Türkei.
Konstantinopel, 6. November. In den letzten Tagen haben mehrere außerordentliche Ministerraths-Sitzungen und Botschafter-Berathungen stattgefunden. General Jgnatieff schlägt morgen seine Residenz in Pera auf. Rußland ist gegenwärtig mit Ausarbeitung eines Projeeces für die Friedens-Bedingungen auf Grundlage der englischen Propositionen beschäftigt. Die Militär- Attaches der französischen, österreichischen und russischen Botschaften gehen morgen nach dem Kriegsschauplätze ab.
Ragusa, 5. November. Vorgestern eröffneten die Türken von Spuz aus trotz dem Waffenstillstände eine Kanonade. Der Fürst von Montenegro beauftragte seine Commandanten, sofort mittelst Parlamentär mit den betr. türkischen Befehlshabern in Verkehr zu treten und sie einzuladen, bis auf Weiteres den militärischen Status quo zu wahren. Die von den Mächten behufs Festsetzung der Demarcations-Linie abzuordnenden Delegirten werden hier zusammentreten, um sich über ihr Vorgehen zu einigen. Ihre Aufgabe dürfte keine Schwierigkeiten bieten, da die Situation bis auf die Cernirung von Niksic ziemlich einfach und der Fürst von Montenegro sehr entgegenkommend ist.
Seröieu-
Belgrad, 6. November. General Tschernajeff wird morgen hier eintreffen und auf Einladung des Fürsten im Palais wohnen. 1—......
Vermischtes.
Mainz, 4. Nov Ein schrecklicher Unglücksfall hat sich heute Nacht ereignet. Die Matrosen und das Hetzer-Personal des Dampfbootes „Stinnes II." wollten sich gestern Abend an einem Glase Wein gütlich thun. Zu diesem Zwecke waren sie in eine Wirthschaft auf die Holzgasse gerathen und hatten darin so lange gekneipt, bis sie gegen 12 Uhr in der Nacht mit schweren Köpfen ihren Heimweg antreten wollten. Um nun auf einem kürzeren Weg nach dem Rhein-Ufer zu kommen, beschlossen die Matrosen, über den Steg, welcher sich am Bahnhof der Ludwigtzbahn befindet, zu gehen und die Thüren, durch welche derselbe am Abend abgeschlossen wird, zu übersteigen Schon waren einige Matrosen über die Thüre geklettert, als einer der Heizer das Uebergewicht bekam und in die Tiefe stürzte, dabei ab r so unglücklich fiel, daß er mit dem Leib in dem eisernen Staket, welches unten angebracht ist, stecken blieb. Das schreckliche Jam- mergeheul des unglücklichen, im wahren Sinne des Wortes aufgespießten Manner durchzitterte die Luft, und alsbald eilten Leute herbei, die den Verunglückten aus dieser gefährlichen Lage befreiten. Doch der Unterleib war so sch ver verletzt, daß ihm die Därme sofort aus der Wunde traten. Der herbeigerufene Arzt fand die Wunde, da einige der Haupt-Därme zerissen waren, absolut tödlich. Heute Vormittag trat denn auch der Tod nach kurzen Kampfe ein.
Bingen, 3. Nov- Aus der hiesigen Pfarrkirche an der Nabe wurden dieser Tage Über 100 Orgelpfeifen gestohlen. Der Verlust wurde erst entdeckt, als der Organist spielen wollte, aber keinen Ton herausbrachte. Die Ermittelung des Thäters soll dadurch erleichtert worden sein, daß derselbe die Pfeifen einem Händler zum Kaufe anbot und dieser, welcher Verdacht schöpfte, der Polizei Anzeige erstattete. (Rh- u N B-)
Friedberg, 2 Nov. Bei einem in der Nachbarschaft abgehaltenen Treibjagen wurde anstatt der sonst üblichen Klappern das Cri-Cri von den Treibern angewendet und war der Erfolg ein außerordentlicher.
eine Conferenz über die Feststellung der Demarcations-Linie statt- Nach Allem, was über den Verlauf derselben von beglaubigter Seite verlautet, dürfte die Feststellung der Demarcations-Linie nach in solchen Fällen üblichen Principien schwerlich auf besondere Schwierigkeiten stoßen. Samstag und Sonntag wurde an den Details der Instructionen für die Militär-Attaches der hiesigen Botschaften gearbeitet. Dieselben sollen spätestens Mittwoch nach Serbien abreisen. Hierzu sind designirt von Oesterreich Oberst-Lieutenant Raab, von Frankreich Oberst-Lieutenant Dorcy, von England Oberst Zelenoj, für Italien und Deutschland werden die Militär-Attachös der betr. Wiener Botschaften fungiren. Für Montenegro wurden von Oesterreich Oberst-Lieutenant Thömmel, von Rußland Oberst Bogolubow zu Commisiären designirt.
Wien, 6. November. Abgeordnetenhaus. Bei Fortsetzung der Debatte über die orientalische Frage vertrat Wosniak (Slovene) die Meinung, Oesterreich hätte bei Beginn des Aufstandes zu Gunsten der Slaven interveniren sollen. Fandolik (Mähren) sprach sich für die Lösung der orientalischen Frage im slavischen Sinne aus; der Fortbestand der Türkei und die Einführung der zugesagten Reformen sei mit der ethnographischen und religiösen Zusammensetzung der Bevölkerung der Türkei unvereinbar; Redner wies auch darauf hin, daß Bosnien altes österreichisches Reichsland sei. Menger warnte vor Krieg und voV Annexion. Oppenheimer verfocht die Aufrechterhaltung des status quo, aber nicht den Frieden um jeden Preis. Fox (Mähren) führte aus, daß Eroberungen nicht zur Steigerung der österreichischen Macht beitragen können. Schließlich wurden Herbst und Greuter zu General Rednern bestimmt.
— Belgrader Nachrichten melden im Widerspruch mit den Berichten aus Semlin, Tschernajeff sei des Commandos enthoben.
ArauLrrich.
Paris, 6. November. Privatnachrichten aus Konstantinopel zufolge finden lebhafte Pourparlers statt behufs Erzielung einer directen Verständigung zwischen Rußland und der Pforte, welche eine Conferenz unnöthig mache. Ein höherer türkischer Beamter würde demnächst nach Petersburg gehen.
Versailles, 6. November. Der Senat hat mit der Berathung des Militär-Verwaltungs-Gesetzes begonnen. In der Deputirten - Kammer wurde mit der Berathung des Marine - Budgets der Anfang gemacht. Morgen Fortsetzung.
England»
London, 6. November. Es bestätigt sich, daß die britische Regierung den Zusammentritt einer Conferenz vorbereitet. Lord Loftus meldete aus Liva- dia hierher, dort mache sich eine vorwaltend friedliche Strömung geltend-
London, 6. November. Dem heutigen Minister-Rathe wohnten sämmt- liche Minister bei.
London, 7. November. Die „Morning Post" meldet, England hätte den Zusammentritt einer Conferenz auf der Basis der Integrität und Unab hängigkeit der Türkei in Konstantinopel vorgeschlagen. Das Programm fei identisch mit den früheren Vorschlägen Lord Derby's. Voraussetzung wäre, daß von den an der Conferenz theilnehmenden Mächten eine Gebiets-Vergrößerung nicht angestrebt werde.
Alalitn.
Nom, 6. November. Der Unter-Staatssecretär Vannutelli ist interimistisch mit den Geschäften des päpstlichen Staatssecretärs betraut. — Cardinal Antonelli hinterließ dem vaticanischen Museum eine Sammlung Edelsteine und Kunstgegenstände.
Nußsand.
Petersburg, 7. November. Dem „Golos" zufolge reist das russische Kaiserpaar heute von Livadia ab und wird am 15. oder 16. November in Zarok-Selo erwartet. — Der russische Botschafter, Fürst Orloff, reiste gestern von Paris nach Moskau ab, um daselbst während des Aufenthaltes des Kaisers zu verweilen. — Der deutsche Botschafter, v. Schweinitz, verließ gestern Dalta iknd trifft Freitag in Petersburg ein.
Literarisches.
Die beiden neuesten Nummern der Jllustrirten Frauen-Zeitung (viertel- jährlicker Abonnentspreis JL 2.50; für Oesterreich fl. 1.50 Oe. W.; für die Schweiz Fr. 3.35) enthalten: I. D i e Moden-Nummer (41): Ball und Gesellfchaftr- Toiletten, Ball-Coiffüren nebst verschiedenen Schmuckgegenständen. Paletots, Ucber« fleiber, Morgenröcke und einzelne Kleiderröcke. Hüte, Hauben, Fichüs, Tücher und Jabots. Anzüge für Mädchen. Ferner Strick , Häkel- und Rahmen-Arbeiten: Wiegenoder Wagenbecke, Mäntelchen, Jäckchen, Weste, Unterziehärmel, Gamasche, Laufgürtel, Unterztehjäckchen, Unterrock rc. rc. mit vielen Ausführungen und Details. Toiletten- fiffen, Arbeitskörbchen, verschiedene Decken, Garten- oder Marktkorb, Rost- ober Nadelkissen, Arbeitsbehälter und Ueberzug für ein Bindfadenknäuel. Bunt- und Weisstickereien, irische Spitzenarbeiten, Tülldurchzug, Knüpf, und Spritzarbeiten mit 36 Abbildungen. II. D ie Unterhaltungs-Nummer (42): Im Schnee. Eine Geschichte aui dem amerikanischen Holzfällerleben. Von F. Meister. — Blüchrrbriefe. Von HanS Herrig. — Der alte Matrose. Ein Balladen-Cyclus von Celeridge, übersetzt von Ferdinand Freiligrath, iöuftrirt von G. Dorä, von Albert Lindner. — Anastasius Grün. Von H. L a m b e!. — Einige Kapitel über Spitzen. Von Jacob Falke. IV. Schluß — Verschiedenes. — Briefmappe. — Frauen-Gedenktage. — Ferner folgende Illustrationen: Katharine Fürstin Blücher von Wahlstatt in ihren Jugendjahren. — „Die Braut betritt den Hochzeitssaal, roth wie ’ne Ros' ist sie." Von G. DorL. — Die Dorfpost Von Hubert S a l e n 11 n. — Besatzspitze von Alen<?on. 18. Jahrhundert. — Couvrepied von Argentau. 18. Jahrhundert, 1. Hälfte.
besondere Bekanntmachung.
Bekanntmachung.
5748) Samstag den 11. d. Mts., Vormittags 10 Ubr,
werben imNathhaussaal folgenbeHolzhauer- geräthschaften:
10 Gußstahlsägen,
9 Spannsägen,
39 Forstäxte,
8 Spaltäxte,
39 Holzkeile,
20 Forsthacken,
öffentlich meistbietend gegen Baarzahlung versteigert.
Gießen, den 3. November 1876.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. A. Bramm.
Versteigerungen.
Arbeitsversteigerung zu Hausen.
Freitag den 10. November, Morgens um 9 Uhr, sollen auf der Bürgermeisterei Hausen nachstehende Arbeiten in Accord gegeben werden, als:
Schreinerarbeit, veranschl. zu 18
Steinklopfen, „ „ 80 „
Grabenabeiten, „ „ 20 „
Gießen, den 6. November 1876.
I. A.. (5776
Körner, Bezirksbauaufseher.
Allgemeiner Anzeiger.
Arbeits-Versteigerung
in der Oberförsterei Schiffenberg.
Nachverzeichnete Arbeiten sollen Montag den 13. L M. versteigert werden:
1) Anfahren von 120 Cub -Mtr. Steinen an den Schiffenberger Vicinalweg.
2) Aufsetzen, Kleinschlagen und Einbecken biefer Steine.
3) Unfertigen von ca. 1500 Mtr. Graben.
Zusammenkunft Nachmittags 2 Uhr ans dem Schiffenberger Vicinalweg an dem Forstgartcn.
Gießen, am 8. November 1876 (5813
Großherzogliche Oberförsterei Schiffenberg. _________Georgi.___
Donnerstag den 7. December, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Rathhaus die Hofraithe des Friedrich Simon dahier, als:
Flur 1, Nr. 332, Meter 31 in?der Katharinengasse, meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 24. October 1876. (5526
Großherzogliches Ortsgericht Gießen.
I. A.:
___________Müller.___________
Holzversteigerung
im Gießener Stadtwalde.
Montag den 13. November 1876, von Vormittags 9 Uhr an, soll im Gießener Stadtwalde, in den Di- ftricten Heegstrauch und Unterhag, nachverzeichnetes Holz versteigert werden:
Scheith. Prügekh. Stockh. Nstsh.I Raummeter Wellen
Nadel 96 578 331 5400
607 Fichten u. Nadel-Stämme von 5 bis 16
Meter Länge und 15 bis 35 Centimtr.
Durchmesser, mit 199 07 F. st meter.
171 Fichten und Nadel-Stangen, mit
20 96 Festmeter.
Die Zusammenkunft ist auf der Schiffenberger Chaussee am Anfang des Wildes.
Gießen, am 7. November 1876. (5803
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
A. Bram m.
Seisgeöotenes.
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Gebr. Köhler, Holzschneidmühle.
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