>o. Dienstag, den II. Januar. ZGV6.
Kichener Ämeiger
A«M- Md AmtsM fir den Kreis Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Mstttggs» P ' ;-5 vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Brinqerlohn.
(Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher H h e i l.
Nr/35 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 31. December 1875, enthält:
(Nr. 2002). Verordnung, betreffend den Geschäftskreis, die Einrichtung und die Verwaltung der Deutschen Seewarte. Vom 26. December 1875.
(Nr. 2003.) Erlast, betreffend die Einrichtung von Ober-Post-Directionen in Minden und Bromberg. Vom 15. October 1875.
(Nr. 2004.) Erlaß, betreffend die Einrichtung einer Ober-Postdirection in Aachen. Vom 22. November 1875.
(Nr. 2005.) Bekanntmachung, betreffend die Ernennung von Bevollmächtigten zum Bundesrath. Vom 26. December 1875.
(Nr. 2006.) Bekanntmachung, betreffend die Anwendung der §§ 42 und 43 des Bankgesehes vom 14. März 1875. Vom 29. December 1875.
Gießen, am 8. Januar 1876. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v Röder.
I o t i 1 i s ch e r T h e i k.
Deutschland.
Aus Hessen, 7. Januar. Zu Lebzeiten des Erzbischofs Hermann v. Vicari wurde unter den Prälaten der zur oberrheinischen Kirchen-Provinz gehörigen Diöcesen (Freiburg, Rottenburg, Mainz, Limburg und Fulda) eine Art von Verbands-Correspondenz sehr eifrig gepflogen, die dem Zwecke diente, kirchliche Angelegenheiten sowohl der einzelnen Bisthümer als auch der ganzen Provinz gemeinschaftlich zu berathen und zu erledigen. Nachdem dieser Wechselverkehr lange Zeit geruht hat, ist er neuerdings, wie wir erfahren, von den Herren Kübel, Hesele, Retteier, Blume und Hahne wieder ausgenommen worden. Ein Meinungs-Austausch soll bereits hinsichtlich des Civil - Ehegesetzes stattgefunden haben. Ob auch die früheren „Synoden" alsbald wieder abgehalten werden, können wir noch nicht sagen.
Darmstadt, 7. Januar. Die gemeinschaftlichen Sitzungen des Finanz- Ausschusses zweiter Kammer mit dem Ministerium, in welcher das Budget durchberathen werden soll, haben heute ihren Anfang genommen und kam es gleich in der ersten Sitzung zur Verhandlung über die von der Regierung angeforderte Erhöhung der Apanage des Prinzen Ludwig auf 100,000 Mark; ein Beschluß hierüber wurde noch nicht gefaßt. Der Zusammentritt des Landtags wird sich übrigens noch hinausziehen, da erst nach Beendigung dieser gemeinschaftlichen Sitzungen die einzelnen Ausschußmitglieder mit Abfassung ihrer Referate beginnen können.
— Gemäß den Bestimmungen des Reichskanzlers vom 13. Novbr. 1875 ist Darmstadt für das Großherzogthum Hessen der Sitz der Prüfnngsbehörde der Apotheker-Gehülfen. Für die nächsten drei Jahre sind Großh. Obermedi- cinalrath Dr. Hallwachs zum Vorsitzenden, die Herren Dr. A. Tenner und E. Scriba sen. zu Mitgliedern der Prüfnngsbehörde ernannt worden.
Darmstadt, 7. Januar. Nach einem Privat-Telegramm des „Mainz. Journ." aus Groß-Umstadt sind dort bei der Abstimmung die Communal- Schulen durchgefaüen; 23 Stimmen waren dagegen und nur 5 Stimmen dafür.
Darmstadt, 8. Januar. Die Nr. 1 des Großherzoglichen Regierungsblatts hat folgenden Inhalt:
1. Bekanntmachung Großherzoglichen Gesammtministeriums, die Aufhebung der Großherzoglichen Commission für Postangelegenheiten betreffend.
2. Bekanntmachung Großherzoglicher General-Adjutantur, die Freiherrlich von Weyherische Eleonorenstiftung betreffend.
3. Uebersicht der für das Jahr 1876 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen der israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Büdingen.
4. Uebersicht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern für das Jahr 1876 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Bingen.
5. Desgleichen in den Gemeinden des Kreises Alsfeld.
6. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Orden.
7. Charakterertheilungen.
8. Versetzungen in den Ruhestand.
Friedberg, 7. Januar. Heute wurde die Abstimmung über Einführung von Communal-Schulen in hiesiger Stadt vorgenommen. Von 38 Ab- stimmenden waren 21 für und 17 gegen Communal-Schulen. Die Minorität bestand wahrscheinlich aus den 15 Vertretern der katholischen Gemeinde, dem katholischen Pfarrer und Lehrer, beide Mitglieder des katholischen Schul- Vorstandes.
Berlin, 7. Januar. Dr. R- v Richthofen, der berühmte Reisende und Erforscher des chinesischen Reiches, ist, wie wir vernehmen, zum Professor der Geograph^ an der Bonner Universität ernannt worden Da derselbe zur Zeit noch in Berlin mit der Herausgabe seines großen Werkes über China be schastigt ist, so wird er seine Lehrthätigkeit voraussichtlich erst im Herbst des Jahres 1877 beginnen. Der rheinischen Hochschule können wir zur Gewinnung des Herrn v Richthofen, eines als Geologen und Geographen gleich ausgezeichneten Forscher- und Lehrers, in besonderem Grade Glück wünschen.
Berlin, 8. Januar. Dem hiesigen juristischen Vertreter des Grafen Harry von Arnim, Rechtsanwalt Mnnckel, sind gestern die Atteste über den
Gesundheitszustand des Grafen von Seiten des Gerichts mit dem Bescheide zurückgesandt worden, daß aus den Attesten sich nicht ersehen laste, ob der gegenwärtige Zustand des Grafen desten Verhaftung unmöglich mache und daß in Folge dessen das Strafmandat gegen den Grafen Harry von Arnim erlassen sei. Da das Strafmandat wegen der Abwesenheit des Grafen aus Deutschland zur Zeit nicht vollstreckbar ist, so dürfte nach der Gerichtsordnung der Erlaß eines Steckbriefes wahrscheinlich demnächst erfolgen.
Wiesbaden, 7. Januar. Heute findet eine Zusammenkunft von Katholiken statt, um zu berathen, ob gegen die Entscheidung des Ober-Präsidenten, wonach den Altkatholiken die Bennhung der Kirche eingeräumt worden ist, Re- curS ergriffen werden soll, oder nicht. (Rh. K.)
München, 6. Januar. Nach hierher gelangter Nachricht hat sich der Prinz Leopold mit Gemahlin und Schwester, der Erzherzogin Gisela und Prinzessin Therese, sammt Gefolge von der Insel Malta, wo die hohen Reisenden einen 14tägigen Aufenthalt genommen hatten, nach Tunis begeben. Die hohen Herrschaften, welche bis Ende dieses Monats in Tunis zu verbleiben beabsichtigen, erfreuen sich der besten Gesundheit, besonders ist bas südliche Klima dem Prinzen Leopold sehr zuträglich.
München, 7. Januar. Unsere neuen Standesämter sind seit dem 1. Januar in Thätigkeit. Auch diese Errungenschaft, welche bei dem leidigen Stande unserer bisherigen Ehegesetzgebung von so Manchem die Wahl zwischen Gewissensbeschwerung oder Nothlüge nimmt, verdanken wir dem Reiche, da an Durchsetzung eines solchen Gesetzes im Wege der Einzelstaats-Gesetzgebung vorerst nicht zu denken gewesen wäre. Die Jnaugurirung der bürgerlichen Trauung ist überall in entsprechender würdevoller Weise geschehen, und hier ganz besonders durch zwei gediegene Ansprachen des Standesbeamten Magistratsrath Schrott. Nicht minder in Nürnberg, wo der weitbekannte vielverdiente Landtags-Abgeordnete und frühere Reichstags-Abgeordnete Karl Crämer die Stelle des Standesbeamten übernommen hat. Es ist zu erwarten, daß die in der bayerischen protestantischen Kirche Seitens des Clerus da und dort noch laut gewordene Abneigung Hegen das nothwendige neue Institut bei besserer Bekanntschaft damit verschwindet, und man muß anerkennen, daß der betr. Erlaß des Ober-Consistoriums zu keinerlei Ausstellung oder Beschwerde Seitens des Staates Veranlassung bietet. Die Einschärfung der kirchlichen Pflichten kann der Kirchenbehörde selbstverständlich nicht übel gedeutet werden. Im Uebrigen scheint es mit der protestantischen Kirchenreform bei uns noch gute Wege zu haben.
Hesterreich.
Wien, 7. Januar. Aus bestunterrichteter Quelle verlautet, daß bis heute eine definitive Antwort Frankreich- auf die Note Andrassy's nicht eingetroffen ist.
Wien, 8. Januar. Die „Polit. Corresp." meldet aus hochofficiöser Quelle: Die österreichische Regierung und die ungarische Regierung haben die Verhandlungen über jene Fragen, welche zwischen den beiden Reichshälsten in nächster Zukunft zur Lösung gelangen müssen wegen anderweitiger Regierungs- Geschäfte für kurze Zeit unterbrochen. Die Verhandlungen werden demnächst fortgesetzt und zum Abschlüsse gebracht werden. Der Verlauf der bisherigen im Geiste gegenseitiger Billigkeit geführten Verhandlungen berechtigt zu der Hoffnung, daß die den Gegenstand derselben bildenden Fragen in kürzester Zeit eine gedeihliche Lösung finden werden.
Schweiz.
Vern, 7. Januar. Der Bundesrath hat heute den Conflict zwischen dem Unternehmer der Gotthard-Bahn Favre und der Direction, betr. die Rück- haltung der Auszahlung für den Richtnngsstollen, dabin entschieden, daß diese Auszahlung theilweise gemacht werden müsse.
Italien.
Rom, 5. Januar. Der Papst fühlt sich nach den vielen Besuchen, die ihm die Weihnachtstage und das neue Jahr in's Hans geführt haben, heute ziemlich erschöpft und die Aerzte dringen auf Ruhe. Sein Zustand ist indessen keineswegs beunruhigend, wie Einige glauben machen möchten.


