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Samstag, den 10. Juni

1876

Io. 139

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringevlohn. Durch die Pvst bezogen vierteljährlich 3 Mark W Pf.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MorrtagS Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr. 18.

Gießen, am 30. Mai 1876.

ns 9 Uhr:

Gießen, am 7. Juni 1876.

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ES wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß das Bureau des Großherzoglichen Rentamts Gießen sich nunmehr wieder'in dem fiScalischen Rentamts-

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aebäude auf dem Brande befindet.

Gießen, den 8. Juni 1876.

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punkt angelangt sind, steht wohl außer Frage. Das russische Memorandum wird vorläufig nicht in Konstantinopel übergeben werden, da der englische Ein- fiuß dessen Zurückweisung wahrscheinlich macht. Es gilt für Rußland und Deutschland zu der neuen Wendung der Dinge eine feste Stellung zu nehmen und es ist die soeben gemeldete Vertagung der Reise unseres Kaisers nach Ems wohl auf diesen Umstand zurückzuführen. Es wäre grundfalsch, der Ver­schiebung dieser Reise eine etwaige Erkältung der gegenseitigen Beziehungen zwischen dem hiesigen und dem St. Petersburger Cabinet zuzuschreiben. Uns will es vielmehr scheinen, als ob erst die Entscheidung unter den leitenden Staatsmännern verbreitet werden sollte, als ob man vor der Hand erst eine der neuen Wendung der Dinge entsprechende Stellung gewinnen wolle, ehe die neue Zusammenkunft der Monarchen stattfindet.

So viel steht fest, daß auch diesmal der freundliche Curort an der Lahn dazu ausersehen ist, ein historisches Ereigniß zur Reise zu bringen, das an politischer Tragweite kaum jenem nachsteht, das sich vor nunmehr seckS Jahren an derselben Stelle vollzog. Wenn man sich die Situation vergegenwärtigt, so wird man leicht erkennen, daß die Frage, ob Krieg ob Frieden, kaum von dem Belieben oder den Bestrebungen einzelner Staatsmänner abhängt. Seit­dem England in einer jeder Voraussicht spottenden Weise in die politische Action getreten ist, gilt es nicht mehr, mit starker Hand ein schwaches Reich zu seiner Pflicht anzuhalten, oder aufrührerische Provinzen zum Niederlegen der Waffen zu zwingen, es gilt den großen Kampf zu Ende zu führen, der nun auf der politischen Tagesordnung Europas steht und schwerlich mit fried­lichen Mitteln von derselben zu verdrängen ist. Rußland mag insgeheim den stammverwandten Provinzen des osmanischen Reiches mancherlei Vorschub ge­leistet, seine Agenten mögen den Aufstand in jeder Weise unterstützt haben, aber soviel ließ sich unschwer erklären, daß das Petersburger Eabinet es jetzt noch keineswegs auf eine endgültige Entscheidung, auf einen Vernichtungskampf abge­sehen hatte, denn Rußland hat Zeit zu warten, bis ihm die Früchte seiner Orientpolitik reif in den Schooß fallen. Englands Provocation hat die Situa­tion mit einem Schlage gründlich geändert und es ist leicht möglich, daß dasjenige Land, das bisher am eifrigsten für die Erhaltung des Friedens in Europa bemüht schien, diesmal He Initiative ergriffen hat, durch welche eine friedliche Lösung nicht nur erschwert, sondern geradezu unmöglich gemacht wird.

(Berl. B.-C.)

Darmstadt, 7. Juni. Seitens deS Abg. Wolz ist der Antrag bei der zweiten hessischen Kammer eingebracht worden, die Regierung zu ersuchen, mit der bayerischen und preußischen Regierung in Verhandlung über die Erbauung der Bahn Gelnhausen-Aschaffenburg zu treten. In demselben wird hervorge­hoben, daß die Linie von Aschaffenburg bis Osterburken in Baden demnächst vollendet sein werde, und daß in Bayern die bestimmte Absicht bestehe, die Bahn von Aschaffenburg in der Richtung nach Gelnhausen bis zur bayerisch­preußischen Grenze fortzuführen, wenn von Seiten Hessens oder Preußens die

GroßherroglicheS Rentamt Gießen.

I. E. d. R.: Schmitt, ^inanz-Accessist.

haben.

trstand.

Die neueste Phase der orientalischen Angelegenheiten.

Die Entwickelung der orientalischen Frage zeigt jenen Farbenreichthum, den man von jeher im Orient kennt und liebt. Jeder Tag bringt überraschende Neuigkeiten, die bald in der, bald in jener Farbe schillern; nur die Uebergangs- Nuancen sind nicht häufig vertreten; alles folgt grell, unvermittelt aufeinander. Das Gerücht, Abdul Aziz sei in der Nacht nach seiner Entthronung erdrosselt worden, ist nur der Thatsache vorangeeilt; heute ist der entthronte Sultan in Wirklichkeit ein stiller Mann.Die außerordentliche Ehrfurcht", mit der die Covstantinopolitanischen Officiösen den Sultan Murad V. seinen Oheim behan­deln ließen, hat diesen nicht abhalten können, sich mit einerunglücklicherweise" in seinem Besitz befindlichen Scheere (die Ehrfurcht scheint also nicht soweit ge­nieben worden zu sein, den entthronten Monarchen vor einer Visitation zu schützen, sonst würde der Besitz einer Scheere nicht eben erstaunlich sein) die Pulsadern zu öffnen. Oder sollte das wieder ebenso eine Flunkerei sein, jo gut oder so schlecht, wie die plötzlichschon seit einiger Zeit bemerkbare Gei­stesstörung" des Ex-SultanS, sollte die Erdrosselung nur den Namen gewech­selt haben ?

Gleichviel, der Sultan Abdul Äziz ist todt und Murad V., derrecht­mäßige" Thronfolger nimmt seine Stelle ein. ES sieht nicht aus, als ob er viel Freude von dieser plötzlich angetretenen Herrschaft haben werde; mehr und mehr ballen sich die Wolken zusammen, die eine Katastrophe befürchten laffeu. Bis vor Kurzem lagen die Dinge verhältnißmäßig einfach. Die drei Nord­mächte waren einig, dem Aufstand ebensowohl, wie der türkischen Mißwirth- jchaft ein Ende zu machen und es ließ sich annehmen, daß, wenn dies auch nicht ganz auf friedlichem Wege möglich sei, doch nur eine gemeinsame Action stattfinden und der Friede unter den Mächten nicht gestört werden würde. Englands Weigerung, die Beschlüffe der Conferenz von Berlin anzuerkenuen, hat die Situation gründlich verändert und eS steht zu fürchten, daß die Hal­tung des britischen Eabinets Oesterreich wieder zu einer Politik der Zweideu­tigkeit Deranlaffung geben wird, die schon so oft sich als verhängnißvoll für den Frieden Europas, für die Jntereffen der österreichischen Monarchie er­wiesen hat.

Es ist ein eigen Ding um österreichische Politik. Sie war von jeher mehr schlau als klug und zuverlässig und gerade diese Schlauheit ist seit langer Zeit ihr Verderben gewesen, seit jener Zeit, wo die CabinetSpolitik aushörte, einen ausschließlich maßgebenden Einfluß auszuüben, wo die nationalen Ideen mfingen, gestaltende Factoren der Geschichte zu werden, wo das alte divide let impera dieser Grundsatz eines abgethanen Zeitalters seinen Credit verlor und an die Stelle desTheile und herrsche", die Lehre einer neuen Zeit trat I.,faste zusammen und herrsche!"

Die geschichtliche Idee, mit der und durch die Oesterreich groß geworden, hat sich überlebt und nun schwankt die Politik des Kaiserstaates gleich einem W im Winde und versucht aus den jeweiligen Umständen Nutzen zu ziehen. Aber solch eine Politik ist in kritischen Zeiten sehr gefährlich und sie dürste 'm gegenwärtigen Augenblick geradezu verhängnißvoll sein.

Daß die orientalischen Angelegenheiten an einem entscheidenden Wende-

Betreffend: Verzeichniß der Dampfkesselbesitzer des Kreises Gießen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

die Großhcrzoglichen Bürgermeistereien Allendorf a. d. Lahn, Beltershain, Bettenhausen, Birklar, Burkhardsfelden, Ettingshausen, Grauingen, Harbach, Hungen, Klein-Linden, Mainzlar, Münster, Obbornhofen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Oppenrod, Rabertshausen, Rodheim, RöthgeS, Saasen und Weickartshain.

Wir erinnern Sie an die Erledigung unserer Verfügung oom 18. Mat L I. Nr. 118 des Anzeigers binnen 8 Tagen.

v. Röder.

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Betreffend: Die Verwaltung der Schulkapitalien. f

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Kirchenvorstände des Kreises, mit Ausnahme von Annerod, Bersrod, Beuern, Climbach, Großen-Buseck, Grünberg, Langd, Oppenrod, Rödgen, Stangenrod und Winnerod.

Wir erinnern Sie an Erledigung der Verfügung Amtsblatt ohne Nr. vom 27. März 1876 binnen 8 Tagen.

v. Röder. ____

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AuM- uiib Amtsblatt fit Öen Kreis Gießen.

oon Fr. Ackermann m ist soeben erschienen Mdlungen zu beziehen: ihrer

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