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Dienstag, den 8. Februar.

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Anseige- md Amtsblatt für hm Krris Gießen.

&Meint täglich mit Ausnahme des Montags. vierteljährlich 2 Mar, 2» Pf-mit Bringerlohn.

Expedition: Schulstraße, 2lt. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen viertcliährlrch 2 Mark 50 Pf.

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gelangte der Cardinal LedochowSky wieder in Freiheit unb wird derselbe nach allen bisher bekannt gewordenen Mittheilungen bald nach seiner Haftentlassung ebenfalls nach Nom gehen. Kürzlich erst wurde die Nachricht colportirt, daß gleichzeitig mit Ledochowsky ein deutscher Prälat in Rom erwartet werde, um in die Berathung eines modus vivendi mit der deutschen Regierung einzutreten. Der signalisirte Prälat ist also Hohenlohe - Schillingsfürst. Die Cardinale Hohenlohe und Ledochowsky sind mithin die Friedenstauben zum Ende des Cul- turkampfes, Ledochowsky dürfte seinen Antecedentien zufolge mehr die vermeint­lichen Rechte des Papstes vertreten, während Hohenlohe als Anwalt der deutschen Regierung gelten kann. Die als verbürgt bezeichnete Nachricht, daß Graf Ledochowsky seinen Aufenthalt dauernd in Rom nehmen wird, spricht dafür, daß er fernere Conflicte mit der preußischen Regierung vermeiden will, wohl auch des Martyriums müde geworden ist. Jmplicite erkennt er aber auch durch Aufgabe des Kampfes die preußischen Staatsgesetze an, auf Grund deren seine Absetzung erfolgt ist. Auch dieses negative Moment darf als ein Symptom des Friedensbedürfnisses Seitens der Ultramontanen gedeutet werden.

Wenn Cardinal Hohenlohe eine Mission nach dem Vatican hat, so ist dieselbe unter allen Umständen eine sehr heikele. Fasten wir aber auch nur die Thatsache der Anwesenheit Hohenlohe's in Rom in's Auge, so verdient dieselbe alle Beachtung. Sie berechtigt zu gewissen Erwartungen, große Hoffnungen daran zu knüpfen sind wir jedoch nicht in der Lage.

Fürst Hohenlohe.

Seit jener Zeit, als der Papst sich weigerte, den Cardinal Hohenlohe als Vertreter des Deutschen Reiches im Vatican zu empfangen, hat der Letztere wohl allen Grund, gegen den heil. Vater nicht eben freundschaftliche Gesinnun­gen zu hegen; der Cardinal hat sich seitdem als freiwillig Verbannter aus Rom betrachtet und ist wohl nicht wieder in Rom erschienen. Die Geschichte sowohl, als auch die Mythe haben den deutschen Prälaten vielfach in Beschlag genommen. Während derselbe dolce far niente auf seinem Schlosse zu Schillings­fürst verweilte, versetzte ihn die Fama nach Rom. Es war das vor wenigen Monaten, als zuerst das Gerücht von Versöhnungsversuchen zwischen dem Va­tican und der deutschen Regierung auftauchte, damals sollte der Cardinal einige Tage im tiefsten Jncognito in der Siebenhügelstadt verweilt haben. Wir er­innern auch an jene Mähr, nach welcher Fürst Bismarck den Cardinal Hohen­lohe als Nachfolger Pius IX. ausersehen haben sollte, an die krampfhaften Lautelen und Präventiv -Maßregeln, welche im Vatican angeblich getroffen wurden, um den Einfluß des Antichrists bei Besetzung des heil. Stuhles zu paralvsiren. ,

Wie gesagt, das ist Alles Mythe, es wurde in Regieruugskrelsen so sehr für Mythe gehalten, daß man derartige Gerüchte nicht einmal eines Dementis werth erachtete. Wir sagten aber auch, daß die zeitgenössische Geschichte sich viel mit dem Prälaten beschäftigte. Wiederholt durchlief die Blätter die Nach­richt, Hohenlohe werde seinen Wohnsitz wieder an der Tiber aufschlagen. Die Nachricht konnte nicht lange aufrecht erhalten werden, denn es verlautete ebenso oft, der Papst wünsche seine Gegenwart in Rom nicht, oder aber der Cardinal weigere sich, dem Lockrufe auö dem Vatican Folge zu leisten. Wir coustatireu noch einmal den Unterschied zwischen denjenigen Nachrichten, welche überhaupt nicht dementirt wurden, und denjenigen, welchen die Widerlegung auf dem Fuße folgte. Nach Allem, was über den Cardinal Hohenlohe bekannt gewor­den ist, gelangte man zu der berechtigten Annahme, daß der deutsche Prälat trotz des wüthenden Culturkamvfes von beiden streitenden Parteien immer als mögliche Mittelsperson in Reserve gehalten worden ist. Die verschiedenen Dementis,einmal wollte der Papst, das andere Mal der Cardinal nicht", bezeichnen die verschiedenen Phasen des Culturkampfes, je nachdem die eine oder die andere Partei begründete Hoffnung auf einen vorteilhaften und neben­sächlich auf einen ehrenvollen Frieden zu haben glaubte.

Am 29. vorigen Monats ist Cardinal Fürst Hohenlohe von seinem Stamm­schlosse Schillingsfürst nach München gereist und hat sich am folgenden Tage mit dem Courierzuge nach Rom begeben. Seine Anwesenheit in der ewigen Stadt ist also kein Mythus mehr, sondern historische Thatsache. Es ist selbst­verständlich, daß über den Zweck seiner Reise die mannigfachsten Vermuthungen ausgesprochen werden, dochwas Gewiffes weiß man nicht." Er reist in rein persönlichen Angelegenheiten so sagen die Einen. Es gehört wohl zu den rein persönlichen Angelegenheiten, wenn der hohe Kirchensurst seinen Frieden mit dem sichtbaren Oberhaupt der christlichen Kirche machen, wenn er dem heil. Vater die Grundlosigkeit des Gerüchtes persönlich versichern will, der Cardinal intendire, Nachfolger Pio Nono's auf dem Stuhle Petri zu werden. Alle diese persönlichen Angelegenheiten können jedoch Angesicht- des Culturkampfes, Angesicht- der erwiesenen Bestrebungen einen modus vivendi zwischen Staat unt Kirche in Deutschland zu schaffen, eine- politischen Beigeschmack- nicht entkleidet

Aeutschkand.

Darmstadt, 3. Februar. In der heutigen Sitzung der Stadtver­ordneten fand sich der Bürgermeister veranlaßt, bezüglich des Polytechnikum- eine Auskunft zu enheilen, die im Wesentlichen darin gipfelt: Er habe Ver­anlassung genommen, osficiell bei dem Präsidenten des Ministeriums des Innern über die deßfallsige Lage der Verhältnisse um Auskunft zu bitten, und Hr. v. Starck habe ihm officiell erklärt und ihn zur Mittheilung an die Stadtverordneten ermächtigt, daß jene Gerüchte unbegründet seien. Bei Gelegenheit der Budget- Berathung in dem Finanz-Ausschuß zweiter Kammer sei ihm (dem Minister) entgegen gehalten worden, daß doch die Universität und das Polytechnikum viel Geld kosten, und Ersparnisse wünschenswerth seien, daß man daher die Absicht habe, insbesondere für das Polytechnikum nicht mehr zu' bewilligen, als im letzten Budget vorgesehen worden sei. Daraufhin habe er erklärt, wenn man der Regierung die Mittel entzieht, die Universität und das Polytechnikum weiter zu entwickeln und in den Stand zu setzen, die Concurrenz mit aus­wärtigen Anstalten zu bestehen, dann müßte sie daran denken, ob nicht eine Vereinigung mit der Universität besser sei; dann könnte man vielleicht mit ge­ringeren Mitteln auskommen. Diese Erklärung sei eine reine Privat-Ansicht von ihm gewesen und nur mit Rücksicht auf die in Aussicht gestellte Nicht-Mehr- Bewilligung abgegeben worden.

Darmstavt, 4. Februar. Die Nr. 5 des Großherzoglichen Regierungs-

Nun giebt es aber auch eine Lesart, welche der Reise Hohenlohe's nach Rom mehr oder weniger den Charakter einer Mission beilegt. Wir lassen un­entschieden, ob wir den Auftraggeber in Rom oder in Berlin zu suchen haben, so wird «rlculirt. Jedenfalls berechtigt die Thatsache an sich, daß Fürst Hohen- lohe überhaupt vermocht werden konnte, nach Rom zurückzukehren, zu der Vln» nähme daß der Wunsch nach einem modus vivendi in ein weiteres Stadium getreten ist. Die Anwesenheit Hohenlohe's in Rom, die ihm vielleicht große Selbstüberwindung gekostet haben mag, gestattet in Erwägung der übrigen in der letzten Zeit zu Tage getretenen Symptome wohl den Schluß, baS tm 45a tican in bei Thal der Will- rege geworden ist, einen Ausgleich mit der deut­schen Regierung herbei,»führen. Sucht man den Grund der angeklllchen Misst,n nach Rom in einem Wunsche des Papstes, dann dürste ,u St. Peter doch die U-berzeuaung von der Nothwendigkeit ,ur Reife gelangt sein, eine Vermittelung mit dem Manne anjubahnen, über den sich Pi° N°n° jüngst bet dem Lmpfange der deutschen Lolonie in Rom so bitterböse ausgelassen hat. Beiläufig sei hier noch erwähnt, daß die Jniti.tive zurMission"- in Rom in gewissen durchaus nicht reich-feindlichen Sphären in Berliner Hof- und Regierung-kreis-n gc- sucht wird

Wenn wir zwischen diesen beiden Ansichten eine Wahl treffen sollen so neigen wir zu der Ansicht, daß über die vatican.sch.n Kre se d>° Selbsterkennt- niß gekommen ist, im Augenblick sind für die römisch-.katholische Kirche im Culturkampse keine Lorbeeren ein,uheimsen, deshalb: Frisch gewagt ist halb ge Wonnen, suchen wir bis aus bessere Zeiten einen modus vivendi. Am d. d. M.

blatts hat folgenden Inhalt:

1. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, da- Kir­chengesetz über die Classification de- Diensteinkommens der evangelischen Geist­ichen betreffend.

Das betr. Kirchengesetz wird darin E öffentlichen Kenntniß gebracht.

2. Uebersicht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern für das Jahr 1876 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen n den Gemeinden des Kreises Groß-Gerau.

3. Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Worms, die Erhebung einer Umlage von den zum Friedhof-Verbände zu Dalsheim gehörigen Israe­liten betreffend.

4. Dienstenthebung. _ , v

5. Concurrenzeröffnungen. Erledigt find: die erste Gemeinde-Schulstelle zu Dreieichenhain mit einem Gehalt von 857 Mk. 14 Pfg. Dem V schwer und Gemeinderath zu Dreieichenhain steht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu; die vierte Gemeinde-Schulstelle zu Alzey mit einem Gehalt von 942 Mk. 86 Pfg., welcher sich bis auf den Betrag von 1371 Mk. 71 erhöhen kann; drei Lehrerinnenstellen an der höheren Mädchenschule zu Darm­stadt mit einem jährlichen Anfangsgehalt von 1400 Mk., welcher bis zum Betrage von 3400 Mk. ausstetgen kann. Die Stellen sollen mit Lehrerinnen besetzt werden, welche die Prüfung für das höhere Lehrfach bestanden habm; die Gemeinde - Schulstelle zu Schadenbach mit einem Gehalt von 785 Mk. 71 Pfg.; die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende erste Gemeinde- Schulstelle zu Hamm mit einem Gehalt von 857 Mk. 15 Pfg.

Darmstadt, 5. Februar. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben alleranädiast geruht: am 28. Januar den ordentlichen Professor in der juristi­schen Fakultät der Landes-Universität, Dr. Otto Wendt, auf sein Nachsuchen von feiner Dienststelle mit Wirkung vom 1. April 1876 zu entlassen.

Berlin, 4 Februar. (Fortsetzung des Reichstages.) Die Gesetz Vor- läge, betr. die Kaiser Wilhelm-Stiftung, wird in der ersten und zweiten Lesung