1876
Sonntag, den 8. Oktober
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Die Pariser Weltausstellung.
Die Frage, ob Deutschland die Pariser Weltausstellung im Jahre^l878 beschicken soll, ist gegenwärtig von Neuem in Fluß gebracht. Daß auf Seiten der Regierung mancherlei Bedenken dagegen obwalten, sieht mau aus der That- sache, daß sie diesmal auf die Einladung nicht sofort geantwortet, sondern erst die Wünsche der Industriellen kennen lernen will. Die Eiuzelstaateu sind vom Reich aufgefordert worden, über die Ansichten und Wünsche der beteiligten greife der Industrie Auskunft zu ertheilen und von dem Ausfall der Antwort will das Reich seinen Entschluß betreffs Beschickung der Ausstellung abhängig machen.
So viel wir wiffen, verstand sich bisher jedesmal von selbst, daß die Weltausstellungen von Deutschland beschickt wurden; die Regierung nahm nie Anstand, im Namen der Nation eine zustimmende Antwort zu ertheilen und konnte darauf rechnen, daß ihr Entschluß als ein selbstverständlicher auch Beachtung finden würde. Wenn sie diesmal von ihrem gewöhnlichen Verfahren abweicht, so ist dies auch ein Zeichen dafür, daß die Regierung durchaus keine hochpolitischen Gründe hat, die sie veranlassen könnten, die Einladung Frank- reichs ohne Weiteres anzunehmen und aus eigener Initiative die Ausstellung zu beschicken. Sie hat die Industriellen nicht einmal auf die politische Beden- tung der Beschickung der Ausstellung Seitens Deutschlands hmgewiesen, es vielmehr einfach ihrem praktischen Urtheil überlassen, die aufgeworfene Frage zu beantworten; die öffentliche Meinung soll allein maßgebend und entschei-
^Was nun diese anbetrifft, so hat sie sich in der Presse in dem sog. redactionellen Theil meist zustimmend geäußert; aber es fehlte nicht au außer- redactionellen Aeußerungen, welche lebhaft gegen die Beschickung protestirten, auf die Stimmung in Frankreich gegen Alles, was Deutsch ist, aufmerksam machten und den deutschen Ausstellern und Besuchern der Ausstellung eine unwürdige schlechte Behandlung Seitens der Franzosen in Aussicht stellten. Man hat in Frankreich geglaubt, hierauf antworten zu sollen, aber man thut es nicht in dem Tone der Entrüstung, der davon Zeugniß ablegen würde, daß man sich durch dir Anklage wahrhaft verletzt und beleidigt fühlte, man thut es vielmehr in Form von großsprecherischen Redensarten; so sagt z. B. die
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Berlin, 5. October. Der Staats-Gerichtshof verkündigte nach dreistündiger Verhandlung das Urtheil über den Grafen Arnim; da auch hierbei die Oeffentlichkeit ausgeschloffen war, so ist der Inhalt des Urtheils nicht bekannt. — Die siebente Criminal-Deputation des Stadtgerichts erkannte in dem Proceß gegen den früheren Redacteur der „Germania" und Landtags-Abgeordneten Cremer, welcher angeschuldigt war, durch einen Artikel in der „Germania" den König von Bayern beleidigt zu haben, auf Freisprechung; der Staatsanwalt hatte dreimonatliche Gefäugnißstrafe beantragt.
Berlin, 6. October. Die „Kreuz-Ztg." will gerüchtweise erfahren haben, Graf Arnim sei verurtheilt, und werde das llrtheil in einigen Tatzen durch Aushang im Gerichtslocale bekannt gemacht werden.
Berlin, 6. October. Die Pforte soll entschlossen sein, Gewaltmaßregeln kriegerisch zu beantworten. Falls die Flotten der Großmächte demonstriren, soll die Sperrung der Dardanellen erfolgen, bei einem Bombardement Konstan- ttnopels (?!) will die Pforte nach «drianopel übersiedeln unter gleichzeitigem Aufruf der Muselmänner gegen die Christen.
— Der Staats-Gerichtshof verurtheilte den Grafen Arnim zu 5 Jahren Zuchthaus.
Dieftnsi,en'Einuwhner ^vo^Gi/ßcn,^ welche Tauben"halten, werden hiermit aufgesordert, dieselben ohne Ausnahme vom 7. October bis 11. November l. I. bei Meldung der im Art. 79 des Feldstrafgesetzes coibestimmten Strafe in den Schlägen eingesperrt zu halten.
Gießen, am 5. October 1876. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
Fresenius.________ ___________
zltrücksteht und mir in Fehlern befangen ist; und die Einmischung in unsere Handelspolitik ist so plump, daß sie höchstens zu einem argumentum e contrario verwendet werden könnte I
Unsere Industriellen, auf deren Urtheil allein die Regierung baut, haben die Aufgabe, jetzt nicht nur die Interessen der Industrie in Betracht zu ziehen, sondern auch mit patriotischem Geiste alle diese Bedenken zu prüfen, welche sich dem unbefangen Urtheilenden von selbst aufdrängen. Eine Nöthigung, aus politischen Gründen bejahend zu antworten, haben sie nicht. Die Frage, ob Weltausstellungen überhaupt wirklich der Industrie zum Nutzen gereichen, und nicht vielmehr als Luxus für Vergnügungsreisende zii betrachten sind, darf auch von ihnen nicht kurzer Hand zurückgewiesen werden; Ausschlag gebend aber wird auch für sie sein, ob sie sich sicher fühlt, in dem allgemeinen Wettbewerb eine Stellung einzimehmen, welche die Verwirklichung der lauten Hoffnungen und der unverschämten Prahlereien, wie sie die „Liberty" ganz im Geiste ihrer Landsleute ausspricht, gründlich zu Schanden zu machen.
Zur Folie französischer Eitelkeit zu dienen, dazu muffen wir nach dem letzten Kriege doch zu stolz sein 1
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„Die deutschen Industriellen hatten der Besorgniß Raum gegeben, in Frankreich Übel ausgenommen zu werden und ihre Erzeugnisse einer systematisch unfreundlichen Politik ausgesetzt zu sehen. Das hieß aber eine der edelsten Eigenschaften des französischen National-Charakters verkennen, nämlich die Höflichkeit, die bei uns zu allen Zeiten für eine ritterliche Tugend gegolten hat." Und weiter: „Auf dem Ausstellungsfeste wird Niemand von uns vergessen, daß Alle, die unsere« Rufe entsprachen, unsere Gäste sind; Jeder wird seine Ehre darein setzen, gegen sie die Pflichten der Gastfreundschaft zu erfüllen. Deutschland kann ohne Furcht zu uns kommen." .
Furcht hat Deutschland, meinen wir, nie gehabt; nur die gegründete Besorgniß, daß in schwachen Stunden weniger die ganze Nation als einzelne Individuen sich des Nationalhaffes gegen Deutschland entsinnen würden, und die Pflichten der Gastfreundschaft und Höflichkeit außer Acht setzen würden. Mit der Versicherung der „Liberts" von den edelsten Eigenschaften des französischen National-Charakters ist jene Besorgniß noch lange nicht beseitigt, zumal wir in Deutschland lwch ein Gedächtniß für die Art und Weise haben, in der man unsere Landsleute in Frankreich behandelt hat und zuweilen noch behandelt.
Aber wenn man weiter hört, wie man in Frankreich uns Muth machen will, mit unserer Industrie in die Arena zu treten, dann kann man sich nicht des'Gefühls erwehren, daß man dort noch immer sehr falsche Anschauungen von dem Verhältniß der beiden Völker zu einander hat; in jeder Miene der Liberi^" giebt sich das Gefühl der Superiorität kund, Deutschland wird von ihr gewiffermaßen unter Obervormundschaft genommen; man lese:
Deutschland fürchtet den Vergleich mit Frankreich. Es möchte so lange als möglich die traurige Wahrheit verbergen, daß seit dem entsetzlichen Kriege von 1870 die Produktionskraft und der wirthschaftliche Wohlstand in Frank- reich nur immer ^genommen haben, in Deutschland dagegen trotz der Milliarden der Kriegsentschädigung nur zurückgegangen sind. Aber gerade diese Ruck-
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die Deutschen bestimmen, sich an der Ausstellung von 1878 zu Thäteu sie es nicht, so wäre das ein noch viel bezeichnenderes ihrer Inferiorität. Deutschland würde damit förmlich seine Abdankung unterschreiben. Herr Reuleaux nannte in seinem denkwürdigen Berichte den Mißerfolg seiner Landsleute in Philadelphia ein wahres industrielles Sedan; der freiwillige Rückzug der deutschen Industrie vor der französischen wäre mehr als eine Niederlage, wäre eine Flucht in wilder Auflösung. Nichts könnte dieses große Land vor der ganzen Welt mehr herabsetzen. . . Nicht durch die Erfahrung seiner Zollschranken wird Deutschland die schlimme Lage, in der sich eine Industrie jetzt befindet, beffern ; der Schutz'würde seine Producenten nur in ihren Fehlern bestärken, während die Handelsfreiheit im Gegentheile ihren Wetteifer anspornen und sie auf die Mchuen des Fortschritts drängen wird. Wohl aber muß Deutschland, um seine gewerbliche Kraft wieder aufzurichten, die Systeme der anderen Völker studiren, und dazu kann ihm nichts dienlicher sein, als die große Weltausstellung, zu welcher Frankreich es heute einladet." Von dem Urtheil unserer Industriellen selbst wird es abhängen, was auf diese Suppositionen und auf diese Aeußerungen allzu großen Selbstgefühls zu antworten ist. Sicherlich aber scheinen sie uns ein Beweis dafür zu sein, daß man in Frankreich überhaupt das Bedürfniß fühlt, Deutschland in irgend einer Weise zu demüthigen, und dieses Verlangen giebt sich in der Presse, in jedem einzelnen Individuum, vielleicht auch in der Einladung zur Ausstellung kund. Unsere Industriellen mögen jetzt antworten, ob sie Lust verspüren, nach Paris zu gehen, da sie wiffen, welch' merkwürdigen Vornrtheilen sie dort begegnen werden. Für Frankreich gilt es als ausgemacht, daß Deutschland von den anderen Völkern, speciell von Frankreich, nur zu lernen hat, hinter ihnen weit
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