1876
Sonntag, den 9. Juli
io. 157
Erscheint täglich mit Ausnahme bei Montags.
Expeditionr Schulstraße, At. 8. Nr. 18.
Badische Bank in Mannheim,
Gießen, am 8. April 1876.
jorstand.
Bayerische Notenbank in München, Bremer Bank in Bremen, Breslauer Bank in Breslau, Chemnitzer Stadtbank in Chemnitz, Kölnische Privatbank in Köln.
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Natürlich können wir uns nicht verhehlen, daß für uns eine gewisse Ge- ahr in der wachsenden Kräftigung Frankreichs liegt. Das dürfen wir niemals vergessen. Unsere Theilnahme für Frankreichs Wohlergehen muß noch auf lange Zeit hin, mit der ausmerkjamsten Wachsamkeit verbunden sein, und vor Allem mit dem festen Willen, in keiner Beziehung hinter den Anstrengungen eines Nachbarn, bei dem wir freundliche Gesinnungen für uns keineswegs voraussetzen können, zurück zu bleiben. Wir haben unsere Politik nicht aus die Schwäche unserer Nachbarn begründet: um so notwendiger ist es, daß wir unsere eigene Kraft zu ihrer festen, unerschütterlichen Grundlage machen.
Sächsische Bank in Dresden. Bank für Süddeutschland in Darmstadt,
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Röder.
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Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich • Mark ÜB Pf.
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Darmstadt, 7. Juli. Der Kaiser von Rußland wurde heute um 9j/4 Uhr Morgens bei dessen Rückreise von Jugenheim auf dem hiesigen Bahnhose von dem Großherzoge, dem Prinzen und der Prinzessin Ludwig begrüßt.
Berlin, 5. Juli. Wie die „St. Petersb. internationale Telegraphen- Agentur" mittheilt, ist der Befehlshaber der türkischen Truppen gegen Serbien, Ali Pascha, ein geborener Preuße, Namens Freund.
Berlin, 6. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt : „Entgegen den von einzelnen Correspondenten verbreiteten Nachrichten über einen wenig befriedigenden Verlauf der Cur des Fürsten Reichskanzlers in Kissingen wird in durchaus zuverlässiigen Mittheilungen erfreulicher Weise ein günstiges Befinden Sr. Durchlaucht und ein hoffnungsvoller Fortgang der Cur bekundet.
Wiesbaden, 7. Juli. Gutem Vernehmen nach wird der Kaffer bis zum 9. Juli incl. in Coblenz verweilen und am 10. Juli nicht, wie früher ^bestimmt war, nach Homburg, sondern nach Würzburg reisen, wohin sich Fürst Bismarck zu einer Conserenz mit dem Kaiser ebenfalls begeben wird. Am 12. Juli begibt sich der Kaiser nach Baden-Baden zu einem Besuche des Großfürsten Michael, dann nach der Insel Mainau. Am 19. Juli sindet die Zusammenkunft mit dem Kaiser Franz Joseph von Oesterreich und zwar in Ischl statt.
EmS, 6. Juli. Der Kaiser ist heute Nachmittag nach Coblenz abge- retst, wo nach den bis jetzt getroffenen Bestimmungen ein zweitägiger Aufenthalt genommen werden soll.
Aus der bayerischen Rheinpfalz, 5. Juli. Gegen den bekann- ten Statistiker G. Fr. Kolb (Demokrat) herrscht Üi Kaiserslautern große Erlegung, weil man dort Nachrichten aus München erhalten haben will, wonach er es wäre, welcher dem ultramontanen Abg. Dr. Kurz das Material an die Hand gegeben hätte, wodurch die ultramontane Kammer-Fraktion bestimmt wurde, das Projekt der von Kaiserslautern ausgehenden Lauterthal-Bahn zu verwerfen. Im Stadtrath zu Kaiserslautern wurde deshalb der Antrag gestellt, Kolb des Kaiserslauterer Ehrenbürgerrechts, das ihm in den sechziger Jahren verliehen wurde, verlustig zu erklären. Einstweilen hat ihn der Stadtrath er-
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9. Hannoverische Bank in Hannover,
~ Leipziger Kassenverein in Leipzig, Lübecker Commerzbank in Lübeck, Magdeburger Privatbank in Magdeburg, Posener Privatbank in Posen,
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Kroüberwalicbes Ministerium des Innern hat dem Vorstand des landwirthschaftlichen Vereins in Virstein, im Königreich Preußen, die Erlaubniß zum Vertrieb von Loosen zu der gelegentlich der im August d. I. beabsichtigten landwirthschaftlichen Ausstellung in Btrstein stattfindenden Verloosung von Vieh, landwirthschaftlichen Maschinen Md Geräthen im Großherzogthum ertheilt, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.
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I. V.
Dr. Hoffmann, Regierungsrath.
Danziger Privatbank in Danzig,
8. Frankfurter Bank in Frankfurt am Main.
Die Verwendung der Noten anderer deutscher Privat-Notenbanken
aebietes, für welches dieselben zugelaffen sind, wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mark bestraft.
Um das Publikum vor Nachtheil zu bewahren, wird dies hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
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Kießener "Anzeiger
Anzeige- und AmtMatt fit den Kreis Gießen.
... Württemberger Notenbank in Stuttgart.
oder Corporationen zur Leistung von Zahlungen außerhalb desjenigen Landes-
Der französische Regenerations-Procesi.
Es ist für die deutsche Staatskunst bezeichnend, daß sie der Consolidi- »na der staatlichen Verhältnisse in Frankreich seit 1871 niemals Hindernisse ' 4 den Weg gelegt hat, so viele Gelegenheiten sich ihr auch boten, störend in r,e politische Arbeit unserer Nachbarn einzugreifen, und so nahe andererseits de Versuchung lag, ein Land, dessen Bevölkerung notorisch von dem Verlangen Mch Rache erfüllt war, nach Möglichkeit in der Entwickelung und Sammlung (einer Kräfte aufzuhalten. Es war dies von Seiten Deutschlands eine selbstbewußte Politik, die ihre volle Berechtigung nicht in einem blinden Vertrauen au( eine mögliche Veränderung der Stimmung Frankreichs gegen Deutschland, sondern in dem Vertrauen auf die eigene Kraft sand: eine Politik, die im gra- dea Gegensätze steht zu der altsranzösischen Politik, welche, um Frankreichs Einfluß zu sichern, das Bedürsniß empfand, alle Nachbarstaaten in dem Zu- üande der Ohnmacht und der Zerrissenheit zu erhalten. Der Aufschwung Deutschlands hat dieser Politik der Eifersucht, die nach Frankreichs Vorgang Üe gesammte europäische Staatskunst beherrschte, ein Ende gemacht. Deutsch- llnds Erfolge haben nicht die dauernde Schwäche der von ihnen bekämpften Gegner zum Ziel gehabt: sie haben den Besiegten den Anstoß zu einer neuen klüftigen Entwickelung gegeben, und Deutschland blickt neidlos und ohne Furcht gus diese Kraftentwickelung.
Deutschland, nicht nur die Leiter der deutschen Politik. Die öffentliche Meinung in Deutschland hat die Verfassungskämpse in Frankreich seit 1871 nicht blos mit einem so zu sagen akademischen Interesse, sondern mit fcem aufrichtigen Verlangen verfolgt, daß aus den Wirren feste und gesunde Zustände hervorgehen möchten. Der Wunsch, durch eine fortschreitende Zer- lüttuna Frankreichs der Notwendigkeit, unsere Wehr stark und schneidig zu erhalten, überhoben zu sein, hat uns fern gelegen. Wir gaben uns dabei kei- «swegs leichtfertigen Illusionen über di- Gesinnung der Franzosen hin aber dir hegen die U-berzenguug, da -ine aufrichtig- Aussöhnung, mag st- auch ,«ch in sehr weit-r Fern- ltegen, sich leichter nut einem von Part-i-L-ch-n- schaften zerrissenen Frankreich wird erzte en lasten. Setner Star - bewußd dird Frankreich auch den lange vernachlässigten höheren Cnlturaufgab n sich dieder zuwenden, und damit wird der Boden zu geg-nsetttgen reundschastUch n Beziehungen gewonnen sein, di- auch auf die nationalen Leidenschaften allmältg nnen beschwichtigenden und besänftigenden Einfluß ubeu werden.
Wir blicken d-un auch nicht mit Neid, sondern mit ousrichtig-r, *ng^ W« Anerkennung auf di- Anstrengungen unserer Nackcharu mw aller Energi Abbülle xu sckaffeu aeaen die Schäden, die aus allen Gebieten des öffentlichen peiteu Kaiserthums, Frankreichs Kräfte gelahmt und g-schwacht haben Ww U-ck-n auf diese Anstreugungeii aber nicht nur mit Achtung, f»«be™ ™ j «inet gewißen Ueberraschung, da di- Äistuugen der Franzosen entichteden über Erwartungen hinausgehen, die man in Europa hegte.
Bekanntmachung.
Di- beschränkenden Bestimmungen des § 43 des Reichsbankgesetzes vom 14. März 1875 sind (nach den im W=®efet;6Iatte «fd)ienenen SEfannt, machungen) bezüglich nachstehender Privat-Notenbanken als nicht anwendbar erklärt worden und es dürfen daher die Noten dieser Banken m ganz Deutschland, auch außerhalb desjenigen Staates, welcher denselben die Befugniß zur Notenausgabe ertheilt hat, zu Zahlungen gebraucht werden.
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