Ausgabe 
4.11.1876
 
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welche sich auf Art. 17 des Preß-Gesetzes und Art. 92 des Straf-Gesetzbuches gründet.

HesterretO.

Wien, 1. November. Die PestherZuraten" haben an ihrer jüngsten glänzenden Blamage nicht genug; sie dürsten nach mehr. Wie jetzt aus der ungarischen Hauptstadt gemeldet wird, beabsichtigen sie, dem türkischen Gene­ralissimus Abdul Kerim Pascha einen Ehrensäbel zu schenken.

Wien, 1. November. Gutem Vernehmen nach notificirte die Pforte ihren früheren, vor Absendung des russischen Ultimatums gefaßten Beschluß in Betreff des Waffenstillstandes den Mächten am 30. October früh. Das Neue Wiener Tageblatt" bringt die sonst unbestätigte Nachricht, die Antwort der Pforte auf das russische Ultimatum wäre heute Mittag dem Botschafter General Jgnatieff zugestellt worden. Die Pforte habe sich zur Annahme des Waffenstillstandes auf beliebige Dauer bereit erklärt, sie fordere jedoch die vor­herige Bekanntgabe von Friedens-Bedingungen, welche eine Garantie zur Her­stellung des definitiven Friedens zu bieten geeignet seien.

Wien, 2. November. Deligrad wurde gestern von Abdul Kerim gr nommen. Das österreichische Herrenhaus beabsichtigt morgen ebenfalls eine Interpellation über die Orient-Frage einzubringen.

Wien, 2. November. DieWiener Abendp." sagt: Die Nachrichten aus Konstantinopel laffen an der Annahme der letzten Forderung Rußlands von Seiten der Pforte kaum noch einen Zweifel auskommen.

Arankreich.

Paris, 31. October. Pasdeloup, der Director der nach ihm getauften Concerte, wo am letzten Sonntag die deutschfresserischen Scenen spielten, schreibt an denFigaro" :

Herr Redacteur! Gestatten Sie mir, dem Publikum einige nothwendige Erklärungen über mein Austreten nach dem Vortrage des neuen Marsches von Wagner zu geben. Heute ist über Herrn Wagner als Menschen das Urtheil gefällt, aber über den großen Musiker hat man bei uns noch nicht abgeurtheilt Ich glaube, daß Frankreich nicht außerhalb der musikalischen Bewegung bleiben dars, die sich außerhalb unserer Grenzen kundgibt; es ist die Pflicht der volks- thümlichen Concerte, die immer vorangeschritten sind, Paris die Werke vorzu­führen, die man nicht bewundern kann, welche man aber nothwendig kennen muß und auf die ein großer Theil meines Publikums gespannt ist. Es scheint mir, daß mein Auftreten während unserer Unglückssälle, wo ich meine Frau und Mutter in der Hoffnung verließ, meinem Lande dienen zu können, mich davor schützt, aus die Anklage des Mangels an Patriotismus antworten zu müffen. Ich habe weder das Recht, den Einen Wagner aufzwingen, noch das, die Anderen desselben zu berauben. Ich kann nur Jedermann bitten, weniger Leidenschaft bei einer künstlerischen Frage kundzugeben und die Musik von Wag­ner unter den Schutz des Schattens der großen classischen Componisten zu stellen, in deren Cultus wir Alle durch das gleiche Gefühl der Bewunderung vereinigt sind. Genehmigen Sie rc.

Pasdeloup.

So das Schreiben des Directors derConcerts populaires, der be­kanntlich ein Schützling Meyerbeer's war, die Direction des Schillerfestes (Paris 1869) übernommen hatte und seit er in Frankreich wohnt, seinen deut­schen Namen iiris Französische übersetzt hat. Pasdeloup, der, wie er auch selbst in seinem Schreiben sagt, sich während des Kriegs und nach demselben so be­nahm, als wenn er ein geborener Franzose wäre (er entließ sogar alle deut­schen Künstler aus seinem Orchester), verdient jedenfalls nicht die Vorwürfe, die ihm Franzosen machen. Die Wagner'schen Stücke gab er natürlich nur, weil er wußte, daß dieselben ziehen mußten. Wie es heißt, will er aber mit der Aufführung der Wagner'schen Stücke sortfahren. Die Stimmung in Paris ist in Folge der Sonntags-Zwischenfälle sehr gereizt und diejenigen Blätter, namentlich die bonapartistischen, welche sich bei jeder Gelegenheit als die Deutsch- sreffer zeigen, verlangen schon heute, daß man dieConcerts populaires schließe, da man sie nicht dulden dürfe, wo öffentliche Verunreinigungen unter­sagt seien.

Paris, 31. October. Die Meldung der Petersburger Blätter, Ruß­land habe an die Pforte einUltimatum" gerichtet, versetzte die Börse in große Aufregung; auf der türkischen Botschaft wird die Ueberreichung eines Ultimatums" bezweifelt und bemerkt, die Nachricht sei keineswegs officiell; der wahre Sachverhalt sei der: Rußland drücke in Folge der türkischen Siege über die Serben oder vielmehr über die Russen auf die Pforte, um den Ab­schluß des sechswöchentlichen Waffenstillstandes zu erlangen, denn Rußland sehne sich jetzt nicht minder als die Pforte, ja, mehr vielleicht noch nach schleunigem Friedensschlüsse. Der Minister des Aeußern, Herzog Decazes, wird dem Ver­nehmen nach demnächst in der Deputaten Kammer eine Erklärung über die orientalische Frage geben; seinen Collegen soll er dieselbe bereits vorgelesen und darin besonders mit Nachdruck hervorgehoben haben, daß die französische Regierung strenge Neutralität beobachten müffe.

Paris, 1. November.Unter den jetzigen Umständen", schreibt der Moniteur universel",sind die Worte, die Kaiser Wilhelm bei Eröffnung des Reichstages sprach, von besonderer Wichtigkeit. Wir schätzen uns glücklich, con- statiren zu können, daß sie den Stempel eines sehr ausgeprägten friedlichen Charakters tragen. Die Worte, die sich auf Deutschlands friedliebende Hal­tung beziehen, haben einen deutlich ausgesprochenen friedlichen Sinn. Es ist auch wirklich nicht zweifelhaft, daß weder die Ehre noch die eigenen Jntereffen Deutschlands bei der Orient-Frage im Spiel sind, und es folglich sortfahren muß, die Politik der Versöhnung, die bis jetzt die feurige war, weiter zu ver­folgen. Endlich ist die Stelle, in der Kaiser Wilhelm von der inneren Politik seiner Regierung spricht, vielleicht noch bedeutungsvoller."

DieCorresp. Havas" meldet: Privatnachrichten aus Konstantinopel von diesem Morgen zufolge ist der Waffenstillstand noch nicht unterzeichnet. Das russische Ultimatum wurde erst gestern Abend übergeben.

Paris, 2. November. Nach Privat-Nachrichten aus Konstantinopel hätte, derAgence Havas" zufolge, die Pforte dem Waffenstillstände zuge stimmt mit dem Vorbehalt, daß auch Serbien denselben annehme. Da die An­nahme von Seiten Serbiens erfolgt sei, so wäre gestern Abend der Waffen­stillstand gezeichnet worden.

England.

London, 1. November. Einstimmigen Berichten zufolge war die

Waffenruhe dem Abschlüsse nahe, als Rußland, erschreckt durch die Siege der Türken und deren eventuelle Folgen, beschloß, die sofortige Waffenruhe zu er­zwingen. DieTimes" räth der Pforte zur Nachgiebigkeit. Die übrigen Blätter schreiben abwartend.Daily Telegraph" behauptet, die Waffenruhe sei geschlossen gewesen, als Rußland das Ultimatum stellte, um sich bei den Sla­ven zu rehabilitiren.

Kossand.

Amsterdam, 1. November. Der nordholländische neue Schifffahrts- Canal ist heute eröffnet worden. Der damit verbundene neue Hafen heißt Hafen von Drrmiden."

Rußland.

Petersburg. Im Sitzungsbericht des Petersburger Stadtraths vom 24. Octbr. findet sich folgende Stelle:Der Stadthauptmann benachrichtigt die Duma (den Stadtrath), daß es gemäß einer vom Militärreffort ergangenen Aufforderung nothwendig ist, rechtzeitig Vorkehrungen zu treffen, um für den Fall einer Mobilmachung etwa 25,000 Mann und 4500 Pferde einquartieren zu können. Hierzu würde monatlich die Summe von ungefähr 30,000 Rubel nöthig fein, welche der Stadthauptmann aus städtischen Mitteln anzuweisen bittet und womit sich die Versammlung ohne weitere Debatte einverstanden erklärte."

Petersburg, 1. November. Ueber den Mord in Tiflis meldet die Ag. gön. Russe", daß der türkische General-Consul und seine Gemahlin am 11. Octbr. in ihrem Quartiere ermordet gesunden wurden und daß des Mor­des ein Diener des Consuls verdächtig ist. Die strengste Untersuchung ist im Gange. Der Verweser des Ministeriums des Auswärtigen hat gleich nach Eintreffen dieser Nachricht in St. Petersburg Anlaß genommen, dem dortigen türkischen Botschafter das tiefe Bedauern der Regierung und ihre Entrüstung über das Verbrechen auszudrücken, sowie die strengste Bestrafung des Schuldi­gen versprochen.

Petersburg, 2. November. DerRegier.-Anz." veröffentlicht einen kaiserlichen Befehl, welcher den Termin zur Einberufung der militärpflichtigen jungen Mannschaften für dieses Jahr auf den 1./13. December festsetzt. Auf Sibirien und die Gouvernements Archangel und Orenburg findet der Befehl keine Anwendung.

Moskau, 1. November. (Proceß Strousberg.) Der erste Vertheidi- ger Poljanski's stellt diesen als durch Landau verführt hin und klagt diesen an, um jenen zu rechtfertigen. Der zweite Vertheidiger sucht nachzuweisen, daß Poljanski's Handlungen vielleicht unmoralisch, nicht aber ungesetzlich ge­wesen seien. Landau's Vertheidiger behauptet, daß sein Client seine Amtspflicht nicht verletzt habe.

Türkei.

Konstantinopel, 31. October. Der General-Gouverneur von Rust« schuk meldet der Regierung, daß Deligrad gestern von den Türken genom­men sei.

Seinlin, 1. November. Kruschewatz steht in Flammen. Der Waffen­stillstand auf zwei Monate ist abgeschlossen; man hofft, daß der Friede zu Stande kommt oder nach Ablauf der Frist eine Verlängerung der Waffenruhe von 6 zu 6 Wochen eintritt. Dem hiesigen türkischen Consul ist soeben die amtliche Depesche seiner Regierung zugegangen, daß gestern Alexinatz genommen worden ist.

Pera, 1. November. Der Minister-Conseil notificirte den Botschaftern den Beschluß der Annahme eines zweimonatlichen Waffenstillstandes, um dem Krieg ein Ende zu machen, unter Garantie der Mächte mit zweimaliger facul- tativer Verlängerung von je sechs Wochen. Die Banden der Aufständischen haben eine Woche Frist, das Land zu räumen, sonst werden sie von den Trup­pen verfolgt. Jgnatieff erklärte sich am Montag hiermit einverstanden.

Serbien.

Belgrad, 1. November. Es verlautet hier, die Pforte habe einen zweimonatlichen Waffenstillstand zugestanden und Serbien denselben bereits an­genommen.

Literarisches.

Von H. (Srobel's rasch beliebt geworbenem Eisenb a hn-Cu rs- Büchlein für Mittel- und West-Deutschland ist die Ausgabe für den Winter 1876/77 soeben erschienen. Dieselbe enthält sämmtliche zwischen Frankfurt a. M, München, Stuttgart, Straßburg, Metz, Trier, Aachen, Amsterdam, Bremen, Hamburg, Berlin, Leipzig, Dresden cursirenden Züge in übersichtlicher Zusammenstellung und ersetzt durch ihre Vollständigkeit für Reisen in Mittel- und West-Deutschland jedes größere Curs- Buch. Der billige Preis (nur 30 Pf.), das bequeme Format (datz Büchlein kann im Portemonnaie leicht Unterkunft finden) und die Correcthett de- Inhalts sind Vorzüge, welche das reisende Publikum stets zu schätzen weiß, und welche das Büchlein aber­mals auf's Beste empfehlen.

Frischbäcker ^u Gießen.

Sonntag, den 5. N o v e m b e r 1876. I Klingelhöfer in der Walthor­straße, Chr. Noll Wittwe, Neustadt, D. Rühl am Rathhaus.

Kirchliche Anzeigen der evangelischen Gemeinde zn Gießen. Gottesdienst.

Sonntag, den 5. November. Morgens: Pfarrvicar Schöner. (Feier des heil. Abendmahls.) Nachmittags: Pfarrverwalter Schlosser.

(Die Pfarrgeschäfte in der Woche vom 5. b-s 11 November besorgt Pfarrer Dr. Seel.)

Der Confirmandenunterricht für die Mädchen wird Dienstag den 7. Nov., Vormittags 11 Uhr, im Local der StadtmSdchenschule am Neustädter-Thor seinen Anfang nehmen.

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