Ausgabe 
5.3.1876
 
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Nothcnberger, Ncurnweg 193.

Mo« 55. Sonntag, den 5. Marz. 1878.

AMP- iHib Amtsblatt sm brn Kreis Gießen.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagL. Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Expeditionr Schulstraße, Lit. B. Nr. 18. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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politischer H i) e i f.

Deutschland.

Aus Oberheffen, 2. März. Am 8. b. Mts. fitibet in Butzbach die Neuwahl für den kürzlich verstorbenen Landtags-Abgeordneten Kuhl statt. Es ist zu hoffen und zu wünschen, daß die Wahlmänner einen Mann wählen, der in dem Geiste und Sinne des verlebten wackeren und entschiedenen Volksman­nes seine Aufgabe als Vertreter des Volkes auffaßt. Wie wir vernehmen, ist von der freisinnigen Seite Herr Oberförster Dittmar in Butzbach als Candidat ausgestellt worden, deffen seitherige Wirksamkeit genügende Bürgschaft bietet, daß die Stelle Kuhl's im Landtag würdig ausgefüllt wird. Wir erwarten von der Ehrenhaftigkeit der Wahlmänner, daß sie der bei der Wahl im Jahre 1872 übernommenen Verpflichtung, einen freisinnigen Vertreter zu wählen, treu blei­ben und sich nicht durch gewiffe reactionäre Umtriebe nnd Strebereien umgar-

Hesterreich.

Wien, 2. März. Die Dux-Bodenbacher Bahn zeigt officiell ihre Zah­lungseinstellung an und wird fortan nur reine Betriebsausgaben zahlen.

Wien, 2. März. Die Kaiserin reist heute Abend 7 Uhr mit der Westbahn nach England ab. Sella ist heute nach Rom zurückgekehrt.

Isrankreich.

Paris, 2. März. Die Seine ist beinahe auf 6 Meter gestiegen; ein Theil von Bercy steht unter Waffer. Von Unglücksfällen hört man bis jetzt noch nichts. Marne und gönne sind wieder gestiegen, und so glaubt man, daß die Seine noch großen Schaden anrichten wird. Ueberall an den Ufern werden die Häuser geräumt.

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iattfindenden Kreik-

Darmstadt, 2. März. In der heutigen Sitzung der Stadtverordne­ten wurde nunmehr definitiv die Aufnahme eines zu 4j/2 pCt. verzinslichen Anlehens im Betrage' von 772,000 Mk., welcher zum größten Theil für Schul­bauten nothwendig ist, genehmigt. Die Obligationen, deren Vergebung aus freier Hand statrfindet, lauten auf den Inhaber und sind in Stücke zu 200, 500 und 100U Mk. eingetheilt. Ferner theilte der Bürgermeister mit, daß demnächst hier ein hessischer Städtetag abgehalten werden wird, auf welchem hauptsächlich die Communal-Steuer-Frage, wie die ganz abnorme Stellung der Städte zu den Kreis-Verbänden Gegenstand der Verhandlung sein sollen.

Darmstadt, 3. März. Die zweite Kammer ist auf den 10. März

einberufen. Auf der Tagesordnung steht der Ankauf der Oberhessischen Bah-

iiorftfiltb, nen durch den Staat, der Ankauf des Bank Gebäudes, sowie mehrere kleinere --------? Vorlagen.

Mainz, 2. März. DasMainzer Journal" veröffentlicht die erste Hälfte des Kettler'schen Fasten- und Hirtenbriefs. Der Herr Bischof hat sich diesmal ein sehr friedfertiges Thema gestellt; er will in diesem Hirtenbrief

unb in einigen frity [?tn und SIr.fingen, nr ckwweisen und bie9?oif wohlgemeint sein, p am außer MgM süssem jener Artikel t ii beschweren darf, wen anno 1769 aber daran thalen st m und unveraußerlikha

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nachweisen:wie ohne Religion und Sittlichkeit für die Mehrzahl der Men­schen, für das eigentliche Volk kein allgemeiner Wohlstand möglich ist und wie dagegen die christlichen Tugenden denselben befördern." Möge Bischof v. Kettler seinem eigentlichen Beruf so treu bleiben!

Berlin, 2. März. Das Haus der Abgeordneten setzte heute die Be- rathung des Etats fort. Die Berarhung des Antrags Kapp auf Aufhebung des Accessions-Vertrags mit Waldeck wurde auf später vertagt, der Antrag Wisselinck, betr. die Erhöhung der Beihülfe zu der von der Stadt Elbing zu tilgenden Kriegsschuld, an die Budget-Commission verwiesen. Bei dem Etat der Seehandlung beantragt der Abg. v. Wedell-Malchow ein Verbot der Be- theilizung Seitens der Seehandlung an Consortial-Geschäften überhaupt, Kette beantragte ein Verbot der Betheiligung an solchen Consortial-Geschäften, bei denen die Zinsen der betr. Werthpapiere nicht durch Preußen oder das deutsche Reich garantirt seien, v. Kardorff wünschte Auflösung der Seehandlung, sobald die volkswirthschaftlichen und finanziellen Verhältniffe des Landes dies gestatten. Im Laufe der Debatte erklärte der Finanzminister: die Seehandlung habe Consortial-Geschäste nur innerhalb ihrer Competenzen abgeschlossen; sie habe hierzu die Bewilligung des Finanzministers weder erbeten, noch erhalten. Das Institut der Seehandlung mit dem preußischen Staate zu identificiren, sei un­recht. Die Seehandlung habe nur gute und solide Geschäfte gemacht; sie treffe kein Vorwurf. Die Regierung glaube das Institut nicht aufgeben zu dürfen. Der Sturmlauf der rechten Seite des Hauses gegen die Seehandlung sei nichts als eine Kritik gegen das Verfahren des Finanzministers, deshalb weise er diese Anträge aus doppeltem Gruüde zurück. (.Lebhafter Beifall.) Nach längerer Debatte werden alle drei Anträge abgelehnt und die Positionen bewilligt. Nächste S-' ng Sonnabend. Auf der Tagesordnung steht das Competenzgesetz.

Berlin, 2. März. DieNat.-Ztg." macht darauf aufmerksam, daß ein neues System von wilden Scheinen aufzukommen Miene macht. Die Sache verhält sich wie folgt: Die Neichsbauk ist verpflichtet, die Noten dieser Bank nur in Städten von 80,000 Seelen oder mehr in Zahlung zu nehmen. Darauf fußend, daß in den übrigen Zahlungsstellen diese Noten nicht an die Reichs­bank gehen und folglich auch nicht von dieser nach Vorschrift des Gesetzes so­fort an die aulgebende Bank zurückgeschickt werden, bemühen sich einzelne Banken, ihre Noten gerade an solche kleinere Plätze zu dirigiren, damit diesel­ben länger in Umlauf bleiben. Weiter haben dieselben bereits die Praxis ein- gesührt, ihre Noten weit weg von ihrem ^>itz zu exportiren, und zwar geht dies Weberschiffchen bereits ebenso gut von Süd nach Nord, wie von Nord nach Süd! Wenn sieb dies so verhält, so ist damit wieder ein systematischer Plan vorhanden, von Neuem eine Anzahl wilder Scheine zu schaffen, ein Plan, dem übrigens Seitens der Reichsbank dadurch rasch ein Ende gemacht werden kann, daß sie die Noten an den Orten, nach welchen die künstliche Spedition sich wendet, rasch zusammenrafft und per Schub zurückmaßregelt. Hoffentlich wird es an den nöthigen Maßregeln nicht fehlen, damit nicht aus diesem Ge­biete dieselbe Mißwirthschaft einreißt, wie wir sie vordem erlebt haben.

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Krrgtand.

London, 29. Februar. Zu Poplar wurde die Untersuchung des Lei­chenbeschauers über den Untergang des DampfersStrathclyde" gestern wieder aufgenommen. Bei dieser Untersuchung werben. auch die Officiere und Leute von der Mannschaft des deutschen Dampfers vernommen werden, nicht aber der Capitän derFranconia." Die Geschworenen waren hiermit nicht ganz zufrieden, da die Aussagen des Capitäns von besonderer Bedeutung wären. Aber der Anwalt der Eigenthümer des deutschen Schiffes erklärte, von diesem Rechte Gebrauch machen zu wollen, da der Capitän von der Jury zu Deal der Tödtnng schuldig befunden worden sei.

Die Admiralität hat Herrn Heywood, dem Eigenthümer der Dacht Mestletoc", welche von der königlichen DachtAlberta" vergangenen August in den Grund gebohrt wurde, eine Entschädigungssumme von 3000 L. zur Verfügung gestellt.

London, 2. März. Der Verlauf der bisherigen Sitzungen der Todten- schau-Jury zu Poplar bestätigt die Aussagen der vernommenen Zeugen vom Strathclyde" und der Stadt Deal. Gestern Nachmittag nun begann die Ver­nehmung der Zeugen von derFranconia." Hierbei sagte der erste Steuer­mann aus, daß, nachdemStrathclyde" von Dovenbay abgegangen und natürlich sofort in Tiefwaffer und auf Cours an Dungeneß vorbeifahrend ge­kommen sei, dieFranconia" jeden Augenblick habe erwarten müssen, daß Strathclyde" sich südwestlich wenden würde. Anstatt deffen habe jedoch letz­terer seinen östlichen Cours so lauge fortgesetzt, bis es derFranconia" un­möglich gewesen sei, die Collision zu vermeiden. Alsdann sei durch Hartback­bordgehen, Maschinenhalten und Zurückgehenlasseu alles nur Erdenkliche geschehen, um den Zusammenstoß möglichst leicht zu machen; nachher habe man durch Ueberwerfen von Tauen und Fertigmachen von Booten Anstalten getroffen, um Menschenleben zu retten; da habe sich aber gezeigt, daß die Stelle des Schiffs­körpers, welche durch den Zusammenstoß getroffen war, Wasser durchließ, so daß für dieFranconia" selbst die Gefahr des Sinkens drohte. Auf den Rath des englischen Lootsen ward nunmehr Ordre gegeben, dieFranconia" in der Bay von Dover auf den Grund zu setzen; erst nachdem die durch die Collision betroffene Stelle wieder in Stand gesetzt und so die Gefahr vorüber gewesen sei, ging man nach Dover zurück.

London, 3. März. In der gestrigen Verhandlung der Todtenschau- Jury zu Poplar wurde ferner nach dem ersten Steuermann derFranconia" der englische Lootse, Ingenieur Harrington, vernommen. Derselbe übernahm die ganze Verantwortlichkeit dafür, daß dieFranconia" den DampferStrath­clyde" verlaffeu habe, da er nach Besichtigung des Collisious-Schadens den Rath gegeben, das Schiff zur eigenen Rettung sofort in der Bay von Dover auf den Grund zu setzen. Harrington erklärte ferner, er habe noch niemals ein größeres Loch an einem Schiff.e gesehen ; wenn die beschädigte Stelle des Schiffs- Körpers nachgegeben hätte, so wäre für Alle die größte Gefahr hereingebrochen. Nachdem hierauf noch der dritte Ingenieur die Evolutionen der Maschine be­schrieben hatte, wurden die Verhandlungen bis Montag vertagt.

Spanien.

Madrid. Es war am 28. Februar, Morgens um 10 Uhr, als Don Carlos, von feiner Leibwache und einem aus Theilen der Bataillone von Ca- stilien, Cantabrien, Gandesa, Valencia und Asturien musterkartenartig jnsam- mengesetzten Gefolge begleitet, den Boden Frankreichs betrat. Der Rosenmontag hat wohl selten einen eigenthümlicheren Carnevalszug gesehen. An der Brücke von Arneguy wurde Don Carlos von dem Unterpräfekten von Mauleon, Herrn Hertz, empfangen und im Wagen nach der Stadt geleitet, wo der Präfekt des Departements, Herr v. Nadaillac, der früher den Carlisten so reichliche Liebes­dienste geleistet, dem Flüchtling die strengen Anordnungen der französischen Re­gierung mitzutheilen hatte. Er setzte Don Carlos in Kenntniß, daß es für ihn nicht angehe, auch nur einen Tag in dem Grenz-Departement zu verweilen; wolle er aber einige Tage in Frankreich in Gesellschaft seiner Familie znbrin- gen, so habe die Regierung gegen einen vorübergehenden Aufenthalt in einer