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Samstag, den 3. Juni

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Aietzener "Anzeiger

A«Bse- mb Amtsblatt fit in Kreis Gießen

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Gießen, am 30. Mai 1876.

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Abdul Aziz und Mehemed Murad.

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so. Als er 1859 das Haupt der Verschwörung gegen den Thron seines Bruders Abdul Medjid war, galt er für die Hoffnung der Zukunft und als

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hm gut!" das kann man wohl auch von neuen Fürsten sagen, die ja nach gewiß anerkannten Autorität, die ersten Diener ihrer Staaten sind.

Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mart 50 Pf.

not Bahn.

iben von größlrm Sr r und btfannltn ßW ibtr, angenehmer Auf i. JorauSbeMung i

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^urhauspacbter. |

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Röder.

mch Xew-Orleai von Ml bis ftptM ober zweimal monq iüte63UM. Zwischd.lil

@in endgültiges Urtheil über den soeben vollzogenen Thronwechsel zu fällen, fällt um so schwerer, als es noch an allen Details über deffen Zustande kommen fehlt. Ob sich derselbe aus der Bevölkerung heraus selbstständig ohne A.-./egung aller fremden Elemente vollzogen hat oder ob irgend welcher äußerer Einfluß, z. B. der englische zu demselben mitgewirkt hat, ist eine Frage, die für das Urtheil über die Zukunft von sehr bestimmender Wichtigkeit ist. Es ist bekannt, daß die Sofias die entschiedenen Feinde des russischen Einfluffes find und da Mehemed Murad dieser Partei angehört, so ist die Möglichkeit, daß russischer Einfluß bei dem Thronwechsel im Spiel sei, von vornherein aus­geschloffen, so geneigt man immer sein mag, bei Allem, was in Konstantinopel geschieht, nach den Spuren der russischen Triebfeder zu suchen. Aber trotz dieses UmstandeS haben Rußland und seine Verbündeten schwerlich Anlaß, gegen das fait accompli, so wenig dasselbe auch bisher in ihren Calculationen in Aussicht genommen war, irgend welches Bedenken geltend zu machen. Jeden­falls dürste der neue Sultan zuverlässiger in Versprechungen, den Mächten gegenüber wie im eigenen Lande, und daher mehr geeignet zum Abschluß wich­tiger Verhandlungen sein, als sein Vorgänger. Insofern ist allerdings der Sturz des Abdul Aziz als ein günstiges Ereigniß zu bezeichnen. Wie dem aber sei, wir glauben jedenfalls die Absicht als entschieden unbegründet bezeichnen zu können, die in dem Thronwechsel ein absolut ungünstiges Symptom für die Erhaltung des Friedens zu erblicken glaubt, die von der Präsumtion ausgehend, de» Sturz des Sultans Abdul Aziz sei die Folge von dessen schlaffer und zu Eoncessionen geneigter Haltung, von dem neuen Suiten die größte Energie gegen die Mächte, wie gegen die Insurgenten erwartet. Abgesehen davon, daß Alles, was über Mehemed Murad bekannt geworden ist, eine solche Energie bei demselben schwerlich voraussetzen läßt, würden auch die thatsächlichen Behältnisse ein solches Auftreten schwerlich gestatten. Die Türkei ist bisher nicht einmal mit dem anfänglich kleinen Häuflein Insurgenten »'n der Herzego­wina fertig geworden, sie wird selbst mit der größten Kraftanstrengung jetzt schwerlich deS so erweiterten Aufruhrs Herrin werden. Aber selbst daS Gelin­gen dieser Action vorausgesetzt, kann wohl ohne die faktische Unterstützung irgend einer Großmacht und zu einer solchen Unterstützung dürfte sich Eng­land trotz seiner Haltung schwerlich verstehen von einer sonderlich energi- chen Haltung gegen die Mächte unter solchen Umständen auch Seitens des neuen Sultans schwerlich die Rede sein.

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Berlin, 31. Mai. Im Abgeordnetenhaus wurden heute bei der drit­ten Lesung der Städte-Ordnung entscheidende Abstimmungen der zweiten Lesung, namentlich die Anträge Virchow's und Uhlendorff's, mit 147 gegen 137 Stim­men wieder vernichtet. Windthorst's (Meppen) Antrag, daß bei Wiederwahl die Bestätigung unnöthig sei, wurde angenommen.

Berlin, 31. Mai. DemReichs-Anz." zufolge hat die gemeinsame übereinstimmende Mittheilung, welche die Vertreter Rußlands, Oesterreichs, Frankreichs, Italiens und Deutschlands auf Grund der Berliner Abmachungen am 30./5. an die Pforte zu richten beauftragt waren, durch den inzwischen eingetretenen Thronwechsel einen Aufschub erfahren.

Berlin, 31. Mai. In der hcuiißen Schlußsitzung des Bundesraths, welcher auch der neue Präsident des Reichskanzler-Amts beiwohnte, dankte der

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und pochen, sch^x Gedanken, aber es kommt wahrscheinlich anders. Es ist der" jung-

' ^?othenbelz! türkischen Partei, der Partei der Softas, gelungen, Abdul Aziz, diese Earri- °^^uenwegE^,Mr eines orientalischen Despoten, zu stürzen. Verweichlicht, unwissend, ^^^d^eizknwillig, verschwenderisch, zeigte der Herrscher in Stambul alle diejenigen -^MN^^.Ligeuschasten, welche die Vorsehung den Herren von Staaten zu verleihen Mgt, welche sie zu verderben beschloffen hat. Aber Abdul Aziz war nicht

Erscheint täglich mit Ausnahme des Mont, Expedition: Schulstraße, Lit. B. Nr.

Betreffend: Die Führung der Handelsregister.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Großherzoqlichen Bürgermeistereien des Kreises.

..,r "?"^hncn noch immer irn Rückstände mit der Einsendung der in unserem Amtsblatt Nr. 18 vom 18. September v..J.

Tagebuchs-AuSzüae. Wir bringen daher dre dort getroffene Anordnung wiederholt tn Erinnerung und bemerken zugleich, daß Sie auch dann den @erid)t§5 fdn°e ^Beränber un pen er0ebe§n hEaben^sollten^^"°^^ Mrttheilung über den Stand des Handesregisters zu machen haben, wenn sich im Laufe des verflossenen Vierteljahres 6ab/n bic betreffenden Gerichtsstellen ersucht, uns Mittheilung zu machen, wer von Ihnen noch im Rückstände ist und werden in Fällen fortgesetzter Nicht- berückfichtigung unserer vorerwähnten Vorschrift mit Dlsciplinarstrafen gegen die Säumigen unter Ihnen vorgehen müssen.

___________________________ v. Röder.

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Bekanntmachung.

ddeutechenUiÄüm a n®"tl e r iQ6ier beabsichligen in bem Hint-rhaus- vonHeinrtch Cappkllcr am Weg Nach dem Schiffenb-rg einen Dampfkessel

oatbum 6tffenEduir ,uul clucl ^ocomoone auizuiieuen.

* R ..sehen .SÄmoMZÄÄ 8 ta0en bd bEr nntCriCid,nCt£n yc68rbe' welcher auch Plan und Beschreibung des Kessels -c. ein-

' - 8 Gießen, den 31. Mai 1876. (2921

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tt 1861 seinem Bruder auf dem Throne folgte, ging er wie die Morgenröthe tines neuen Tages am Horizont des osmanischen Reiches auf. Damals sagte Mn von Abdul Medjid ganz daffelbe, was man heute von seinem jüngeren Linder sagt, und man begrüßt des letzteren Thronbesteigung mit der aller- Pößten Freude, mit der lebhaftesten Hoffnung. Keine dieser Hoffnungen hat 16|iw ft) erfüllt, wohl aber ist das Verhängniß seinen ehernen Schritt weiter gegam SS cWSiir wohl haben sich alle Verhältniffe derart gestaltet, daß sicherer noch als . -. «*«! 15 Jahren der gänzliche Verfall des lockeren staatlichen Gefüges der euro-

Dchen Türkei in Aussicht steht. Jn diesem Augenblick ist eine gefährliche "sis ausgebrochen, die Aerzte sind in unmittelbarer Nähe um des Kranken m versammelt; wird der Thronwechsel unter solchen Umständen von bestim- ««"bem Einfluffe sein, wird der neue Regent, den die Fama als feingebildet vernünftigen Reformen zugeneigt bezeichnet, das Wunder vollziehen; wird n eine dem Frieden günstige Wandlung herbeizuführen im Stande sein?

p. In Wirklichkeit sind das Fragen, die man unmöglich beantworten kann, M Wenigsten aber in bejahendem Sinne. Es ist nicht ausgeschlossen, daß es k|r hervorragenden Begabung eines bedeutenden Mannes gelingen könnte, Min­dens die momentane Gefahr zu verringern, vielleicht gar zu beseitigen. Aber »der steht es fest, daß Mehemed Murad solch ein Mann ist, ,bon dem man t der That versehen kann", noch läßt es sich erklären, daß die Dinge in der ta allmählig in eine Lage gerathen sind, die kaum mehr von der Einwir- durch Personen abhängig erscheint. Aber wie dem sein möge, das wird ^erst nach und nach Herausstellen, vor der Hand dürfte in Konstantinopel Ml herrschen und wir hören bereits die Propheten predigen, daß nun das W des Friedens begonnen habe, daß aller Roth und Gefahr ein Ende sei. ^ Wirklichkeit, die nächsten Tage dürften gute Nachrichten, wenn auch nur Mbar gute, bringen, denn was man von den Dienstboten sagt:neue Besen

Der Onkel ist abgesetzt, der Neffe auf den großherrlichen Thron erhoben: ks lebe der neue Sultan I Nun hat die Noth ein Ende, nun beginnen wieder o . Mene Tage für die Türkei; der rückständige Sold an die Armee wird aus-

M Mhlt; die rückständigen Zinsen an die Staatsgläubiger nicht minder, die

' MhM VockE ^ständischen werden in aller Eile besiegt, die Verhandlungen mit den Mächten

d MD glücklichem Ende geführt, der Harem wird entlassen, weise Sparsamkeit tritt bÄTW1111116 stelle der Verschwendung und ist das Alles verwirklicht, dann erläßt Karl Marlc, Dam bultan Mehemed Murad einen neuen Hatti - Humayum, durch welchen er sich ju einer vollkommen freisinnigen Verwaltung, zur Anerkennung des gleichen ^taatsbürgerrechts für alle seine Unterlhanen, kurz zur Umwandlung des Ge> ,n ^"ud)t Meres» vaiistaates (n einen einheitlichen Rechtsstaat verpflichtet!

So mag die Reformpartei heute in Konstantinopel frohlocken. Jn der