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dustrie an unserer Ausstellung demonstrirt, wird jeder kleine, wenn auch noch so verzeihliche Mängel gerügt und herausgesucht. Der Grund dieser Gereizt­heit, welche wahrscheinlich in einiger Zeit einer wenigstens unparteiischen Auf­fassung weichen wird, ist einigermaßen erklärlich. Jahrelang haben die Deutsch-Amerikaner von den Leistungen gesprochen, welche Deutschland, das wiedergeborene, erstarkte, an den Tag legen werde; mit Stolz haben sie pro­phezeit, wie ihr ehemaliges Vaterland die übrigen Nationen, wenn nicht in Schatten stellen, so doch vielfach überflügeln werde. Und nun ist von alledem nichts, vielmehr meistens das Gegentheil geschehen, und darum sind die über­führten ehemaligen Freunde nun unsere erbittertsten Gegner und Tadler gewor­den. Vielleicht sind sie aber dennoch unsere Freunde, indem sie Deutschland öffentlich den Spiegel vorhalten, den ihm seine Freunde in Europa so oft schon im kleineren Kreise vorzuhalten gesucht, ohne daß ihnen geglaubt wurde. Aber das neue Deutschland ist verwöhnt von seinen Schmeichlern, die Phrase von Deutschlands Bestimmung und Stellung ist ihm so oft in's Gesicht gesagt worden, das Lied seines Ruhmes so ost vorgetrillert worden, daß es die Fühlung mit den Forderungen verloren Hst, welche em internationaler Wett­kampf an seine Kräfte stellt. Thatsache ist: unsere Niederlage ist unleugbar. Sie den Landsleuten zu verschweigen oder zu bemänteln, wäre gegen die patrio­tische Pflicht. Ich werde vielmehr versuchen, im Einzelnen die schwarzen Punkte zu charakteristren. Als Quintessenz aller Angriffe tritt der Wahrspruch auf: Deutschlands Industrie hat das Grundprincipbillig und schlecht." Leider hat unsere Industrie wirklich im Durchschnitt diesen Grundsatz, wenigstens rück­sichtslos in seinem ersten Theile und darum als Consequenz in seinem zweiten. Soviel sich auch schon tüchtige, wackere Industrielle, welche jenen Gründsatz verdammen, bei uns bemüht haben, ihm entgegenzuwirken, soviel auch schon mancher, dem ein warmes Herz für unsere Industrie im Busen schlägt, dagegen gesprochen, es behält immer die Oberhand und ist denn auch in unserer Aus­stellung nur zu deutlich zum Ausdruck gelangt. Zweiter Satz: Deutschland weiß in den gewerblichen und bildenden Künsten keine anderen Motive mehr, als tendenziös-patriotische, die doch auf den Weltkampfplatz nicht hingehören, die auch keine andere Nation hingebracht; für die tendenziöse, durch sich selbst gewinnende Schönheit hat es keinen Sinn mehr. In der That, nachdem man uns dies gesagt, beschleicht uns ein beschämendes Gefühl, wenn wir die Aus­stellung durchwandern und in unserer Abtheilung die geradezu bataillonsweise aufmarschirenden Germanien, Borussien, Kaiser, Kronprinzen, red princes, Bismarck, Moltke, Roon betrachten, die in Porzellan, in Biscuit, in Bronze, in Zink, in Eisen, in Thon, die gemalt, gestickt, gewirkt, gedruckt, lithogra- phtrt, gewebt an allen Ecken und Enden uns entgegenkommen. Und nun in der Kunstabtheilung gar zweimal Sedan! Was hat die Commission für Kunst­werke sich bei der Annahme dieser Bilder gedacht! Und wieder in der Maschi­nenhalle : sieben Achtel des Raumes, so scheint es, für Krupp's Riesenkanonen, dieKillingmaschines", wie man sie genannt hat, hergegeben, die da zwischen all' dem friedlichen Werk, das die anderen Nationen gesandt haben, wie eine Drohung stehen 1 Ist das wirklich der Ausdruck von DeutschlandsMission" ? Muß man nicht den Chauvinismus und Byzantinismus als bei uns in höchster Blüthe stehend, annehmen? Zwingen wir nicht die fremden Nationen geradezu zu dieser Annahme? Dritter Satz: Mangel an Geschmack im Kunstgewerb­lichen, Mangel an Fortschritt im rein Technischen. Wiederum müffen wir auf die Wichtigkeit der Bestrebungen des Gewerbemuseums, auf das geringe Ent­gegenkommen Hinweisen, welches der Handels-Minister in seiner warmen Für­sorge für diese Frage bei der Industrie findet.Bei allen Nationen, die aus der Ausstellung vertreten sind", sagen die Tadler,haben wir etwas zu lernen gefunden, in Deutschland nichts!" Hart, aber beinahe ganz wahr!

Darmstadt, 30. Juni. Aus den neuesten Drucksachen der zweiten Kammer ist zu entnehmen, daß der Finanz-Ausschuß die Zustimmung zu den drei Regierungs-Vorlagen beantragt, wonach einestheils zu Ueberbauten am Stations-Gebäude der Main-Neckar-Bahn zu Darmstadt der Betrag von 53,500 Mk. auS den Ueberschüffen der Haupt-Staatskaffe entnommen und dem­nächst dem hessischen Bau-Capital zugeschrieben, ferner zur Erbauung eines neuen Stations-Gebäudes auf der Station Nienburg dieser Bahn 52,000 Mk. aus den Ueberschüffen jener Kaffe entnommen, endlich die zur Erhöhung des Bau-CapitalS der Main-Weser-Bahn in das außerordentliche Budget einge­stellte Pauschal-Sumrne von 1,000,000 Mk. verwilligt werden sollen.

Darmstadt, 1. Juli. Die zweite Kammer nahm in der heutigen Sitzung den Gesetz-Entwurf, die Weinsteuer betr., mit allen gegen 9 Stimmen an und bewilligte 45,000 Mk. außerordentliche Staats - Unterstützung für die Gemeinde Heidesheim.

Berlin, 30. Juni. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurden noch mehrere Berichte über Petitionen durchberathen, worauf der Prä­sident die herkömmliche Uebersicht über die erledigten Geschäfte und die unerle­digten Beralhungs-Gegenstände gab. Nachdem hierauf das älteste Mitglied des Hauses, v. Bonin, an das Präsidium die Worte des Dankes für seine Ge­schäfts-Leitung gerichtet hatte, auf welche Präsident v. Bennigsen erwiderte, schloß Letzterer die Sitzung mit einem dreifachen Hoch auf den König.

Berlin, 30. Juni. In der gemeinsamen Schlußsitzung beider Häuser des Landtags erschienen kurz nach 12 Uhr die Mitglieder des Staats-Ministe­riums, darunter der Präsident des Reichskanzler-Amts Hofmann. Nachdem der Präsident des Herrenhauses die Sitzung eröffnet hatte, verlas Minister Camphau­sen die königliche Cabinetsordre aus Ems vom 28. Juni, welche den Schluß der Session verfügt; der Präsident des Herrenhauses brachte ein dreimaliges Hoch auf den König aus, womit die Sitzung schloß.

Berlin, 30. Juni. Der zur Theilnahme an der heutigen General- Versammlung der rumänischen Eisenbahnen erschienene, in den Proceß gegen Gehlsen und Genoffen wegen Verläumdung verwickelte Rechnungsrath Heßling wurde kurz vor der Versammlung verhaftet.

BreSlau, 30. Juni. Die Roman-Schriftstellerin Clara Bauer (Carl Detlef) ist gestern Abend gestorben.

Ems, 1. Juli. Der Kaiser hat sich heute nach Coblenz begeben, um über das dort zusammengezogene Garde-Landwehr-Bataillon die Parade abzu- wehmen. Für morgen ist ein Besuch des Kaisers Alexander in Jugenheim beabsichtigt.

OefferrrtdJ.

Wien, 30. Juni. DieWiener Abendpost" bemerkt in einem Artikel in dem sie die Lage Serbiens bespricht, daß, während die Türkei keinerlei Agressiv-Zwecke gegenüber Serbien verfolgte und seine politischen Rückzugslinien vollständig gesichert erhielt, Serbien auf einer Bahn zu sein scheine, wo eine Umkehr, so sehr dieselbe in dem wohlverstandenen Interesse Serbiens läge schwerlich mehr zu erwarten sei.

Wien, 30. Juni. DiePolit. Corresp." meldet aus Bukarest: Die rumänische Regierung habe wegen der beabsichtigten Operationen der türkischen Donauflottille gegen Serbien Schritte bei den Garantie-Mächten gethan. DiePolit. Corresp." bemerkt zu ihren eigenen Belgrader Nachrichten übe: einen dort befürchteten türkischen Offensivstoß, daß die Pforte aus politischen Gründen die Offensive nicht ergreifen, sondern sich eventuell angreifen lassen werde. Der Eröffnung der Operationen werde serbischer Seits ein letzter for­meller Schritt vorausgehen. Aus Cettinje meldet diePolit. Corresp." be­stimmt die Existenz eines vor 14 Tagen ratifxcirten serbisch-montenegrinischen Allianz-Vertrags.

Wien, 1. Juli. Der Kaiser hat, wie diePolit. Corresp." meldet, dem hiesigen russischen Botschafter, v. Nowikoff, das Großkreuz des Stephan- Ordens verliehen. Der bisherige türkische Botschafter, Aarifi Pascha, hat heute dem Kaiser sein Abberufungs-Schreiben überreicht und reist morgen nach Kon­stantinopel ab. Ferner empfing der Kaiser heute den neuen italienischen Bot­schafter, um dessen Beglaubigungs-Schreiben entgegenzunehmen.

Wien, 1. Juli. Die Pforte richtete eine Circularnote an sämmtliche Mächte, worin sie die Verantwortung für den Krieg auf Serbien wälzt unb den Fürsten Milan als Rebell seiner Fürstenwürde für verlustig erklärt.

Wien, 1. Juli. DiePolit. Corresp." meldet aus Belgrad, daß Ser­bien wahrscheinlich die Offensive ergreifen werde. Die Überschreitung bei Grenze bei Drina durch die Armee des Ranko Alimpits soll morgen erfolgen. Mehrere Abendblätter melden, daß die Pforte ein Circular an die Groß. Mächte erlaffen werde, worin sie die Verantwortung für den Krieg Serbien p schiebt und den Fürsten Milan, als aus dem türkischen Vasallen-Verbande aus- geschieden, als Empörer erklärt.

Alrankreich.

Paris, 30. Juni. Die Gemahlin des Marschalls Mac Mahon ha! dem deutschen Botschafter Fürsten Hohenlohe die Summe von 25,000 Frcs. für die durch Überschwemmung geschädigten Bewohner des Elsasses übersendet^ dieselbe hat auch den auf gleiche Weise Geschädigten in der Schweiz eine Un­terstützung zugewendet.

Uelgieu.

Brüssel, 30. Juni. Ein Artikel desNord" spricht zunächst die An­sicht aus, daß man jetzt die Thatsachen reden lasten müsse, und wirft sodann einen Rückblick auf die verschiedenen Phasen der orientalischen Krisis; nach An­führung von Details über die in Berlin vereinbarten praktischen Pacifications- Maßregeln heißt es in dem Artikel folgendermaßen: Wir glauben, ohne uni in optimistischen Anschauungen zu bewegen, daß das Werk der Pacification und Reorganisation durch das Einvcrständniß der Mächte verwirklicht wordm wäre; die Ereignisse werden lehren, ob die brüske Unterbrechung dieser Friedens- Arbeit, ob das Niederreißen der Grenzen, welche den Ausbruch der Leiden- ; schäften eindämmten, für die christliche Bevölkerung, für die Türkei und für Europa größeren Vortheil bringt. Das Einvernehmen der drei Kaiser-Mächte: für die Erhaltung des allgemeinen Friedens bleibt unverändert; hoffen wir, : daß die übrigen europäischen Regierungen sich ihnen anschließen. Hauptsacke bleibt die Beobachtung des Princips absoluter Nichteinmischung; diese Nicht­einmischung darf aber nicht vollständige Gleichgültigkeit fein: Europa würbe immer die Pflicht haben, dem Kriege Einhalt zu thun, wenn derselbe in ein« Krieg der Verwilderung ausartete, der keine andere Aussicht läßt, als vollstän­dige Vernichtung.

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London, 30. Juni. Im Unterhause fragt Dilke, ob es wahr sl, daß sich der Großfürst Wladimir mit der serbischen Armee an der türkische Grenze befinde. Unterstaats-Secretär Bourke erwidert, so viel die Regierurz in Erfahrung gebracht habe, sei das Gerücht unbegründet. Auf eine Ab­frage Grieve's antwortet Bourke, daß eine Antwort Frankreichs auf den kl- trag wegen einer neuen Zucker - Conferenz eingegangen sei, daß aber die Be­handlungen noch fortgesetzt würden. Er werde über deren Natur Weiterik mittheilen, sobald dieselben beendet seien.

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Petersburg, 30. Juni. Ein von der Verwundetenpflege unter Pr- tectorat der Kaiserin ausgerüsteter Separatzug mit Aerzten, Krankenpfleger, Lazarethmaterial und Proviant ist in Cettinje eingetroffen.

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Belgrad, 30. Juni. Sicherem Vernehmen nach ist das Ultimatum an die türkische Regierung vorgestern nach Konstantinopel abgegangen und bür re morgen oder übermorgen überreicht werden.

Griechenland.

Athen, 30. Juni, Abends. Die Negierung hat, getreu ihrer Friedens Politik, mehrere Individuen, welche die türkischen Provinzen aufwiegeln uni in Griechenland Mannschaften anwerben wollten, an der Grenze verhafte lassen.

Geehrte Redaction!

Auf Grund des betreffenden Gesetzesparagraphen wollen Sie Folgendes in Ihr 1 schätztes Blatt aufnehmen: Die von Ihnen unter der RubrikLocalnotiz" gebrachte Schilverm? der in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag auf dem Seltersweg stattgehabtcn PruAi zwischenGermanen, Teutonen und Heffen" enthält in mehrfacher Beziehung Unwahrheit^, resp. Uebertreibungen und zu Mißverständnissen leicht Anlaß gebende Unklarheiten. Total iv wahr ist, daßdie Polizei geprügelt, Firmenschilder abgeriffen, Dienstmannskarren ausemanc-> geriffen und fortaeschlcppt worden." Unklar und zu Mißverständniß leicht Anlaß gebend ist" Behauptung, daßStiche stattfanden," indem hierdurch beide Parteien gleichmäßig verdacyrg werden. EinStich"fand" allerdingsStatt" und zwar wurde ein Teuton von einem i- Herren, die sich auf Grund irgend welcher, bis jetzt jedoch ganz verborgen gebliebener Mg-E

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