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Fpanien.
Madrid, 9. Juli. Der Congreß hat mit 117 gegen 11 Stimmen den Antrag, Navarra von dem gemeine» Recht hinsichtlich der Besteuerung zu exi- miren, verworfen.
Kumänic«.
Bukarest, 10. Juli. In der heutigen Sitzung der Deputirten-Kam- mer verlas der Minister-Präsident eine Depesche, wonach die Türkei auf Verlangen Rumäniens eingewilligt hat, die Donau zu neutralisiren, unter der Bedingung, daß Rumänien die Bildung von bewaffneten Banden und die Lieferung von Waffen verhindere. Serbien hat eingewilligt, die Insel-Festung Adakale nicht anzugreifen; dieselbe wird von Rumänien verproviantirt werden.
Serbien.
Belgrad, 11. Juli. (Amtliche Meldung.) Mali Zwornik, auch Sakyar genannt, eine innerhalb den Grenzen Serbiens gelegene, den Türken gehörige Enclave, gegenüber Groß-Zwornik in Bosnien, wurde von den Serben nach einem Kampfe, in dem die Türken 200 Todte auf der Wahlstatt zurückließen, eingenommen. In der Gegend von Widdin erhebt sich die Bevölkerung in Masten und bildet die Avantgarde der serbischen Armee. Die türkische Bevölkerung von Widdin ist in die Citadelle geflüchtet.
Belgrad, 11. Juli. Aus serbischer Quelle wird gemeldet: Die Türken haben das rechte Ufer der Drina geräumt. Die Timok-Armee dehnt ihre Recognoscirungen bis in die Gegend von Widdin aus. An der Grenze bei Kuschevacz hat am 6. Juli ein siebenstündiger Kampf gegen die auf Höhen aufgestellten Türken, welche die Uebermacht hatten, stattgefunden. Nachdem von beiden Seiten hartnäckig gekämpft mar, eroberten die Serben Fahnen, Waffen und Dörfer.
England.
Lo«do«, 8. Juli. Die Befürchtung, daß nach dem Schluffe des Scla- venmarktes in Zanzibar die Händler ihre Operationen auf Landwegen sortsetzen würden, ist nach einer Correspondenz des auswärtigen Amtes nur zu wahr gewesen. Danach zog im letzten April der britische Consul Dr. Kirk die Aufmerksamkeit des Sultans aus die Thatsache, daß der Sclavenhandel noch zu Lande von Kilwa nach Pemba weitergehr. Ersetzte auseinander, daß der Handel in den Händen von Arabern niederer Elaste sei, und der Sultan gab nicht nur die Beweisgründe des englischen Consuls zu, sondern ergriff auch sofort Maßregeln, dem Handel mittelst förmlicher Bekanntmachungen und Drohungen Einhalt zu thun. Nach den Depeschen entwickelt der Herrscher den größten Eifer, sich den englischen Ansichten über jenen schändlichen Handel anzuschließen. Leider aber muß Dr. Kirk mittheilen, baß der Sultan in seinem Lande mit seiner Ansicht fast allein steht. Alle bis zum Letzten mißbilligen seine Politik. Die Gouverneure, schlecht bezahlt, sind oft anderen Einflüsten zugänglich und sind meistentheils selbst zu oft in den Handel verwickelt gewesen, um ihn als Verbrechen anzusehen.
London, 10. Juli. Im Unterhause erklärte Disraeli gegenüber einer Bemerkung von Jenkins, er hoffe Anfangs der nächsten Woche die Correspondenz bezüglich der orientalischen Frage mittheilen zu können. Unterstaats- Secretär Lowther erwiderte auf eine Anfrage Lawson's, die auf den Fidschi- Inseln ausgebrochenen Ueruhen seien unbedeutend. Bergbewohner Härten einige Dörfer angegriffen. Es seien Maßregeln getroffen, um die Ruhe wieder herzustellen. Die Ruhestörungen seien durchaus local und Wiederholungen nicht zu befürchten. Disraeli erklärte, von Forster veranlaßt, er habe keine Mittheilungen über die angeblichen Grausamkeiten in Bulgarien; er hoffe, daß die bezüglichen Nachrichten übertrieben seien. Bei jeder Jnsurrection kämen Grausamkeiten zwar vor, aber die Nachrichten davon würden übertrieben. Der Botschafter in Konstantinopel sei angewiesen worden, auf die Pforte einzuwirken, damit diese die Nebel des Krieges mildere. Forster glaubt, man müsse telegraphische Antwort wegen der Grausamkeiten verlangen; die Ereigniste schritten schnell fort; man müsse umsomehr jede mögliche Information verlangen, da man im Auslande behaupte, England unterstütze die Türkei moralisch. Nachdem noch mehrere Redner gesprochen und Disraeli nochmals erklärt hatte, daß die Regierung ohne Nachricht über die Grausamkeiten sei, wurde die Dis- cusston geschloffen.
London, 10. Juli. Auf der Werft zu Chatam sind über 700 Mann damit beschäftigt, das Panzerschiff Alexandria in möglichst kurzer Zeit z.im Auslaufen fertig zu stellen.
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Türkei.
Konstantinopel. Im türkischen Heer ist nach dem Gesetze vom 22. Juni 1869 die Wehrpflicht für die Mohamedaner allgemein; die Recruti- rung geschieht durch das LooS. Die Dienstdauer beträgt im stehenden Heere, Nizarn, 4 Jahre, in der ersten Reserve, Jdatyal. 2, in der zweiten Reserve, Redif, 6 und im Landsturm, Hiyad, 8 Jahre. Auf dem Papiere zählt die türkische Heeresmacht 700,000 Mann, darunter 150,000 Nizams, das Uebrige Reserven. Die Armee formirt 7 Corps und zählt 39 Infanterie-Regimenter, 2 bosnische und 2 Grenz-Regimenter und 32 Jäger-Bataillone. Jedes Infanterie-Regiment besteht aus 3 Bataillonen zu je 8 Compagnieen; die Reiterei zählt 27 Regimenter zu je 6 Schwadronen, die Artillerie 6 Feld- und 10 Festungs-Regimenter. Die Feldartillerie-Regimenter haben 12 Batterieen zu je 6 Geschützen; ferner gibt es noch 14 Genie - Compagnieen. Ueber die irregulären Truppen fehlen genauere Angaben.
Konstantinopel. In Belgard sollen mehrere preußische Ofsiziere eingtroffen sein, die sich sofort in das Hauptquartier des Fürsten Milan begeben wollten, welches sich augenblicklich in Paratschin, einer kleinen Bezirksstadt zwischen Alexinatz und Tschuprissa bc-findet. Die Türken machen verzweifelte Anstrengungen, allenthalben bi? eingeborene Bevölkerung am Kampfe zu betheiligen; so soll aus den katholischen Einwohnern der Kreise Bihac und Banjalunka eine besondere Legion gebildet werden, ja, man hat sogar begonnen, an die etwa 20,000 Köpfe starken bosnischen Zigeuner Waffen zu vertheilen. Unmittelbar bei L>erajewo, auf einer Ebene wird ein verschanztes Lager errichtet. Die Baschi-Bozuks aus dem ganzen Norden des Vilajets sind hierher beordert worden. Zelte sind für 18,000 Mann aufgeschlagen, und Serajewo selbst wird mit einem dreifachen Gürtel von Schanzen befestigt.
Lokal-V^otiz.
Gießen, 12- Juli. Vergangene Mach? wurde der Butterhändler Backhaus von Beuern von einem Esel in den Arm gebissen. Der Arm schwoll an, am dritten ' Lage wurde er in hiesige Klrmk ausgenommen und gestern ist der Bedauernswertbe den Biß des Esels war die Todes-Ursache
Vorsicht bei solch bissigen Threren dürfte jederzeit geboten sein.
s. --Astern Nachmittag holzten sich auf dem Fettenkeller eine Anzahl zum
Kirschenmarkt sich hier aushaltender Handelsleute dermaßen, daß es eine wahre Freude E und worüber? über 17 Silbergroschen Differenz. Die Gensd'armerie und Polizei batte alle Mühe die Streltluittaen zu trennen.
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Amerika.
New-York. Frau Lincoln, die Wittwe des früheren Präsidenten der Vereinigten 'Staaten, welche vor längerer Zeit in einer Jrrenpflegeanstalt un- tergebracht werden mußte, ist jetzt so weit genesen, daß sie auf Ansuchen ihrer Verwandten durch Gerichtsbeschluß wieder in Freiheit gesetzt und die Verwal- tiliig ihres Vermögens ihr wieder übertragen werden konnte.
8. Juli. Der hiesige russische Gesandte, Staatsrath Lchl,chklne, hat dem Präsidenten Grant ein Handschreiben des Kaisers Alexander überreicht, in welchem dieser den Präsidenten anläßlich der Jubelfeier der Gründung der nordamerikanischen Union beglückwünscht.
Washington, 10. Juli. Der republikanische Candidat für die Prä- sidenten-Wurde, Gouverneur Hayes von Ohio, erklärt sich in einem veröffent- li$ten Schreiben bereit, die Candidatur anzunehmen, und faßt zugleich, indem er den Beschlüssen der Convention von Cincinnati seine Billigung erthei'lt, sein Programm in folgenden Sätzen zusammen; er verspreche eine durchgreifende Reform der Civiloerwaltung, befürworte die Unzulässiigkeit einer wiederholten Wahl einer und derselben Person zum Präsidenten der Union, bestehe auf Wiederaufnahme der Baarzahlungen, welche für die Wohlfahrt des Landes nothwendig sei. Der Süden bedürfe des Friedens; er werde sich bemühen, die Herrschaft des Gesetzes und die Anerkennung des gleichen Rechtes für Alle her- tt'stellen, indem er gleichmäßig die Interessen der weißen und der schwarzen Bevölkerung beschütze und den Unterschied zwischen Süden und Norden ausgleiche.__________
Vermischtes.
„.Mainz, 9. Juli. Trotz der vielen Warnungen in der Presse, mit Petroleum w* »njfll umjugeben und dasselbe nicht ins Feuer zu gießen, da dadurch schon so viele ttnglücksfalle entstanden sind, müssen wir heute abermals einen sehr traurigen Fall mtttheilen. Eine in unserer Nachbargeme'nde Hechtsheim wohnende Frau schüttete gestern Nachmittag, als daS Feuer in dem Ofen nicht brennen wollte, aus einer Flasche "".Quantum Petroleum ins offene Feuer. Das 2'/-jährige Kind der Frau stand ganz ; ur der Nahe des Ofens, als die Flamme beim Eingießen des Petroleums aus allen Theilen des Ofens emporloderte. Die Kleider des Kindes fingen Feuer und ehe die Frau es verhüten konnte, war das Kleine vollständig verbrannt. Die Verzweiflung der Mutter, die den Tod ihres Kindes verschuldete, läßt sich nicht beschreiben.
- (Das Ende eines Millionärs.) Im Walde bei Mauerbach nächst Wien fanden am vorigen Donnerstag Spaziergänger die Leiche eines beiläufig 40 Jahre alten Mannes an einem Baumast hängend, dessen Identität durch mehrere Documente und Briefe zweifellos sichrrgestellt wurde. Der Selbstmörder, ein gewesener Börsianer und Millionär, Namens Reich, verlor seine drei Kinder an der Bräune, während seine junge und hübsche Frau, eine p.eborne Goldstein, mit einem rumänischen Kaufmann durchbrannte. Wie es aus dem „an die Spttaloerwaltung" adressirten Schreiben weiter hervorgeht, hatte Reich, der sich zu betteln schämte, die letzten Tage nur trockenes Brod gegessen und waren Kleider und Schube derart defect, daß sie nur nothdürftig seine Blöße decken konnten. Die Leiche des Selbstmörders wurde nach der Tootenkammer in Punkersdorf gebracht, wo der Unglückliche seinerzeit eine prachtvolle Villa besaß.
— (Hier ist eine möblirte Stube zu vermlethen.) Zwischen dem Prunkgemache in dem Palaste des Millionärs und der Penne ober der Erdhöhle im Friedrichshain, liegt die „möblirte Stube" mitten inne. Den Conrectors-Sohn Carl S. aus I .. - thal, der sich in Berlin studiumshalber aufhalten sollte, traf das Loos eine solche zu miethea. Aus dem Jntelligenzblatt hatte er sich ein Dutzend möblirte Zimmer noiirt, und mit der Liste in der Hand durchschritt er die Residenz. Hauptsache für den Theologen war ein ruhig gelegenes Stübchen zu finden, um ungestört die Golbkörnchen ber Moral aus dem unendlichen Glaubensblech der Kirchenväter heraus zu suchen. Nachdem der Lrtudent drei oder vier Treppen hochgeklettert, Zimmer unferm Dach und im Souterrain, nach vorn und hinten hinaus angesehen hatte, ohne ein passendes Heim gefunden zu haben, kam er in eine ziemlich entlegene Straße, wo in einem alten Hause, laut Annonce, zwei Treppen hoch „ein gut moblirtes Zimmer an einen ruhigen Miethec billig zu vergeben" sein sollte. Der moderne Odysseus klingelte; Kalypso in Gestalt einer alten Frau in einfachem Hausqewanbe öffnete und zwischen Beiden entwickelte sich nun folgendes Zwiegespräch: „Sie haben ein Z'inmer zu oer.niethen?" — „Ja, mein Herr! Treten <s>ie man 'rin; hier ist es." — „Das Zimmer ist nur klein, aber für mein Studium reicht es aus. Was verlangen Sie Miethe?'' — „Ja, sehn Sie, lieber Herr! früher, als mein seliger Mann noch lebte — ich bin nämlich Wlltwe und mein Mann seliger war Exkuter bei's Kreisgericht und Sonntags blies er die Kianette bei Puhlmanns auf die Schönhauser Allee, wo sie jetzt den geschundenen Raubritter geben, grabe über wohnt Schultheiß" — Miether schreit: „Was das Z mmer kostet?' - ..Sie brauchen nicht zu schreien;^ ich bin nicht taub Was bas Zimmer kostet?' — — Vor zehn Jahren noch fünf Thaler monatlich, Denn bazumals waren die
Wohnungen noch billiger, als heute; aber durch die Gründer ist das Alles so hoch getrieben, aber Tessenborf wirb es ihnen jetzt schon besorgen, was sagen Sie blos zu Strousberg?" — Miether hält sich die Ozren zu. — „Was fehlt Jznen Denn?" - .Ich h'be vorn Geschwätz Ohrenreißen." — „Ohrenreißen? Da kann ich Ihnen gleich 'n Mittel sagen: Zerstoßen Sie Kampfer mit Piprika und gehn damit bei Neumond auf'n Kreuzweg —" — „Was kostet das Zimmer?" — „Ach so! monatlich zehn Thlr., den Kaffee berechne ich Ihnen d' Tasse mit zwanzig Pfennge, das heißt ohne Schripp-- mit L-chrippe fünfundzwanzig Pfennge und wenn sie geschmiert sein soll dreißig Pfg Stiebelputzen ts extra." — „Ich sehe da im Hintergebäude eine Menge große Fenster mit kleinen Scheiben, was ist das?" — „Eine Bautischlerei, da arbeiten dreißig Ge- feHeri, alles anständige Leute, einer davon wollte meine Tochter heirathen, sie heißt Eulalia und ist heute grade zwanzig Jahr; dreimal war sie schon verlobt; aber alle Bräutigams sind wieder abgeschnappt. Ich sage Ihnen, was ich mit das Mädchen für Pech habe! —" — „Aber ich bitte Sie, wenn die dreißig Tifchlergesellen in der kurzen Entfernung anfangen zu hämmern, zu hobeln, zu sägen, das muß ja einen 5 ।
Höllenlärm verursachen." — „Zum Verrücktwerden is es manchmal; aber blos Die . p<Hyt
erste Zeit, in drei Monaten haben sie sich so an den Spittakel gewöhnt, daß Jonen Mtoiq qL
Sonntags was fehlen wird, wenn keener hämmert." — „Dann dürst' ich wohl auch • ’
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Konstantinopel, II. Juli. Nach einem Rezieruirnj-Tele-ramm fn„k b.e‘ 'aab^E4t>‘ Cötälrf Belzradsckick) ein sünfstündiqei Kampf statt. Oberst yasian Bay schluq em serbi|ches Corps von 2000 Mann und verfolale eS hit ““f '°rbisch-m Gebiete gelegenen Dorfe, welches im Lauf? des ®e- lechts abbrannte. Dte Türken eroberten viele Waffen und Munition <r>„ Befehlshaber des Reseroe-Corps griff die Insurgenten bei Sobire (Bosnien! an und zwang dieselben, nach zweistündigem Kampfe auf österreichische« Gebiet
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bei Tage gar nicht das Fenster öffnen?" — „Anzurathen is es nicht: denn die Ge- VOH K. letten schmeißen manchmal kleene Abschnitte hier rin, blos um L>p.lß zu machen, sonst t , y 0ö,
sind sie sehr gemiethlich. Der vorigte Miether von die- Zimmer, ein Akttwarius, sein ’
Onkel war ZannetätSrath, bei dem seine Mutter hab' ich mal gebient —Miether setzt wüthend seinen Hut auf: „Morgen bring’ ich Ihnen Bescheid. Adieu!" — Don
„Ädjes ooch!" Ruft ihm nach: „Wenn Sie erst bei mich wohnen, komme ich des


