-Dündniß sich in Wirklichkeit solcher Weise bewähren will und daß eine volle Verständigung erzielt worden, welche zugleich dar friedlichen Politik der Kaiserreiche Ausdruck gebe. Es scheint sich darnach um eine gemeinjchaft- liche Intervention zu handeln, welche von einem Programme für die künftige Gestaltung der Dinge auf der Balkan-Halbinsel begleitet wäre, für das man auf die Zustimmung Englands, Frankreichs und Italiens rechnet und das somit den Weltfrieden verbürgt.
5)cnff(firanb.
Berlin, 12. Mai. Das Ernennungs-Decret des Ministers Hofmann liegt dem Kaiser gegenwärtig zur Genehmigung vor. Die Umformung des Reichskanzler-Amts soll bis zum Herbste vertagt sein.
— Die Reichs-Justücommission hat sich gestern mit der Normirung der Eidesformel beschäftigt. Mit Rücksicht auf den Fall Hofferichter's hatte Abg. Lasker folgenden Antrag gestellt: Dos Gericht kann gestatten, daß der Schwörende, welcher keiner der im Bundesrathe anerkannten Religions-Gesellschaften angehört, den Eid blos mit den Anfangsworten „Ich schwöre" bekräftige. Abg. Herz hatte beantragt zu sagen: „Ich schwö.re, so wahr mir Gott helfe." Bei der Abstimmung wurden jedoch beide Anträge abgelehnt, so daß es bei der alten Eidesformel: „Ich schwöre bei Gott, dem Allmächtigen und Allwiffen- den" sein Bewenden hat.
Berlin, 14. Mai. Das „W. T.-D." versendet unter dem gestrigen Datum folgendes Communiquö: „Die in den letzten Tagen hier abgehaltenen Conferenzen zwischen den leitenden Ministern von Rußland, Oesterreich-Ungarn und Deutschland führten, entsprechend dem intimen Bündniffe der drei Kaiser- Höfe, sofort zur vollen Verständigung über die bei der gegenwärtigen Sachlage in der Türkei gebotenen Entschließungen, welche aus's Neue den engen Beziehungen der drei Negierungen, sowie der friedlichen Politik der Kaiserreiche Ausdruck geben. Der Inhalt der getroffenen Vereinbarungen ist bereits in einer heutigen Zusammenkunft von den genannten Ministern den hier beglaubigten Botschaftern von Frankreich, England und Italien mitgetheilt worden."
Berlin, 15. Mai. Fürst Gortschakoff und Gras Andraffy haben sich gestern Nachmittag nach Aufhebung der Tafel im kaiserlichen Palais vom Kaiser verabschiedet. Andraffy reiste Abends 11 Uhr mit seinen Begleitern nach Wien zurück. Gortschakoff ist mit den Staatsräthen Jomini und Hamburger heute früh nach Ems abgereist. — Der hessische Minister-Präsident Hofmann ist gestern Abend nach Darmstadt zurückgekehrt; seine Uebersiedelung hierher erfolgt am 1. Juni, während seine Familie erst im Laufe des Herbstes nachfolgen wird. — Der russische Botschafter in Wien, v. Novikoff, begibt sich heute Nachmittag auf seinen Posten zurück
Berlin, 15. Mai. Ein deutsches Panzer-Geschwader, bestehend aus den vier Panzer-Fregatten „Kaiser", „Deutschland", „Kronprinz" und „Friedrich Karl", sowie dem Aviso „Pommerania", geht unter dem Commando des Contre- Admirols Bätsch im Laufe der nächsten Woche nach Salonichi, wo die Corvette „Medusa" dieser Tage erwartet wird, und wohin das Kanonenboot „Komet" in dieser Woche abgebt. Das Kanonenboot „Nautilus" befindet sich auf dem Wege von Malta nach Port Said und wird von dort nach Konstantinopel dirigirt.
Berlin, 15. Mai. Die hiesigen Botschafter Frankreichs und Italiens h 'ben das volle Einverstäudniß ihrer Regierungen mit den Beschlüssen der Berliner Conferenz amtlich ausgesprochen.
Köln, 13. Mai. Die Nachricht rheinischer Blätter, gegen den hiesigen Erzbischof sei das Verfahren auf Amtsentlaffung eingeleitet, ist verfrüht. Der kirchliche Gerichtshof, dem die Untersuchungsacten vorliegen, hat einen bezüglichen Beschluß noch nicht gefaßt.


