Donnerstag, den 3. Februar.
xVo. T8.
1876.
Meßmer Anzeiger
Säx in? Ä&M Mtz
gmcrbeii; ?11' l“tcm ein
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Expedition: Schul st raße, Lit. B. Nr. 18.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
abt b,t A«ße bei 'n .11 , f433
" ^"laae:
M hicr- daß er 'kn unb chlfihtr
»ll Ter,
'8*6. tzast
1S76,
irr tte Schlacht» g l>ks rituale»
Februar, ir:
„ S W.
bei rem
Kn werte"
Uotitischer H H e i f.
Deutschland.
Darmstadt, 1. Februar. Der Präsident des Großherzogl. Gesammt- Ministeriums, Minister Hoffmann, ist gestern Abend von Berlin hierher zürn ckgekebrt.
Mainz, 31. Januar. Im Hotel Wolfram tagten gestern die Delegir- ten der altkatholischen Gemeinden des Großherzogthums. Es waren die Städte Gießen, Offenbach, Beneheim Worms, Mainz, sowie die Gemeinden Osthofen und Ober-Ingelheim durch Deputirte vertreten. Von Gießen waren die Professoren Dr. Witlbrand und Lutterbeck gegenwärtig. Man beschloß an die Großh. Staatsregiernng ein Gesuch eines Altkatholiken-Gesetzes zu richten und die demnächstige Synode zu Bonn durch die Gemeinden Gießen, Mainz. Worms mit je einem, Offenbach mit 2 Delegirten zu beschicken. Es waren circa 40 Delegirtc anwesend, darunter der altkatholische Pfarrer Steinwachs aus Offenbach und der Redacteur des altkatholischcn Boten, Pfarrer Rieks ans Heidelberg , als Gast. In der besten Hoffnung schied man nach Schluß der Bera- thungen, die von 3 Uhr bis um 7 Ubr wäbrten.
Berlin, 31. Januar. Der Reichskanzler hat, der „Weser-Ztg." zufolge, beim Bundesrathe die Aufhebung des Pferdcansfuhr-Verbots beantragt, dieselbe damit motivirend, daß die Grunde, welche den Erlaß desselben im vorigen Frühjahre veranlaßt haben, weggcfallen seien.
Berlin, 31. Januar. Die „Nat.-Ztg." schreibt: „In demselben Allgen-- blicke, wo in Deutschland der Gedanke eines Ueberganges der Eisenbahnen an das Reich das erste officielle Stadium in den Berathnngen des preußischen Staats-Ministeriums durchmacht, vollzieht sich in Italien die analoge Thatsachc der Erwerbung der Privatbahnen durch den Staat in einer Weise, die man jiabeju als ministerielle Staatsstreiche bezeichnen faun. Alsbald aber hat sich fcoit die Luft nut Gerüchten erfüllt, welche die Ehrlichkeit der Operation anzweifeln; Correspondenzen aus Rom entwerfen ein drastisches Bild davon Unwillkürlich lenkt sich der Gedanke darauf, welcher Zustand der öffentlichen Meinung in Deutschland entstehen müßte, wenn die ungeheure Capitalmasse, die in den deutschen Privatbahnen steckt, durch den Beschluß ihrer Erwerbung für das Reich auf einmal auf den Markt käme. Alles, was jetzt an Verdäch tigung und Mißtrauen gegen Regierung und Einzelne zu Tage tritt, wäre ein Kinderspiel gegen das, was uns für solchen Fall erwartete. Wir gestehen, daß diese Gedankenreihe geeignet ist, höchst ernste Bedenken hervorzurufen, wie uns scheint die erheblichsten, die überhaupt gegen das Project ausgestellt werden können. Wir lasten es dahingestellt, ob es möglich sein würde, einen Weg aufzufinden, der die nöthigen Garantieen nicht nur enthält, sondern auch dem blödesten Auge die Gewißheit und Ueberzeugung von diesem Bestehen aufzwingt. Es ist unmöglich, diesen entscheidenden Punkt außer Augen zu lasten, denn kein materieller Vortheil, so groß er wäre, könnte die Nation entschädigen für den moralischen Verlust, der sich an die Ausstreuung der Saat des Mißtrauens knüpfen müßte, für die, wie jeder Tag zeigt, ein so wohl vorbereiteter Boden existirt. Nicht abschrecken wollen wir von dem großen Reform - Project; wir sind aber der Aiisicht. daß es nur gelöst werden kann, wenn man den außerordentlichen Schwierigkeiten, die es bietet, fest tu das Auge steht,"
Berlin, 31. Januar. (Reichstag.) Bei der Besprechung der Interpellation Wiggers äußeut sich v. Schulte, v. Saucken-Tarputschen m.b Weh- renpfennig im Smne des Interpellanten und beklagen, daß die mecklenburgische Regierung Schritte znr Abschwächung der Gesetze getban habe Der mecklenburgische Commistär Prolltus jucht das Verhalten seiner Regierung eifrig zu rechtfertigen, v. Maltzahn unb Windthorst sprechen im Sinne der Bundes- Bevollmächtigten. Die Beantwortung der Interpellation v. Kardorff's in Betreff des Imports von Sprit nach Italien und England sagt Staatsminister Delbrück für Donnerstag zu. Sodann folgt die zweite Lesnitg des Gesetz-Entwurfs über Äenderung des Titel 8 der Gewerbe-Ordnung. Die §§ 141 und 141a werden nach den Commissions-Anträgen genehmigt. Fortsetzung morgen.
Karl-ruhe, 31. Januar. Wie man dem „Frkftr. Journ." schreibt, wird die Großherzogin in Begleitung des Großherzogs zur schnelleren Wiederherstellung chrer Gesundheit Ende Februar eine Reise nach Italien antreten. Dieselben werden mit dem schon dort weilenden Erbgroßherzog zu einem Zeitpunkte zurückkehren, welcher ermöglicht, den Geburtstag des Kaisers in der Heimatd zu feiern. ,
Stuttgart, 1. Februar. Der Hofmaler Gegenbauer von hier, ein sehr hervorragender Historienmaler, ist gestern in Rom gestorben.
MLuchem, 29. Januar. Der König ist diesen Abend aus Hohenschwangau wieder hier ettigetroffen. Herr Staatsrath v. Eisenhart und die anderen Herren des Königl. Cabinets waren bereits gestern hier etngetroffen. Der Staatsrath im ordentlichen Dienste, H. v. Schubart, ist auf sein Ansuchen in Ruhestand versetzt und an seiner Stelle der Ministertalrath im Ministerium des Innern, F. v. DiUiS, zum Staatsrath ernannt worden.
Oesterreich.
Wien, 30. Januar. Franz Deak ist tobt! hallt es durch die Länder der Stephauskrone und hallt es nach durch die Länder dieffeits der Leitha; und in der That, „der alte Herr", dessen Leben seit Jahren an einem seidenen Faden ding, kann in keinem kritischeren Augenblicke sterben, als gerade jetzt. Diese Todesbotschaft konnte kaum überraschen, und doch wirkt sie wie etwas Außergewöhnliches, obgleich Deak's politische Rolle ausgespielt schien, nachdem die Deak-Partei den Schwierigkeiten erlegen war, die ihr durch die Finanzlage des Landes gemacht wurden. Deak war ein großer Patriot, rein, selbstlos, besonnen, zu rechter Zeit fest und zu rechter Zeit nachgiebig, er war eine Ca- pacität ersten Ranges, nicht so die Deak-Partei, die „des alten Herrn" nicht ganz würdig war. Die Kränklichkeit Deak's und die Trägheit und Zerfahrenheit der Deakisten machten es zur Nothwendigkeit, daß ein Stärkerer das Nuder ergriff; dies war Tisza, und nm ihn schaarte sich nun die neue liberale Partei. Aber Deak hatte seiner Zeit genug gethan und hat gelebt für alle Zeiten; der Ausgleich Ungarns mit Oesterreich war sein Werk, war die Blü- thenkrone, die ans seiner politischen Thätigkeit sich im Naturverlauf entwickelt HAte. Und jetzt? Ueber das offene Grab des Patrioten braust der Wind der neu erwachten Eifersucht zwischen den Ländern diesseits und jenseits der Leitha; auf Tisza's Schultern lastet schwere Versntwortlichkeit, und er ist sich dessen bewußt.
Wien, 31. Januar. Die „Polit. Corresp." veröffentlicht ein Telegramm , welches der österreichische Minister-Präsident, Fürst Auersberg, sofort nach dem Eiulangen der Trauer-Nachricht von dem Tode Deak's an den ungarischen Finanzminister Szell gerichtet hat und in welchem er anläßlich des Ablebens des großen Patrioten uiib^ Staatsmannes seine und seiner Coüegcn innigste Thcilnahme ausspricht. Szell beantwortete den Beileids-Ausdruck sofort telegraphisch, indem er dem Fürsten seinen wärmsten Dank dafür anssprach.
Wien, 31. Jannar. Der Kaiser empfing heute Nachmittag 2 Uhr den bisherigen deutschen Botschafter, Generallieutenant v. Schweinitz, m feierlicher Abschiedsaudienz und nahm dessen Abberufungsschreiben entgegen.
Wien, 1. Februar. Das „Telegr. -Corresp.-Bureau" meldet: Von bester Seite geht unS folgendes Telegramm zu: „Konstantinopel, 1. Februar. Der österreichisch-ungarische Botschafter Graf Zichy hat nachdem er, feinen Instructionen gemäß, die Vertreter der übrigen Mächte von dem von ihm zu unternehmenden Schritte verständigt hatte, dem Münster des Aenßcrn, Raschid Pascha, gestern die zwischen den Nordmächten vereinbarten Reform-Vorschläge mitgetheilt und demselben auf Verlangen Abschrift seiner Mittheilung zurückgelassen. Unmittelbar darauf entledigten sich der russische und der deutsche Botschafter in ganz gleicher Weise ihrer diesbezüglichen Mission. Dieser Schritt der Vertreter der Nordmächte wurde noch gestern von den Vertretern der drei übrigen Signatarmächte auf das Nachdrücklichste unterstützt. Raschid Pascha erklärte dem österreichisch-ungarischen Botschafter, er hoffe, in wenigen Tagen die Antwort der Pforte mittheilen zu können.
Arankreich.
Pari^, 31. Januar. Don der spanischen Grenze wird gemeldet: Die Negierungs - Truppen haben am 29. d. Mts. das Fort Aratzain angegriffen, wurden indeß mit einem Verlust von 200 Mann, unter welchen sich ein Oberst befand, zurückgeschlagen. General MorioneS ist gegen Azpeilia vorgerückt, die Generale Loma und Quesada gegen Durango. Nach Berichten aus Navarra hat Martinez Campos sich der Höhen von Velate bemächtigt.
Pari-, 31. Januar. Privat Depeschen aus Bilbao ssllen melden, daß Quesada gestern in Durango eingtLückt und General Loma Herr der Encar- tationes sei.
Parts, 31. Januar. Die „Agence Havas" meldet: Ragllsa, 31. Jan. Die Insurgenten stellten sich den tüikiichen Truppen bei Clipovicza entgegen und nöthigten dieselben, sich zurückzuziehen. Der Rückzug der Türken erfolgte unter dem Schutze ihrer Artillerie.
Paris, 31. Januar. Die Journale constatiren, daß die Wahlen eine constitutionelle Majorität sichern, daß sie eine Niederlage für die Bonaparti- sten und die anderen Anhänger einer Verfassungs-Revision involviren.
Paris, 31. Januar. Aus Madrid meldet die „Agentur Havas", ter Deutsche Kaiser habe den Wunsch ausgesprochen, eine genauere Einsicht in den spanischen Krieg zu gewinnen, und der deutsche Gesandte werde daher dic Pläne nach Berlin senden.
England.
London, 31. Januar. Der „Daily NewS" wird ans New-Aork gemeldet : Der demokratische Deputirte Springer brachte im Congceß eine Bill ein, nach welcher allen im AnSlande befindlichen St.iats-Angehöriaen der Per-


