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Beschreibung.

P. 8. Auch anderwärts laufen Nachrichten von Unglücksfällen ein. So ist in Grrßwinternheim Lehrer Göbel, in Nirderin-elhetm ein 17jähriges Mädchen ertrunken.

HcideSheim, den 4- April 1876.^

^Die Straßen können kaum die Menschenmenge fasse», die von allen Seiten herzuströmen. Man spricht von 10,000, die heute die Stelle des Entsetzens besuchten. Fünf Photographen und 1 Maler nutzen bereits das Unglück aus- Büchsen sind übera

Die Katastrophe von Heidenheim.

Nucu dem, was sts jrtzl in Mainz über den furchtbaren Abend des 2. April in NeideSbeim v rlaatet, kann man sich selbst mit der weitstgehendsten Phantasie keinen Nearisf von der dort selbst gebotenen Wirklichkeit machen. So lautet das allgemeine Urthetl- Selbst dte gleichartigen Unglücksfälle in Kirn v. I- und Eaub werden bei

wird als über alle Maßen ergreifend geschildert. Man spricht von Leichen, die sich noch im Schlamme finden sollen, Gewisses ist bet der grenzenlosen Verwirrung jedoch nicht zu erfahren. (M. Z )

Anschließend an vorstehenden Artikel geben wir hier zwei Briefen Raum, welche ein Einwohner von H e i d e s h e i m an seinen hier in G i e ß e n studirenden Sohn richtete:

Der 2. April war für Heidcsheim furchtbar verhängnißvoll Das Unwetter vor einigen Jahren ist damit nicht zu vergleichen. Das Wetter leitete um halb 5 Uhr Nachmittags mit hier nie gesehenem Hagelschlag ein. Ich befand mich gerade in dem Stalionshaus. Als ich den Rückweg antreten wollte, kamen die wilden Wasser mir schon entgegengebraust und nöthigten mich, in den Wartesaal zurückzukehren. Anschwellen gewaltiger Wassermassen, die über den Damm stürzten, das Bilden eines wahren Sees, datz Einstürzen des Viaducts, Alles war das Werk eines Augenblicks. Ich über­treibe nicht; Worte können die Verwüstung nicht wiedergeben, Farben das Bild nicht malen. Man muß d eses Chaos gesehen haben, in welches Ort und Gemarkung ur­plötzlich verwandelt war! Das ist ein Ort des Schreckens und Entsetzens, das ist ein Tartarus! Immer höher stieg die Fluth, immer wilder brauste sie heran. Da kau auch datz Stationsgebäude in Gefahrzusammenzustürzen. Wir retteten uns in die nahe Burg Windeck. Horch! Sturmläuten mit allen Glocken, Hülferufe von den Dächern der Häuser, Jammern von Männern, Frauen und Kindern, Brüllen der Thiere wetteiferten mit dem Getöse des Wassers. Und Keiner konnte dem Andern, selbst­bedrängt, zu Hülfe eilen. Nur stummes Entsetzen erfüllte alle Gemüther. Jetzt kom­men Betten, Fässer, Möbel, Balken, Trümmer, Leichname von Menschen und Thieren dahergeschwommen. Schauerlich beleuchtete der Mond die Zerstörung Di. adjeae Nacht trug noch mehr zur Verwirrung bei. Das Haus des Bürgermeisters Dtllmann ist größtentheils gesunken, die ganze Umgegend desselben zerstört; circa 40 Häuser sind entweder verschwunden oder doch so beschädigt, daß sie dem Einfälle nahesteyen, von 20 Häusern ist auch keine Spur mehr übrig, nur Abgründe bezeichnen die Stellen, wo noch vor wenigen Stunden harmlose Menschen wohnten. Das Wasser wälzte sich dem Mühlbache entlang durch das Dorf, Alles zerstörend, was ihm im Wege lag. Die Straßen sind von 4 Fuß hohem Schlamm überzogen. Die Zerstörung einzelner Mauern und die Beschädigunge» an Häusern lasse ich ganz außer Betracht-

Jetzt kommt aber das Schrecklichste. Im untern Schulsaale liegen 9 schrecklich entstellte Leichname neben einander, die man aus dem Schlamm ausgegraben. Die junge Frau des Bahnwärters Weidmann, die mit ihren 3 Kmdcrn dem Wasser zmn Opfer fiel, fand man einen Säugling noch im Tode festhaltend. Eine Frau und ihre ; Tochter fand man weit vor dem Dorf. Ein Fremder suchte sich auf einen Baum za 1 retten. Einen Augenblick und er war begraben in den Fluthen.

Der Schaden ist unberechenbar. Bei der allgemeinen Verwi a ist es noch , nicht zu übersehen, was an Vieh ertrank. An einzelnen Stellen sind uie Aushöhlungen ' thurmhoch. Eine Menge Menschen retteten sich über die Dächer der Nachbarshäuser n»d trugen nur das nackte Leben davon. Der Eisenbahndamm ist rechts und links ! des Stationshauses fortgertssen und möchte in 8 Tagen kaum wieder hergestellt sein. > Züge gehen von Bingen nach Ingelheim und von Mainz bis in die Nähe von Hcioes- detm- Dck Ernte, die Weinberge, alles Feld ist total zerstört- Wenn nicht die Milde L hilft, ist daS Dorf verloren. Der Schaden beträgt mehr als 200,000 fl Die Fremden drängen sich von allen Seiten herzu. Auch der Bischof von Mainz lit anwesend. Äls die Anaedörigen sich einander wieder fanden, umarmten sic sich unter Tyranen. Morgen ' um 1 Uhr findet die Beerdigung der Ertrunkenen statt. Die Verheerung spottet aller

weitem übertroffen. Wir begaben uns mit der Ludwigsbahn heute (3.) Mittags 1 Uhr 50 M. an den Ort detz Unglücks. Der Zug hielt etwa 200 Schritte vor der Station; ein klaffender Riß von 56 Schienen Länge (80100 Schritt) breit, über welchem die Schienen ins Leere hineinhingen, war das Erste, was man sab. Arbeiter waren beschäftigt, abzuräumen, und hatten eine Stunde zuvor noch auf der Rheinseite des Bahndammes die Leiche eines Mädchens aus dem Schlamm gegraben, welche min­destens 1000 Schritte weit aus dem Ort heradgespült war. Auf dem Bahnkörper, der noch deutlich die Spuren der Ueberfluthung trug, waren zwei toote Kühe gefunden worden.

Wenden wir uns gegen Heidesheim, so sehen wir zunächst eine 150 Schritt breite Schlammmasse mit Geröll, Feldfrüchten, Weinbergspfählen, Holzscheiten, entwur­zelten Bäumen u. s. w. bedeckt. Wenn nicht einzelne Bäume und dir Spitzen von Gartenzäunen aus der Masse hervorragten, so würde man versucht fein, ein abgelassenes Flußbett zu sehen, derart ist alles ntvellirt. Der Weg nach dem Ort ist nur noch spurweise zu entdecken. Gegen den Eingang werden die entwurzelten Bäume häufiger, vermischt mit Trümmern aller Art; ein Mauerblock von der Größe eines Ohmfasses liegt mitten auf dem Wege; die Fluth hat ihn dorthin gespült. Links vor dem Ein­gänge des Ortes war man beschäftigt, die Häuser förmlich auS dem Schlamm zu graben, der an einzelnen Stellen 1-2 Meter hoch lag, au anderen selbst ganze Ställe oder Gemächer ausgefüllt hatte. An dem der Kirche gegenüber liegenden Schulhause drängt sich die Menge, zwei alte eisgraue Männer klagen und weinen an der Thür um ihre Angehörigen, die drinnen als Leichen liegen. Von dichtem Gedränge fort­während umgeben, liegen im Schulzimmer acht Leichen, meist weiblichen Geschlechts, drei Frauen, ein Mädchen von 1416 Jahren und vier Kinder. Sie tragen alle, namentlich eine der Frauen, die Spuren von starken Contusionen im Gesicht, das sonst den Ausdruck der Ruhe trägt; augenscheinlich war der Tod ein rascher, plötzlicher ge­wesen. Der hübsche Platz zwischen SchulhauS und Kirche ist mit Schlamm, entwur­zelten Bäumen, Trümmern von Hausrath und Bekleidungsstücken, tief im Sand steckend, bedeckt; feine Umfassungsmauern sind verschwunden.

Das ist über Alles noch nichts", sagt unser Führer: etwa fünfzig Schritte weiter aufwärts beginnt das Hauptquartier der Verwüstung. Zunächst une Gruppe von 68 Häusern, theilweise gestützt, zeigen den Weg, den datz Wasser genommnuu hat. Wir weichen rechts auS und gelangen über Gärten, die unter fußhohem Schlamm und Trümmern vergraben liegen, an den Rand eines klaffenden Abgrundes, ui dessen Tiefe ein Streifen gelblichen Wassers fließt. An den beiden Rändern dieses Abgrundes, der bei vielleicht 80100 Schritte Breite die Tiefe von 68 Metern hat, stehen Häu­ser in Ruinen. Eine neue große Scheune, aus solidestem Mauerwerke aufgeführt, hält das Dach ins Leere. Die eine Stirnwand derselben, 12 b>s 15 Meter boch, ist herad- gestürzt, ohne daß man mehr als eine Spur von der Masse in dem Abgrunde sieht, der dem Sturzbach als Bett dient und' der den Platz bezeichnet, wo gestern Häuser, Scheunen, Ställe und Gärten mit Obstbäumen standen, von denen Alles bis auf die Spur verschwunden ist. Am oberen Ende dieser klaffenden Schlucht sieht man zwei Ruinen mit blauen Wändenauf beiden Seiten; der Strom hatte sich in zwei Arme getheilt und die blauen Trümmer sind die Ueberrcfte von dem Hause, welches der Bahnwärter W'idmann bewohnte und das er mit seiner Familie, seine Frau, Schwie­germutter und drei Kmder, in der Fluth versinken sah, ohne Hilfe leisten zu können. Diesen Ort der Verwüstung, wo noch Alle? zu stürzen droht, umschreitend, gelangen wir an's Ende des Do.feS t» die Thalschlucht, in welcher die Wasser herabkamen.

welche die R-fiectanten unmittelbar in den großen Verein aufnahmen, ohne daß ' diese derxotm nach unter sich in eine ständige Verbindung traten. Thatsäch- ljch aber bildeten die Agenten gleichsam die Centralpunkte für gesonderte locale Vereinigung. Diesen und ähnlichen eine Umgehung des Vereinsgesetzes be- .weckenden Manipulationen ist nunmehr durch di- vorläufige Schließung de« großen Vereins selbst in Preußen die Spitze abgebrochen.

Berlin, 6. April. DerReichs-Anz." publicirt eine Bekanntmachung des Reichskanzlers. wonach der Betrag de« steuerfreien ungedeckten Roten-Um. laufs der Reichsbank sich in Folge des Verzichts von, 13 Privatbanken auf das Recht der Noten-Ausgabi aus 272,561,000 Mk. erhöht hat.

©ellerrfttfi.

Wien, 6. April. Nach derPolit. Corresp." ist der Zusammentritt der Delegationen in Pestb für den 9. Mai in Aussicht genommen. - D,e Wiener Ztg." veröffentlicht die Reihe der vom Relchsrathe angenommenen Eisenbahn-Gesetze. , . . ,

Wien 6 April. DerNeuen gr. Pr.' zufolge wurde der Prmz von Wales am 18. oder 19. April auf der Rückkehr von Ostindien in Triest em- treffen und daselbst am 20. April eine große Parade der Triester Garnison zu Euren des Gastes stattfinden.

Wien, 6. April. Don bestunterrichteter Seite werden die Zeitung«. Nachrichten, wonach das Kriegs-Budget für 1877 gegenüber dem des Jahre« 1876 erhöht werden solle, für vollständig unbegründet erklärt.

Pesth, 6. April. Bischof Perger von Kafchau ist gestorben.

Arankreich.

Versailles, 5. April. Sitzung der Deputirien - Kammer. Die Com­mission hat ihren Bericht über den Antrag des D-Putirt-n Jules Ferry, den Gemeinderäthen die Besuguiß, die Maires zu wählen, zuruckzugeben, überreicht Ferry beantragt Dringlichkeit. Der Minister des Innern widerspricht dem Antrag- auf Dringlichkeit nicht; er sagt, die Regierung habe d,e Im i-ttve nickt ergriffen, weil sie der Kammer einen vollständigen Gesetz-Entwurf über di- Organisation der Gemeinden vorlegen wollte. Dieser G-f-tz-Eiitwurf werde im Monat Mai, nach Schluß der Kammer-Ferien, fertig fein. Die Kammer sei sodann in der Lage, sich über die Frag- der Ernennung der Maires aus- »usprechen. Di- Dringlichkeit wurde einstimmig angenommen. Die Vertreter der hervorragendsten Credit-Institute von Paris waren heute versammelt, um sich wegen emer neuen ägyptischen Anleihe von 250 Mill. Frcs. zu verständigen. Dieselben erklärten sich bereit, von den 150 Millionen, welche für feste Rech, nung übernommen werden muffen, 75 Millionen zu übernehmen.

Dort ist verhältnißmäßig wenig Schlamm zu sehen: eS scheint, als ob die Fluth erst die rechte Kraft gewonnen hätte, als sie in den Ort einbrach. Ger-en wir au em ent­gegengesetzten Rand der Schlucht wieder hinab, so sehen wir ein anderes Bild der Verwüstung. Hier ist vornehmlich das Mauerwerk zertrümmert, eine Straße liegt voll Steine, wie das Bett eines SturzbacheS oder ein Steinbruch. Die Häuser, welche sieden geblieben sind, zeigen mehr oder minder Sprünge, Risse und Löcher in den Mauern. Eine Umfassungsmauer ist von der Fluth etwa 15 Schritte fortgeschoben und gegen ein Haus gedrückt. Die erwähnte Scheuer stößt an das Wohnhaus des Bürgermeisters, welche? heute noch Zusammenstürzen dürste. Tobte« Vieh liegt thetl- wcise frei zu Tage, theilweise in den Ställen noch im Schlamme begruben. Wie viel der Schaden daran beträgt, dürste vorläufig noch nicht zu ermittel., fein, ebensowenig waS an Häusern, Mobilien u. s. w. verloren ist. An zwanzig Häusern sind spurlos verschwunden, ebenso viel mögen in Trümmern liegen, eine größere Anzahl aber stark schadhaft sein. Der Strom kam, nachdem eine kleine Ueberfluthu ig oorangtng, gegen acht Uhr Abends einem kleinen winzigen Bächlein folgend mit der entsetzlichen Gewalt, die aus halb Heidesheim einen Trümmerhaufen machte. Von der Scene, Die nun folgte, kann man sich kaum einen Begriff machen. Da» Krachen der Häuser, das Treiben des Wassers, vermischt mit den Hilferufen und dem Wehklagen der Bewohner,

Amerika.

New-Bork. Zu den vielen Anschuldigungen gegen amerikanische Staatsmänner ist nun auch eine gegen den Marine-Minister gekommen, der im Jahre 1872 unmittelbar nach dem Sturz- des Bankhauses Jay Eooke u. Comp. in Philadelphia die gleichfalls bedrohte, mit dem genannten Hause in Serbin- düng st-h-uve Londoner Firma Jay Cook-, Mac Culloch u. Comp., welche die G-ichäfi- der amerikanischen Admiralität in England besorgte, mit Staats­mitteln gestutzt haben soll. Es handeit sich nun darum, festzustellen, ob diese Anschuldigung zu feiner Versetzung in den Anklagestand hinreichend ist. Der Marine-Mmister stellt die Thatsache nicht in Abrede, will jedoch^dte fragliche Unterstützung im Interesse der Verwaltung gegen ausreichende DicherheU und ohne jeglichen eigennützigen Grund gewährt haben.

e t w i f t ci.

Berber*1, ''an dec Köln-Gießener Eisenbahn), 6. April 1876. Auf den Heuti. »en hiesigen Markt wurden gebracht: 457 Ockfen, 259 Kühe und Rinder, 525 Schweine. Dcr näckste Mai ki ist am Montag, den 24. l M.

ItaNen.

Rom, 6. April. Der Cassationshof hat den Recurs der vorn Gefchwo- renen-Gericht wegen der Ermordung Sonzogno's verurteilten Individuen ver­worfen. Der Kriegs-Minister General Mezzacapo hat am Dienstag dem Grafen Moltke einen Besuch gemacht.

England.

London, 5. April. In der Assisen-Verhandlung gegen den Capitän der Fcanconia" wurden heute die Belastungs-Zeugen vernommen. Der Capi- tän desStrathclyde" mußte im Kreuzverhör zugeben, daß es nicht üblich sei, so weil südwestlich von Dover her auszusegeln, ehe der regelmäßige Curs den Canal herunter genommen wird; die anderen Belastungs-Zeugen machten ähn­liche Aussagen. Dem Sachverständigen, Capitän Black, wurde im Kreuzverhör bewiesen, daß seine früheren gravirendeu Aussagen nur aus sehr oberflächlicher Änichuuung beruhten. Die Rechtsprechung für den Fall der Verurtheilung wurde dem vollständigen Collegium von 18 Richtern vorbehalten. Die Sitzung wurde auf morgen vertagt und Capitän Kehn gegen Bürgschaft fceigelaffen.

Spanien.

Madrid, 5. April. Im Senat beantragte Silva die Aufhebung der Fueros in Biscaya und Navarra und die Herstellung der Einheit in Bezug aus Verwaltung und Verfassung. Der Minister-Präsident Canovas de Castillo er­widerte, diese Einheit bestehe bereits. Delegirte von Biscaya und^Navarra würden demnächst nach Madrid kommen und mit der Regierung über ihre innere Verwaltung verhandeln.

Türkei.

Konstantinopel, 6. April. Dem Vernehmen nach bestätigt es sich, daß Edhem Pascha zum Botschafter in Berlin ernannt wird; Fussuf Pascha bleibt Finanz-Mmister, dagegen wird Sadullah Bey zum Handels-Minister er- haiuu. «Jit jinanjieuen Verhandlungen uoer vte den lAarantieen für tue türkischen Staatsglänbigrr zu gebende Form werden fortgesetzt. Einer Meldung desBassiret" zufolge wären die jüngst in Bosnien aufgetauchten Insurgenten- Banden wieder zerstreut.

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