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Ko. 89. Freitag, den 14. April 1876.
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Ameise- unb AmtsM für in Kreis Kießeii.
Erscheint täglich mit Aufnahme des Mantaas. "i. " -
Expeditionr Schulstraße, Lit. B. Nr 18 i 2 2R.arf 20 Ps- mtt B-ringerlohn.
i .... , Durch bie Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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Die na-bste Nummer erscheint am Sonntag früh.
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Darmstadt, 11. April. Nach den „N- Heff. Volksbl." besteht die Absicht, den Ständen eine Vorlage wegen des Hetdesheimer Unglückes zu machen. .
Offenbach, 10. April. Unser hiesiger „Verein znm Schutze des Versammlungs-Rechtes" wurde bekanntlich s. Z. hauptsächlich in's Leben gerufen, um damit eine Schutzwehr gegen die Tendenzen der Social-Demokratie aufju- richten, und hat sich auch in diesem Sinne gut bewährt. Zu der letzten Versammlung am 4. d. Mts., in welcher Dernburg sprach, erbat sich auch der Redacteur des hiesigen social-demokratischen Organs, der „N. Offenb. ^ges- Zeitung", Ulrich, in der Eigenschaft als „Berichterstatter" für sein Blatt, Zulaß, der ihm jedoch vom Vorstand in schriftlichem Bescheide darum verweigert wurde, weil dies Blatt unter seiner jetzigen Redaction den öffentlichen Anstand und guten Ton geflissentlich mit Füßen trete- (58 schwebt jetzt gegen Ulrich eine weitere S^rie von vier Preß-Processen wegen durch die ^Offenb. Tages-Ztg." begangener Injurien und Ehrenkränkungen. Uebrigens geht hier das Gerücht (das wir jedoch nur unter allem Vorbehalte wieder- gebeu), der social-demokratische Agitator Liebknecht wolle seinen Wohnsitz nach unserer Stadt verlegen (er ist geborener Gießener), von hier aus die socialdemokratische Propaganda in Süd West Deutschland leiten, bei nächster Reichstagswahl als Gegen Kandidat Dernburg's auftreten und auch die Redaction der „Offenb. Tages-Ztg." übernehmen. Es stünde alödann doch wohl mindesten zu hoffen, daß diese sich unter Liebknecht eines etwas anständigeren Tones befleißigen würde, als dies unter ihrem jetzigen Leiter der Fall ist!
I Berlin, H. April. Die auswärtigen Angelegenheiten können uns
Zustände erfennen ließ. Jndeß scheint hier eine Rettung noch möglich, wenn eine weitere Benutzung der natürlichen Hilfsquellen des Landes, sowie eine foar= “ ' Verwaltung emtritt. Der General-Zahlmeister Cave ist von der englischen Regierung, die bei der Lage der Dinge in der Türkei da« natürliche ^literesse hat, einen maßgebenden Einfluß in Aegypten zu gewinnen, aan, ab«
(Stn testn.at.?ri$cn Verpflichtung wenn irgend möglich, das in ägyptischen Staats-Anleihen angelegte eiiglische Capital thunlichst zu schützen — beitragt ttorben, bie Sachlage zu prüfen und Vorschläge für eine Reform zu machen. Der Khebive sträubte sich Anfangs, aber es war hohe Zeit für bie energische Jnrervention Englanbs, bas zeigt ber setzt -u Taae ä, nl Vorfall. Bei dem plötzlich rege geworbene» Mißtrauen des europäisches Capi- ob trotz alledem die geplante Reform in diesem viujeiwhtf ollrchfühEi wird und noch läßt sich mit Sicherheit keineswegs darauf zählen. Allein bei dem großen Interesse Englands für eine Ordnung der ägyptischen Verhältnisse, sowie bei dem sehr wichtigen Umstande, daß das Object, um das es sich in Aegypten handelt, ein gegenüber der Türkei verhältnißmäßig beschränktes ist, daß sich das Land leichter verwalten und die Verwaltung leichter übersehen läßt, daß die politischen Verhältnisse Aegyptens gesichert erscheinen, gegenüber den bedenklich schwankenden der Türkei, darf man wohl annehmen, daß, wenn auch der jetzt geplante und dem Abschluß nahe Ausweg versagen sollte, doch die Hoffnung auf eine spätere Ordnung nicht ausgeschlossen ist. Die Türkei, wie Aegypten, bieten übrigens lehrreiche Beispiele dafür, wie eine aus's Borgen gerichtete Finanzwirthschaft jeden, auch deu reichsten Staat ruiniren muß. Die Wahrheit dieses natürlichen wirtschaftlichen Gesetzes ist leider in den letzten Jahrzehnten so wenig erkannt, oder doch mindestens so wenig beachtet worden, daß besonders englische und französische Kapitalisten diesen Mangel an Erkennt- niß durch Verluste büßen, die nach vielen Millionen zählen. Die wirthschaft- lcche Krisis m Deutschland und die Verluste, die sie und die Gründungsperiode unserem Capital zugefügt, sind verhältnißmäßig gering gegen die, welche England und Frankreich an ihren Besitz in solchen exotischen Werthen erleiden.
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ftatt f 1 ließen, den 7. April 1876. (1885
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
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Aber auch Aegypten hat jetzt eine stnanzieüe Krise zu überwinden, dasselbe typten, das der Türket tributpflichtig, bisher aus vollem Säckel wirthschas- tfte und der Warnungen Einsichtiger ungeachtet Millionen für eine künstliche tour verschwendete, die nur mit größerer Deutlichkeit das Unhaltbare ber
en Kinder erfolg! für die b. ——---[WIM_ __
'-U Ubr im Saal Nr. 8
-ümstag den 30. April, Moij p
r der Schulftraße, für dieL» 0 j,
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-uig im unteren Stock.) Türket Und Äegypten.
t:c '*cn altfri Es geht schnell bergab mit bet Pforte unb ihrem mächtigsten Souzerain. ^vdi oontnben. fcferiWe Turke, gleicht einem alten Gebäube, an dem bie Fensterladen seit Immer angaie M ßMiN nicht mehr geöffnet würben, in dem sich Staub unb Spinneweb ablaaer- r- A.d Ctatö M.Vkta unb IN bas nun plötzlich Luft unb Licht kommt. Nun fällt ber morsche :::!'.;tje bet “?n den Wanben, bie längst verwitterten Balken brechen unb bem ganzen
d : l Mik t-S Ack Zufälligen Gebäube brohl ber Einsturz. Die Baumeister, welche berufen sind
•< ki:::mimstmi, MPM Gutachten abzugeben, meinen zwar, man könne hier und da eine Stütze : ..:-m @11^,11 *-au»rmge», man könne flicken, tepariren, aber wer bie tiefen Schüben kennt !
ff '6tC H Uni> ®«W»Iben ber Besitzer bem Gebäube zugefügt haben' ! M m,r e,n N-ubau von Grund auf möglich ist, baß e u Vorsicht !
Lmmeu.^ ba6 e"'äi0e Mittel ist, um ben Gefahren eines Einsturges zuvor- !
So sind bie Verhältnisse in ber Türkei. So lange Staub und Spinnweb , sicht gestört wurden in ber Alleinherrschaft des Reiches, so lange bas Licht , kinen Zugang fand, außer burch bie Riffe ifiib Spalten des baufälligen Hauses, . 0 lange konnte man nicht wiffen, wie bie Dinge standen. Aber jetzt ist Jedem ch Einblick in bie tiefen Schäben gestattet und, obwohl es an Verfuchen nicht ichlt, durch eine bloße Reparatur ber schreiendsten Schäden ber momentanen ' 'jr- vH rrfiil Mahr vorzubeugen, so scheint dies Bestreben der durch Oesterreich vertretenen
M illlll! Mächte doch wenig Aussicht auf Erfolg zu bieten und nachdem die Pläne LMM1 tiefer Flickarbeit fertig gestellt, die Anschläge geprüft und angenommen sind, j» doch »och keine Rede von einem wirklichen Beginn ber Arbeit. Was aber liefe Arbeit, und noch mehr jeden gründlichen Umbau hauptsächlich verhindert, niXlIllllDS1 M 'st ber Mangel an Mitteln; benn zum Bauen, das ist mänuiglich bekannt, I*Wort vor allen Dingen: Geld.
Nun ist die Türkei freilich ein reiches Land, aber es fehlt an jeder Mog- ichkeit, die Hilfsquellen derselben zu exploitiren. Italien konnte ohne Gefahr 1 seinen Bestand die Kirchengüter zum Besten der Gcsammtheit säculaiisiren für die Türkei würde bie gleiche Maßregel — abgesehen bavon, daß bie ,^t zu einer solchen nirgenbs vorliegt, ein Selbstmorb sein. So hat man tnu den einfachen Weg gewählt, vor der Hand die Zinsen an bie Staats- läubiger nicht zu bezahlen- Das Mittel ist jebeufalls bas bequemste, aber es
um ohne gleichzeitige Sorge für eine schnelle Beenbigung bes Ausnahmezu- «ndes boch sehr gefährlich werden Abzesehcu von der aufständischen Bewegung in Norden des türkischen Reiches ist die Erledigung ber Füiauzfrage von ber illergrößten Bebeutung. Die Pforte galt bisher zwar für einen in bebenklichen lerbältnissen befindlichen, aber burchaus ehrlichen Schulbner unb sie hat bieten $uf bisher — nämlich gerabe so lange als sie, gleichviel unter welchen Besitzungen , Gelb geliehen bekam — stets gerechtfertigt. Aber bas erste Mal, °ß selbst die höchsten. Wucherziusen bie mißtrauisch geworbenen Finanzkräfte Hz mehr zu neuen Darlehen reizen konnten, redueirte bie hohe Pforte ihre msen auf bie Hälfte. Sei es nun aber, daß dieser erste Schritt aus der ahn des Unrechts sehr bald ben anderen nach sich zog, sei es, daß bie tünchen Finanzleute ungeschickt operirten, oder daß bie militärischen Maßnahmen i Mittel absorbirten, auf welche sie für Bezahlung ber versprochenen Zinsen- ilfte gerechnet hatten, genug schon bie nächste, bie eben jetzt fällige Zinsrate, itb gar nicht mehr bezahlt, man hat zwar bie Naivität, Verzugszinsen, b. t. ch Zins auf Zins zu versprechen, aber ber einst feste Glauben in ben guten Men bes Schuldner« ist durch solche Versprechungen nicht wieder herzustellen.
Aan sagt mit Recht, baß ein Schuldner, ber vor einem Vierteljahr sich so ltß in feinen Mitteln täuschen konnte, daß er hoch unb heilig veisicherte, für lit Hälfte feiner Coupons ausreichenbe Mittel zu besitzen, kein Veriraneit ver- unt. Unb biese Stimmung wirb für jede Möglichkeit einer späteren Orb- nmg der finanziellen Angelegenheiten der Türken ein schwer überwtndllcheS
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