Kulturkampf aller Orten.
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Das moderne Papstthum und der Ultramontanismus haben in den letzten Wochen schwere Schläge erlitten. Wir recapituliren noch einmal in Kürze, daß die angeblichen Ausgleichs- und Versöhnungsversuche zwischen der deutschen Regierung und dem Vatican, wenn sie überhaupt gemacht worden sind, als voll- iommen gescheitert betrachtet werden müssen; wir constatiren wiederholt, welche Einbuße der Curie durch das Ende des Carlistenkrleges erwachsen ist. Die päpstliche Negierung hat auf Alfonso's Königthum gewisse Hoffnungen gesetzt, der Papst fühlte sich veranlaßt, durch ein Breve an den Cardinal-Erzbischof von Toledo unter der Hand das Ministerium Cannovas del Castillo an seine Pflichten gegen die alleinseligmachende Kirche zu erinnern. Das Breve ist von dem Cabinet mit Protest zurückgewiesen worden, man darf wohl annehmen, daß I es Herrn Connovas del Castillo bitterer Ernst sei, sich den Anmaßungen der I Kurie nicht zu fügen, ob das aus Ueberzeugung, ob aus Opportunitätsrücksichten \ geschieht, ist irrelevant. Jedenfalls würde das Königthum Alsonso's, wenn es ! nach (artistischem Muster zugeschnitten werden sollte, sich selbst den wirksamsten \ Todesstoß versetzen.
Der Umschwung in der Regierung Mac Mahon's, welcher durch den Ausfall der Senatoren- und Deputirtenwahlen in Frankreich bedingt ist, hat schon seit Monaten der Curie heftige Beklemmungen verursacht, ohne daß die drohende Gefahr schon eine bestimmte Gestaltung angenommen hatte. Die Besorgnisse stiegen, als der radikale Deputate Bert — sonst Professor der Physiologie — seine Veränderungsvorschläge über das Unterrichtswesen in Frankreich in der Kammer einbrachte. Der einzige Trost war noch der, daß die Gesetzentwürfe des Herrn Bert so radical sind, daß die Regierung Stellung dagegen nehmen mußte. Man kann nun zwar nicht behaupten, daß das Cabinet Dufaure in Bezug auf die Unterrichtsfrage den Radicalen auf halbem Wege entgegenkommt, unter allen Umständen trägt aber der Unterrichtsininister den berechtigten Wünschen der gemäßigten Republikaner Rechnung, indem er einen Gesetzentwurf vorgelegt, welcher das von der verfloffenen Nationalversammlung passirle sogenannte Gesetz über die Freiheit des höheren Unterrichts wesentlich nach der Anforderung des modernen Rechtsstaates zu amendiren bestimmt ist. Aus der Haltung der ultramontanen Presse der Vorlage gegenüber, aus einem Privatbrilfe des Erzbischofs von Paris ist ersichtlich, daß der mit dem Gesetzentwurf- gegen die Omnipotenz des Clerus geführte Schlag im Herzen der
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Der Erzbischof von Paris erklärt, daß das den theologischen Facultäten auf Grund des Gesetzes zu entziehende Recht der Verleihung von Graden eine tief einschneidende Maßregel sei, welche nicht auf dem Wege des Compromisses beigelegt werden könne, gegen die es mir den Kampf auf's Messer gebe. Der „Univers" ist schon aus Rand und Band gerathen wegen der Abstimmung in ier Deputirtenkammer, in Folge deren über die Umtriebe bei der Wahl des Abgeordneten Grasen de Mun eine Untersuchung angeordnet wurde. Die Sprache des ultramontanen Blattes ist zu drastisch, als daß wir die Quintessenz des Inhalts unfern Lesern nicht mittheilen sollten: „Die Republik zeigt sich als Die Tochter der Revolution; auf diese Abstammung ist sie stolz, und der einzige Titel, den sie beansprucht, ist ein Schrei der Empörung gegen Gott. Sie sagt nicht mehr: ich bin die Freiheit! beim das Echo der Geschichte würde antworten: Lüge! Aber sie sagt: ich bin der Haß, ich bin der Krieg, ich bin -ie Tyrannei! In den Wnthschrei gegen die Bemühungen des französischen Cabinets, den Rechtsstaat gegen die Theokratie einzuführen, in diesem Wuth- jchrei Der Ultramontanen ist zu gleicher Zeit die Angst, die blasse Fitrcht ausgeprägt, die gegenwärtig in Roma's Hallen herrscht.
Nun ist seit dem 18. März, seit dem Sturz des italienischen Ministers Mughetti, den Ultramontanen eine neue Gefahr erwachsen. Das Cabinet Depretis wird dem italienischen Klerus gegenüber ganz andere Saiten aufziehen el6 sein Vorgänger. Der „Diritto," das officiöse Organ des Herrn Depretis, lagt ganz offen, daß die jetzige italienische Regierung in der Kirchenpolitik Buhnen einschlagen werde, welche ohne Zweifel die Zustimmung Deutschlands -erhalten mußte. Das halbamtliche Blatt ließ nicht undeutlich durchmerken, daß rnöthigenfalls eine Revision des päpstlichen Garantiegesetzes erfolgen könne. Was Sann es wohl für den Vatican Entsetzlicheres geben, als ein Negierungsprogramm, welches der Zustimmung Deutschlands sicher sein muß? Wenn nun gar Modi- Kationen zum Garantiegesetz nothwendig werden sollten, dann würden ja die \ ^beimften Herzenswünsche des Fürsten Bismarck der Erfüllung näher gebracht. Drs modernde Stroh, auf welchem der arme alte Gefangene im Vatican den liest seiner Tage hinbringt, muß ganz enorm im Preise steigen Wir können Lem Cabinet Depretls nur wünschen, daß es durch Unbotmäßigkeit des Klerus zu harten Maßregeln gezwungen ist.
In der letzten Dienstags-Sitzung der Italien. Deputirtenkammer hat der imie Ministerpräsident persönlich sein und seiner Collegen Programm entwickelt. 58ir abstrahiren für heute von den andern schönen Verheißungen, deren Aus P'yrung unseres Erachtens sv wie so noch in weiter Ferne liegen dürfte und schränken uns darauf, die Stelle näher zu betrachten, welche von der einzu- Hagenden Kirchenpolitik handelt: „Die kirchen-politische Haltung des Mini- Hiums wird weder eine aggressive noch eine feindliche sein." Geradeso und ucht anders muß jedes Ministeriums sprechen, so lange die Kirche den besteheu- 1en Staatsgesftzen Gehorsam leistet. Herr Depretis geht aber einen Schritt beiter, er wird durchaus ablehnend der Kirche gegenüber sich verhalten, denn ü heißt ausdrücklich: „Wir werden uns zu keinerlei Vereinbarungen mit den kirchlichen Organen herbeilassen." Damit ist ohne Zweifel gesagt, daß an Kompromisse zwischen Staat und Kirche während der Regierung des Cabinets Depretis in Italien nicht zu denken ist; Gehorsam den Gesetzen ist nicht allein Bürgerpflicht, sondern auch Priesterpflicht. Allerdings scheint das neue Jta- Dmische Cabinet kein rechtes Vertrauen zu dem Gehonam des Römischen Klerus jii haben, Herr Depretis behält sich unter Umständen die Einbringung von : Gesetz-Entwürfen vor, welche der Gewisienssreiheit eine ausgedehntere Siche- I tung verschaffen solle, und welche eventuell auch dazu bestimmt sind, Die Verwaltung des Kirchenvermögens mit den Institutionen des Rechtsstaates in Einklang zu bringen. Wir haben den Sturz Minghetti's, dieses hochbefähigten Staatsmannes nicht mit Frohlocken begrüßt, wir haben unsere Bedenken gegen bar Cabinet Depretis, weil die neuen Männer erst das Regieren lernen sollen. Doch schon um der Energie willen, welche die neuen Staatslenker in Italien
ultramontanen Anmaßungen gegenüber zu zeigen entschlossen sind, wünschen wir daß die Tage deS Ministeriums nicht so bald gezählt sein mögen.
Deutschland.
Darmstadt, 2. April. Schluß des Großherzoglichen Regierungsblattes Nr. 16:
5. Ordensverleihungen. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 17. März dem Forstwarten der Forstwartei Buchschlag in der Oberförsterei Mitteldick, Friedrich Ernst, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für 50jährige treue Dienste" zu verleihen.
6. Ertheilnng eines Erfindungspatentes.
7. Dienstnachrichten. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 6. März den Reallehrer Georg Ohly an der höheren Bürgerschule zu Karlsruhe zum Lehrer an dem Schullehrer-Seminar zu Bensheim zu ernennen; am 7. März den von der Frau Gräfin zu Erbach-Fürstenau auf die dritte Mädchenschulstelle zu Michelstadt präsentirten Schullehrer Georg Diehl zu Beerfelden für diese Stelle zu bestätigen; an demselben Tage dem Schulverwalter Peter Schnellbacher aus Wald-Amorbach die dritte Gemeinde- Schulstelle zu Fränkisch - Crumbach, dem Schulverwalter Friedrich Musch aus Ehringshausen die zweite Gemeinde-Schulstelle zu Romrod zu übertragen; am 10. März dem Schullehrer Jacob Becher zu Neuhausen die vierte Gemeinde- Schulstelle zu Mombach zu übertragen; am 11. März den von dem Grafen zu Schlitz, genannt v. Görtz, auf die Gemeinde-Schulstelle zu Pfordt präsentirten Schullehrer Christian Feik zu Frau-Rombach für diese Stelle zu bestätigen ; an demselben Tage dem Lehrer Wilhelm Fest zu Guben, im königl. preuß. Regier.-Bezirk Frankfurt a. d. O., die zweite Gemeinde-Schulstelle zu Groß- Rohrheim, dem Schullehrer Johannes Greb zu Crainfeld die erste Gemeinde- Schulstelle zu Nieder-Ohmen, dem Schullehrer Philipp Honecker zu Lanzenhain die vierte Gemeinde-Schulstelle zu Trebur, am 14. März dem Schullehrer Jacob Becker zu Groß-Felda die erste evang. Schulstelle zu Hofheim, im Kreise Bensheim, dem evang. Pfarramts-Candidaten Christian Grojch aus Partenheim die evang. Pfarrstelle zu Kastel-Kostheim zu übertrage« ; an demselben Tage den Oberförster der Oberförsterei Beerfelden, Philipp Hartmann, in gleicher Diensteigenschaft in die Oberförsterei Dudenhofen zu versetzen.
8. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die Stelle eines seminaristisch gebildeten Lehrers an der höheren Mädchenschule zu Gießen mit einem Gehalt von 1114 Mk. 30 Pfg., welcher durch Alterszulagen bis zu 2057 Mk. 14 Pfg. erhöht werden kann, nebst Wohnnngsvergütung im Betrage von 71 Mk. 43 Pfg. für einen nnverheiratheten, und von 342 Mk. 86 Pfg. für einen verheiratheten Lehrer; zwei Lehrerstellen an den städtischen Schulen zu Worms mit einem jährlichen Gehalt von je 1200 Mk.; eine Lehrerstelle an den städtischen Schulen zu Wormö mit einem jährlichen Gehalt von 1380 Mk.
Berlin, 2. April. Wie ein Korrespondent der „Weser-Ztg." von zuverlässiger Seite erfährt, hat die französische Regierung nunmehr osficiell ihren Beitritt zu der von Deutschland in Gemeinschaft mit Rußland und Großbritannien beabsichtigten Action betreffs Ausrottung der Seeräuberei an der chinesischen Küste erklärt und ist schon in allernächster Zeit eine Verstärkung der in den chinesischen Gewässern stationirten französischen Kriegsschiffe zu erwarten. Außerdem hat auch die Regierung der Vereinigten Staaten dem Vorgehen der europäischen Seemächte gegen die chinesischen Piraten sich angeschlossen und ihrem Geschwader in Ostasien die wirksamste Unterstützung desselben befohlen.
Berlin, 2. April. Die elsaß-lothringische Oberbehörde hat gegen einige Flüchtlinge Der französischen Commune, welche im Reichslande eine Einflußstätte zu finden geglaubt hatten, einen spätestens in 14 Tagen zu vollziehenden Ausweisungsbefehl erlassen; die Gründe dieses Beschlusses sind unbekannt, derselbe trifft die Betroffenen um so empfindlicher, als mehrere in Schiltigheim (bei Straßburg) eigene Geschäfte begründet hatten. Die Ausgewiesenen haben nun au das Ober-Präsidium eine Petition erlassen, in welcher sie ihre Lage darlegen und in durchaus würdiger Weise einen Aufschub verlangen, damit sie ihren gebieterischen Pflichten nachzukommen vermöchten und nicht zum sofortigen Ruin verurtheilt würden. Gleichzeitig bitten sie um Angabe der Mittel und Wege, die Erlaubiüß zum Verweilen in einem Lande zu erwerben, „dessen Gesetze sie stets geachtet hätten." Diese Petition wird von ungefähr vierzig der geachtetsten Vertreter des Straßburger Handels unterstützt.
Berlin, 3. April. Das Abgeordnetenhaus »erwies in seiner heutigen Sitzung den Bericht der Staatsschulden-Commisston an Die Budget-Commission, nahm den Gesetz-Entwurf über die Aufnahme von Wechsel-Protesten in erster und zweiter Lesung in der Fassung des Herrenhauses an und genehmigte in zweiter Lesung die Vorlage betreffs Einverleibung von Lauenburg, und zwar Die §§ 1—5 mit Den Seitens der Fortschritts-Partei gestellten Anträgen; die übrigen Paragraphen wurden in der Fassung der Regierungs-Dorlage ^votirt, zu deren Gunsten Fürst Bismarck zweimal das Wort ergriff. — Nächste Sitzung Mittwoch.
Bremen, 1. April. Neber die weiteren Ergebnisse der wegen der Dynamit-Explosion in Bremerhaven geführten Untersuchung ist ein zweiter amtlicher Bericht veröffentlicht worden. Nach demselben ist der richtige Name des Thomas „Alexander Keith", fein Geburtsort ist Halifax, wo sein Vater John Keith und (ein Oheim Alexander Keith eine Brauerei besaßen. Während des Secessionskrieges nahm Alexander Keith, später Thomas genannt, an Unternehmungen von Blokade brechenden Schiffen thätigen Antheil und stand namentlich in genauen Beziehungen zu dem Capitän der „Old Dominion." Ende 1864 verschwand derselbe von Halifax, intern er seine Auftraggeber um 200,000 Dollars beschwindelte, worunter sich eine eincassirte Versicherungssumme von 32,000 Dollars für den verunglückten Dampfer „Caledonia" befand. 1866 kam Alexander Keith, bedrängt durch die in Halifax Beschwindelten, nach Europa. Die durch James Thomas auf Der verschwimdenen „City of Boston" verschifften drei Kisten mit Pelzwaaren waren nicht versichert. Auch sind wissentliche Helfershelfer des Alexander Keith bei seiner verbrecherischen Unternehmung bis jetzt nicht entdeckt. Das dem Uhrmacher Fuchs vorgelegte Uhrmodcll war ein von Rind angefertigtes Originalwerk. Die von den englischen Behörden angestellte Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen.
Wiesbaden, 2. April Die Local-Presse meldete für beute Vormittag den ersten Gottesdienst der Altkatholiken in der katholischen Kirche, und zugleich


