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Mo. 83. Freitag, den 7. April 1816.
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Ameise- UN- AmiÄktt für -en Kreis Gießen.
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Deutschland.
Darmstadt, 4. April. Von Seiten des Abg. Hirschhorn ist eine den Schlachtzwang in öffentlichen Schlachthäusern betreffende Interpellation an die Regierung gerichtet worden. Es wird aukgeführt, wie die Errichtung öffent» licher Schlachthäuser, zumal in Städten mit enger Bauart und unzureichender Eanalisation als eine wichtige Maßregel der Gesundheitspflege gelte und überdies den großen Vortheil der Ermöglichung leichterer Ueberwachung und gründlicherer Fleischbeschau biete. Das öffentliche Jntereffe erfordere darum die Hinwirkung auf die Erbauung öffentlicher Schlachthäuser, da, wo sie noch nicht bestehen, und Benutzung des Zwangs, da, wo sie schon eingerichtet sind. Könne auch durch § 112 des Polizei-Strafgesetzbuches an manchen Orten dem großen Nachtheil der Privatschlachterei etwas gesteuert werden, so stoße doch die Durchführung dieser polizeilichen Einschreitungen in der Praxis vielfach aus Schwierigkeiten. Ob durch die in der Kreisordnung vorgesehenen Maßregeln der Schlachtzwang in den öffentlichen Schlachthäusern durchgeführt werden könne, unterliege mancherlei tatsächlichen und rechtlichen Bedenken. Diese Verhältniffe hindern aber die Errichtung öffentlicher Schlachthäuser, denn es können die städtischen Organe diese nicht anorduen, ehe sie des Erfolgs dieser Maßnahmen sicher sind. Deshalb muffe die Gesetzgebung diese Materie regeln. Die Anfrage geht dahin, ob das Ministerium des Innern zur Einbringung einer diesbezüglichen Gesetzesvorlage bereit sei, resp. auf dem Verordnungswege, insoweit dies auf solchem statthaft ist, eine Regelung dieses Gegenstandes beabsichtige. — Weiter hat der Abg. Hirschhorn bei dem Bureau der Kammer den Antrag eingebracht, die Kammer wolle die Regierung um schleunigste Vorlage eines Gesetzes über anderweite höhere Besteuerung des Gewerbebetriebs im Umherziehen, insbesondere der sog. Wanderlager ersuchen. — Ein weiterer Antrag desselben Abgeordneten geht dahin, die Kammer wolle die Regierung um eine, die Verordnungen vom 18. März 1718, 2. März 1786 und 3. Februar 1796, soweit sich solche auf Baumbeschädigungen beziehen, völlig aufhebende, eventuell doch um eine den Ausschlag auf die Gemetndekaffen in den zutreffenden Fällen verordnende Gesetzesvorlage ersuchen.
Darmstadt, 5. April. Die ortsanwesende Bevölkerung des Groß- herzogthums Hessen betrug nach dem vorläufigen Ergebniß der Volkszählung vom 1. December 1875, worüber die Mittbeilungen Großh. Centralstelle für die Landesstatistik demnächst näheren Aufschluß geben werden, 882,349 Personen. Es hat daher seit der Erhebung vom 1. December 1871, bei welcher die Bevölkerung 852,894 Personen zählte, eine Zunahme von 29,455 Personen oder um 3,45 pCt. stattgesunden, während in der vorhergehenden Zählungsperiode 1867/71 eine Vermehrung von nur 21,058 Personen oder 2,53 pCt. sich ergab. — Auf tue Provinz Starkenburg treffen 369,422, auf Oberhessen 253,763 und auf Rheinhessen 259,164 Bewohner. In der Provinz Starkenburg hat die Bevölkerung einen Zuwachs von 19,521 Köpfen oder von 5,58 pCt., in Oberhefsen von 721 Köpfen oder von 0,28 pCt., in Rheinhessen von 9213 Köpfen oder von 3,69 pCt. erfahren. Die letztere Provinz nimmt, der Größe der Bevölkerung nach, nunmehr die zweite Stelle der Provinzen des Landes ein. Die größten Gemeinden des Großherzogthums hatten am 1. Dec. 1875 folgende Einwohnerzahlen: Mainz (einschließlich der Garnison von Castel) 57,847, Darmstadt 37,102 (Darmstadt mit Bessungen 43,937), Offenbach 26,008, Worms 16,597, Gießen 13,980, Bessungen 6835, Bingen 6104. Die stärkste Zunahme zeigt Bestungen mit 17,95 pCt., zunächst folgen Offenbach mit 15,07, Worms mit 14,59, Gießen mit 14,17, Darmstadt mit 9,77, Bingen mit 7,85 und Mainz mit 4,97 pCt.
Darmstadt, 5. April, Mittags. Die Königin von England ist soeben von Baden-Baden hier eingetroffen, um die Familie ihres Schwiegersohnes, des Prinzen Ludwig, zu besuchen. Die Rückreise erfolgt Nachmittags 5 Uhr.
Berlin, 4. April. Drei verantwortliche Redacteure wechselten in vergangener Woche bei der „Germania" ihre Stelle. Bis zum Dienstag war bei diesem Blatte als verantwortlich für die Redaction Joh. Sonnen gezeichnet worden, am Mittwoch, 29. März, zeichnete Andr. Popiolkowski, der schon früher einmal an der Reihe gewesen war; Donnerstag, 30. März, zeichnete Georg Pau! Hädicke.
— Der altkatholische Bischof Reinkens hat gegen den Obertribunalrath Peter Relchensperger bei der Staatsanwaltschaft des Berliner Stadtgerichts einen Strafantrag gestellt, weil der Verfaffer in seiner bekannten Broschüre über den Culturkampf die Behauptung aufgestellt hat, daß der Mitgebrauch einer katholischen Kircke durch die Altkatholiken diese entweihe.
Berlin, 4. April. In Bezug auf die „Franconia-Affaire" verlautet, M der Proceß gegen Kapitän Kuhn wegen Todtschlages am 6., 7. u. 8. April dot dem Central Criminal Court in London zur Verhandlung kommt, während
der gegen die Hamburger transatlantische Gesellschaft Seitens der Rhederei des „Strathclyde" erhobene Schadenanspruch erst gegen Ende April im Admi- ralty Court verhandelt werden wird. Der Schaden der „Franconia" ist mit einem Kostenouswande von 2000 Pfd. St. bereits reparirt und hat die Direc- tion der genannten Gesellschaft den Ersatz dieser Kosten Seitens der Rhederei des „Strathclvde" in Anspruch genommen.
Berlin, 4. April. Das Befinden des Fürsten Reichskanzlers hat gestattet, daß derselbe am Samstag wieder einen längeren Spazierritt im Thiergarten unternehmen konnte. Bei der heutigen Verhandlung über Lauenburg im Hause der Abgeordneten ergriff Fürst Bismarck nicht weniger als fünfmal das Wort. Ein Mitglied des Lauenburger Landtages macht in einer an die „Nat.- Zeitnng" gerichteten Zuschrift darauf aufmerksam, daß der Landtag selbst mit 10 gegen 7 Stimmen den Wunsch ausgesprochen habe, daß Die gegenwärtige Landesvertretung nicht länger fortbeftehe, sondern nach der Beendigung der jetzigen Wahlperiode ein neues Wahlgesetz in Kraft treten möge. — Der deutsche Botschafter Graf Stolberg-Wernigerode trifft Ende April in Wien ein und wird den üblichen Empfang noch im gegenwärtigen Botjchafts-Palais abhalten
— Der Schriftsteller Dr. Heinr. Beta ist nach langen Leiden am Schlagfluß gestorben. Er machte sich in den Märztagen 1848 als einer der Aufgeregtesten bemerkbar, flüchtete später, wegen Hochverraths verfolgt, nach England und kehrte 1868 mit Freiligrath und Kinkel nach Deutschland zurück.
Berlin, 5. April. Die „Prov.-Corresp." meldet, die Abreise des Kaisers zum Besuche der Königin Victoria werde auch heute noch nicht stattfinden können; für Den Aufenthalt des Kaisers in Wiesbaden sei vorläufig etwa vom 18. April angefangen ein mindestens vierzehntägiger Zeitraum in Aussicht genommen.
Dom Niederrhein, Anfangs April. Aus Löwen wird der „Köln. Volksztg." berichtet, daß der vormalige Bischof von Paderborn dort auf seiner Durchreise durch Belgien eingetroffen und beim Rector Magnificus der Universität, Msgr. Nameche, abgestiegen sei. In Köln sind das erzbischöfliche Palais und vier Domcurien bereits vermiethet. Dem Weihbischof Baudri, welcher seine Amtswohnung gleichfalls bis zum 22. l. Mts. zu räumen hat, soll von einer Kölner Familie ein anderes Haus zur Verfügung gestellt worden fein.
Stettin, 3. April. Heute Mittag 12 Uhr lief der auf der Werft von Möller und Hollberg für die kaiserliche Marine gebaute Offensiv-Torpedo- Dampfer glücklich vom Stapel. Derselbe hat bei der Taufe den Namen „Ulan" erhalten.
Wiesbaden, 4. April. Heute Nachmittag wurden aus der Hinterthür der katholischen Kirche unter Aufsicht eines jüngeren Geistlichen (Caplans) Jn- ventarienstücke auf einen Wagen geladen und in das Hans Friedrichsstraße Nr. 18 transportirt. Indessen erschien der Wache habende Polizei-Beamte, um den Thatbestand zu constatiren und höheren Orts Meldung zu machen. — Die Römisch-Katholischen haben einen Saal in der Friedrichsstraße für ihre gottesdienstlichen Zwecke für 4500 fl. jährlich gemiethet. Eine Dame hat für den Neubau einer Kirche 3000 Mk. gegeben. (Rh. Kur.)
München, 4. April. Der kürzlich vom Bezirksgerichte Bamberg wegen zweier straftbarer Predigten gegen die Civilehe zu einer zweimonatlichen Ge- fängnißstrafe verurtheilte Kaplan Karl Mayer in Scheßlitz, welcher bekanntlich gegen die Aufforderung, seine Strafe binnen 3 Tagen anzutreten, in einem Schreiben an den kouigl. Bezirksgerichts-Director in Bamberg protestirte, wurde, von einem Gensd'armen begleitet, zu Fuß als Gefangener in Bamberg eingebracht und in die Frohnfeste abgeliefert. Der Herr Kaplan schritt im geistlichen Talar, das Gebetbuch in der Hand, langsam vor dem Gensd'armen durch die Hauptstraßen der Stadt zum Gefängniß.
Hesterreich.
Wien, 4. April. Heute Vormittag hat eine Sitzung des gemeinsamen Ministeriums unter dem Vorsitze des Grafen Andraffy und unter Betheiligung der Minister-Präsidenten und Finanz-Minister beider Reichshälften stattgefunden. In demselben wurden zunächst die Budgets des auswärtigen und des Finanz- Ministeriums erledigt; das Mehr-Erforderniß für die Botschaft am italienischen Hofe wird durch Ersparnisse beglichen. Sodann begann eine eingehende lebhaftere Erörterung des Kriegs-Budgets, welche morgen fortgesetzt werden soll.
Pesth, 4. April. Dem „Pesther Lloyd" zufolge beabsichtigt der Com- munications-Minister v. Pechy, die Pesth.Semliner Eisenbahn auch ohne vorgängige Vereinbarung mit der serbischen Regierung als Nothstands-Bau demnächst in Angriff nehmen zu lasten.
Pesth, 4. April. Die „Corresp. Hongroise" veröffentlicht in ihrer heutigen Nummer ein Telegramm aus Belgrad, wvnach Ristic sich persönlich in


