Hi». 31
Sonntag, den 6. Februar.
l'l,“
18V«
Hüt:
AMige- uni) Amtsblatt für ben Kreis Gieße«
Der französische Senat.
r>
1 ö,,r qegkii
inbfn, wcrbffl
(609
mb.
nÄvla^'
L^r^wrii ^len Sache fi ungemein günstigen Wahlresultate) nur ei !1' Äflbfll1 i!e ^cm ^stkn energischen Luftzuge gegenüber nicht Stich kltlltltli tie Regierung hat die künstliche Atmosphäre erzeugt, in d
\Ub»°U/
| UnW nadlet
Jar(Fuhr tu
Da die bevorstehenden Neuwahlen zur Deputirtenkammer schwerlich ein für die Richtung Buffet's günstigeres Resultat ergeben werden, da sich im Vegentheil annehmen läßt, daß die Niederlage der Regierung bei diesen Wahlen eine viel eklatantere sein, daß die Majorität der zweiten Kammer den entschiedenen Republikanern zufallen wird, so entsteht naturgemäß die Frage, ob unter soichen Umständen das Ministerium haltbar sein wird, ja ob der Marschall Mac Mahon selbst nicht viel zu sehr zu Gunsten eines rcactionären Regiments engagirt ist, jedenfalls viel mehr, als es seine Stellung erfordert, ja eigentlich gestattet, um ohne die Umkehr in völlig neue Bahnen die Reaie- mng fortzuführen.
sind Sieger geblieben und die Voraussetzung, unter welcher die Regierung des Marschall Mac Mahon die Constituirung eines Oberhauses betrieb die Voraussetzung mit einer solchen Institution den Interessen der Reaktion zu dienen hat sich als hinfällig erwiesen. Man darf schon heute sagen, daß die politische Physiognomie des Senats eine bei weitem mehr republikanische sein wird, als es die der constituirenden Nationalversammlung früher gewesen und doch schien die Majorität dieser Nationalversammlung dem Marschall-Präsidenten schon viel zu liberal.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expedition: Schul st raße, Lit. B. Nr. 18.
. .........e-r-7— —। *•*■*□*■ d-d—-......... —- zu halten vermag.
Lie Regierung hat die künstliche Atmosphäre erzeugt, in der der Samen dieses Gewächses aufging. In Frankreich sind die Senate und Pairskammern stets gotische Pflanzen gewesen. Napoleon I. schuf den ersten Senat, die Restaura- lion der Pair-kammer. Aber so wenig die Existenz dieser Säulen des Staates dm Untergang des ersten und zweiten Empire zu verhindern vermochten, so ettl*9 haben sie die Monarchie Ludwig XVIII , Carl X. oder Louis Philipps i» Pützen vermocht. Der jüngste Senat ist ein seltsam geartetes Mischwesen, er Striat einer Republik; wird er dem Septennat diejenige Festigkeit ver- die der Zweck seiner Schöpfung war? Die gemäßigt republikanische Erdung, welche der neue Senat zeigen wird, läßt weit eher Vermutheu, daß ? rinen Keil in den zähen Conservatismus treiben wird, den die Regierung ! e» Marschalls Mac Mahon bisher vertrat. Es ist möglich, daß diese con- siwativen Bestrebungen ihr Gutes gewirkt haben. Frankreich bedurfte nach
Prcio vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Irankreich.
Paris, 3. Februar. Die .France" bestätigt die Nachricht der „Times", daß Buffet entschlossen sei, unmittelbar nach den Abgeordneten-Wahlen zurück- utreten, und dies dem Marschall Mac Mahon erklärt habe. Die Meldung tößt trotzdem auf Zweifel.
Paris, 3. Februar. Die „«gencc Havas" meldet: Die spanischell Regierungs-Truppen haben Lesaca und Echalar besetzt; jedoch haben die Car- isteu noch Pera inne. Die Larlisten haben alle über die Bidaffoa führenden Brücken abgebrochen.
«**
Tt« f""
J75.
rc W6ä(te. jrikdbergki Turni^ beiten.
* >" «*a
Keutschland.
sro....9!t“8 Hesien, 3. Febr. Gegenüber den
o^ll^rll^äCn Berj$‘ebenex Blätter über eine Erklärung des Austritts aus der Landeskirche von 106 Bewohnern Rüffelsheims sind die „N. Heff. Lolksbl." in der Lage, versichern zu können, „daß eine officielle Austritts-Erklärung gar mcht erfolgt war, und daß auch die dahin zielenden Verabredungen nach beffe- rer Klarstellung der thatsächlichen Verhältniffe vollständig ruhen.»
,. r 3 Februar. Vorgestern wurde der Bischof wiederholt vor den
hteMn Untersuchungs-Richter geladen, um darüber vernommen zu werden ob tr Moufang beauftragt habe, in Rödelheim Gottesdienst zu halten. Dem „Mainz. Jouru.» zufolge wurde diese Frage vom Bischof verneint.
. 3‘ Februar. Nachdem die zwischen der preußischen Regierung
und den Ständen von Lauenburg geführten Verhandlungen zum Abschlüsse ae> langt sind, erfolgt voraussichtlich die Vorlage in Betreff der Jncorporiruna des Herzogtums Lauenburg in die preußische Monarchie noch im Laufe der gegenwärtigen Session des Landtages.
£ Berlin, 3 Februar. Das Stadtgericht sprach den Angeklagten Gehl- sen, Redacteur der „Eisenbahn-Zeitung», der Beleidigung des Aufsichts-Rathcs der Rumänischen Eisenbahn-Gesellschaft und des Reichskanzlers Fürsten Bi«, marck nach Art. 184 und 186 des Strafgesetzbuchs schuldig und verurthetlte ihn zu einer Gefäugnißstrafe von 4 Monaten.
Berlin, 3. Februar. Der Reichstag erledigte in zweiter Lesung unverändert nach den Anträgen der Budget-Commission: die Gesetz-Entwürfe, betr. : Verwendung der zum Retabliffement des Heeres bestimmten Geldmittel • betr 1 dt- Verwendung aus der französischen Kriegskosten-Entschädigung, und betr. die i Geldmittel für den Artillerie-Schießplatz, für das Dienstgebäude des Generalstabs und für die Kasernen-Bauten in Leipzig und Bautzen. Hierauf folgte die zweite Berathung des Hilfskaffen-Gesetzes, dessen erste 6 Paragraphen wesent- lich nach den Commissions-Anträgen genehmigt wurden. Der mit $ 6 zusam- b-^'h-ne §15 wurde mit 121 gegen 120 Stimmen mit einem den Äommtffions-Beschluß modificirrnden Antrag genehmigt, wonach der Austritt oder Ausschluß aus einer Gesellschaft oder einem Vereine nicht den Ausschluß au$ Jur 5oI9e haben soll. — Heute Abend um halb 8 Uhr findet
eine Abend-Sitzung statt. 1
3’ 8c6r- Der Reichstag vollendete in der Abend-Sitzung, die bis 11 Uhr währte, die zweite Lesung des Hilfskaffen-Gesetzes. Zu den §§ 7 iint. 25 wurde die Regierung«.Vorlage ganz, zu § 27 dieselbe theilweise wie- ber oergc(iellf § 35 wurde gestrichen, das Uebrige nach den Commission». Anträge» genehmigt. — Der Vice-Präsident Hänel theilte mit, Präsident ’• Forckenbeck sei telegraphisch in seine Heimath gerufen.
Berlin, 3. Februar. Graf Ledochowsky ist heute Abend in Berlin emgetroffm und gedenkt morgen weiter zu reisen.
Berlin, 4. Februar. Der R-ichskanzler Fürst Bismarck ist so weit wieder hergestellt, daß er sich heute zum Vortrage zu Sr- Majestät dem Kaiser begeben konnte.
Serltn, 4. Februar. Graf Ledochowsky empfing gestern Abend im Hotel die Centrums-Fractioii des Reichstages und die hiesige katholische Geist- uchkeit. Heute früh reiste derselbe mit dem Fürsten Edmund Radziwill nach Prag ab
Ostrowo, 3. Februar. Graf Ledochowsky ist heute früh der Haft entlasten worden. Derselbe ist sodann in Begleitung des Landraths Dallwitz und zweier höheren Polizei-Beamten per Bahn in der Richtung nach BreSlau abgereist und wurde ihm bedeutet, daß er in Torgau internirt werden würde, falls er die Provinzen Schlesien und Posen oder die Regierungsbezirke Frankfurt und Marienwerder betreten sollte.
Mödctrn auf Louis qsirr, | Neuenbäuen.
Men, Wtrfl, Rch 'dm etfaufr von Rothenberger, ifummtfl 193.
,r -Itich-
Kl 50,000, 30,000,
Lit, iutn”"
Scheint aber nach dieser Richtung hin der Ausfall der Senats wählen als bedrohlich für die Aufrechterhaltung des Status quo ante, so können wir doch nicht umhin, denselben als heilsam für die gesammte politische Entwicke- liing Frankreichs, als heilsam, namentlich auch im conservativen Sinne, anzu- s'hen. Ein reactionärer Senat würde zu einem Zwiespalt der gesetzgebenden Gewalten geführt, die Regierung, auf einen solchen Senat gestützt, würde in stetem Kampfe mit der den Volkswillen repräsentirenden Deputirtenkammer gewesen sein, dieser Kampf würde auch außerhalb des Parlaments sei» Echo <a seine Fortsetzung gefunden haben und die Folgen solcher Conflicte gerade für ! tin so impulsives Volk, wie die Franzosen, laffen sich schwer voraussehen. Anders jetzt. Die gemäßigt republikanische Majorität wird die Regierung vor allen rcactionären Unbesonnenheiten bewahren, sie wird Fühlung mit der Majorität des Volkshauses haben und die Gesetzgebung Frankreichs wird auf dem Wege des Eompromiffe« weiter geführt werden. Freilich scheint uns ein so vorwiegend reactionäres Ministerium, wie das jetzige, sehr wenig geeignet weiter ,u regieren, indeß dürfte der Marschall-Präsident sich wohl oder übel in das Unvermeidliche fügen und wenigstens den Versuch machen, auch einmal nach librralen Grundsätzen und mit liberalen Ministern zu regieren. Der notorisch vorhandene Bruch innerhalb des französischen Ministeriums ist vor dem Schluß der Session nur notdürftig verkleistert; er dürfte ehestens wieder zu Tage treten, da es jetzt nicht mehr gilt ad hoc zu wirken. Die am 20. d. Mts. bevorstehenden Wahlen dürften leicht der letzte Liebesdienst sein, den die Herren .Buffet und Genoffen der Reaktion erweisen, während der Chef des Septennats wohl nicht so schnell das Feld räumen wirb.
Es scheint demnach, als ob das Schutzmittel der Reaction „das Her- lenhaus", die Pairskammer, der Senat, ober wie man die parlamentarische Bremse der modernen FortschrittSwagen sonst nennen mag, diesmal den Dienst »ersagt. In Wirklichkeit darf man sich eines solchen Resultats im Jntereffe imer ruhigen Entwickelung aufrichtig freuen. Solche künstliche Hemmschuhe '"sagen gewöhnlich dann den Dienst, wenn man ihrer am dringendsten be- Rrftig ist, und noch niemals und nirgends haben sie, wenn der Zündstoff vorhanden war, dem Brande zu wehren vermocht.
Andere Beurtheilung fordert ein Oberhaus, das gewiffermaßen auf dem Boden, den es zu regieren berufen, geboren, auf demselben erwachsen ist. In kagland ist das Oberhaus der sichtbare Ausdruck einer Realität de« großen Grundbesitzes, vornehmlich in England ist das Oberhaus, was es in Wahrheit Im soll: die Vertretung eines Hauptfactors de« staatlichen Dasein«. Aber in jkankreich ist der Senat (wir müssen dies einsehen, trotz der relativ der libe- Äea Sache so ungemein günstigen Wahlresultate) nur eine Treibhauspflanze,
ben A"stre^ungen der Kriegsjahre, nach den Erfahrungen, die es gemacht,
So ist denn die Wahl der Senatoren vorüber und die Resultate dersel- beriaen ReoÄnä SV"? ®an,mI.u^ "^ gerade die Starrheit der bis- ben laffen sich mit einiger Sicherheit überblicken. Die gemäßigten Republikaner beiefiiaen senothigt, sich innerlich zu sammeln, zu
find „nb epuontaner befestigen. Aber nun dürfte die Mission dieser Regierung beendet sein Möa-
Nifien-biLVn ^Präsidenten auch in die neuen Bedingungen ber
Öjt(ten3 findet, die die veränberten Verhältniffe ihr auferlegen, aber mit bem unmöglich^ftin""' ^X'nClp "gieren, wird Angesichts dieses Senats


