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antwortete: „WaS Sic hier srhen, ist mein ganzes Besitzthum." — „Davon darf ich Ihnen freilich nichts nehmcn", sagte ruhig der Executor. Jetzt wendete sich die Frau zu dem Psändungsbeflissenen und fragte spitz: „Das thut Ihnen wohl recht leid?" Der Hohn, der in dieser Frage lag, ärgerte den Executor. Er hielt noch einmal mit verschärfter Sehkraft Umschau und erblickte nun auf dem Tischchen, vor dem die Frau saß, eine schöne blonde Haarflechte, die soeben dem Haupte der Mitschuldnerin einen erhöhten Reiz verleihen tollte Rasch ergriff der Executor nach dem breiten Ende der Flechte, ebenso schnell hatte aber die Frau daS andere erfaßt. Beide Parteien zerrten eine Weile an dem Haarzops; da rief der Executor: „Sie sind durch Ihre Unterschrift an dem Wechsel mit verpflichtet Lassen Sie los, im Namen des Gesetzes!" Dagegen kreischte die Frau: „Nimmermehr! Der Haarzopf ist ein Brautgeschenk meines Gatten." Da kam dem erzürnten Executor plötzlich eine Idee. Er hielt mit der linken Hand die Haarflechte fest, feuchtete das noch in der rechten Hand habende Gerichts-Siegel aus der Zunge nn und befestigte eG am unteren Ende des Streitobjektes. „So", sagte er nun mit triumphirender Miene loslassend, „die Haarflechte ist jetzt Eigenthum des Gerichts; wehe Ihnen, wenn ich bei der Abholung das Siegel daran nicht vorfinde!" Nachdem er den Vorfall in den Acten notirt hatte, empfahl er sich. Die Frau wollte jetzt ebne Weiteres daS Siegel wieder abreißen; doch ihr gesetzeskundiger Mann sprang schnell b'nzu und rief: „Halt, Ida! Willst Du Dich in Strafe bringen?" Die Gapriciöse tetzte sich wieder vor den kleinen Spiegel und sagte schnippisch: „Ich will aber doch, und wenn das ganze Stadtgericht in den Zopf mit eingeflochten wäre, meinen Willen haben! Sie befestigte nun die Flechte auf ihrem Haupte; doch wie sie es auch anstellen mochte, das fatale Siegel kam immer wieder zum Vorschein. Endlich •fiegte das Genie: Madame nahm eine dunkle Rose von ihrem Hute und verdeckte damit das Gerichtssiegel. Mit diesem Hauptschmuck geht die couragirte Frau täglich spazieren. Hoffen wir, daß e5 dem Gatten gelingen wird, zur Erhaltung der edlen Weiblichkeit den Gläubiger vor der Abholung deS haarigen PfanoftückeS zu befriedigen.
— (Er hat Wort gehalten) Folgende sehr interessante Geschichte auS der Jugendzeit eines allbekannten Staatsmannes entnehmen wir der „Slaattzbürger-Ztg.": Im Jahie 1838 lebte in Magdeburg ein junger 26jähriger Regierungs-Assessor C-, der in angestrengtester Thätigkeit ein wahres Einsiedlerleben sührte und dessen einzige Abwechselung darin bestand, daß er allabendlich einige Stunden in dem Hause einer Wittwe verbrachte. Das HauS der Frau v. Sch . - ., welche mit ihrer 18jährigen Tochter Ludmilla eigentlich kein Haus machte und nur selten Gesellschaften sah, schien den bürgerlichen Regierungs-Assessor so ganz gefesselt zu haben, daß man schließlich eine innige Zuneigung zwischen diesem und dem Fräulein 6. v. Sch • • • annahm und täglich eine Verlobungsanzeige erwartete. Ganz ab vom Wege waren diese Annahmen nicht; denn in der That, es hatte sich zwischen den beiden jungen Leuten ein fast mehr als freundschaftliches Verhältnitz gebildet, in dem es nur noch nicht zu einer offenen Erklärung gekommen war. Dies sollte denn auch geschehen. Es war am Abend des 21. October des oben gedachten Jahres, als es in der zwar stets freundlichen Wohnung der Frau v- Sch. ausnahmsweise noch freundlicher auSsah. An Stelle der ge- rvöhnlich brennenden Oellampen war das Wohn- und Empfangszimmer durch Kerzen erleuchtet, welche ein behagliches Licht verbreiteten. Auf einem neben dem Sopha stehen- den kleineren Tische sah man einen großen Napfkuchen, in welchem in Glashülsen 26 kleine Wachslichter staken, die de- Augenblickes warteten, um angezündet zu werden; vor dem Kuchen lag ein reich gesticktes Notizbuch. Endlich ertönte die Klingel, das Dienstmädchen öffnete mit dem laut gesprochenen: „Ah, der Herr Assessor!" ein Zeichen, die Wachslichte avzuzünden, während sich der Angekommene im Corridor seines UeberfieherS und der Ueberfcbube entledigte, — dann öffnete sich die Thür und jubelnd in die Hände klatschend wurde der Erwartete von Fräulein Ludmilla in das Zimmer
und an den Tisch mit den Geschenken gezogen und hier von Mutter und Tochter auf das herzlichste zu seinem 26. Geburtstage beglückwünscht. ES war die- um so mehr eine Ueberraschung, als daS Geburtstagskind selbst nicht an seinen Geburtstag gedacht hatte. Genug, dieser Abend gestaltete sich für die Drei — namentlich für die beiden, jungen Leute — zu einem wahren Freudenfeste; es kam zu einem Herzensaustausch- und einer Liebeserklärung, der die Mutter ihren besten Segen gab. ES war um Mitternacht, altz die Glücklichen sich „Dein auf Ewig" und „nie einem (einer) Andern gehören" von einander trennten — es war bestimmt „für ewig". — Am andern Morgen um 6 Uhr war Ludmilla infolge eine§ Bräune-Anfalls verschieden. Er trug seinen Schmerz mit echtem ManneSmuth. Zwei Jahre später folgte die Mutter der Tochter, und nun duldete eS ihn auch nickt länger mehr in Magdeburg, er wurde nach Berlin versetzt. AlS er von dem einfachen Grabhügel Ludmilla's schied, wiederholte er „für ewig Dein." — Und er hat Wort gehalten. Der heute 64jähriqe Mann, der eine der höchsten Stellungen im Staat errungen, hat sich diesem mit seinen geistigen und kör- Perlichen Kräften vermählt, aber sein Herz ist „ihr" treu geblieben-
Florenz, 28. Jan. (Ein Käfig für hundert Angeklagte.) Am 1. Februar beginnt in Ferrara vor dem dortigen Schwurgerichte ein Prozeß gegen eine Bande von ungefähr 100 Dieben und Räubern Um nun sämmtliche Angeklagte im Gerichtssaale gehörig zusammenhalten zu können, wird für sie daselbst eigen? ein Käfig (?) hergerichtet, in dem sie alle untergebracht werden- Der Käfig wird zwei Abtheilungen haben, und zwar eine gänzlich aus Eisen fabricirte, für die Gefährlichsten dieser Bande, und die andere aus Holz für die Friedfertigeren derselben.
— (Ein classiscker Steckbrief.) Der hochachtbare württembergische „Staatsanzeiger" bringt unter seinen gerichtlichen Anzeigen einen Steckbrief, den wir als köstliche Probe schwäbischen Amtsstyls nachstehend in seinem Wortlaute folgen lassen: „Balingen. Diebstahls-Anzeige. In der Nacht zwischen Dienstag den 18. und Mittwoch den 19. Januar d. I. wurde in das Haus und den Kramladen der Wittwe Anna Ammann von Erzinqen unter Anwendung eines scharfkantigen Werkzeugs eingebrochen und der Inhalt ihrer Ladenkasse, bestehend in Nikel- und Kupfermünze und Zwanzigpfennigstücken im Betrag von 34—41 Mark gestohlen. Der Dieb hat, wie zurückgelassene Spuren beweisen, am 16. oder 17. Januar Sauerkraut und Fleisch gegessen. Dies wird zu bekannten Zwecken veröffentlicht. Den 22. Januar 1876. K. Oberamtsgericht. Scholl." Es würde uns nun sehr interessiren, zu vernehmen, ob und wo besagte „zurückgelassene Spuren" als corpus delicti aufbewahrt worden sind.
— Bader Mück in Kirchfittenbach bei Nürnberg kurirte ein paar Beinbrüche so wunderbar, daß ein ftubirter Doktor hintennach die Beine abschneiden mußte, um die Bauern zu retten. Als eS zur Klage kam, machte das Nürnberger Gericht au- der Mücke einen Elephanten, wie der Bader versickert; es verurtheilte ihn nämlich nicht nur zu 6 Monat Gefängniß, sondern auch zu 3000 Mark Entschädigung an jeden der beiden einbeinigen Bauern.
— Von Anspach-Gunzenhausener 7 fl.-Loosen sind biS jetzt ca. 4000 Stück mit Gesarnmt-Gewinnen von ca. 50,000 fl. verloost, zum Theil schon sehr lange, und nicht erhoben. Unter den größeren Gewinnen finden wir: Serie 361 Nr. 37 mit 500 fl., Serie 3425 Nr 25 mit 100 fl., Serie 3844 Nr. 35 mit 200 fl. Gewinn
— (Ende des Prozesses um die Singcr'sche Hinterlassenschaft.) Die „New-Aork. Handels-Ztg." berichtet: Der Nachlaßrichter hat entschieden, daß Frau Isabella Eugenia ennger, die fünfte Gattin von Jsak Merrit Singer, der Erfinder der nach ihm benannten Nähmaschine, als dessen legitime Wittwe zu betrachten sei. Der Einspruch seiner dritten Gattin, von welcher sich der Verstorbene 1862 nach zweijähriger Ehe hatte scheiden lassen und welcher er von seinem sich auf Lstr. 14,000,000 belaufenden Vermögen Nichts hinterlassen, ist demnach abgewiesen worden.
Allgemeiner Anzeiger.
Bekanntmachung.
Vom 1. Februar er. ab werden in der Zeit von 8 Uhr Vormittags bis BFUhr Abends die Telegraphischen Depeschen am Fahrpostschalter der Kaiser- lichen Stadtpost-Expedition angenommen. Von 8 Uhr bis 9 Uhr Abends, sowie vom 1. April bis ultimo September auch von 7 bis 8 Uhr Vormittags sind dieselben bei dem Telegraphen-Amte selbst im ersten Stockwerk des Löwenstein und Strauß'schen Hauses in der Wallthorstraße abzugeben.
Kaiserliches Telegraphen-Amt.
de Ahna.
Die Gewerbebank Gietzen,
(eingetragene Genostenschast)
fordert ihre Gläubiger hiermit zur baldigen Empfangnahme der pro 1875 noch nicht erhobenen Zinsen von Darlehen auf und macht gleichzeitig bekannt, daß sie ihre Geschäftsstunden vorerst
für Dienstag und Samstag,
Vormittags von 9 bis 12 Uhr,
Nachmittags von 2 bis !k Uhr, für die übrigen Wochentage aber
Vormittags von 9 bis 12 Uhr
festgesetzt hat. (660
Gießen, den 5. Februar 1876.
Namens des Ausschusses:
I Honstein, Vorsitzender.
Jagd-Verpachtung
Dienstag den 15. b. Mts., Nachmittaas 1 Uhr, soll die der Gemeinde Södel zustehende Jagd von 450 Hectaren Feld und 150 Hektaren Wald = 2400 Hessische Morgen am derweit auf 6 Jahre im Gemeindehause verpachtet werden. (627
K Södel, am 3 Februar 1876.
Großherzogliche Bürgermeisterei Södel. Reitz.
Versteigerungen.
Holzversteigerungen.
Die auf Freitag den 11. b. M-, Vormittags 9 Uhr, im Geiveindewald Reiskirchen und Nachmittags 2 Uhr im Gerneinbewald Niederwetz anberaumt gewesenen Holzner- steigerungen werden am
Samstag den 12 d. M,
-u den angegebenen Stunden abgehalten werden. (654
Groß-Rechtenbach, den 5. Februar 1876.
Bürgermeisteramt.
Hardt.
Hannover - Bayerisch - Bestrr- reicher Eisenbahn-Verband.
Zu dem Tarif für rubr. Verkehr ist der 28. Nachtrag erschienen, welcher am 16. er. in Kraft tritt. Durch denselben wirb die Station Sachsen der Bayerischen Staatsbahn in den Verbands-Güterverkehr aus genommen. (664
Gießen, den 3. Februar 1876.
Die Direktion der Oberhessischen Eisenbahnen.
Versteigerung.
Auf freiwilligen Antrag des Georg Dietrich von Langd und Philipp Becker von Hungen sollen
Freitag den 11. Februar, Morgens 11 Uhr, die denselben gehörige Ziegelei nebst Inventar und den dazu gehörigen Lehmgruben auf unserem Büreau meistbietend versteigert werden- (602
Die Versteigerungsbedingungen können bei uns jeden Tag eingesehen werden.
Hungen, den 3. Februar 1876. Großherzoglichcs Ortsgericht Hungen.
Bender.
Holzversteigeruug
in der Fürstl. Oberförsterei Lich.
Im District „Meilbach" soll nachverzeichnetes Holz versteigert werden
1. Montag den 14. Februar r
Schth. Plh. Stckh Nsh.
Raummeter Wellen
Centi-
27
28
341
78
114
116
4210
2570
1070
100
10
22
2
Buchen
Eichen
Nadelholz
Aspen Weickholz
Hainbuchen Kirschbaum
(Rundscheitholz) besgl.
2 27'/,
27 —
2. Dienstag den IS. Februar r
189 Eichenstämme von 15—73 ~
meter Durchmesser und 3—13 Meter Länge, mit 112 Kub -Meter,
118 Fichtenstämme von 15—30 Eenti- meter Durchmesser und 9—22 Meter Länge, mit 59 Kub.-Meter,
6 Elsbeer- und 2 Lindenstämme mit zusammen 2 Kub.-Meter Inhalt,
45 Eichen-, 25 Buchen- und 336 Fichtenstangen. (650
Zusammenkunft jedesmal Morgen- 10 Uhr auf der Hattenröder Chaussee, I Stunde von hiesiger Eisenbahnstation.
Lich, den 4. Februar 1876.
Wimmenauer, Forstrath
Aeilgeöotenes.
Für Jura Studirende.
Mejer, Kirchenrecht,
Meyer, Kirchenrecht,
Richter K Doue, Kirchenrecht, billig zu verkaufen. (644
_______________I. Rothenberger.
629) Eine Wiese von ca 1000 OÄlftr. in der Nähe des Schiffenberger Wegs ist zu verkaufen. Näheres bei I. B l i h. Frischr CaiiUankii
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I. A Bufch Söhne.


