Ausgabe 
9.7.1876
 
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Italien.

Rom, 6. Juli. DieAgencia Stefani" dementirt die von derGazzetta del Popolo" gebrachte Nachricht, daß der König einen Abgesandten des Mar­schalls Mac Mahon empfangen habe.

Rußland.

Petersburg. DasJournal de St. Petersbourg", Organ des aus­wärtigen Amtes, schreibt:Was das serbische Volk in diesem Moment am meisten nöthig hat, ist absolute Eintracht. Schwere Stunden stehen bevor, die Entscheidung durch die Waffen kann ungünstig ausfallen. Möge dann das ser­bische Volk dessen eingedenk sein, daß es durch seine Vertreter ein Wagstück gefördert, welches zu unternehmen der junge Fürst lange gezögert hat, und möge es dann nicht auf ihn die ganze Verantwortung für die Täuschungen wälzen, denen die Nation entgegengehen wollte, für die Opfer, welche es sich auferlegen muß. Möge das serbische Volk namentlich den Agitatoren und Ungeduldigen mißtrauen; es hat nur zu ost ihnen sein Ohr geliehen; gegen­wärtig , wo die Action begonnen, ist es gut, dessen eingedenk zu sein, daß die Zeit für Diskussionen vorüber ist und daß die Disciplin allein einer Nation unter Waffen geziemt. Das Schicksal von Völkern hängt oft mehr von dem Maß der Mannhaftigkeit ab, mit der sie die Schläge des Mißgeschicks zu tragen wiffen, als von der Leichtigkeit, mit welcher sie die erreichten Erfolge hinzunehmen verstehen."

Serbien.

Belgrad, 6. Juli. (Amtliche Meldung.) Gegenüber den von feind­licher Seite verbreiteten Bülletins über ein angebliches Zurückwerfen der serbi­schen Streitkräfte auf allen Seiten ist es eine feststehende Thatsache, daß General Tschernajeff seit dem Siege bei Babina Glava sich auf türkischem Boden ohne weitere Gefechte behauptet. Ranko Alimpics steht noch immer vor Beljina. Gestern wurden 2000 Mann türkische Truppen (Nizams) umzingelt; nur ein kleiner Theil von denselben entging der Vernichtung. In Saitschar wurden, wie schon gemeldet, die Angriffe der Türken siegreich zurückgewiesen. Der Führer des Drina-Corps Besjanin hat auf telegraphische Anfrage erwidert, er brauche keine Verstärkung.

Belgrad, 6. Juli. Der RemorqueurTisza" der Donau-Dampf- schiffsahrts-Gesellschaft wurde gestern früh 3y2 Uhr auf der Fahrt von Turn- Severin nach Orsova in der Nähe des serbischen Dorfes Spiz von serbischen Truppen mit Pelotonfeuer empfangen und zum Umkehren genöthigt; weitere Unfälle kamen nicht vor. Der österreichische General-Consul richtete sogleich aus eigener Entschließung an die serbische Regierung in der entschiedensten Weise Beschwerde und forderte vollste Satisfaction.

Türkei.

Konstantinopel. Sultan Murad V., der noch immer nicht feierlich installirt und mit dem Schwert umgürtet worden ist, soll alles Ernstes daran gedacht haben, wieder abzudanken. Er fühlt sich der verwickelten Aufgabe nicht gewachsen, welche dem Beherrscher der Moslims unter den heutigen Umständen zufällt, rmd beabsichtigte den Thron dem nach der osmanischen Erbfolge näch­sten Anwärter, seinem Bruder Abdul Hamid, zu überlassen. Sultan Murad ließ den Thronfolger zu sich bescheiden und theilte ihm seine Absicht mit; Abdul Hamid wollte indessen auf dieselbe durchaus nicht eingehen, und versicherte auf

Vermischtes.

Darmstadt, 5. Juli. Gerichtsaccessist R. Wolf von Gießen ist -um Audi­teur in Torgau ernannt worden, der Bruder des Herrn Wolf, welcher seither bei bei Militärgericht in Mainz functionirte, ist gleichfalls zum Auditeur in Stralsund ernann.

Mainz. (Münchhausen junior.) In Mainzer Kreisen so erzählt derMr; Zeiger" cursirt folgendes Jagdstäckchen, welches einem jungen Nimrod passirt seil soll. Derselbe folgte der Einladung eines Bekannten und begab sich, mit einen Lefaucheux bewaffnet, in die Nähe von N. am Main auf die Jagd. Plötzlich sah c einen mächtigen Keiler auf sich zukommen. Er wollte sich schußfertig machen, stolpert! aber dabei über eine mächtige Baumwurzel und drückte unwillkürlich seine beibet Schüsse ab. Natürlich dachte er, sie seien in's Blaue gegangen, als er aber hinsai lag ntcht nur das Wildschwein tobt am Boden, sondern der zweite Schuß hatte eine: eben vorbeilaufenden Hirsch getroffen, der im Nieberstürzen mit jeher Stange einet Hasen gespießt hatte Verwundert über das Glück, ließ der Jäger das Gewehr fallei und wollte die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber er kam nicht dazu, ben- im Hinauffahren fing er mit jeder Hand eine Schnepfe.

Hanau, 5. Juli. Vergangenen Freitag ereignete sich hier ein Spaß, ben' anders darf man es wohl nicht nennen, obgleich der eine Betheiligte die Sache fler ernst nehmen möchte, was ihm jedoch nicht gelingen dürfte. Der Fall wird zur War nung mitgetheilt, gibt aber auch viel zu denken: Pferdehändlers, zu Seligenstabt kar zu dem hiesigen Fuhrwerksbesitzer 0 und bot demselben ein Pferd um die ©umir von 1000 fl. an; 0. war bei der Arbeit, hatte nicht viel Lust zum Handeln unb bc schließlich 34 Karolin für das Pferd, mit dem spaßhaften Bemerken:Für 1000 f gebe ich mei Pferd (0 besitzt 7 Pferde) und noch Geschirr dazu; aber Du krieg' ie net." Pferdehändler L. der durchaus feinen Spaß zu verstehen scheint unb auc die Schlußäußerung überhört haben mochte, nahm das Gesagte an unb verlangt nir die sieben Pferde und Geschirr für 1000 Gulden, hat auch, wie man hört, bereits sic nach einem hiesigen Anwalt umgesehen, bis jetzt aber noch feinen gefunden, der ihr zu seinemRecht" verhelfen soll. Wenn es die Absicht des Pferdehändlers ist. der Fuhrwerksbesitzer bange zu machen und ihn zu einer Abfindungssumme zu nötiger, so dürfte Letzterem der Rath zu ertheilen sein, sich auf nichts einzulassen; sein Reck wird ihm wohl werden. Die Geschichte von diesemHandelsgeschäft" ift b<i hier ins Publikums gedrungen; Herr O., ein fleißiger und braver Mann, hat dassell»! wie nicht anbers zu erwarten, auf seiner Seite, unb sieht man mit Spannung der Ende dieser unglaublichen aber wahren Begeb en hett entgegen.

Zieren berg, 3. Jul. Eine der schönsten Zierden des Kreises Wolfbager, der weithin sichtbare altehrwürdige 100 Fuß hohe Burgthurm auf der Burghasungl? Bergkuppe, zu den historischen Baudenkmälern Hessens zählend, ist vorgestern Mittok gegen 1 Uhr durch einen Blitzschlag von oben bis unten, und zwar in senkrechter Lmu, gespalten. Die östliche Hälfte ist 7 Fuß, die westliche IVr Fuß aus dem Lotb gewichen so daß sich am oberen Ende ein Spalt in der Breite von 8V2 Fuß zeigt Daß trotz­dem die östliche, vollständig schief hängende Hälfte in dieser Stellung stehen geb lieb <t ist, darf man wohl nur durch ben felsenartig hart geworbenen Baumörtel erHärer, dem man häufig bei Ruinen aus dem Mittelalter begegnet. Wie man hört, soll buri den königlichen Herrn Landrath in Veranlassung oe§ Gutachtens des Kreisbauinspector» aus Wolfhagen bei der Regierung beantrqgt werden, die östliche!fte dieses am dem elften Jahrhundert stammenden Thurmes durch Artillerie niederschießen zu lassen, um von den am Fuße dieses Berges angesess-nen Bewohnern eine mögliche Gefa^c abzuwenden. Die qus starkem Eichenholz conftruirte, mit massigen Eisenbeschlager versehene Thür an der westlichen Seite' des Thurmes ist total jeFitümmert worben; einzelne Steine sind bis unten ins Dorf geflogen. (M. Tagbl)

ucht, über den Sachverhalt Aufschluß. zu geben. Inzwischen haben Kolb und Kurz bereits in den Kaiserslauterer Blättern öffentliche Erklärungen abgegeben, in welchen sie in Abrede stellen, daß Letzterer vom Ersteren irgend welches Material erhalten habe; zugegeben wird, daß sie mit einander über das Bahn­projekt sich besprochen haben, und es fragt sich nun, welcher Art diese Be­sprechung war; auf Letzteres legt man in Kaiserslautern das Hauptgewicht, gerade darüber geben die beiden Erklärungen keinen Aufschluß.

Hellcrreich

Wien, 7. Juli. Die Begegnung der Kaiser von Rußland und Oester- -reich in Reichstadt soll nach neueren Bestimmungen länger als einige Stunden dauern. Ein Uebernachten der Monarchen und Minister in Reichstadt ist wahr scheinlich. Potocki wurde hierher berufen.

Wien, 7. Juli. DerPesther Corresp." wird von hier gemeldet: Gestern conferirten die ungarischen Minister mit Graf Andraffy. Zwischen der ungarischen Regierung und Andraffy herrscht bezüglich der End-Ziele der auswärtigen Politik volle Uebereinstimmung und auch bezüglich der Reichstädter Begegnung volle Klarheit.

Pesth, 6. Juli. DerPesther Lloyd" meldet: In den Motiven des gerichtlichen Beschluffes wegen der Verhaftung des Abgeordneten Miletics wird 'eingehend dargethan, daß die den Abgeordneten eingeräumte Immunität wäh­rend der Vertagung des Reichstages nicht berücksichtigt werden konnte; es handelt sich keineswegs um einen Preßproceß.

Arankreich.

Paris, 6. Juli. DieEstafette" meldet, daß ein unter dem Befehle des Herzogs v. Chartres stehender Soldat auf den Herzog geschossen hat, ohne ihn jedoch zu treffen. Der Herzog v. Chartres ist Major im 9. Regiment der Chasseurs ä Cheval. DieUnion" bestätigt, daß die katholische Univer­sität von Paris den Unterrichts-Minister Waddington ersucht habe, er möge unverzüglich die gemischte Jury für die Universitäts-Prüfungen bilden. Der König von Griechenland wird zum Samstag in Paris erwartet. Morgen soll die Bewegung unter den Unter-Präfekten im Amtsblatte erscheinen.

Paris, 7. Juli. DieAgence Havas" meldet aus Ragusa: Der Gouverneur von Skutari meldet, daß 1500 Miriditen mit den Türken gegen die Montenegriner marschirten. Die Montenegriner bivoaukirten gestern bei Valemia im Districte Bagnani.

Versailles, 6. Juli. In der Deputirten-Kammer beantragte Madier de Montjau (intransigenter Radikaler), das der Presse ungünstige Decret von 1852 aufzuheben. Nachdem sich Dufaure gegen den Antrag ausgesprochen, an­dererseits außer Madier auch Floquet denselben befürwortet hatte, beschloß die Kammer mit 227 gegen 147 Stimmen dringliche Behandlung. Die Rechte enthielt sich der Abstimmung.

Mein fan-n Astant . schreibe, nährende Sch. 1 unb mir fein ! Unzie, foivoh ! Leiden. In vc 1 hei Monate b> siechste Lob, sie : z-iellschchliche 1* innigsten

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-'ne bezüglich« Anfrage des Sultans, baß er mit dessen Reformplänen und mit allem, was er zur Herstellung der Ruhe im Orient unternehmen möge voll ständig einverstanden sei. In Folg- dessen hat der Sultan sein- Rücktritts-,', danken wieder aufgegeben. 3

Konstantinopel, 6. Juli. DieAgence Havas Reuter" dementirt alle am 4. Jult von Wiener und Pesther Journalen veröffentlichten Nachrick, ten, betr. die angebliche Schwert-Umgürtung des Sultans vom 6. Juli bi? Vorbereitung eines Fetyo von Seiten des Scheik ül Islam, sowie endlich 'über eine von Midhat Pascha entworfene Verfassung und baldigste Proclamiruna derselben. Seit letzten Dienstag sind keinerlei Depeschen vom Krieasschau- platze veröffentlicht worden. Der Bay von Tunis wird ein Regiment nach Konstantinopel senden. Der neuernannte Botschafter Aleco Pascha Voaori, dis reift morgen nach Wien ab.

Alexandria, 7. Juli. Zwei ägyptische Regimenter gehen heute nack Konstantinopel ab.

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Amerika.

Washington, 7. Juli. Officielle Nachrichten bestätigen die Nieder« läge ffufter^ vollkommen. Morill übernimmt heute das Amt des Schatzsecretärs.

Lokal'Srotiz.

ttt ^Gießen, 7. Juli. Der Schwurgerichtshof der Provinz Oberhessen von III. Quartal l. I. hat tn den nachbemerkten Anklagefachen erkannt:

, '^U?..b^ult, gegen Johannes Conrad Ludwig Lind II. von Geiß-Nidda, weatn Urkundenfälschung, eine Gefangnißstraße von 5 Wochen.

Am 4 Juli, gegen Christian Rehm III. von Bindsachfen wegen Raubs unb Körperverletzung, eine Gefängnißstrafe von 2 Jahren und 3 Monaten, unter Aber­kennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren.

Den 5. Juli, gegen Karl Möhring von Nieder-Seemen, wegen Versuchs der Nothzucht eine Zuchtshausftrafe von 4 Jahren und Verlust der bürgerlichen Ebreii' rechte auf die Dauer von 5 Jahren.

In der II. Woche werden sodann die weiter erwähnten Anklagefachen zur Verhandlung resp. Aburtheilun. kommen, nämlich:

, Den 10. Juli, Vormittags 9 Uhr, gegen Heinrich Glas von Wallernhaufen, wem Urkundenfälschung, Vertheid.: Gr. Hosg.-Adoocat Kraft.

Den 11. Juli, Vormittags 8 Uhr, gegen Christian Müller von Schlitz, wem Verleitung zum Meineid; Vertheid.: Gr. Hofg^Adoocat vr. Schwarz.

Denselben, Nachmittags 3 Uhr, gegen Christian Müllers Ehefrau von Schlitz wegen Verleitung zum Meineid; Vertheid.: Gr. Hofg.-Advocat vr. Schwarz.

Den 1^. Juli, Vormittags 8 Uhr, gegen Johannes Ulrich von Ober-Mockstadl, wegen Diebstahls; Vertheid.: Gr. Hosz.-Advocal Metz.

Den 13. Ju", Vormittags 8 Uhr, gegen Emil Jacob Wilhelm Meinhard von Minden, wegen Diebstahls und Sachbeschädigung; Vertheid.: Gr. Hofger.-Advocai 0r. D i t t m a r.

Den 14. Juli, Vormittags 8 Uhr, gegen Heinrich Decher von Romrod, wegen Verbrechen wider das Leben; Vertheid.: Gr. Hofger.-Advocat Dr. Gutfleisch.

Gießen, 8. Juli. Nächsten Samstag und Sonntag werden Freunde der Muük in den Räumen des Wenzel'schen Gartens einen Kunstgenuß haben, der ihnen seit lange nicht geboten war und wohl auch so bald nicht wieder geboten wird. Wir meinen die Concerte des weltberühmten Musikdirectors B. Bilse aus Berlin mit seiner 65 Mann starken Künstlerschaar. Schon der Name Bilse bürgt für einen Genuß, wie er selten in unserer Stadt zu haben ist. Aus der Zusammensetzung der Jnstm mente geht hervor, daß wir es mit keiner rauschenden Musik zu thun haben, sondern gediegene Werke unseres Musikheroen hören werden. Allerwärts, wo die Bilse'sch! Capelle concertirte, lauten denn auch die Kritiken unisono glänzend für dieselbe, i Hamburg, Bremen, München, Augsburg, Frankfurt, Hannover rc. sand die Begeisterung keine Grenzen und wurde Bilse förmlich mit Blumen und Kränzen (laut Bremer Courier und Weser-Zeitung) überschüttet. Gießen war auf der Reiseroute der Capelle nicht verzeichnet, ebenso wie Cassel, Offenbach und Hanau kein Bilse-Concert Haber werden. Nur den rastlosen Bemühungen und der sehr hohen Garantiesumme des Gartenbesitzers Herrn Wenzel hat unsere Stadt es zu verdanken, daß uns dieser Genuß geboten wird.