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Bremen, 7. October. Dr. Ftnsch telegraphirt von der sibirischen Ex« pedition aus Tobolsk von gestern Abend: Soeben wohlbehalten mittelst Dampfer von Samarowa, das wir am 26. September erreichten, hier «»ge­kommen. Wir durchfuhren mit dem Ruderboot den Tschutscha und drangen zu Huß bis zur Baiderata-Bucht vor. Angesichts des Karabai waren wir gezwun­gen, umzukehren. Ausführlicher Bericht und reichliche Sammlungen folgen.

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Wien, 7. October. DieNeue Fr. Pr." erfährt, daß die türkischen Generale beauftragt sind, während der Verhandlungen in Konstantinopel nicht anzugreifen, sich vielmehr nur abwehrend zu verhalten.Tageblatt" und Presse" melden aus Belgrad, es sei bei dem serbischen Kriegs-Ministerium die Nachricht eingelaufen, daß sich-die Türken von Alexinatz auf türkisches Gebiet zurückziehen, um Winterquartier zu beziehen. DiePresse" bezweifelt die Rich tigkeit dieser Nachricht. Die Vertreter der drei Kaiserreiche sind gestern beauf­tragt worden, bei der serbischen Regierung Schritte zu thun wegen Abschlusies eines Waffenstillstandes auf unbestimmte Zeit. Die Vertreter Englands, Frank­reichs und Italiens unterstützen diese Bemühungen. DieNeue Fr. Pr." meldet aus Podgoritza vom 6. Octbr.: Fürst Nikita bereist die Grenzdistricte und haranguirt die Bewohner, sich bereit zu halten, da längstens in 14 Tagen Ereigniffe eintreten würden, welche die ganze slavische Welt in die größte Be­wegung versetzen würden. DiePolit. Corresp." meldet:Heute sind auch die Minister Graf Auersperg und Lasier zu den Verhandlungen wegen Formu- lirung der Ausgleichgesetze nach Buda-Pesth abgereist.

Wien, 8. October. Die für heute zu Gunsten der Anfständischen in der Türkei beabsichtigte tschechische Versammlung in Jnlienfeld bei Brünn ist, wie die Morgenblätter melden, polizeilich untersagt. In Prag sind eine Anzahl Kisten, welche Hinterlader, Pistolen und Feldflaschen enthielten, confis- cirt worden- DemTageblatt" wird aus Belgrad gemeldet: Hinsichtlich des Waffenstillstandes hat der serbische Minister-Präsident Ristics zustimmend geantwortet, jedoch daran die Bedingung geknüpft, daß eine Demarcations« Linie und neutrale Zone bestimmt und der Waffenstillstand mindestens auf sechs Wochen abgeschlosien werde. Die serbische Regierung hat eure Note an die Mächte gerichtet, in welcher alle von den Türken während der letzten Kämpfe verübten Greuelthaten aufgezählt werden. Nach einer Meldung der Neuen Fr. Pr." aus Semlin vom 5. d. Mts. fand bei Krevet zwischen den Türken und den Serben unter Horvatovics ein Gefecht statt, welches nach zweistündiger Dauer abgebrochen wurde. Die Serben haben die Verschanzungen von Tesica geräumt. General Tschernajeff fordert die Einberufung der sämmt- lichen noch übrigen waffenfähigen Männer vom 18. bis zum 50. Lebensjahre. Derselben Zeitung wird aus Zara berichtet: In Folge des aus Trebinje ge­meldeten Rückzuges des Jnsurgenten-Führers Peco Pavlovic vom rechten Ufer der Trebinsica nach Cnutic sind die vorher unterbrochenen Verbindungen wieder offen. Medun ist mit Proviant versehen.

DieMontags-Zeitung" veröffentlicht einen längeren Artikel, welcher das Zusammengehen Oesterreichs und Rußlands als positiv signalisirt.

Wien, 9. October. Die von demTageblatt" und derPresse" auS Belgrad gemeldeten Truppen - Concentrirungen reduciren sich auf die bereits signalisirten, soeben begonnenen rumänischen Waffen-Uebungen. Mehrere Blätter melden aus Konstantinopel, daß die Conferenz-Jdee in türkischen Regie­rungs-Kreisen keinen Anklang finde.

Pesth, 7. October. Auf Antrag des Ministeriums hat das Abgeord­netenhaus beschlossen, nach Erledigung der Angelegenheit des Abg. Miletics die Sitzungen bis Anfangs November zu vertagen; die Finanz- und die Justiz- Commission werde jedoch ihre Arbeiten fortsetzen.

Die liberale Partei hat beschlossen, den Bericht des Immunitäts- Ausschusses, welcher dir Auslieferung des Deputirten Miletic und Gutheißung des Vorgehens der Regierung beantragt, anzunehmen und sodann die Vertagung des Unterhauses bis Mitte November vorzuschlagen. Die unabhängige liberale Partei beschloß gleichfalls Annahme des Berichtes.

Schweiz.

Bern, 9. October. Die japanesische Regierung hat ihren Beitritt zum Allgemeinen Post-Verein angcmeldet.

HravLreich.

Paris, 8. October. DemTemps" zufolge nehmen die Verhandlun­gen wegen des Waffenstillstandes einen günstigen Verlauf.

Paris, 9. October. DerAgence Havas" wird aus Ragusa vom 8. d. Mts. gemeldet: Gestern Abend haben die durch 2500 Mann verstärkten Montenegriner Mukhtar Pascha angegriffen und denselben genöthigt, sich bis zur Grenze zurückzuziehen. Die Türken verloren 850 Todte, die Montenegri­ner 115 Todte und Verwundete. Montenegriner und Türken stehen sich gegen­wärtig auf 10 Kilometer Entfernung gegenüber. Auf Verlangen Mukhtar Paschas sind heute 150 Reiter mit Munition von Trebinje ausgerückt. Peko Parlovich und Dakowitsch bereiten einen Flanken-Angriff auf Mukhtar vor.

Kugland.

London, 9. October. Die in den Blättern erwähnte Circular- Adresse Andrassy's anläßlich der Mission Sumarakow's ist sehr kurz gefaßt und enthält keinerlei Andeutung über den Inhalt des Handschreibens des Kaisers von Rußland an den Kaiser Franz Joseph; es wurde nur einfach die Ueber- gabe des Handschreibens iNtificirt.

Flvßkand.

Petersburg, 7. October. DieIntern. Telegr.-Agentur" meldet aus Ragusa vom 6. Octbr. bestätigend, daß Montenegro die Verlängerung der Waffenruhe bis zum Abschlüsse eines Waffenstillstandes bewilligt habe. Die Pforte habe nach viertägigem Zaudern gestern die Bedingung Montenegros, daß die Verproviantirung der cernirten türkischen Forts nur unter Controle von Montenegro geschehen dürfe, angenommen. Somit bestehe zwischen der Pforte und Montenegro neuerdings auf unbestimmte Zeit Waffenruhe und sei dies Resultat den Bemühungen des englischen Consuls Mousson zn danken.

Petersburg, 7. October. DieIntern. Telegr.-Agentur" meldet aus Semlin von heute: Nach Mittheilungen aus Belgrad wäre die Stellung des russischen General-Consuls Karzoff in Belgrad gefährdet, da Karzoff die dorti­gen officiellen Kreise, sowie den General Tschernajeff aufgeniuntert habe, die

Waffenruhe abzulehnen und hierdurch russisches Blut unnütz vergossen worden ei. Da befürchtet werde, daß Karzoff die Friedens-Verhandlungen nicht mit der gehörigen Energie betreiben werde, so sei seine Abberufung nicht unmöglich.

Spanien.

Madrid, 8. October. Die Gerüchte von dem Rücktritte des General- Gouverneurs von Cuba, General Jovellar, sind unbegründet; Jovellar behält die oberste Leitung von Cuba; das Ober-Commando der Truppen befindet sich in den Händen des Generals Martinez Campos.

Türkei.

Konstantinopel, 8. October. Der britische Botschafter Elliot wurde heute vom Sultan in Privat-Audienz empfangen. Die Beschlußnahme der Pforte auf die Friedens-Vorschläge der Mächte ist letzteren noch nicht amtlich mitgetheilt, sondern soll erst in einigen Tagen vermittelst eines Memoires zu deren Kenntniß gebracht werden. Die Dispositionen der Pforte erscheinen ge­wissen Anzeichen nach, versöhnlich. Im Laufe der nächsten Woche werden die Machte bei der Pforte auf Annahme des Waffenstillstandes dringen. Die Rückkehr des russischen Botschafters, General Jznatieff, wird für heute erwartet.

Konstantinopel, 9. October. Nach einer der Regierung zugegange- nen Meldung aus Trebinje hat Mukhtar Pascha die Befestigungen der Mon­tenegriner bei Nowatic Bojanobrda zwischen Gcahowitza und Grahowo erstürmt- die Montenegriner erlitten starke Verluste an Mannschaft, Waffen und Munition und zogen sich in großer Unordnung zurück. Die Garnison von Liubinje hat eme Schaar Insurgenten zurückgeworfen; letztere flüchteten nach der montene­grinischen Grenze zu.

Ragusa, 8. October. Mukhtar Pascha hat am 6. d. Mts. die Mon­tenegriner auf den von letzteren besetzten Höhen von Bojanobrdo angegriffen und drei Schanzen eingenommen. Die Montenegriner verließen sich auf die Waffeuruhe, wurden daher durch den Angriff überrascht. Mukhtar, der noch weiter uachdrängte, wurde bei Mirotinsce Dohve zum Stillstehen gebracht und schließlich in seine Positionen zurückgeworfen. Die Montenegriner verloren über 100 Tobte und Verwundete; auch der Verlust der Türken ist beträchtlich.

Aumänien.

Bukarest, 8. October. DasAmtsblatt" veröffentlicht ein fürstliches Decret, wonach das stehende Heer mit den Reserven und der Territorial-Armee zu divisionsweisen Waffen-Uebungen zusammentreten soll; dem Kciezsminister ist zu diesem Zweck ein Credit von 200,000 Lei bewilligt.

Lokal-Notiz.

Gießen, 10. Oct. ^Nach einer ganz neuerlich an die Stände gelangten Vorlage ist Gießen zum Amts-Sitz der Bergmeisterei für Oierhesseu ausersehen; eines dec fiscalischen Wachthäuser am SelterS-Thor soll zu diesem Behufe die entsprechende Ein- richtunst erhalten.

Vermischtes.

Au? Leoben in Oesterreich den 2. d., schreibt man: Heute um 2 Uhr Nach­mittags lief von Seiten des Stationö-Lhefs der Südbahnstation Leoben die Meldung bet der k. k. Staatsanwaltschaft eia, daß an der Stelle, wo die Lcobcn-Brucker Bahn »wischen Leoben und Nikiasdorf die Reichsstraße übersetzt, die Leiche eine« Mädchens liege, welches von dem Eisenbahnzuge, der um l3/< Uhr von Bruck in Leoben ankommt, überfahren wurde. Staatsanwalt, Ustersuchungsrichter und GerichtSarzt begaben sich sofort zur bezeichneten Stelle und fanden die Leiche eines hübschen zwanzigjährigen Mädchens, Tochter der Wittwe eines Heizhausleitecs, wohnhaft zu Leoben, in einer Stellung, die keinen Zweifel übrig ließ, daß hier ein Selbstmord vorliege. DaS Mäd­chen hatte sich unmittelbar, bevor der Zug jene Stelle erreichte, auf den Bahnkörper derart gelegt, daß der Zug, obgleich das Nothsignal ertönte, nicht mehr aufgehalten werden konnte. Die Leiche lag auf dem Rücken, mit der Schulter innerhalb der Schiene, der Kopf außerhalb der Schiene, der Hal«, welcher auf der Schiene selbst geruht Haden mutzte, war so scharf durchschnitten, daß der Kopf ganz vom Rumpfe abgetrennt war. Neben der Leiche stand ein Körbchen, in diesem laz ein Notizbuch, in welchem die Mo­tive dieser Handlung zu lesen waren. Die Sätze erschienen so frisch mit Bleifeder ein­getragen, daß die letzten Worte augenscheinlich in Sicht deS nahende» Zuges aufge- zeichnet worden sein müssen. Diese letzten Worte lauteten:Der Tod naht." Die Lieb­hatte das junge Herz getödtet. Der Geliebte der Unglücklichen war der Heizer derselben Locomotive, welche ihr den Tod brachte. So wie die Unglückliche mit Absicht gerad! diese Locomotive wählte, auf welcher lhr Geliebter als Heizer heute fungirte, so sucht! sie auch jene Seite der Trace auf, wo er bei seiner Arbeit zu stehen angewiesen ist. Das Mädchen legte sich, wie erwähnt, mit dem Rücken auf die Schiene, das Gesicht nach aufwärts so gerichtet, baß der Geliebte im schrecktichen Momente des Uedcrfahrens ihr in's Auge sehen mußte. So wurden die einzelnen Umstände dieses Selbstmordes heute hier erzählt und wenn sie in der Thal sich so verhalten, so haben wir es mit einem seltenen Beispiele tragischer Eisenbahn-Romantik zu thun.

Düsseldorf, Ende September. Die hiesige Regierung veröffentlicht folgende Warnung:In neuester Zeit mehren sich die Klagen über häufig und in großartigem Umfange vorkommende Mehlverfälschung. Es ist Mehl confiscirt worden, da« biS zu 10 pCt. Gips, Kalk, Schwerspath u. dgl. enthielt, welcher Mischstoff sogar zu einem besonderen Handelsartikel unter der BezeichnungKunstmehl" oder auchLeuzin" ge­macht worden ist. Zuverlässigen Mittheilungen zufolge soll namentlich von Holland aus die Einführung sogenannten KunitmehlS erfolgen. Indem wir bemerken, daß wir unfern Polizeibehörden scharfe Ucberwachung de« MchlhandelS und Herbeiführung ge­richtlicher Bestrafungen empfohlen Haden, warnen wir die Verkäufer vor solchem betrü­gerischen Handel unh empfehlen dem consumirenden Publikum Vorsicht beim Einkäufen nicht nur deS Mehle«, sondern auch der Backwaaren.

Weber den Peter spfenn i g sagt der Wiener ultramontane VolkSfreund, das Organ deS sei. Rauscher, d. d. 2. Dec. v. I. in einer römischen Korrespondenz wörtlich:Wer stattet denn den Papst mit Geld aus? Vielleicht der heilige Seist ober die eigene Familien-Schatulle? Die Speisekammern der Armen, die von den Pfarrern ausgesogen werden, und die Sammler deS PelerSpfennig«, die für jedes Hundert einen gewissen Theil beziehen, werden darauf antworte«. Die Kreuzer, die der armen Classe an Brod und Arbeit abgezogen werden, häufen die Millionen an, die e« im Vatican von den silbernen Madonnen-Statuen regnet UebrigenS, welches Bedürfniß hätte denn Pius IX., Häuser für die Armen baue« zu lassen, wenn eS ihm mit der Unterstützung derselben Ernst wäre? Er hat einen Palast von 11,000 Zimmern, Equipagen, Tau­sende (?) von Soldaten, um sich bewachen zu lassen, während Hunderte und Hunderte von Armen unter freiem Himmel schlafen Die« Alles genießen die Päpste, Pius IX miteinbegriffen, im Namen des Arme« von Nazareth, der barfuß ging und kein Geld halte. DerOsservaiore" und seine Genossen verstehen dieses Italienisch nicht."

In Tübingen war im Decemder v. I ein Brand ausgebrochen, wobei ein Referendar Schabe! nur mit Noth da« nackte Leben zu retten vermochte. Sein Koffer nebst Kleidern und seine Brieftasche, in der 200 M in 20- und 5-Mark-ScheineN ent­halten waren, wurden ein Raub der Flammen. Beim Abräumen des Brandschuttes im Frühjahr fand man die verkohlten Reste obiger Gegenstände; die Bankscheine waren bis auf ein Eckstückchen verbrannt, in dem aber theilS die Nummer, theils die Zahl ,20* kenntlich war. Diese Rudera wurde von Tübingen mit Bericht über den Sach­verhalt an die Neichshauptkasse in Berlin mit dem Ersuchen um Wiederersatz gesandt. Dieser Tage ist nun derselbe vollzählig eiegetroffen, und zwar auch für die Scheine, die nur noch die Zahl20" aufwiesen.

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