Freitag, den 15. September
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Aießener "Anzeiger
Anzeige- und Amtsblatt fit den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Sudnobme dsS Montags.
Expeditio«r Schulstray«, Sit. B. N». 18.
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Durch die Post bezogen vierteljährlich L Mart M Pf. ..........................
politischer
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. Berlin, 10. Septbr. Die Familie des Staats-Ministers Hofinann ist nunmehr ebenfalls von Darmstadt nach Berlin übergesiedelt. Staats-Minister Hofmann hat nach dem Austritt des Staats-Ministers Delbrück die von dem- fklben früher innegehabte Dienstwohnung im Gebäude des Reichskanzleramtes bezogen.
Berlin, 11. Septbr. Am Schluffe eines größeren Situations-Artikels
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sagt v. Wickede in der „Köln. Ztg." : Die nächsten Tage werden vermuthlich eine wichtige Entscheidung bringen. Was aber soll dann geschehen, wenn Alexi- »atz gefallen? Wird Rußland es dulden, daß der Seraekier Abdul Kcrim seinen Weitermarsch durch das Morawa-Thal antritt und später bald Kragu- ijcwatz und selbst Belgrad bedroht, und wird die Türkei sich durch russische Drohnoten von der Ausnutzung ihrer so schwer errungenen Siege abhalten und nu einem Frieden mit Serbien zwiiigen lassen, ohne Entschädigungen zu vertan 'gen für ihre großen Opfer und hinreichende Sicherheit gegen eine Erneuerung les Treibens der Panslawisten? Sehr fraglich erscheint solche Annahme, und daher ist die Furcht nicht unbegründet, daß der Krieg im Orient von seinem Ende noch weit entfernt ist und vielleicht in eine zweite, noch blutigere Phase, treten wird.
Berlin, 11. Septbr. Der heutige Reichs-Anzeiger schreibt im nichtamtlichen Theile: „Nachdem der durch Urtheil und Recht seines Amtes entsetzte frühere Erzbischof von ©liefen und Posen, Graf v. Lebochowski, im März dieses Jahres durch eine aus Rom datirte Ansprache den Geistlichen der Der« einigten Erzdiöcesen mitgetheilt hatte, daß er die thätige Ausübung der bischöflichen Gewalt in seinen beiden Erzdiöcesen wieder übernommen hat, hat derselbe unter Verletzung der bestehenden Staatsgesetze diesen Worten auch die That folge» lassen. Derselbe hat unterm 8. Juli c. an den Pfarrer Brenk in Piaski das nachstehende Schreiben gerichtet:
Geliebter Sohn! Es ist die betrübende Kunde zu uns gelangt, Du habest die von der preußischen Regierung in den letztvergangenen Jahren zur Ver
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und Diener Christi geziemt. Andernfalls, wenn der obenbestimmte Zeitraum den neunzig Tagen erfolglos verstrichen, so wisse, daß Du durch diese That- soche selber und ohne weitere Erklärung von Deinem Amte suspendirt bist, bis Du zur reuigen Erkenntniß kommst und entsprechende Genugthuung leistest, bereuest Du jedoch nicht und gehest nicht in Dich, wie wir Dich im Herrn nmahnen und in demüthigem Gebete von Gott erflehen, so werden wir mit schwereren Strafen gegen Dich vorzugehen genöthigt sein. Gegeben zu Rom, len 8. Juli 1876. Mieeislaus, Cardinal Ledochowski, Erzbischof von Snefen und Posen. An den ehrwürdigen D. Jul. Brenk, Pfarrer in Piaski, Erzdiöcese Posen-
Seitens des Pfarrers Brenk ist hierauf an den Grafen v. Ledochowski in lateinischer Sprache ein Antwortschreiben gerichtet, welches nach der von dem Pfarrer Brenk der Staatsregierung gemachten Anzeige in deutscher Uebersetzung »örtlich lautet: „Eminenz! Ihr Admonitionsschreibeii habe ich am 8. Juli l. I. in Piaski erhalten und habe dieses zur weiteren Veraulaflung, wie dies billig und recht war, der hohen königlichen Regierung übergeben.
D- I. Brenk."
nicktnng der Kirche des Herrn Christus erlaßenen ruchlosen kircheupolitischen Gesetze zum großen Aergerniß der Gläubigen öffentlich anerkannt, obwohl es Dir nicht unbekannt geblieben sein konnte, daß derartige Gesetze nicht nur von Zeit zu Zeit von uns und allen Oberhirlen der Kirche in Preußen, sondern auch vom heiligen Vater in Rom, dem Papste selber, am 5. Februar 1875 verdammt worden sind. Auf daß es nun nicht scheine, als billigten wir durch Stillschweigen Unsererseits Deine schlechte That, so ermahnen wir Dich durch gegenwärtiges Schreiben erstmalig — und diese eine canonische Ermahnung | gelte als dreifache: binnen neunzig Tagen, vom Datum dieses Schreibens an I gerechnet, mache das von Dir gegebene Aergerniß dadurch wieder gut, daß I Du die freiwillig von Dir geleistete Anerkennung der erwähnten Gesetze in
Gegenwart Deines Decans und zweier Zeugen in einer schriftlichen Erklärung widerrufst. Dieses Schriftstück wirst Du mir zu übersenden haben, und sollst Dich überhaupt von nun an so betragen, wie es einem katholischen Pfarrer
Alefferrrittz.
Wie«, 12. Septbr- Laut Nachrichten der „Neuen Fr. Pr." ans Ra- gusa von gestern soll Derwisch Pascha bereits in das Innere Montenegros bis Dauilowgrad, das in Flammen stehe, vorgedrungen sein. Zahlreiche montenegrinische Familien flüchien nach Cattaro und Crivoscie. Ans Semlin meldet dasselbe Blatt: Am 11. d. fand ein Gefecht bei Djunis statt. In Belgrad wird eine Kosakenlegion gebildet. — Nach dem Fremdenblatt verlautet in hiesi gen Diplomatenkreisen, der österreichische Botschafter Zichy werde tu den letzten Pagen des September einen kurzen Urlaub behufs vorübergehenden Anfeuthalts in Wien nehmen.
Wien, 12. Septbr. In diplomatischen Kreisen verlautet, die Bemühun
gen der Mächte, die Pforte zu billigeren Forderungen zu bewegen, seien bisher ohne wesentlichen Erfolg geblieben.
Wien, 13. Septbr. Die „Polit. Corresp." sagt in einer Redactions- Bemerkung zu einem Petersburger Briefe, daß nach ihren eigenen Informationen die Pforte ihre ursprünglichen Bedingungen in einem neuerlichen Ministerrathe in einigen Punkten nicht unwesentlich modificirt und die Mittheilung der modifi- cirten Friedens-Bddingungen an die Vertreter der Großmächte in Konstantinopel für gestern (12. Septbr.) in Aussicht gestellt habe.
Wien, 13. (Septbr. Trotz der Vorstellungen aller Mächte will die Pforte die seiner Zeir mitgetheilten Friedens-Bedingungen nicht modificiren und die Annahme der Waffenruhe von denselben abhängig machen. (Siehe oben.) z — Die „Neue Fr. Pr." meldet aus Hermannstadt. 12. Septbr.: Gerüchtweise verlautet, der Fürst von Rumänien werde morgen hier eiutreffen. Gestern waren rumänische Minister zur Hoftafel geladen.
Graz, 12. Septbr., Abends. Graf Auersperg (Anastasius Grün) ist gestorben.
KrauLreich.
Paris, 11. Septbr. Die Provinzialblättn bringen Folgendes: „Die Gensd'armerie hat in Ardres (Pas de Calais) einen Preußen verhaftet, der ohne alle Papiere war. Er gab durch Zeicken kund, daß er das Französische nicht verstehe. Man fand bei ihm Schuster-Handwerkszeug, was darauf schließen ließ, daß er ein wandernder Handwerksbursche sei. Doch erschien es den Geusd'armen sonderbar, daß dieser Deutsche sich im Besitze von 180 Franken , von Photographieen, Plänen und Ansichten verschiedener Städte Nordfrankreichs befand und außerdem Werkzeuge bei sich führte, die mit seinem Handwerk nichts gemein haben."
— Die italienischen Pilger sind noch immer in Paris. Gestern gab ihnen der „Cercle Catholique", dessen Mitglieder meist Studenten der katholischen Universität sind, ein Fest. Msgr. Folicaldi stand demselben vor. Es begann nach einer Rede, welche der Director des „Cercle" in italienischer Sprache hielt, um die Freude der französischen Katholiken über die Ankunft der Italiener auszudrücken. Nach ihm erzählte der Pater Bailly, der eifrige Apostel der Wallfahrten, von den 10 bis 12 Wundern, welche seit Ankunft der italienische» Pilger in Frankreich zu Lourdes stattgefunden haben. Nachdem noch zwei Italiener gesprochen und der Bischof von Amata, einer der italienischen Pilger, die Versammlung gesegnet hatte, wurde das Fest mit einem „brüderlichen Punsch" beschlossen.
ALalieir.
Rom, 12. Septbr. Die Regierung hat die Einfuhr von Weintrauben und Bestandthetlen des Weinstocks verboten. — Wie versickert wird, werden die allgemeine» Wahlen am 27. und 29. October stattfinden. — Der Kronprinz und der Kriegsminister werden die militärischen Uebungs-Lager besichtigc».
Belgien.
Brüssel, 12. Septbr. Bei Eröffnung des geographiscken Congresses im königlichen Schloß sprach der König: „Ich gehorche nicht einem ehrgeizigen Gedanken, indem ich die Initiative zu Niederlaffungen in Central-Afrika gebe, sondern will der L-ache der Humanität dienen und das so friedliche Belgien zum Haupt Quartier der Civilisation machen."
Brüssel, 12. Septbr. Wie die „Jndsp. beige" erfährt, hat der König in der Rede, womit er den geographiscken Congreß in seiner ersten Sitzung begrüßte, auf das wachsende Interesse für die Erforschung Afrikas hingewiesen und ausgeführt, daß Diejenigen, welche mit diesen Frage» beschäftigt wäre», seit einiger Zeit der Ansicht seien, daß eine Vereinigung, deren Zweck sei, die Errichtung von civilisatorischen Einrichtungen in Afrika zu beschleunigen, von großem Nutzen sein würde. Aus diesem Grunde habe er die gegenwärtige Versammlung berufen. Er, der König, werde dabei von keinen ehrgeizigen Gesichtspunkten geleitet. Belgien eigne sich wegen seiner centralen Lage besonders für diese Vereinigungen. Sodann ließ sich der König über specielle Fragen aus und hob dabei die Nothwendigkeit hervor, an den Grenzen unerforschter Gebiete Afrikas Stationen zu begründen für wssenschaftliche Zwecke und zum Obdache für Reisende. Für die Fortführung des Werkes sei ein internationales Comits zu bilden.
Kvgland.
London, 13. Septbr. Die gegen die türkische Regierung gerichteten Kundgebungen dauern fort. Lord Granville hat sich in einer veröffentlichten Zuschrift für Fortsetzung der Agitation ausgesprochen, welche unwiderstehlich werden müsse, damit die Regierung eine energische Politik einschlage; er hoffe, das Ministerium werde vor Allem die Wiederherstellung des europäischen Einverständnisses anstreben, da, im Falle dies nicht gelinge, die Schwierigkeiten der orientalischen Frage nur vermehrt würden.


