Wien, 8. November. Der „Pesther Lloyd" meldet: „Die Kunde von dem Waffenstillstand soll die Umänderung .ber früher nicht so friedlichen rumä nischen Thronrede bewirkt haben. Man ist nicht erbaut von einem eventuellen russischen Truppendurchzug. Die Sendung Joan Ghika's nach London soll Gewißheit über den Grad von Unterstützung verschaffen, falls Rumänien die Durchzugsbewilligung verweigern wollte. Den Herren in Bukarest scheint vor den Erfahrungen, welche Serbien mit der russischen Freundschaft machte, bänglich zu Muthe zu werden."
Wien, 9. November. In Regierungs-Kreisen verlautet, daß das hiesige Cabinet zu den Conferenz- Vorschlägen noch nicht Stellung genommen. Die Entscheidung hierüber ist erst nach der morgigen Rückkehr Andraffy's zu erwarten.
Pesth, 8. November. Nach dem „Pesther Lloyd" bestätigt es sich, daß Konstantinopel zum Conserenz-Ort bestimmt sei. Die Pforte soll verlangen, daß den Conferenz-Mitgliedern die Ermächtigung zu bindenden Beschlüffen er- rheilt werde.
ArasLreich.
Paris, 7. November. In Versailles ist vielfach die Rede von einem Eisenbahn-Scandal. Es soll nämlich bei der Uebertragung der kleinen Eisenbahnen an die großen Eisenbahn - Compagnieen nicht ganz geheuer zugegangen und dies von der außerparlamentarischen Eisenbahn-Commission entdeckt worden sein.
Paris, 8. November. Die „Agence Havas" erfährt, Elliot legte nunmehr der Pforte die englischen Conferenz - Vorschläge vor, Uebereinstimmend mit anderweitigen Nachrichten verlautet über den Inhalt derselben, daß sie auf der Basis der Integrität der Türkei beruhen, ferner auf der der administrativen Autonomie der insurgirten Provinzen, wie bereits von Derby vorgeschlagen. Die Vorschläge sollen so gefaßt sein, daß sowohl Rußland wie die Türkei in der Lage sind, Gegenvorschläge zu machen. Die Antwort der Pforte erfolgt erst, sobald die Erwiderungen der Großmächte eingegangen sein werden; man glaubt, daß die Mächte ihre Meinungs-Aeußernngen jo lange aussetzen werden, bis sie sich über die bezüglichen Anschauungen Rußlands vergewiffert haben. Die Antwort Rußlands ist bald nach der Rückkehr des Czaren nach Petersburg zu erwarten.
SSefgien.
Brüffel, 6. November. Das belgische Comits der internationalen Verbindung zur Unterdrückung des Scla-wnhandels und zur Erforschung des Inneren Afrikas hat heute unter dem Vorsitz des Königs seine erste Berathung gehalten. In seiner Eröffnungsrede betonte der König besonders die greulichen Zitstänbe, welche der afrikanische Sclavenhandel hervorruft und erhält; es müsse diesem abscheulichen Handel, „der unsere Zeitalter erröthen macht", ein Ende gemacht werden. Die Versammlung hat dann den Grafen von Flandern zum Präsidenten, die Staats-Minister Baron d'Anethan und Dolez zu Vice- Präsidenten und den Baron Greindl zum Generalsecretär ernannt.
Brüffel, 8. November. Der „Nord" bezeichnet die Gerüchte, daß das Conferenz-Project aufgegeben, als unbegründet; Rußland insbesondere bestehe auf der baldigen Eröffnung der Berathungen in Konstantinopel auf Basis der englischen Vorschläge und habe die Großmächte eingeladen, ihren Vertretern in Konstantinopel Instructionen zu senden. Jgnatieff solle seine Instructionen energisch aufrechthalten, wonach eine weitgehende administrative Autonomie für Bosnien, Herzegowina und Bulgarien mir ausreichenden Garantieen unter Controle der Großmächte gefördert werde.
tagfanb.
London, 8. November. „Reuter's Bureau" meldet aus New-Dork von heute: Während „New-Dork Times" das Wahl-Ergebniß noch für zweifelhaft erachtet, kündigen die übrigen Blätter die Wahl Tilden's zum Präsidenten an. Die demokratische Partei im Staate New-Dork wird auf 30,000 bis 40,000 Stimmen geschätzt; auch in Connecticut, Indiana, Mississippi und Nord-Carolina ist der demokratische Sieg unzweifelhaft. Dagegen ist das Resultat in Wisconsin, Calisornien und Florida noch ungewiß. Butler und Banks sind in Maffachusets zu Congreß - Mitgliedern gewählt. Nach Berichten aus Mexico haben der Congreß und das Obergericht die Wiederwahl Serba be Tejaba's zum Präsibenten ber Republik bestätigt.
London, 9 November. „Reuter's Bureau" meldet aus New-Dork vom 8. November Nachmittags: Die Wahl-Resultate von Wisconsin, Califor- nien, Nebraska, Oregon, Süd-Carolina und Newada sind noch zweifelhaft; Florida wählte für Tilden, dessen Wahl sicher ist. Die Majorität des Senats wird republikanisch, die der Kammer demokratisch; beide Majoritäten sind unbedeutender, als zuvor.
Kirchliche Anzeigen
Frijchbäcker ju Gießen.
Sonntag, den 12. November 1876 Chr. Noll Wittwe in der Neustadt, L- Kämmerer auf dem SelterSwea, G- (Laer am Lindenplatz.
führt, und da sie aufrecht erhalten wurden, bestand Scialoja auf seiner Demission die der Khedive, sein Bedauern ansdrückend, annahm.
Amerika.
New-Aork, 9. November. Obwohl die Republikaner den Wahlsieg in Florida beanspruchen, gilt die Wahl Tilden's doch für gesichert. Gestern Abend fand zu Charlestown ein Krawall zwischen Weißen und Negern statt wobei zwei Personen getödtet wurden. Die Truppen zerstreuten die Parteien!
Lokal-Atottz.
Gießen, 10. November. Die Abonnement«-Concerte unserer Reaimcntsmusik nahmen mit dem gestrigen ihren Anfang. Sie führten sich woblthuend durch ein ae- wahltes Programm em, welches von der Kapelle prompt und fein abgespielt wurde. Um nur eine Piece hervorzuheben, sei die 2. ungar. Rhapsodie von F. Liszt erwähnt welche von den Anwesenden stürmisch da capo verlangt wurde. Fährt unsere Musik fu" ihren neuen Kräften so fort, so dürften ihre Concerte sich wohl jedeSmal eines solchen Besuches, wie am gestrigen Abend, erfreuen. (Leider war ein Thetl des Auditoriums nicht in der Lage, so ruhig und rücksichtsvoll gegen andere Besucher iu sein öl« man es billigerwetse verlangen könnte. Wir behalten uns bei ferneren derartigen Storungen vvr, deutlicher zu sprechen.) B
x h--ä ®/ftKrnJ?Urfie einem hiesigen Metzger auf dem Selterrweg ca. 10 Pfund
verdorbene stinkende Wurst polizeilich confiscirt-
... “ ?ie „Times" wird benachrichtigt, daß in Italien die Bildung einer gigan- tischen Gesellschaft für den Betrieb sammtlicher Eisenbahnen des Königreiches beabsichtigt wird. Die Gesellschaft würde über ein Kapital von ca. 24,009,000 Pfd. Sterl "^ügen und aus einer Gruppe französischer und italienischer Kapitalisten, den Herzog von Galliern an der Spitze zusammengesetzt sein. 1
(Kurioser württembergischer Eonsistortalverweis aus dem Jahre 1759.) An den dürrer in Leontzrunn! Nun kommt er auch einmal wieder an das Herzogliche Consi- Norium, heillos er Tropf, lüd er sicher Gesell, Laster, habitutrtes Laster, 36iäbrig an ein«, ande.hängendcs Laster, Ignorant von Haus aus, Idiot von jeher, versoffener Rapf, Brandenwe nkolb, Bierlagel, Sünden-Cloak. Das ist jetzt das letztemal wir sehen einander nbnmer. Bet dem geringsten Exceß (eß darf zwar kein Exceß, sondern nur ein kleiner Fehler sein) ist Er ohne Gnade cassirt. Er hat zwar diesmal cassirt werden sollen, das hochpreisltche geheime Ratbscellegtum hat aber diesmal noch Gnade vor Recht - versteht Er mich? - vor Recht ergehen lassen, und befohlen, man soll ihn noch einmal rechtschaffen putzen, wie hiermit geschieht. Jetzt diximus et salvavimus. Stuttgart, geschehen den 26. Sept. 1759. Fromann, Consistorialrath.
- Der König der Fidschi-Inseln hat durch Vermittlung des engl. Gouverneurs dem Herrn Dr. Müllen, Vorsteher der Londoner Mission aus Dankgefühl 7 hübsche Mädchen zum Geschenk anzeboten, damit derselbe sie zu seinen Gattinnen mache. Dr. Müllen hat natürlich die Annahme verweigert, worüber der König so erbost ist, daß Se. Majestät fortwährend einen königl. Knüppel bet sich trägt, um jeden, der in ferne Nähe kommt, mit' demselben zu tractrre».
.T ?us einer 1587 gefertigten Tabelle über die Hexenhinrichtung ersehen wir, daß in diesem Jahre auf dem Scheiterhaufen öffentlich, als der Hexerei überführt, verbrannt wurden: in Darmstadt 2 Ehefrauen und 2 Wittwen. — In Bessungen 2 tfrauen. — In Arhcilgen 2 Wittwe«. — In Erzhausen 1 Frau. — In Nieder-Ram- >tadt 4 Ehefrauen - In Trebur 2 Frauen und 2 ledige Mädchen. — Im Ganzen 17 Personen. — Landesverwiesen wurden als der Hexerei verdächtig 2 Wittwen und 4 Frauen aus obengenannten Orten.
£ , — Von dem Berliner Banquier Bleichröder erzählt ein amerikanisches Blatt
folgende- Gefchtchtchen: Als Bleichröder sich zum Kaiser begab, um für den erhaltenen Adelstitel zu danken, sprach er knapp vor der zum Audienzsaale führenden Thüre zu reinem ihm begleitenden Sohne: Geh' Du voran, mein Sohn Pesach, Du haft Ahnen — ich habe feine!
— Die städtische Gasanstalt Minden will Gaskraftmaschinen für eigene Rechnung anschaffen und dieselben an Gewerbtreibende miethweise und unter erleichterten Zahlungsbedingungen ablassen; bei einem solchen. Unternehmen würden sowohl die städtische Gasanstalt wie die betreffenden Gewerbtreibenden gewinnen und sollen auch bereite 12-15 der letzteren sich gemeldet haben.
— Herr Ralph Scott wird nun bestimmt bei Berlin nicht fliegen. Die Tribüne theilt darüder mit: „Er wird nicht fliegen, sondern vielleicht fliehen. Das erstere wird die Polizei, auch wenn er es wirklich könnte, ihm nicht mehr gestatten und vom Zweiten — sich nämlich auf andere Weise davon zu machen — wird Vie Po! lizei ihn nicht zurückhalten. Der Zuversicht, mit welcher Scott die Unfehlbarkeit seiner Erfindung daizustellen wußte, hatte man anfangs Vertrauen geschenkt. Erst als Scott den Mechanismus seiner E'findung nicht überzeugend zu erklären im Stande war und die Vorausbezahlung ziemlich hoher Geldbeträge beanspruchte, wurden Nachforschungen über feine Persönlichkeit in London aepflogen, wobei sich die hiesige englische Vertretung hülfreich erwies. Die eingeholten Nachrichten lauteten für Scott nicht günstig. Sie stellten ihn nicht als Erfinder, sondern bloß als Nachahmer einer bereits vor mehreren Jahren angefertigten Flugmaschine dar, als deren Erfinder damals ein Herr Degroos aus Brügge auftrat und gräßlich verunglückte._________________
Spanien.
San Remy, 8. November. Die Herzogin von Aosta ist heute Morgen gestorben.
Aurnänien.
Bukarest, 9. November. Das „Amtsblatt" publicirt den Text bes zwischen Rumänien unb Rußlanb abgeschlossenen Handels-Vertrags.
Aegypten.
Kairo, 8. November. Romains würbe zum Präsibenten bes obersten Schatzrathes ernannt.
Kairo, 8 November. In ber Organisation bes obersten Schatz-Rathes wurden Einschrqnkung,eii gemäß dem finanziellen Plan Göschen-Joubert's einge-
der evangelischen Gemeinde zu Gießen.
Gottesdienst.
Sonntag, den 12 Nov ember.
Morgens: Missionspredtger Schrenk von Frankfurt. Nachmittags: Pfarrvicar Scköner.
(Die Psarrgeschäfte in der nächsten Woche besorgt Pfarrverwalter Schlaffer.)
Der Confirmandenunterricht für die Knaben wird in diesem Jahre laut Verfügung Großh. Oberconsistoriums nach Schulen getrennt ertheilt, und wird er für die Stadtschule Montags in der Realschule Dienstag, im Gymnasium Mittwoch, jedesmal um 11 Ubr, seinen Anfang nehmen.
Allgemeiner Anzeiger.
Versteigerung.
Holzverfteigerung
im Gießener Stadtwalde.
Montag den 13. November 1876, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde, in den Di-
stricten Heegstrauch und Unterhag, nachverzeichnetes Holz versteigert werden:
Scheith. Prügelh. Stockh. Reish. Raummeter Wellen
Nadel 96 578 331 5400
607 Fichten- u. Nadel-Stämme von 5 bis 16
Meter Länge und 15 bis 35 Centimtr. Durchmesser, mit 199,07 Festmeter.
171 Fichten und Nadel - Stangen, mit
20,96 Festmeter.
Die Zusammenkunft ist auf der Schiffen-- berger Chaussee am Anfang des Waldes.
Gießen, am 7. November 1876. (5803
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
A. B r a m m.
Aeilgebotenes.
5835) Ein noch brauchbares Clavier zu verkaufen. Nahrungsberg 160.
Ml zu übersehen!
5847) Hassen und Rehbraten sind stets frisch auf Bestellung zu haben bei Wildprethändier Ebel, Marktstraste D. 31.
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