Ausgabe 
8.11.1876
 
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wir würden jedoch Ihren Absichten vollständig zuwider gehandelt haben, wenn wir nicht jede Gelegenheit ergriffen hätten, um für dasjenige einzutreten, was die gerechte Sache der Christen im Orient ist. Der abgeschlossene Waffenstill­stand ist die erste Etappe auf dem Wege der Beruhigung, der erste Erfolg der Politik der Versöhnung. Sobald die Umstände es gestatten, wird Ihnen die bezügliche diplomatische Correspondenz von der Regierung vorgelegt werden. Sie werden in derselben einen Beweis dafür finden, daß die Regierung der Republik eine geachtete Stellung im europäischen Concerte eingenommen und stets eine Sprache geführt hat, die der Würde und dem Interesse des Landes entspricht und doch der Regierung die volle Freiheit ihrer Entschließungen für die Zukunft bewahrt. Wenn gleichwohl unserer Erwartung zuwider Verwirke hingen entstehen sollten, so können Sie doch überzeugt sein, daß wir niemals aus der Neutralität heraustreten werden, die uns vorgezeichnet ist, und daß wir niemals das Verlangen an Sie stellen werden, in einem Kampfe, bei welchem unsere wesentlichen Interessen nicht in Frage kommen, die Ehre und Sicherheit Frankreichs auf's Spiel zu setzen. Nachdem wir solcher Gestalt und nach dem Maßc unserer mit denen der übrigen Regierungen vereinigten Anstrengungen Alles gethan haben, um den europäischen Frieden zu erhalten, dürfen wir we< nigstens versichert sein, daß wir im Stande sein werden, denselben für uns selbst zu bewahren.

Versailles, 4. November. Die Deputirten-Kammer nahm heute den Gesetz-Entwurf, die Einstellung der gerichtlichen Verfolgung der am Commune Aufstand Betheiligten betr., mit verschiedenen Abänderungen, welche ungefähr Dufaure's jüngst kundgegebenen Anschauungen entsprechen, an. Dufaure erhob keine weitere Ansprache.

Paris, 6. November. DerAgence Havas" zufolge ist der diesseitige Botschafter, Baron Bourgoing, von Konstantinopel hierher berufen worden, weil Herzog v. Decazes mit ihm conseriren und ihm neue Instructionen er- theilen will.

Ko glaub.

London, 4. November. Der Lord Oberrichter kündigt an, daß das Urtheil im Rechtssall des deutschen DampferFranconia" in nächster Woche verkündet werden wird. Die Regierung hat Den Ingenieur-Obersten Lennox als militärischen Attache der Botschaft in Konstantinopel ernannt; vermuthlich damit er an der Feststellung der Demarcations Linie theilnehme.

Die Mäßigkeits-Vereinler haben gestern das Vergnügen gehabt, die Königin Ranavalo von Madagaskar als eine thätige Förderin ihrer Sache an­führen zu können. Das MäßigkeilsorganAlliance News" bringt den voll­ständigen Text in der Übersetzung eines Erlasses der Königin, worin sie ihr Volk ermahnt, von dem Genüsse des Rums abzustehen, welcher die Weisen Madagaskars dumm, die Dummen noch dümmer und Alle arm macht. Sie räth ihren Untertanen, sich lieber mit anderen Geschäften abzugeben, welche ihnen Vortheil bringen. Der Rath ist jedenfalls gut.

N«ßla»d.

MoSkau, 5. November, Abends. (Proceß Strousberg.) In heutiger Sitzung versuchten Procuratoren und Cioilkläger die Vertheidigung zu widerlegen. Hierauf antworteten die Vertheidiger, dann die Angeklagten, zuletzt Strousberg. Morgen wird das Urtheil gefällt werden.

MoSkau, 5. November. Der Wahrspruch der Geschworenen lautet auf schuldig gegen Strousberg, Landau, Poljansky. Letzterer erhielt Milde­rungsgründe bewilligt. Die Verwaltungsraths-Mitglieder, welche dem Kauf­mannsstande angehörten, wurden freigesprochen und nur Staatsrath Schwacher allein für schuldig erklärt. Die Festsetzung des Strafmaßes erfolgt morgen.

Italien.

Rom, 6. November. Cardinal Antonelli ist gestorben.

Kpanicn.

Madrid, 5. November. In einer Versammlung von 250 Deputirten hielt der Minister-Präsident eine Rede, worin er sagte, noch niemals habe Spa­nien eine so starke Armee nach Cuba gesendet; aber :Cuba muß um jeden Preis gerettet werden. Der Verlust Cubas würde unheilvoll für die Nation sein. Das Ministerium sei gegen das allgemeine Stimmrecht und für die An­sicht, daß, wer Nichts besitze, auch nicht stimme. In Betreff der religiösen Frage sehe die Bevölkerung, wie die Regierung den Art. 11 der Verfassung auslege.

VfirftH.

Semlin, 5. November. Gegenüber den Gerüchten von Zerwürfnissen zwischen der serbischen Regierung und dem Armee-Ober-Commandanten läßt der Minister des Innern erklären, daß weder früher noch jetzt Zerwürfnisse statt­gefunden. Tschernajeff habe bei feiner Zusammenkunft mit dem Minister in Deligrad seine vollste Zufriedenheit kundgegeben.

$ara, 5. November. Von föettmjc sind Commiffäre behufs Feststellung der Demarcations-Linie während des Waffenstillstandes abgereist, und zwar, nach

noch nicht verbürgten Gerüchten, auf Grundlage des faktischen Besitzstandes. Die blokirten Plätze sollen blokirt bleiben, jedoch während der Dauer des Waffenstillstandes zu gewissen Terminen nach dem Verhältniß zur Zahl der Garnison und Einwohner verproviantirt werden.

Numänien.

Bukarest, 4. November. Der Kammer wurde vom Kriegs-Minister eine Vorlage wegen eines Credits von 4 Millionen behufs Vervollständigung der Bewaffnung vorgelegt; ferner sotten 400 000 Francs zur Deckung der Aus­gaben für die-Einberusung der Reserven während des October bewilligt werden. Die Vorlagen wurden als dingliche den Sectionen überwiesen. In derselben Sitzung wählte die Kammer eine Commission zur Abfassung der Adresse auf die Thronrede.

Griechenland.

Athen, 4 November. Der König billigte in einem Handschreiben an Comunduros dessen Politik und militärische Vorbereitungen.

Amerika.

New-Aork, 3. November. Der neue General-Gouverneur von Ha - vannah, Martinez Campos, ist daselbst eingetroffen._______________________

Lokal-Notiz,

Gießen, 7. November. In Nachstehendem lassen wir die Tagesordnung für hie Sitzung der Stadtverordneten Donnerstag den 9. November 1876, Nachmittags 4 Uhr, im Rathhaussaale folgen:

1. Die Verpachtung der Georgenschanze.

2. Die Einfriedigung des Ludwigsplatzes.

3. Decretur von Kostenrechnungen.

4. Gesuch des Georg Abel von Krofdorf wegen Anlegung einer Ueberfahrt.

5. Gesuch des Gerhard Klingelhöffer um Bauerlaubniß.

6. Gesuch detz Philipp Weller um Bauerlaubniß.

7. Gesuch des Karl Straub um Bauerlaubniß.

8. Gesuch des Philipp Jünger um Bauerlaubniß.

9. Den Umbau des Schoorwegs zw.schen Seltersthor und Neustadt betr.

10. Die Herstellung der Grenzbrücke zwischen Gießen und Krofdorf.

Gießen, 7. Nov Bei dem jetzigen Schneewetter ersuchen wir Alle, der armen Vögel zu gedenken. Sie werden es uns im nächsten Jabre hundertfach wieder vergelten.

Vermischte-,

(Braunschweiger 20 Thlr.-Loosc.) Braunschweig, 1. Nov. Bet der heute statt- gehabten Serienziehung sind die nachfolgenden 68 Serien gezogen worden: 65 95 637 759 874 919 1088 1207 1408 1687 1795 1838 1874 1958 2126 2397 2818 2842 3129 3203 3274 3766 3881 4139 4140 4240 4511 4606 5027 5210 5217 5330 5417 5429 5765 5820 5879 5882 6001 6247 6591 6804 6840 7038 7148 7281 7315 7390 7423 7512 7566 7612 7695 8040 8504 8537 8597 8784 8799 8999 9039 9369 9401 9601 9628 9870 9886 und 9966.

Aachen, 30. Oct. In voroergangener Nacht kehrte ein junges Paar um 1 Uhr im GasthofZur Rheinecke" in der Römerstraße ein, gab vor, auS Danzig zu kommen, und ordnete an, daß man es am anderen Vormittag um 10i/2 Uhr wecke. Genau um diese Zeit begab sich der Gastwirth zu seinen Gästen, fand aber die Thür von innen verschlossen, und auf sein längeres Pochen und Rufen erhielt er keine Antwort. Da entschloß er sich, die Thür aufzubrechen, und als er dieses bewerkstelligt hatte, bot sich ihm ein fürchterlicher Anblick dar: beide Angekommene lagen mit zerschmetterten Schädeln inmitten von Blutlachen, Gehirnfetzen und Schädelstücken auf dem Fußboden, der Kopf des jungen Mannes ruhte im Schooße des jungen Mädchens, und Letzteres hielt ein unentladenes, gespanntes Terzerol in der Hand, den Zeigefinger am Drücker, während ein zweites entladenes Terzerol in der Nähe unter einem Tische lag. Es darf ange­nommen werden, daß Beide verabredet, sich gegenseitig auf ein gegebenes Zeichen zu erschießen, daß der Schuß des jungen Mannes zu früh kam, oder dem Mädchen im entsprechenden Augenblick die Kraft erlahmte, daß dann der unglückliche Mensch sein Terzerol von Neuem lud und sich dann mit der Wasserladung den Kopf zerschmetterte, den er vorher seiner tobten Geliebten in den Schooß gelegt. Und in der That, Schwär­merei und Liebe, so wie Auflehnung gegen die dazwischen getretene vollberechtigte elter­liche Autorität waren die Triebfedern zu dem schrecklichen Entschluß, wie ein zurück- gelassener Abschiedsbrief darthat. Der junge Mann, erst 19 Jahre alt, ist Schriftsetzer und der Sohn eines hiesigen Grenz-Aufsehers, das Mädchen, 25 Jahre alt, Arbeiterin in einem hiesigen Gummi-Geschäft. (Aach. Ztg.)

Newyo rk, 4. Nov. (Per transatlantischen Telegramm.) Das Postdampfschiff des Nordd. Lloyd Rhein, Capt- H- C- Franke, welches am 1. October von Southampton abgegangen war, ist gestern 1 Uhr Nachmittags wohlbehalten hier angekommen.

Literarisches.

Im Verlage desHistorischen Verein-" in Darmstadt ist eine Geschichte von Gießen und der Umgegend, verfaßt von Dr. F. Kraft, erschienen, auf die wir die Bewohner unserer Stadt aufmerksam machen möchten. Man findet noch in den meisten Schriften über die hiesige Gegend den irrigen Glauben vertreten, daß eine Geschichte von Gießen nicht existire und es ist aus diesem Grunde um so wünschenswerther, daß in Folge der vielfachen Bemühungen des nunmehr verstorbenen Präsidenten Kraft und der freund­lichen Unterstützungen deshistorischen Vereins" eine vollständige Entstehungsgeschichte von Gießen zu Stande kam. Wir verfehlen nicht heroorzuheben, daß sich das Werk durch feine anziehende und einfache Schreibweise im Gegensatz zu anderen derartigen Productionen auszeichnet und Jedermann auf's wärmste empfohlen werden kann, ö.

Anfrage.

Auf der von dem Neuenweger- nach dem Wallthor führenden Schoor sind neuer­dings mehrere Bäume mit einem weißen Kalkanstrich überschmiert worden. Da es dem Publikum nicht gleichgültig fein kann, wen « die Anlagen, die eine Hauptzierde unsrer Stadt bilden, in dieser Weise verunstaltet werden, so erlaubt man sich hierdurch die Anfrage: Hat die betr. städtische Aufsichtsbehörde zu diesem Anstrich die Ermächtigung gegeben und zu welchem Zwecke ist derselbe vorgenommen worden? (5798

Allgemeiner Anzeiger.

- Main-Weser-Bahn.

5780) Es soll die Verlegung des Oberbaues auf dem im Umbau begriffenen Bahnhof Marburg excl. Lieferung aller Materialien im Wege öffentlicher Submission vergeben werden.

Die Offerten sind portofrei und versiegelt mit der Aufschrift: Submission auf die Verlegung des Oberbaues auf Bahnhof Marburg"

bis zum Submissions-Termin am 20. d. MtS., Vormittags 11 Uhr, bei der unterzeichneten Betriebs-Jnspection zu Frankfurt a. M. einzureichen, woselbst auch Die Bedingungen, der Kostenanschlag und Plan eingesehen, sowie auch die Offerten-Formulare in Empfang genommen werden können.

Frankfurts. W.,. den 6. November 1876.

Königliche Betriebs-Jnspection.

HeyL

In dem Garnison-Lazareth dahier soll auf dem Submissionswege die Lieferung des ungefähren Bedarfs von:

3750 Pfd. Ochsenfleisch, 300 Pfd. Kalb­fleisch, 150 Pfd. Hammelfleisch, 250 Pfd. Schweinefleisch, 30 Pfd. Schinken, 10 Pfd. geräuchertem Speck, 3500 Pfd. Roggen- brod, 750 Pfd. Semmeln (Wecken), 40 Pfd. Zwieback, 675 Ltr. Bayerisch Bier, 125 Pfd. weißen Bohnen, 250 Pfd. Butter, 300 Pfd. trockenen Erbsen, 2500 Stck. Eiern, 100 Pfd. Waizengries, 75 Pfd. feinen Graupen, 100 Pfd. Hafergrütze, 100 Pfd. Gersten­grütze, 150 Pfd. Hirse, 100 Pfd. Kaffee, 300 Pfd. Linsen, 1500 Liter Milch, 150 Pfd Reis, 500 Pfd. Kochsalz, 375 Pfd. Waizen- mehl, 200 Liter Rothwein, 10 Liter Rhein­wein, 25Pfd.Zucker, 750Pfd.Petroleum,!

»für die Zeit vom 1. Januar 1877 bis ult. März 1878* vergeben werden.

Die Lieferungsbedingungen können täg­lich in den Vormittagsstunden auf unserem Büreau eingeschen werden.

Termin zur Verhandlung wird auf

Montag den 13. November 1876,

Vormittags 10 Uhr, angesetzt.

Gießen, den 25. Cctober 1876. (5506

Grotzh. Garnison-Lazareth.

5567) Für Gießen und Umgegend werden Agenten für lohnende Artikel, für industrielle Werke, gesucht. Frco.-Offerten nebst Angabe von Stellung und Referenzen besorgt unter H. Nr. 5951 die Annoncen- Expedition Th. Dietrich * Co. in Cassel.

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