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Samstag, den 11. November

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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags, ^xpedi^ionr Schul st raße, Lit. B. Nr. 18.

Pr«?iH viert'.ljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinverlohn. Dai bi. -''ast bezogen viert' lstrhrlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher H h e i l.

Nr. 23 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 4. l. M., enthalt:

(Nr. 1148.) Bekanntmachung, betreffend die Außerkurssetzung der Zweithalerstücke und Eindrittelthalerstücke deutschen Gepräges. Vom 2. November 1876. Gießen, den 9. November 1876.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Röder.

Bekanntmachung.

Großherzogliches Ministerium des Innern hat die der Süddeutschen Lebens Unfall- und Renten-Versicherungs-Anstalt zu Carlsruhe im Januar l. I. ertheilte Erlaubniß zum Geschäftsbetriebe im Großberzogthum Hessen wieder zurückgezogen.

Es wird dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

Gießen, am 8. November 1876.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Röder.

Am 18., 19. und 20. Mai 1877 wird tn Frankfurt a/M. eine Schlachtvieh-Ausstellung stattfinden, was hierdurch unter dem Arfügen zur Kenntniß der Landwirthe des Kreises Gießen gebracht wird, daß Programme und Formularten zur Anmeldung auf dem Bureau Grotzherzoglichen Kreisamts Gießen in Empfang genommen werden können.

Gießen, den 9. November 1876.

Der erste Director des landwirthschaftlichen Bezirks-Vereins Gießen.

v. Röder.

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Berlin, 6. November. Der heute in Rom gestorbene Cardinal Anto­nelli war auch Ritter des Schwarzen Adlerordens, den er vor eilf Jahren er hielt, da der Papst noch Souverän war und die Verhandlungen wegen des katholischen Feldprobstes des preußischen Heeres im Gange waren.

Berlin, 8. November. Im Reichstag wird Heute der schon er­wähnte Antrag des Abg. v. Bähr und Genoffen, der bei Telegrammen für die engere Zone die Wiederherstellung des Gebührensatzes von 50 Pfennigen für 45 Worte, eventuell die Herabsetzung des Tarifs von 5 auf 3 Pfennige für jedes Wort fordert, zur Discussion gelangen. Wie es heißt, wird der General- Postmeister den ersten Theil des Antrags principiell, den letzten als zur Zeit undurchführbar bekämpfen.

Berlin, 8. November. Der Reichstag überwies die allgemeine Reichs­haushalts-Rechnung pro 1872 an die Rechnungs-Commission, genehmigte hieraus : den Antrag behufs Einstellung des schwebenden Strafverfahrens gegen Hassel- mann, Gelb und Vdhlteich und nahm tn dritter Lesung die Verordnung wegen Abänderung des Gesetzes, betr. die Bezirks-Verwaltungen, Kreis-Vertretungen und Wahlen zu Gemeinde-Räthen in Elsaß - Lothringen an. Die zweite Be- rathui'g des Etats wurde fortgesetzt. Beim Etat Reichsschuld momrte Bam berger die noch nicht erfolgte Ausprägung goldener Fünf-Markstücke. Beim Post- und Telegraphen-Etat wurde nach längerer Debatte der Antrag aus Wiederherstellung der früheren ersten Zone für Telegraphie-Gebühren unter Beibehaltung einer 3-Pfennig-Gebübr pro Wort mittelstHammelsprung" mit 114 gegen 91 Stimmen angenommen. Ter General-Postmeister hatte sich gegen den Antrag ausgesprochen und bezüglich der Nothwendigkeit, den Tarif in jetziger Höhe zu erhaltenauf das frühere, durch die neue Organisation verringerte Deficit in der Telegraphen - Verwaltung hingewiesen. Derselbe er­wähnte ferner die theuere Telegraphen-Verbindung mit England und fügte hinzu, baß wegen Herabminderung derselben Verhandlungen schwebten, bei welchen sich England sehr entgegenkommend zeigte. Auf eine Anfrage des Abg. v. Sckorlemer-Alst, die in Bromberg erfolgte Anfertigung von Faksimiles der Handschrift des Cardinals Ledochowski und die Weisung, von der Hand Ledo- chowski's adreisirte Briese an die Staatsanwaltschaft abzugeben, betrestend, er­klärte der General-Postmeister, die Staatsanwaltschaft habe die Gesetzgebung zur Seite, die Postverwaltung treffe kein Vorwurf, es handle sich lediglich nm eine Requisition des Staatsanwalts. Im Fortgänge der Sitzung werden alle zur Plenarberathung gestellten Special-Etats in zweiter Lesung genehmigt. Nächste Sitzung am 15. November.

Berlin, 9. November. Dem BerlinerTageblatt" zufolge hätte der deutsche Botschafter in Paris, Fürst Hohenlohe, während seines Berliner Aufent­halts bei der Neichsregierung die baldige Entscheidung der Frage wegen Be­schickung der Pariser Welt-Ausstellung angeregt. Fürst Hohenlohe habe in der Audienz beim Kaiser die Beschickung der Ausstellung besonders befürwortet.

- Der Kaiser plötzlich die Jagd-Fahrt nach Letzlingen aufgegeben; Leibarzt Dr. Lauer befürchtet eine Verschlimmerung des Unwohlseins des Kaisers.

England ist entschlossen, der Türkei materielle Hülfe zu leisten, falls Rußland die englischen Vorschläge bei den Verhandlungen ablehnt. Die In­tegrität des Psorten-Gebietes ist die conditio sine <jua non. Keine Vergrößerung der südslavtschen Staaten. c ,, _ _ ..

DieNat.-Ztg." ist gegenüber der Meldung des hiesigenTagebl- über Schritte des deutschen Botschafters Fürsten Hohenlohe betreffs Beschickung

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der Pariser Welt-Ausstellung in die Lage gesetzt, zu constatiren, daß Fürst Hohenlohe zu dieser Frage keinerlei persönliche Stellung genommen hat, und daß auch diese Frage bei der dem Botschafter vom Kaiser ertheilten Audienz nicht berührt wurde. Fürst Hohenlohe kehrt heute Abend nach Paris zurück

Köln, 8. November. Ueber den englischen Conserenz-Vorschlag erfährt dieKöln. Ztg." : Die Conferenz wird in Konstantinopel von allen Mächten mit Einschluß der Türkei abgebalten und jede Mackt durch zwei Bevollmäch­tigte vertreten werden. Tie Conferenz soll aus drei Grundlagen beruhen: 1) Unabhängigkeit und Integrität der Türkei; 2) Erklärung aller Mächte, daß ie keine Gebiets-Vergrößerung suchen, noch ausschließlichen Einfluß oder Zuge- ständnisie in Handels-Angelegenheiten mit der Türkei anpreben; 3) werden für die Pacification der insurgirten Provinzen die englischen durch Elliot überreich­ten Vorschläge zu Grunde gelegt werden. TieKöln. Ztg." fügt hinzu, daß man noch nicht wisse, ob der englische Vorschlag von allen Mächten angenom­men worden sei.

Wien, 7. November. Nach einer Meldung derNeuen Fr. Pr." aus Agram ist in zahlreichen Ortschaften an der oberen Militärgrenze verheerender Hungertyphus ansgebrockcn. Tie serbischen Officiere haben noch dem Pesther Llovd" den Befehl erhalten, jede Temarcations-Linie, welche von den Delegirtkn dir Mächte fisigestellt werde, ohne Weiteres anzunehmen. Aus Konstantinopel telegraphirt man derNeuen Fr. Pr.", daß Hobart Pascha mit der von ihm befehligten Flotten - Division w>S Schwarze Meer einlaufen solle, sowie daß drei andere Divisionen ausgerüstet werden. Aus Jassy meldet man demselben Blatte vom 6. November: Die Großfürsten Konstantin und Michael sind in Kischenew eingetrcffen und haben das Obcr-Commando über vier bei Odessa, Dender und Kischenew znsommengezogene Armee-Corps übernommen. Es heißt, die Besetzung der Grenzpunkte an der Donau stehe bevor. Der Botschafter Baron v. Langenau reist am Samstog nach Petersberg.

Wien, 8. November. Tie Pesther Studenten wollen absolut nicht darauf verzichten, den grimmigen Ernst durch ihre komischen Episoden zu erhei­tern. Baron Baldocsi, ein ungarischer Edelmann, schenkte den Pesther Studen­ten einen prachtvollen Tamascener als Ehrenjäbel für Abdul Kerim, der einst Eigenthum Abdi Paschas, des letzten türkischen Commandanten in Ofen, war. Wie dasH. T. B." aus Pesth vom 7. Novbr. berichtet, wird sich sofort eine Studenten-Teputation über Widdin nach Nisch begeben, um Abdul Kerim Pascha den Ehrensäbel zu überreichen. Die Deputation soll in Widdin festlich empfangen werden. Dagegen ist Seitens der Moskauer Studenten eine De­pesche in Pestti eingetroffen, in welcher dieselben den ungarischen Studenten ihre tiefste Verachtung ausdrücken. Wie es scheint, wird es außer dem Kriege auch noch zu einer internationalen Corps-Hatz unter diversen Studenten-Ver- bindunaen kommen.

Wien, 8. November. DerPolit. Corresp." meldet man telegraphisch aus Cattaro untern 6. Novbr.: In Folge des Waffenstillstandes entläßt Fürst Nikolaus den größten Tbeil seiner Armee noch Hause; da indessen alle Arbeits­fähigen den ganzen Sommer unter den Waffen gestanden haben und die Felder unbestellt geblieben sind, so droht eine lauge Hungersnoth. Ueberdies tritt der Typhus immer stärker auf. Die herzegowinischen Bandenführer betrachten sich und ihre Schaaren als zur montenegrinischen Armee gehörend, und somit auch bei dem abgeschlossenen Waffenstillstand mit'einbegriffen. DerCredit Jmmo- bilier" von Odessa hat dem Fürsten von Montenegro ein Geschenk von 9000 Rubel zum Ankauf von Mais angekündigt.