Ausgabe 
12.7.1876
 
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Amtlicher H H e i l.

1876,

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expedition: Schulftraße, Lit. B. Nr. 18.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 3 Mark SO Pf.

Mittwoch, den IS. Juli

Gießen, am 10. Juli 1876.

Betreffend; Die Ableistung des Verfassungs-Eides vom II. Quartal 1876.

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mit außerordentlicher Vorliebe ihren Lesern aufzutischen pflegen und daß die Leser solche Gerichte schmackhaft finden. Da haben wir den Byzantinismus, der sich in weiteren Kreisen der Bevölkerung auszudehnen beginnt; jenen Byzantinis­mus, wie er bei entnervten Völkern oder Nationen von mangelnder Cultur wohl beobachtet wird, wie er aber nimmer einem Volke ziemt, das auf seine vorgeschrittene Bildung pocht, das nach freiheitlicher Entwickelung seines öffent­lichen Lebens strebt, das noch nicht altersschwach dem Grabe zuwankt.

Wir haben das Reuleaux'sche Wort vom Byzantinismus hier weiter ge­faßt, als in seiner unmittelbaren Beziehung auf die deutsche Industrie. Aber auch so noch bleibt es wahr und es läßt sich nur die Hoffnung anffrhen, daß ihm auch die befreiende Kraft der Wahrheit beiwohnen möge. Die deutsche Preffe bis auf wenige Ausnahmen hat in denr gerügten Byzantinismus das Uebelste geleistet, ihr zumeist legen wir die daraus resultirende sittliche Schä­digung der Nation zur Last. Sie vor allen möge daher das Ihrige thun, um einer ferneren Verbreitung des Ucbels zu steuern. (Perl. B.-Cour.)

H«g<rrei«S.

Wien, 10. Juli. In der Angelegenheit des beschossenen Dampfers Tisza" verlangte Oesterreich von der serbischen Regierung die Abberufung und Bestrafung des serbischen Commandanten, eine entschuldigende Erklärung der serbischen Regierung und Garanticen für Nichtwiederholung. Die serbische Re­gierung hat diesem Verlangen in vollem Umfange entsprochen und eine schrift­liche Erklärung abgegeben, daß der serbische Commandcurt bestraft und daß in Zukunft strenge Vorkehrungen werden getroffen werden. Die von der serbi­schen Regierung getroffenen Verfügungen sollen im Amtsblatte veröffentlicht werden.

Böhmisch-Leipa, 8. Jiüi. DerHcfzug traf gegen 10 Uhr auf dem decorirten Bahnhöfe ein; der Kronprinz erwartete die beiden Kaiser und wurde von Kaiser Alexander auf das Herzlichste begrüßt. Letzterer musterte sodann die ausgestellte Ehren-Compagnie, welche von Erzherzog Friedrich commandirt wurde. Ale bald erfolgte die Weiterfahrt nach Schloß Reichstädt; beide Kaiser fuhren in einem Waggon, desgleichen die beiden Kanzler.

StMitötaub.

Darmstadt, 8. Juli. Se. Majestät der Kaiser von Rußland haben 1000 fl. für nachstehende Anstalten Allergnädigst bewilligt: Mathilden - Land­krankenhaus 200 fl., Elisabethcnstist 150 fl., Barmherzige Schwestern 150 fl., Rettungshaus Hähnlein 150 fl., Kleine Kinderschule Jugenheim 150 fl., Alice- FrauewVerem 100 fl., Jdioten-Anstalt 100 fl.

Berlin, 8. Juli. DasN. W. Tagebl." erhält aus Konstantinopel aufregende Nachrichten. Es existire daselbst eine Verschwörung zur Ermordung des Sultans Murad, 1300 Personen sollen verhaftet worden sein. Die Ver­schwörung sei ein offenes Geheimniß, aus diesem Grunde sei die Schwertum- gürtung Murad's verschoben.

BreSlau, 8. Juli. DerBiesl. Ztg." zufolge soll der fünfte Con- greß der Altkatholrken vom 22. bis 24. September d. I. in Breslau stattfinden.

Würzburg, 10. Juli. Der Kaiser Wilhelm trifft heute Nachmittag 13/4 Uhr, von Coblenz kommend, hier ein und wird morgen Nachmittag 1 Uhr von hier nach Baden-Baden abreisen.

Würzburg, 10. Juli. Der Kaiser Wilhelm ist um 2 Uhr 20 Min. Nachmittags hier angekommen und von dem Publikum enthusiastisch begrüßt worden. Die Stadt ist festlich geschmückt; für heute Abenv ist Seitens der Einwohner ein großer Fackelzug vorbereitet.

Dresden, 8. Juli, Abends. Der Kaiser von Rußland ist heute Abend gegen 7 Uhr von Reichstadt hier eingetroffcn und auf dem Bahnhofe von Prinz Georg im Namen und Auftrage des im Auslande weilenden Königs begrüßt worden. Außerdem waren zum Empfange anwesend der Herzog Johann Albrecht von Schwerin und der Kriegs - Minister v. Fabrice. Nach einem viertelstün­digen Aufenthalte erfolgte die Weiterreise des Kaisers auf der Route Cott­bus-Posen.

Byzantinismus.

Es liegt eine gewaltig befreiende Kraft in der ausgesprochenen Wahrheit. Das hat sich auch jetzt wieder erwiesen an dem außerordentlichen Eindrücke, welchen die kürzlich veröffentlichten Worte des Professors Reuleaux über den Niedergang der deutschen Industrie und seine Ursachen in ganz Deutschland geübt. Es steht zu hoffen, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer, insbesondere aber auch die Regierung für ihre Wirtschaftspolitik aus jenem Unheil, welches den in allen betheiligten Kreisen längst merkbar gewordenen Empfindungen lauten und öffentlichen Ausdruck gegeben, die naheliegenden Lehren ziehen wer­den. Wir haben diese Seite der Kritik, des deutschen General-Commissars auf der Weltausstellung zu Philadelphia bereits gleich nach ihrer Publication aus­reichend gewürdigt und seitdem ist sie zum Gegenstände der Besprechung fast sämmtlicher deutscher Zeitungen geworden.

Aber die Bedeutung des Reuleauxffchen Briefes geht unseres Erachtens nach über das wirthschaftliche Gebiet hinaus. Der Byzantinismus, welchen unser Commiffar in Philadelphia trotz seiner amtlichen Stellung den freien Mannesmmh hatte öffentlich zu geißeln, beschränkt sich ja nicht allein auf das Gebiet der industriellen Production, sondern schädigt das sociale Leben und die politische Entwickelung der Nation. Nach dieser Seite hin dürfte es immerhin angezeigt erscheinen, noch einige Worte zu schreiben, welche, da wir denn doch auf den gesunden Sinn der großen Mehrzahl unserer Bevölkerung vertrauen dürfen, kaum ganz verloren gehen werden.

Bis zu einem gewiffen Grade muß es ja als ein Vorzug unserer Gene­ration bezeichnet und anerkannt werden, daß sie ihre großen Männer zu ehren weiß. In dieser Beziehung üben wir bessere Gerechtigkeit, als frühere Ge­schlechter ihren Zeitgenoffen erwiesen. Der Vorwurf, daß die besten Geister Deutschlands bei uns selber am wenigsten gelten, trifft heule nicht mehr wie ehedem zu. Das ist ein Fortschritt, deffen wir uns immerhin rühmen dürfen. Es giebt zur Zeit zwei hochragende Persönlichkeiten, denen in Deutschland die allgemeine Verehrung entgegengetragen wird, das sind der Kaiser und sein Kanzler., Und niemals war diese Verehrung und Popularität gerechtfertigter, verdienter. Wir sagen das in bewußter Ausdehnung auf den Fürsten Bismarck, deffen außerordentliche Verdienste um das Vaterland wir, wie die Nation, rück­haltlos anerkennen. Ehre dem deutschen Fürsten, welcher die nationalen Sehnsuchtsträume langer Jahrhunderte verwirklicht hat, in welchem Kaiser und Reich zu neuem und erhöhtem Glanze wiedererstanden sind. Ehre auch dem großen Staatsmanne, der mit unverrückter Energie und eiserner Hand das Werk vollbracht.

Der Ausdruck jeglicher innerlich noch so sehr berechtigter Bewunderung und Verehrung soll aber innerhalb gewisser Grenzen bleiben, welche nicht ohne sittliche Schädigung mißachtet werden. Es ist indessen eine traurige, aber un­leugbare Thatsache, daß die Aeußerung jener Gefühle bei uns in Deutschland vielfach in einer Weise ausartet, welche jeden würdigen Charakter durchaus vermiffen läßt. Erst dieser Tage durchlief die Mehrzahl der deutschen und zwar keineswegs blos der conservativen, sondern auch der sog. liberalen Preffe eine Anekdote von dem Hutfutter Bismarck's. Mit unendlichem Behagen, theil- weise in geradezu verzückter Stimmung wurde da erzählt, daß ein Hutmacher, bem der Kanzler seine Kopsbedeckung zum Aufarbeiten gegeben, das alte Unter- jutter im Schaufenster mit entsprechender Unterschrift ausgestellt, daß das Publikum sich zu dem Anblicke gedrängt und hohe Summen für ein Stück 'I dieses Futters geboten, daß aber der Hutmacher erklärt habe, ihm sei der kost­bare Besitz für keinen Preis feil. Das ist denn doch wahrlich keine männliche Verehrung mehr, daß ist Reliquienanbetung, ist Götzendienst. Diese Anekdote sieht aber nicht vereinzelt da. Man könnte mit Leichtigkeit ein starkes Buch ähnlicher Erzählungen sammeln, welche alle die Runde durch die Zeitungen ge­macht haben. Es ist unzweifelhaft, daß viele und so wahrscheinlich auch jene Geschickte von dem Unteifutter der Bismarck'schen Kopsbedeckung erfunden wor- j den. Aber das Ereigniß selber, an welchem doch immer nur eine kleine Zahl ' von überspannten Köpfen betheiligt gewesen, ist ja an sich gar nicht für die Gesammtheit der Nation so entwürdigend, wie die Thatsache, daß die große Niehrzahl der Zeitungen derartige, ob nun richtige oder unrichtige Vorgänge

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Geilshausen, Grünberg, Harbach, Lauter, Lindenstruth, Odenhausen, Queckborn und Weickartshain.

Unter Hinweis auf unsere Verfügung vom 29. December 1874 Anzeiger Nr. 5 von 1875 sehen wir Ihrer umgehenden Berichts-Erstattung entgegen.

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