Ausgabe 
12.11.1876
 
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Uio. *65. Sonntag, den 12. November ' 1876.

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Anikizk- iri AmtZdlatt für in Kreis Gieße».

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags, ('xpedition: Schul st raße, Lit. B. Nr. 18.

Pr^'is vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Der Diplomat des Papstes j«.

Die Diplomatie des heil. Stuhles genoß von Alters her des Rufes einer ganz außerordentlichen Geschicklichkeit, Schlauheit und List. Allein seit man im 19. Jahrhundert angefangen hat, weniger autoritätsgläubig zu sein, als vordem, seit man beobachten konnte, daß die Staatskünstler des Vaticans auch nur mit Master kochen, seitdem ist auch die fast mystische Furcht oder Ehrfurcht, die man je nach dem Parteistandpunkte vor diesen Diplomaten zu empfinden pflegt, einer bei weitem mehr nüchternen und minder überschwänglichen Anschauung gewichen. Indessen kann man nicht in Abrede stellen, daß unter den Diploma­ten, welche die neuere Zeit in Rom in den Vordergrund gestellt rechnet man etwa den Cardinal Consalvi ab, dessen Denkwürdigkeiten für seine Bedeu­tung ehrenvolles Zeugniß ablegten Niemand so sehr als Staatsmann Gel­tung verdient, als der eben jetzt, im Alter von 70 Jahren verstorbene Giacomo Antonelli, Cardinal und Staatssecretär des Aeußern seit mehr denn fünsund- zwanzig Jahren. Nach schwerem Gichtleiden, das den Cardinal schon seit meh­reren Jahren ans Krankenlager gefesselt hielt und Pius IX. wiederholt um sein Leben äußerst besorgt gemacht, ist die vom heil. Vater so lange befürchtete Katastrophe am 6. d. Mts. eingetreten; ein Schlag, der den greisen Pontifex hart und schwer treffen wird.

Denn in der That, der Purpur-Papst oder der Cardinal-Papst, wie die Römer Antonelli nannten, seitdem ihnen klar geworden, daß er das leitende Princip, derböse Genius" Mastat Ferettis geworden, war bis zu seinem Lebensende noch die kiästigste Stütze jener absolutistischen Strömung, die unter der Aeglde Pius IX. daran ging, die Allgewalt des Papstes auch in der mo­dernen Welt aufrecht zu erhalten und auf neuen Grundlagen zu festigen oder zu mehren.

Skrupellos, wo es den Zwecken des Vaticans galt, dem jesuitischen Trei­ben blindlings ergeben und zugleich dessen kräftigster Sporn, hatte es Anto­nelli, ein tonsurirter Talletzrand, zu allen Zeiten trefflich verstanden, für den Vortheil des heil. Stuhles auch den Ideen der Neuzeit sich anzubequemen oder vielmehr sie seinen Sonderzwecken dienstbar zu machen. So stand er, als ihn Pius IX. im Jahre 1847 in's Collegium berief, ihn, den Sohn eines Kohlen­brenners, in Rom und Italien allgemein im Rufe eines höchst liberalen Man­nes, der, wie sein Herr und Meister Pius selber, damals nicht unempfindlich schien für den Schmerzensschrei seines zerrissenen Vaterlandes. Konnte man doch auf seinen Vorschlag den Plan zurückführen, mit der päpstlichen Armee von 17000 Mann gegen die österreichischen Garnisonen in denLegationen" und der Lombardei zu Felde zu ziehen, und dem römischen Volke wußte er so geschickt Sand in die Augen zu streuen, daß er bis kurz vor der Flucht des Papstes nach Gaeta, die gleichfalls sein Werk war, obwohl er dem päpstlichen Ministerium nicht mehr osficiell angehörte, sich einer ziemlich zweifellosen Popu­larität in der ewigen Stadt erfreute.

Der Weg nach Gaeta freilich ward für ihn zum Weg nach Damaskus. Aus dem ehemaligen Liberalen und Nationalen, der sogar einen persönlichen Briefwechsel zwischen dem Papst und König Karl Albert von Sardinien einge­leitet hatte, entpuppte sich im Handumdrehen ein mit allen Salben geschmierter Reactionär und Absolutist. In der freiwilligen Verbannung, die sich Pius auferlegte, machte die Geschmeidigkeit Antonelli's diesen bald dem Papste ganz unentbehrlich und während er in dieser Zeit jede Annäherung römischer Depu­tationen an den flüchtigen Pontifex schroff zu verhindern verstand, gelang es ihm, seine persönliche Herrschaft über den im Grunde nicht unlenkbaren Papst immer fester einzuwurzeln und so gewissermaßen das diplomatische Mädchen für Alles der Curie zu werden.

Von nun an, von den Tagen der Rückkehr nach Rom in Folge der ersten französischen Expedition datirt Antonellas europäische Wirksamkeit. Der Ita­liener verschwindet mehr und mehr und der diplomatische Führer der schwarzen Internationale tritt in den Vordergrund. Schon als im Jahre 1854 das Dogma der unbefleckten^Empsängniß in Rom proclamtrt wurde, das als die erste Sprosse auf der Stufenleiter betrachtet werden darf, welche über Ency- clika und Syllabus hinweg zur Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit führt, schon damals verstand es seine geschickte und mit allen Feinheiten diplomatischer Sprachkünstelei aus das Intimste vertraute Feder, das neue Dogma bei den katholischen Mächten als etwas durchaus Unverfängliches einzuführen.

AehnlicheS leistete er, als die Encyclika vom 8. December 1864 eine Antwort gleichsam auf die italienisch-französische September-Convention deffel ben Jahres den Ideen von 1789, wie sie sich in den Grundlagen der uiodernen Gesellschaft verkörpert hatten, in ungeschminkter Weise den Krieg er­klärte. Niemand besaß wie Antonelli jene Geschmeidigkeit der Formen und des Geistes, welche nothwendig war, um den Cabinetten Europas die Doctrinen jenes berühmten Aktenstückes als durchweg ungefährlich und fast irrelevant hin­zustellen. Niemand wußte so gut wie der päpstliche Staatssecretär des Aeußern, in seinen Noten und Depeschen eine maßvolle Gesinnung zur Schau zu tragen, welche in auf Täuschung berechneten Commentaren die Großmächte so lange einlullten und in Schlummer wiegten, bis sie am Schluß des Concils durch

die Donner der päpstlichen Unfehlbarkeit unsanft genug aus dem Schlummer geweckt wurden.

Und dennoch all' dieser Geist, all' diese aalglatte Gewandtheit in der Verkürzung der Wahrheit laugte nicht aus, um den Geist der Zeit zurückzu­schrauben. So jesuitisch Antonelli auch dachte, plante und handelte den eigentlichen Gewalthabern des al Gesü war er immer noch zu vermittelnd und zu nachgiebig in der Form, sodaß in den letzten Jahren ein gewisser unterirdi­scher Krieg von ihm bestanden werden mußte, den die wahren Gebieter der Gesellschaft Jesu gegen seinen immer noch mächtigen Einfluß auf den Geist des Papstes unterhielten.

Aber weder seine Gegner, noch er selbst, der Mann der versönlicheren, äußeren Formen, vermochten den Sturz der weltlichen Herrschaft des Papstes um eine Secunde aufzuhalten. All' sein Witz und sein Geschick in der Hand­habung der alten kleinen Mittel einer verjährten Staatskunst reichten nicht hin, um die Ohnmacht des päpstlichen Stuhles zu verdecken.

Nun, da Antonelli die Augen geschlossen, läßt er den Papst und die Kirche mitten in einem Kampfe zurück, wie er gefahrvoller von keinem der bis­herigen Erben Petri zu bestehen war. Ein neuer, aber verhängnißschwerer, weit mächtigerer Reformationskamps hat begonnen und jene diplomatischen Re- cepte, nach denen Antonelli verfuhr, um dem Papste den Sieg zu sichern, wollen sich nicht mehr bewähren. Was der Cardinal-Staatssecretär im Leben geleistet schon heute erweist es sich als Stückwerk, und wer die Zeichen der Zeit versteht, der sieht in Antonelli den vielleicht letzten Epigomen einer langen Reihe purpurgeschmückter Staatsmänner scheiden, deren Rolle ausgespielt hat hoffentlich für alle Zeiten. (Perl. Tgbl.)

Scuffdtfanb.

Berlin, 10. November. Zum Conferenz-Ort ist Konstantinopel gewählt. Die Berathung findet zwischen den Botschaftern und Delegirten statt; die Vor- berathung mit Ausschluß der türkischen Diplomatie. Grundlage der Verhand­lungen ist der Friedensschluß mit Serbien und Montenegro, ferner eine neue Ordnungen Serben, der Herzegowina und Bulgarien.

Bielefeld, 9. November. Ter Redacteur desWächter", Höleigk, wurde von der Anklage wegen Majestäts-Beleidigung freigesprochen, wegen Fahrlässigkeit dagegen zu 100 Mk. Geldbuße verurtheilt.

Dresden, 9. November. DasDresd. Journ." enthält eine Verord­nung des Ministers des Innern, wodurch den Gemeinde-Behörden bekannt ge­geben wird, daß die Neuwahlen zum Reichstage unmittelbar nach Ablauf der gegenwärtigen Legislatur-Periode stattfinden sollen; die Aufstellung der Wahl­listen sei derart zu beschleunigen, daß die Auslegung derselben in der ersten Woche des December erfolgen kann.

Würzburg, 9. November. Bei der Neuwahl für die bayerische Ab- geordneten-Kammer erfochten die Liberalen einen großen Sieg. Es wurden 61 liberale und nur 19 ultramontane Wahl-Männer gewählt.

Würzburg, 9. November. Bei den heutigen Wahlmänner-Wahlen für die Ersatzwahl zum Abgeordnetenhause an Stelle der vernichteten Wahl siegten die Liberalen; von den 18 Wahlbezirken Würzburgs wählen 14 liberal und 4 ultramontan. Auch in Schweinfurt ist der? Sieg der liberalen Partei gesichert.

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Wien, 9. November. Wie diePtesse" erfährt, setzt die Pforte ihre Truppen-Concentrirungen in Donau-Bulgarien mit verstärktem Nachdruck fort. Alle in Serbien, Moutenegro und Bosnien Halbwegs entbehrlichen Truppen, zumeist Redifs, werden an die Donau und in die Festungen des Tuna-Vilajets geworfen. Berichte aus Serajewo und Rustschuk melden weiter, daß trotz der versprochenen Steuernachlässe die Kriegssteuer als patriotische Geschenke oder sreiwillige Kriegsbeiträge, mit aller Strenge eingehoben und daß die Bevölke­rung gezwungen werde, die Fuhrwerke für den Armee-Train nach wie vor un­entgeltlich beizustellen.

Wien, 10. November. Tie Pforte gedenkt Oesterreich um temporäre Okffuung des Kleker Hafens behufs besserer Verpflegung der türkischen Trup­pen wäbrend des Waffenstillstandes anzugehen.

Wien, 10. November. In Anwesenheit des Kaisers, der Erzherzöge Rainer, Wilhelm und Karl Ludwig, fast sämmtlicher Minister, der Diplomatie, der Vertreter der Kunst und Wissenschaft, sowie eines sehr zahlreichen Publi­kums, fand heute Mittag die Enthüllung des Schiller-Denkmals statt. Der Kaiser erschien um 12 Uhr, von tausendstimmigem Hochrufen begrüßt. Nach­dem Ludwig August Frankl die Festrede gehalten, wurde die Schenkungs-Urkunde verlesen, welche Bürgermeister-Stellvertreter Newald entgegennahm. Hierauf wurde nach Austimmung eines Fest-Chors daö Denkmal vom Kaiser und sämmtlichen hohen Herrschaften besichtigt.

Pola, 10. November. Das KasemattschiffDon Juan d'Austria"