Lokal-Notiz.
Gießen, 7. Dec. Unsere Leser fimden im heutigen Inseratentheil das Concert nebst Programm des erst e n eu r o p äis ch e n D a m e n» O rch e st e r s aus Wien unter der Direktion von Frau Amann-Wetnlich. Ohne viel Weiteres darüber zu möchten wir nur auf die Referate Über dte Concerte vor 4 Jahren hier, sowie auf die Gartenlaube verweisen, welche? W e lt-Jo u r n al sich sehr rühmend Über dte Kapelle und deren Leistungen aussprach. Im Nachfolgenden bringen wir noch eine Kritik aus dem West pH. Merkur von Münster 1. December: Ein hoher Genuß und dabei ein Genuß von ganz ungewohnter Art war ei, welcher gestern die Räume des Stadttheaters füllte. Das Concert des europäischen Da m e n-O r ch e st e r s aus Wien fand statt. Wenn es schsn für die Laien im Reiche der Tonkunst einen besonderen Reiz hat, ein ganzes Orchester von jungen Damen in elegantem Costüm, im bunten und doch uniformen Gewimmel die Bühne anfüUen und in graziösen Attitüden die verschiedensten Musikinstrumente handhaben zu sehen, — zu sehen, wie nicht nur ein Dutzend Violinen an eben so viele rosige Wangen gedrückt, sondern auch wie zarte Finger den Saiten der riesigen Baßgeige, und weibliche Lippen selbst dem Horn seine Töne entlocken, — wie müssen dann erst unter solchen Eindrücken dem Ohre dte Töne lieblich erklingen, wenn sie wie hier, an und für sich schon eine Musik darstellen, welche sich weit über das Niveau deS uns Gewohnten erhebt. Einen hinreißenden Beifall erntete Fräulein Alice Barbt durch ihr akademisch durchgebildetes Spiel, hervorgehoben durch die graziöse Ruhe bei vollendeter Technik, womit sie uns die Phantasie aus dem „Troubadour" für Violine vortrug; auch Fräulein Elise Weinlich, bet deren trefflichem Vortrag eines Violoncell-Solo von Offenbach nur tinr kleine mit dem großen Bogen bewaffnete Hanv und ein Paar Gazellenaugen, welche die Pfeile dazu lieferten, das zu bewältigende Violoncell wie als Sieger überragten, sowie die Directrice Frau Amann- Weinlich, welche mit sicherer Hand gleich einer Juno, die ihrem Jupiter die Blitze entliehen hat, den olympischen Chor beherrschte, fanden den verdienten reichlichen Beifall. Das heute Abend bevorstehende Abscyieds-Concert wird nicht verfehlen, nach Vorgang des gestrigen, eine verdoppelte Anziehungskraft auf das Publikum auszuüben.
Hesterreich.
Wien, 4. December. Der „Deutschen Zeitung" schreibt man aus Jassy, 2. Decbr.: Der Comm-mdant der Truppen des Kiewer Distriktes hri an dieselben folgenden Tagesbefehl erlassen: Nach dem Willen des Czaren ist diesem Armee Corps die Ehre zu Theil geworden, als das erste bie türkische Grenze zu überschreiten und die ruhmvolle Waffeuthätigkeit zu beginnen. Indem der Kaiser dieses Corps in dte vorderste Reihe wies, geruhte er die Erwartung auszusprecheu, daß^es die Aufgabe, welche ihm geworden, zum Heile Rußlands und der heiligen Sache erfüllen werde.
Wien, 5. December. Die „Polit. Corresp." meldet aus Petersburg, daß die Vorbesprechung der Botschafter in Konstantinopel, mit Ausnahme des Vertreters der Pforte, so lange fortgesetzt werden wird, bis eine Einigung bezüglich des Conferenz-Programmes erzielt worden. Jgnatieff wird die Garau- tieen-, bezw. anch Occupations-Frage Vorbringen. Das Zustandekommen der Conserenz ist von der Einigung über die Garantie-Frage abhängig.
_ Die „Polit. Corresp." meldet aus Budapesth vom 5. Decbr.: Die österreichischen Minister v. Lasier und de Pretis sind heute nach Wien zurück- gekehrt, ohne daß in den Berathungen ein positives Resultat erzielt wurde. Das persönliche Berhältniß zwischen den österreichischen und ungarischen Ministern ist vollkommen ungetrübt, und Meldungen über persönliche Recriminationen vollkommen unbegründet, indem die vorhandenen, bisher allerdings ungelösten Differenzen rein sachlicher Natur sind. Graf Andrafly steht bisher ganz außerhalb der streitigen Fragen. Alle Combinationen über acute Ministerkrisen sind heute gegenstandslos. Die österreichischen Minister dürften bald wieder nach Budapesth kommen.
— Die schwebende Bank-Frage ist noch nicht gelöst, auch noch kein Ausweg zur Lösung gefunden, doch wird die Nothwendizkeit einer einverständlichen Lösung von beiden Seiten anerkannt. Die Fortsetzung der Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Ministern ist beschloffeu, von einer Minister-Krisis keine Rede. Die Gerüchte von eingeiretener persönlicher Spannung zwischen den Mitgliedern der beiden Ministerien sind ebenfalls unbegründet, die Dis- cussion bewahrte einen rein sachlichen Charakter.
Ragusa, 6. December. Der hier internirte Jnsurgenten-Chef Mussich ist freigelasien worden.
AravLreich.
Paris, 5. December. Der Herzog v. Audiffret-Pasqmer hat den Auftrag zur Bildung eines neuen Cabinets abgelehnt. — Mac Mahon wird morgen mit den Präsidenten des Senats und der Kammer conferiren. Mau versichert, daß der Präsident entschlossen ist, streng den constitutionelleu Weg zu verfolgen, aber er will die Minister für Krieg und auswärtige Angelegenheiten sich außerhalb der parlamentarischen Schwankungen erhalten. — Das Handelsgericht hat die Stellung des Credit mobilier unter Sequester angeordnet.
Paris, 6. December. Duclerc soll vom Marschall Mac Mahon den Auftrag erhalten haben, ein Ministerium zu bilden. Der Herzog Decazes ist bis jetzt der einzige Minister, welcher im Amte bleiben wird. Kriegsminister wird wahrscheinlich der General Borel.
Consuls Baring schildert in etwas nüchternen Farben die materiellen Folgen des Aufruhrs in dem Sandschak Philippopel. Statt etwa 800,000 L- glaubt Baring, daß die Pforte in diesem Jahre nur etwa 500,000 L. an Steuern aus jener Gegend beziehen werde. Die Rosenölfabrikation hat einen schweren Schlag erlitten. An vielen Orten haben die Leute die Rosenblätter aus Leibes» gefahr nicht einsammeln können, an anderen sind die Destillirstangen zertrümmert worden, und auf lange Zeit hinaus läßt sich eine Verminderung des Ertrages um etwa die Hälfte in Aussicht nehmen. Ebenso schlimm ist es den Sägemühlen ergangen, welche schon ein ziemlich flottes Geschäft betreiben.
London, 5. December. Die Abendblätter melden die Ankunft des Marquis v. Salisbury in Konstantinopel.
London, 6. December. Bezüglich der vom Fürsten Bismarck in der gestrigen Sitzung des Reichstages abgegebenen Erklärungen bemerkt die „Times", ihre Ueberzeugung von der Aufrichtigkeit derselben betonend: Man könne nicht zweifeln, daß die Erklärungen den festen Vorsatz der deutschen Regierung bekundeten, die Vorschläge Rußlands auf der Conferenz zu unterstützen, falls Jgnatieff nicht unzulässige, den Stempel der Aggression tragende Forderungen in der Confk-reng vorbringe. Die deutsche Regierung würde Europa und der ganzen Welt einen neuen Dienst leisten, wenn sie ihren Einfluß darauf verwen- Cete, die russischen Vorschläge annehmbar zu machen. Die Erklärungen des deutschen Reichskanzlers seien in mehr als einem Punkte beruhigend und könnten die Regierungen des Festlandes und die britische Regierung ermuthigen, den nahenden Ereignissen ruhig entgegenzusehen, und gewährten auch die Hoffnung, den Krieg, falls er ausbräche, localisirt zu sehen.
— Die Stürme dauern mit Heftigkeit fort. Am Sonntag scheiterten bei Peterhead drei norwegische Schiffe, deren ganze, aus 24 Personen bestehende Mannschaft dabei umkam.
Portugal.
Madeira, 4. December, Abends. Das Militär-Transport-Schtff Saint- Lawrence, mit Truppen nach der Kapstadt unterwegs, ist vollständig gescheitert; die Soldaten sind gerettet, dagegen eine Menge Vorräthe verloren.
Nutzland.
Petersburg, 6. December. Laut Telegramm des „Regier.-Anzeigers" ist der Ober-Befehlshaber der activen Armee, Großfürst Nikolaus Nikolajewitsch in Kischenew am 5. December, 6 Uhr Morgens, mit allen Feld-Äemtern angkkommen.
England.
Loudon, 5. December. Man nimmt wahr, daß die englische Eisen- Industrie in auffallender Weise aufiebt, wie es heißt, angeregt durch die Aussicht auf Krieg. Von allen Seiten wird rege Thätigkeit gemeldet. Nicht allein Panzerplatten und dergleichen für heimische und auswärtige Regierungen, namentlich eiserne Schiffstheile und Dampfmaschinen für gewöhnliche Verkehrsschiffe, werden gearbeitet, sondern es ist sogar die Rede davon, daß Eisenbahn- schienen-Fabriken in solcher Weise umgewandelt werden, daß sie zur Herstellung von Schiffstheilen dienen können. — Die Ernennung einer englischen Commission für die Pariser Ausstellung steht bevor. Der Prinz von Wales wird den Vorsitz übernehmen. Die Eröffnung der Ausstellung in der Kapstadt ist den laut gewordenen Wünschen gemäß bis ;um 15. März vertagt worden.
London, 5. December. Ein kürzlich veröffentlichter Handelsbericht des
Besondere ZLekaunlmachungen
Bekanntmachung.
Zur Bezahlung der Zinsen, welche von den bei der hiesigen Spar- und Leihkasse angelegten Kapitalien am Ende dieses Jahres fällig werden, sind nachstehende Termine festgesetzt, und zwar:
1) Samstag den
2) Dienstag „
3) Mittwoch „
4) Donnerstag „
5) Samstag „
6) Dienstag „
7) Mittwoch „
8) Donnerstag „
9) Samstag „
10) Mittwoch „
11) Donnerstag „
12) Samstag „
9. December 1876,
12.
M
n
13.
V
tf
14.
n
,,
16.
n
,,
19.
it
,,
20.
,,
21.
,,
ff
23.
ff
27.
••
ff
28.
ff
30.
sowie
20) Samstag
13)
14)
15)
16)
17)
Donnerstag Samstag Dienstag
18) Mittwoch ;;
19) Donnerstag „
3.
4.
6.
9.
10.
11.
13.
Dienstag den 2. Januar 1877, Mittwoch
Die Interessenten werden daher aufge- fordert die Zahlungen an diesen Tagen in Empfang zu nehmen und hierzu durch Vorzeigung der Schuldscheine sich zu legitimiren.
Zugleich wird bemerkt, daß die auf den Donnerstag fallenden Zahltage für die Interessenten der Stadt Gießen, dagegen die
Allgemeiner Anzeiger.
übrigen Zahltage für die Auswärtigen bestimmt sind.
Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dieses in ihren Gemeinden auf ortsübliche Weise bekannt machen zu lassen.
Gießen, am 28. November 1876. (5160
Der Rechner der Spar- und Leihkajse: ________Kehr.________
Im Handelsregister des unterzeichneten Gerichts sind heute folgende Einträge vollzogen worden:
1) Kaspar Enders von Reiskirchen hat seinen Handel mit Oelkuchen auf- gegeben und seine Erklärung, wonach er einen Handel mit Bürstenbinder- waaren treibt, als unrichtig wiederrufen.
2) Gottschalk Löwenberg von Steinbach betreibt seit 1875 in Steinbach einen Frucht- und Mehlhandel ohne Niederlage unter der Firma „Gottschalk L öwenb erg."
3) Moses Joseph zu Allendorf an der Lumda betreibt seit 1. März 1876 zu Allendorf an der Lumda einen Branntweinhandel im Großen unter der Firma seines Namens.
Gießen, den 28. November 1876. (6350 Großherzogliches Landgericht Gießen.
Erdmann.
Frische Schellfische, ge- iSWDW^ bratene Fische, empfiehlt 6356) II. Kurth.
Frische Schellfische
treffen heute ein, per Pfd. 40 6358
«g. Will«. Wehlig.
Holzverstcigerung.
6349) In den Waldungen der Stadt Lich, District Schweinstallsheege, kommen Mittwoch den 13., Donnerstag den 14. und Ireitag den 15. December l. I. zur Versteigerung:
I. Bau- und Werkholz.
Mittwoch den 13. und Donnerstag den 14. December:
100
Eichenstämme
von 15 -31 Ctm. Durchm. und
2—15
Meter
Länge,
700
Fichtenstämme
„ 15 38 „ „ „
8—18
ft
w
5
Buchenstämme
„ 26 -34 „
4—8
tf
ff
8
Birkenstämme
„ 20-27 ,
6—10
ii
H
1
Aspenstamm
27 ff * ff n ft
7
t!
ft
140
Eichenstangen
„ 10—15 „ „ „
3—10
ff
fl
2
Buchenstangen
zu Langwieden,
330
Fichtenstangen
von'7 — 14 Ctm. Durchm. und
5—16
Meter
Länge,
7 Birkenstangen zu Wagnerstangen.
Unter den Eichenstämmen und Stangen befindet sich schönes Wagnerholz; unter den Fichtenstämmen sehr schöne Stämme zu Schnittholz.
II. Brennholz.
Freitag den 15. December:
24 Raummeter Buchen- und 8 Riummeter Aspen-Scheidholz,
68 „ Buchen-, E'chen-, Nadel- und Weichholz'Prügel,
308 „ Buchen-, Eichen- und Nadel-Stockholz,
5800 „ Buchen-, Nadel- und Weichholz Wellen.
Der Anfang und die Zusammenkunft ist in der Schweinstallsheege zunächst
dem hohen Eichwald an dem Vicinalweg von Lich nach Hattenrod links, Morgens 9 Uhr.
Bei genügender Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis Martini 1877 gestattet.
Lick, den 3. December 1876.
Großherzogliche Bürgermeisterei Lich.
I h r i n g.


